Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Themenzentrierte Interaktion. 3
2.1 Wortbedeutung der Themenzentrierten Interaktion 4
2.2 Ruth C. Cohn’s „Globe" 4
2.3 Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion. 5
2.3.1 Die Axiome. 6
2.3.2 Die Postulate. 7
2.3.3 Die Hilfsregeln. 8
2.4 Darstellung der Bedeutung und Leitung im Sinne der TZI in interaktiven
Prozessen 11
2.5 Grundmuster menschlichen Verhaltens 11
3 Selbstgesteuertes Lernen. 14
3.1 Begriffsdefinitionen: Lernen selbstgesteuertes Lernen 14
3.2 Die nichtklassische Interpretation der Theorie der Selbstorganisation nach
Walter Dürr. 15
3.3 Motivationstheorien: 15
3.3.1 Intrinsische Lernmotivation 15
4 Wege zum selbstgesteuerten Lernen - Zentrale Merkmale und
Voraussetzungen.................................................................................................... 18
5 TZI in der Praxis / das Beispiel der Bläserklasse 19
6 Literatur. 21
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1 Einleitung
„Des hau i ganz alloi glernt!“ (Ich habe das ganz alleine gelernt) (Schüler einer 5.Klasse in Schwaben)
Die Rolle des selbstgesteuerten Lernens im Kontext meiner Arbeit mit den Bläserklassen ist von enorm wichtiger Bedeutung. Normalerweise könnte man meinen, dass gerade bei der Arbeit im fachpraktischen Tun im Klassenverband der Lehrer - der Dirigent - quasi diktatorisch vorgibt, wo es lang geht. Das Geheimnis des Erfolgs sieht aber anders aus, gerade das eigene Tun der Schüler, das motivierte, individuelle Selbsterfahren im Verbund bringt den Erfolg. Dies kommt oftmals einer Neudefinition der Lehrkraft gleicht, da sie ihr gesamtes Tun und Auftreten neu ausrichten muss. Mit hat in diesem Kontext die TZI - die themenzentrierte Interaktion - nach Ruth C. Cohn unschätzbare Verdienste geleistet und ja, ich gebe es offen zu: je länger ich mich mit der TZI befasse, desto begeisterter bin ich von ihr!
Die TZI kann als eine Art von Gesellschaftsmodell angesehen werden. Ich möchte in dieser Arbeit die Theorie der Themenzentrierten Interaktion - in der kürzestmöglichen Fassung -, im Besonderen ihr Leitungsverständnis hernehmen und damit verbunden einen praktikablen Weg für Lehrkräfte zum selbstgesteuerten Lernen erhellen.
Das edelste und höchste Ziel einer Lehrkraft ist es, die Lernenden soweit zu begleiten, dass man selber nicht mehr benötigt wird. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß auf dem gemeinsamen Weg mit den Schülerinnen und Schülern.
2 Die Themenzentrierte Interaktion
In diesem Kapitel beschreibe ich die Themenzentrierte Interaktion. Die Themenzentrierte Interaktion wird als TZI abgekürzt. Erst werde ich den Begriff definieren und umschreiben, dann auf Ruth C. Cohn und ihre geschichtlichen Hintergründe eingehen. Anschließend wird die theoretische Grundlage der TZI
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erörtert. Schließlich werde ich eine mögliche Umsetzung am Beispiel des Leiten durch Interventionen vorstellen.
2.1 Wortbedeutung der Themenzentrierten Interaktion
Nach Adams et. al. (Duden, Lexikon) bedeuten die Worte, aus denen sich TZI bildet, folgendes:
Thema (gr.): 1.) Aufgabe, (zu behandelnder) Gegenstand, Gesprächsstoff; 2.) der einem Tonstück (Sinfonie, Sonate, Fuge) zugrunde gelegte, in sich selbst vollendete, aber weiter zu verarbeitende Grundgedanke. (Adam et. al., Buch 9, S. 3776) Zentrieren (lat.): auf die Mitte (Zentrum) einstellen. (Adam et. al., Buch 10, S. 4175) Zentrum (lat.): 1.) Mittel (punkt); 2.) Innenstadt. (Adam et. al., Buch 10, S. 4176). Interaktion (lat.): Wechselbeziehung zwischen einander ansprechenden Partnern; Grundlage der Sozialisation. (Adam et. al., Buch 5, S. 1832).
2.2 Ruth C. Cohn’s „Globe"
Ruth Cohn’s Streben nach einer menschlichen, lebendigen und nachhaltigen Pädagogik, ihre tiefe humanistische Überzeugung werden verständlicher, wenn man sich mit Ihrem Globe (hier im Sinne der TZI als Umgebung gemeint) befasst. Sie ist 1912 in Berlin mit deutsch-jüdischer Abstammung geboren, floh 1933 nach Zürich und wanderte 1941 in die Vereinigten Staaten aus. Die zeitlichen und geschichtlichen Hintergründe, die bedeutend dazu beigetragen haben, dass Ruth C. Cohn die Entwicklung und Schaffung der Themenzentrierten Interaktion vorantrieb, wird durch ihren Lebenslauf deutlich (siehe Anhang). Ihr Bestreben nach einer menschlichen und lebendigen Pädagogik, ihre tiefe humanistische Überzeugung, wurde durch ihre unmenschlichen Erfahrungen wie Vertreibung und Flucht genährt. Ruth Cohn erkannte in der Entrinnung vor den Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges ein schicksalhaftes Geschenk und es blieb für sie ein Leben lang eine entscheidende Aufforderung, aus dieser Gabe etwas für die Menschheit zu machen (vgl. Cohn, 1999, S.213).
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2.3 Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion
Das der TZI zugrunde liegende Menschenbild orientiert sich stark an der humanistischen Psychologie, welche sich gegen die mechanistischen Theorien der Psychoanalyse und des Behaviorismus abgrenzt. In der humanistischen Psychologie werden Theorien gefordert, die dem gesunden, normalen, natürlichen und schöpferischen Menschen besser gerecht werden (vgl. Wellhöfer, 2001, S. 110). Ruth Cohn schildert, dass sie das Modell ihrer Methode erträumt hat. Sie sah im Schlaf eine gleichseitige Pyramide, durch welche ihr klar wurde, dass vier Punkte ihre Gruppenarbeit bestimmen. Die einzelnen Punkte sind miteinander verbunden und gleich wichtig.
1.) ICH, die Person, die sich dem Thema, den anderen und sich selbst zuwendet. 2.) WIR, die Gruppenmitglieder, die durch die Zuwendung zum Thema und ihrer Interaktion zur Gruppe werden
3.) ES, das Thema, die von der Gruppe behandelte Aufgabe 4.) GLOBE, das Umfeld, das die Gruppe beeinflusst und von ihr beeinflusst wird - also die Umgebung im nächsten und weitesten Sinn (vgl. Cohn, 1999, S. 342 ff.)
Die Diplompsychologin und TZI-Ausbildnerin Barbara Langmaack beschreibt das oben abgebildete Modell als eine Hintergrundfigur, welche einer Gruppenleiterin als ständige Begleiterin zur Seite steht. Ein Modell, das während der Sitzung hilft, einen Teil der Dynamik zu verstehen, Ansatzpunkte zur Balance wahrzunehmen und zu nutzen (vgl. Langmaack, 1985, S.109).
Eine der wichtigsten Grundlagen in der TZI sieht Cohn im Prinzip der dynamischen Balance. Die Balance zwischen den vier Gegebenheiten (ICH, WIR, ES, GLOBE) ist nie vollkommen und starr, sondern bedarf einer relativen, dynamischen Ausgeglichenheit, welche sich in der Balance zwischen physischen, emotionalen, intellektuellen und spirituellen Bedürfnissen und Wünschen befindet. Dabei schließt
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sie auch die Balance zwischen Geben und Nehmen, Hören und Empfangen sowie Aktivität und Ruhe mit ein (vgl. ebd. S. 114 ff.). Weitere Grundlagen der TZI sind die Axiome, Postulate und die Hilfsregeln.
2.3.1 Die Axiome
Ruth Cohn definiert die Axiome als den Boden, auf dem die TZI-Methodik verstanden werden muss, um die entscheidenden Voraussetzungen für eine positive gruppentherapeutische und -pädagogische Wirkung zu erzielen (vgl. Cohn, 1999, S. 356).
1) Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit. Er ist auch Teil des Universums. Er ist darum autonom und interdependent. Autonomie (Eigenständigkeit) wächst mit dem Bewusstsein der Interdependenz (Allverbundenheit). Menschliche Erfahrung, Verhalten und Kommunikation unterliegen interaktionellen und universellen Gesetzen. Geschehnisse sind keine isolierten Begebenheiten, sondern bedingen einander in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. (Cohn, 2000, S. 120) 2) Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; Inhumanes ist wertebedrohend. (ebd., S. 120) 3) Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äußerer Grenzen.
Erweiterung dieser Grenzen ist möglich. Unser Maß an Freiheit ist, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und geistig gereift sind, größer, als wenn wir krank, beschränkt oder arm sind und unter Gewalt und mangelnder Reife leiden. Bewusstsein unserer universellen Interdependenz ist die Grundlage humaner Verantwortung. (ebd., S. 120)
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Arbeit zitieren:
Dietmar Leichtle, 2009, Die Bedeutung der TZI im selbstgesteuerten Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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