1 Einleitung
In meiner Facharbeit werde ich den Einfluss von Medien, speziell neuer Medien in grundsätzliche Fragen des Lebens behandeln. Den Anreiz für meine Themenwahl fand ich in verschiedenen Bereichen meines Alltags. Ich lese täglich Zeitung und nutze das Internet. Wer gleiches tut, wird sicherlich merken, wie sich Fernsehen, Zeitung und Nachrichten häufig widersprechen. Klare und vor allem zuverlässige Informationen zu bekommen ist nur schwer möglich, vor allem nicht für unwissende Menschen, oder solche die sich nur als Rezipienten des Rundfunks betätigen und in ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit gefangen bleiben.
Anfangs wollte ich mich auf den Einfluss auf Jugendliche begrenzen, allerdings war das Angebot an Fachliteratur ohnehin schon spärlich, Quellen die sich speziell mit dieser Thematik auseinandersetzen waren leider nicht zu finden. Also formulierte ich mein Thema um und überlegte mir „Medien und wie sie Geschichte machen“, denn meine Facharbeit behandelt nicht nur den Einfluss und Umgang mit Medien an sich, sondern auch wie Medien ihre innerstaatliche Stellung der vierten Gewalt 1 festigen konnten. Dazu muss als erstes die Transformation des medialen Einflusses und des Medienapparates selbst untersucht werden.
Ich habe mich bei der historischen Aufarbeitung der Thematik auf die späte Neuzeit, beziehungsweise Neueste Geschichte und alles Folgende, beschränkt um den Rahmen dieser Facharbeit nicht zu sprengen.
Den Anfang findet meine chronologische Zusammenfassung in der dritten Medienrevolution, Mitte des 19. Jahrhunderts. Im nächsten Kapitel werde ich den Einzug elektronischer Medien in den Alltag der Gesellschaft schildern, danach die globalisierte Digitalisierung mittels neuer Medien. Den Einfluss von Medien, in politischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht werde ich im nächsten Abschnitt erläutern. Dem folgt die Auswertung meiner praktischen Arbeit, eine demoskopische Erhebung mittels einer Umfrage, welche online über ein Formular durchgeführt wurde.
1 http://www.uni-lueneburg.de/medienkulturwiki/medienkulturwiki2/index.php/Medien/Systematisierung_von_Medien_na ch_Technikeinsatzleipzig.de/~eurlaw/cms/cms/upload/Material_Kotzur/WS_2006_07/Medien_als_vierte _Gewalt_im_Staat.pdf
2.1 Medienwandel im Industrie- und Massenzeitalter
In Deutschland war das 19.Jahrhundert und dessen medienkulturelle Umwälzung geprägt von vier, symbiontischen Schlüsselphänomen, nämlich Bevölkerungswachstum, technischer Fortschritt, Industrialisierung und eine immer deutlichere gesellschaftliche Schichtendifferenzierung.
Das massive Bevölkerungswachstum von circa 26 Millionen Menschen, zwischen 1830 und 1900 auf 56 Millionen Einwohner 2 , erfolgte im Kontext der Industrialisierung, besonders sprunghaft ab 1860 in den großen Städten des Ruhrgebietes. Die dadurch begründete, anfängliche, Massenverarmung und Migration wurde allerdings schnell durch wirtschaftlichen Aufschwung und verbesserte Lebensstandards abgelöst. Die positiven Effekte der gesteigerten Bevölkerungsanzahl waren nur durch den technischen und naturwissenschaftlichen Fortschritt dieser Zeit möglich, revolutionäre Erfindungen veränderten und erleichterten das Leben der Bevölkerung maßgeblich, wie beispielsweise
die Dampflokomotive, der Elektromotor, die Glühlampe oder der Kühlschrank, all diese nahmen Einfluss auf die Lebensgestaltung jener Zeit.
Bei diesem Fortschritt handelt es sich natürlich um ein Merkmal der, globalen, industriellen Revolution. Eben jene brachte einen großen ökonomischen Umschwung, weg von einer einfachen, lokalen Marktwirtschaft, hin zu einer kapitalistisch orientierten. Weg von der agrarischen Produktion, hin zur industriellen Massenproduktion.
Der Mechanisierung oder Maschinisierung folgte die Zeit der Gründer und Unternehmer, monopolistische Konzerne und Kartelle wurden geschaffen, genauso Großbanken und Aktiengesellschaften.
Aus den anfänglich ökonomisch orientierten Veränderungen folgten natürlich auch soziale.
Das alte Modell der bürgerlichen Stände zerbrach und wurde am Ende des Jahrhunderts durch eines der kapitalistischen Massengesellschaft abgelöst 3 .
Die Gesellschaftspyramide wurde im gesamten differenzierter und breiter. Oben standen Unternehmern oder Politiker, die neue Mittelschicht gründete sich auf Rechtsanwälte, Ärzte oder Lehrer.
Die soziale Unterschicht bildeten unter anderem Tagelöhner, Dienstboten Bettler und Prostituierte.
Ein Wandel der Gesellschaft, Industrie und Technik ging natürlich mit einem Wandel der Medien einher. Im Jahre 1854 entstand das erste Bundesgesetz, das die Pressefreiheit, mit bestimmten Einschränkungen, in den Grundrechten der Bevölkerung etablierte.
Bis zur Gründung der Weimarer Republik blieb dieses Gesetz auch weitestgehend unangetastet, so wuchs der Einfluss der Medien auf politische Sphären. Der ab 1830 boomende Zeitungsmarkt, die Bedeutung des Journalismus als medienübergreifendes System zur Informationsofferierung und die Bedeutung des Flugblattes als Meinungsbildendes Instrument der Öffentlichkeit stieg ebenfalls in jener Zeit.
Vor allem zu Zeiten der Revolution, 1848 oder während des deutsch-französischen Krieges lässt sich deren Bedeutung erkennen. Ende des neunzehnten Jahrhunderts
2 Mediengeschichte von 1700 bis ins 3. Jahrtausend ; Seite 60
3 Mediengeschichte von 1700 bis ins 3. Jahrtausend ; Seite 61
4
hielten die elektronischen Medien, wie Telefon, Schallplatte und Film Einzug in die mediale Wirklichkeit der Bevölkerung. Tatsächlich ist von medialer Wirklichkeit zu sprechen, sowohl optischer als auch akustischer. Vor allem Schallplatte und Film suggerierten eine direkte Wiedergabe von Wirklichkeit mit dem Anschein unverstellter Unmittelbarkeit 4 .
2.2 Einzug elektronischer Medien
Die Entfaltung der neuen elektronischen Welt des zwanzigsten Jahrhunderts sah Aufstieg und Hochzeit vor allem der neuen Massenmedien. Hörfunk, Film, Fernsehen, Schallplatte und Video leiteten, nicht unbedingt den Untergang, auf jeden Fall aber den Niedergang klassischer Primärmedien 5 wie Theater oder Oper ein. Tertiärmedien 6 , wie Sekundärmedien 7 konnten mittels der neuen, elektronischen
Massenmedien erst solche werden und der ganzen Gesellschaft zugänglich gemacht werden.
Dominante Funktion der Medienkultur von 1900 bis 1990 insgesamt, war Herrschaft. Primär ging es in der ersten Hälfte dieser Zeit um Macht, auf politischer Ebene, in der zweiten Hälfte waren ökonomische Interessen vorrangig.
Für die gesamte Zeitspanne muss Zeitung und Zeitschrift eine gesellschaftsprägende Bedeutung zugesprochen werden. Allerdings ist diese Bedeutung nicht nur positiv zu sehen, bedeutendste Beispiele sind Weimarer Republik und Drittes Reich, worauf ich in 3.1 noch eingehen werde. Nach 1945 taten sich beide als Instrumente zu Stärkung einer demokratischen Öffentlichkeit hervor und wuchsen in eine positivere Rolle. Das Buch wurde allmählich verdrängt durch die neuen Tertiärmedien wandelte sich vom Kulturmedium über das Massenmedium zum Elitemedium, welches um seine Rezipienten kämpfen musste.
Zahlreiche andere Medien wie das Blatt, der Brief, das Foto, das Heft, das Plakat und das Telefon boomten mit ganz unterschiedlichen Funktionen, verbargen ihren Mediencharakter jedoch hinter der Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit ihres Gebrauchs. Dies lässt sich vor allem am Medium Telefon und seiner, aus dem Alltag nicht mehr wegzudenkenden, Relevanz erkennen. Ebenso errang die Fotografie als öffentliches Gedächtnismedium in der Konnexion mit Zeitung, Zeitschrift und Plakat eine zentrale Rolle des visuellen Zeitalters.
Das Radio hingegen entwickelte sich vom Leitmedium des 2. Weltkrieges zum Begleitmedium, hauptsächlich verdrängt durch das unterhaltsamere Fernsehen. Das Fernsehen schließlich steht für das neue Leitmedium schlechthin in Deutschland auch über die Jahrhundertwende hinaus. Es war und ist sowohl Forum für den
4 Mediengeschichte von 1700 bis ins 3. Jahrtausend ; Seite 62
5 Primärmedien: Primärmedien sind leibgebunden und treten in der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht auf, in der unmittelbaren Verständigung zwischen Menschen. Somit sind alle Medien gemeint, die keinen Einsatz von Technik für die Vermittlung benötigen
6 Tertiäre Medien sind solche Medien, bei denen sowohl die Produzenten als auch die Rezipienten "Geräte" benötigen (vgl. Pross 1972: 224). Beginnend mit der Telegraphie haben sich im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche elektronische Kommunikationsmittel gebildet. Wie die Telegraphie sind auch das Telefon, der Rundfunk und das Fernsehen als technische Transportmedien beschreibbar, bei denen zum Senden, zum Transport sowie zum Empfang des Medieninhalts technische Geräte nötig sind.
7 Die Sekundärmedien unterscheiden sich von den Primärmedien durch den Einsatz von Technik auf der Produktionsseite und sind damit in gewisser Weise ihre Nachfolger. Unter den Begriff der Sekundärmedien fallen zum Beispiel die Schriftrolle, der Kalender, das Buch und mit Erfindung der Druckerpresse zudem die noch heute geläufigen Medien Zeitung, Zeitschrift, Brief, Flugblatt, Buch, Plakat und Heft.
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politischen und kulturellen Austausch als auch serielle Unterhaltungsmaschine für jedermann.
Dabei vollzog sich eine Unterordnung von Kommunikation, Information und Kultur unter rein ökonomische Interessen, welche bereits beim Hugenberg-Konzern zu erkennen war. Dieser war von 1914 bis 1933 als erste Mediengruppe Deutschlands unter Führung der nationalkonservativen Ausland GmbH. Sie war für die Propagandaorganisation der deutschen Schwerindustrie zuständig und bis zur teilweisen Verstaatlichung 1933, die größte und profitabelste Mediengruppe. Die ökonomische Neuorientierung der Medien dauerte bis in die 80er Jahren an und fand in Gestalt der großen Medienmultis, allen voran Bertelsmann und die Axel Springer AG, ihre Vollendung.
Die neue elektronische Welt Ende des 20. Jahrhunderts zeigt den Sieg der Kommunikations- und Medienindustrie über das politische, das soziale und das kulturelle Subsystem der Gesellschaft und seine jeweiligen Wertvorstellungen.
2.3 Globalisierung und Digitalisierung
Die deutsche Medienlandschaft befindet sich erneut in der Phase eines fundamentalen Medienumbruchs, welcher in manchen Augen fast abgeschlossen ist. Von der Dominanz der elektronischen zu Dominanz der digitalen Medien. Dieser Abschnitt hat allerdings gerade erst begonnen, die Einschätzungen verschiedener Medienwissenschaftler 8 divergieren stark. Allerdings wird diese Entwicklung auch überschätzt. Nach wie vor weisen Printmedien wie Zeitung und Zeitschrift und Tertiärmedien wie Fernsehen und Radio noch die größte gesellschaftliche Dominanz auf.
Tatsächlich spielen die digitalen Medien bereits eine große Rolle, der Wandel zu einer allgemein aufgeschlosseneren Gesellschaft ist in deren Mediennutzung erkennbar. 9 Die Nutzung von Quartärmedien steigt stetig an, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Kinder und Jugendliche wachsen wie keine zweite Generation zuvor in einer stark von Medien geprägten Welt auf. Dies gilt ganz besonders hinsichtlich der sogenannten Neuen Medien - Computer, Internet und Online-Dienste. Neuester Sammelbegriff ist „Medien 2.0“, gemeint sind Podcasts 10 , Blogs 11 , Wikis 12 oder soziale Netzwerke. All diese haben selbstverständlich Einfluss auf Jugendliche, Kinder und deren Entwicklung, ihre Meinungsbildung oder ihre grundsätzliche, politische Einstellung und Mentalität.
Laut EIAA 13 hat das Internet das Fernsehen seit 2007 als meist genutztes Medium abgelöst.
Europaweit sind circa 82 Prozent der zwischen 16 und 24 Jährigen im Internet aktiv, lediglich 77 Prozent sehen regelmäßig fern. In Deutschland sind es 75 und 66 Prozent. Sieht man von der Altersdifferenzierung ab, ist in Europa mit 86 Prozent allerdings das Fernsehen nach wie vor meistgenutztes Medium. Dies wird sich in den nächsten Jahren
9 Quartärmedien: Digitale Medien, produziert mittels Informationstechnologie
10 Podcasting bezeichnet das Produzieren und Anbieten von Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet.
11 Ein Blog ist ein auf einer Website geführtes und damit, meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal.
12 Wikis sind verbreitete, leicht zu bedienende Systeme, die es ermöglichen, Inhalte im Internet zu veröffentlichen, die von einer großen Anzahl von Nutzern bearbeitet werden können.
13 http://www.eiaa.net/news/eiaa-articles-details.asp?id=152&lang=3
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Arbeit zitieren:
Christopher Pohl, 2009, Medien und wie sie Geschichte machen, München, GRIN Verlag GmbH
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