Wir leben am Ende eines Jahrhunderts, das im Rahmen von stetem
Wandel und rasant fortschreitenden Modernisierungen gerade für
Kinder und Jugendliche eine Reihe an Veränderungen mit sich
gebracht hat. Heutzutage wird ihnen im günstigen Fall nicht nur ein
größeres Maß an Freiheit und gleichberechtigter Behandlung zuteil,
vielmehr erwartet die Gesellschaft von ihnen auch ein höheres Maß
an Vernunft, Selbständigkeit, kritischem Denken und
eigenverantwortlichem Handeln.
Generell schlagen sich wesentliche gesellschaftliche Veränderungen
immer auch in der Literatur nieder. Daher fragt sich der kritische
Beobachter, in welcher Weise jene Veränderungen gerade in die
moderne Kinder- und Jugendliteratur ihren Einzug halten; inwieweit
sie den Ansprüchen und Wünschen der jungen Leserschaft gerecht
werden können und eine Lebenswelt widerspiegeln, in der sie sich
selbst finden. Die exemplarische Bearbeitung dreier
kinderliterarischer Neuerscheinungen aus dem Bereich der
Abenteuerliteratur soll sich den vorgenannten Fragestellungen nähern
und die entsprechenden Positionen herausarbeiten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Abenteuerliteratur als kinder- und jugendliterarische Gattung
2.1 Zum Begriff der Abenteuerliteratur
2.2 Funktion von Abenteuerliteratur
3 Kurze Inhaltsangaben
3.1 William Sleator: Gefährliche Wünsche. Dtv: München 1997
3.2 Wolfgang Kuhn: Die grüne Maske. Dtv: München 1998
3.3 Michael Hatry: Die Puppe im Feuer. Dtv: München 1997
4 Analyseaspekte
4.1 Sprache und Stil
4.2 Ort und Zeit der Handlung
4.3 Auffassung vom Kind- und Erwachsensein; Stärkung/Schwächung der kindlichen Autonomie
4.4 Förderung sozialer Phantasien im Vergleich zu den eigenen sozialen Verhältnissen
5 Schlußbemerkungen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die moderne Kinder- und Jugendliteratur gesellschaftliche Wandlungsprozesse widerspiegelt und den Bedürfnissen der jungen Leserschaft entspricht. Durch die exemplarische Analyse dreier Werke der Abenteuerliteratur wird erforscht, wie Autonomie, soziale Phantasien und moderne Lebenswelten in aktuellen Erzählungen dargestellt werden.
- Gesellschaftlicher Wandel in der Kinder- und Jugendliteratur
- Gattungsmerkmale und Funktionen von Abenteuerliteratur
- Sprachliche Gestaltung und Erzählperspektiven in Jugendbüchern
- Darstellung von Kind- und Erwachsensein sowie kindlicher Autonomie
- Vermittlung sozialer Problemfelder und kultureller Vielfalt
Auszug aus dem Buch
4.1 Sprache und Stil
Alle drei Abenteuergeschichten werden in der Vergangenheitsform und aus der Perspektive einer dritten Person erzählt, die nicht unmittelbar am Geschehen beteiligt ist, die sich aber dennoch als stiller Begleiter der Protagonisten und ihrer Erlebnisse und Gedanken zeigt. Dabei lehnt sich der Erzähler des Buches „Gefährliche Wünsche“ vorwiegend an die Sichtweisen der beiden Protagonisten Dom und Lek an. Ebenso verfährt auch der Autor des Buches „Die grüne Maske“. Hier schildert der Er - Erzähler das Geschehen im Wesentlichen aus der Sicht der beiden Protagonistinnen Suzanne und Isabelle. Michael Hatry schließlich heftet seinen Erzähler an die Fersen von Mascha, Katja und Christian – die Hauptakteure seiner Abenteuergeschichte.
Ferner läßt sich bei jedem der drei Bücher eine Aufteilung in Einleitung, Hauptteil und Schluß vornehmen. Eine Besonderheit soll hier nicht unerwähnt bleiben: Kuhn hat den chronologischen Ablauf seiner Abenteuergeschichte insofern kurzweilig unterbrochen, als er der Einleitung den Ausschnitt einer zukünftigen Szene vorangestellt hat. Zusätzlich hat er einen Anhang mit Informationen über den Völkerstamm der Maya an den Schluß angefügt.
Jedes der drei Bücher ist verständlich in Sätzen von mittlerer Länge geschrieben. Sleator besticht ferner durch eine elegante Ausdrucksweise, die häufige Wortwiederholungen zu vermeiden weiß. Bei Kuhn ist der verstärkte Einsatz von Adjektiven und Attributen zu beobachten. Er ist offensichtlich um eine anschauliche Darstellungsweise bemüht. Hatry gebraucht in seinem Text auffallend viele Wortwiederholungen, insbesondere benutzt er ständig gleiche Hilfsverben wie z.B. „hat, hatte, war, waren“. Dadurch und durch eine häufig gleichartige Satzkonstruktion, die zumindest im ersten Drittel des Buches wenig Abwechslung bietet, entsteht eine gewisse Monotonie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den gesellschaftlichen Wandel am Ende des Jahrhunderts und dessen Einfluss auf die moderne Kinder- und Jugendliteratur, wobei die Forschungsfrage nach der Widerspiegelung dieser Veränderungen in der Literatur gestellt wird.
2 Abenteuerliteratur als kinder- und jugendliterarische Gattung: Dieses Kapitel definiert die Gattung der Abenteuerliteratur anhand zentraler Merkmale wie Erzählstruktur, Spannungserzeugung und Funktion für das menschliche Wesen.
3 Kurze Inhaltsangaben: Hier werden die drei untersuchten Werke von William Sleator, Wolfgang Kuhn und Michael Hatry kurz inhaltlich zusammengefasst, um die Grundlage für die anschließende Analyse zu bilden.
4 Analyseaspekte: Dieser zentrale Abschnitt untersucht die untersuchten Bücher hinsichtlich Sprache, Stil, Handlungsort, Darstellung der Autonomie und der Förderung sozialer Phantasien.
5 Schlußbemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, inwieweit die untersuchten Werke moderne Kriterien erfüllen und stellt fest, dass die Kinderliteratur weiterhin stark auf traditionellem Erzählen basiert.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Jugendliteratur, Abenteuerliteratur, Gesellschaftlicher Wandel, Erzählstruktur, Autonomie, Spannung, Sprachstil, Sozialisation, Kulturdarstellung, Moderne, Analyse, Leserschaft, Identitätsbildung, Motivik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie eine sich modernisierende Gesellschaft in der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur abgebildet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der Gattung Abenteuerliteratur, die Darstellung von Autonomie sowie die Reflexion sozialer Verhältnisse in den Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszuarbeiten, inwieweit moderne Kinder- und Jugendliteratur den Ansprüchen junger Leser gerecht wird und aktuelle gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine exemplarische Literaturanalyse auf Basis definierter Analysekriterien angewandt, um drei spezifische Neuerscheinungen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Inhaltsangaben und eine vergleichende Analyse bezüglich Sprache, Stil, Ort, Zeit sowie der Auffassung von kindlicher Autonomie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderliteratur, Abenteuerliteratur, Autonomie, Gesellschaftlicher Wandel und literarische Analyse.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Autonomie zwischen den Autoren?
Während Sleator und Hatry ihre Protagonisten als selbstständige, gleichberechtigte Akteure darstellen, werden die Figuren bei Kuhn häufiger durch Erwachsene bevormundet.
Welche Rolle spielen soziale Phantasien in den analysierten Büchern?
Die Bücher sensibilisieren Leser für fremde Lebensweisen und soziale Problemfelder, wobei das Werk von Hatry besonders durch den Bezug zur nahen Alltagswelt zur Reflexion anregt.
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- Andrea Hoesch (Author), 2000, Wie hält eine sich zunehmend modernisierende Gesellschaft Einzug in die neuere Kinder- und Jugendliteratur?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1362