Simone Schroth 2
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung: Seghers, Claudius, Heym: Der andere deutsche Nachkriegsroman 1
II) Erneuerung, Aufbau, Ankunft: Die DDR-Literatur in Phasen 1
II.1) 1. Phase: Kein Nullpunkt, sondern antifaschistisch-demokratische
Erneuerung (1945-1949) 2
II.2) 2. Phase: Literatur des sozialistischen Aufbaus (1949-1961) 4
II.3) 3. Phase: Ankunft im sozialistischen Alltag (1961-1971) 6
II.4) 4. Phase: Die Honecker-Ära - Literatur als Zivilisationskritik
(1971-1989) 8
III) Nachkriegsliteratur der DDR: Die kulturpolitischen Hintergründe und
wichtigsten Begrifflichkeiten 10
III.1) Erneuerung der deutschen Kultur? Die Kultur- und Literaturpolitik
in der SBZ und der frühen DDR 10
III.2) Die verpflichtende Kunstdoktrin der DDR-Nachkriegszeit: Der
sozialistische Realismus 18
III.3) ,,Greif zur Feder, Kumpel “: Der Bitterfelder Weg 20
IV) Ein Autor der DDR-Nachkriegsära und sein Hauptwerk:
Uwe Johnson und seine Mutmaßungen über Jakob 22
V) Fazit: Eine deutsche Nachkriegsliteratur oder zwei deutsche
Nachkriegsliteraturen ? 29
Literaturverzeichnis 31
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I) Einleitung: Seghers, Claudius, Heym: Der andere deutsche Nachkriegsroman
Befasst man sich im Rahmen der Literaturwissenschaft mit dem deutschen Nachkriegsroman, so gelangt man schnell zu Namen wie Heinrich Böll, Günther Grass und Wolfgang Borchert. Was jedoch verbirgt sich hinter Schriftstellern wie Anna Seghers, Eduard Claudius oder Stefan Heym? Es ist der Nachkriegsroman der von 1945-1949 existierenden Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) und der 1949 auf dem gleichen Staatsgebiet gegründeten Deutschen Demokratischen Republik (DDR), der sich hinter diesen Namen verbirgt. Es ist, in Anlehnung an Wolfgang Emmerich gesprochen, der ,,andere deutsche“ 1 Nachkriegsroman.
Diese Phase der DDR-Literatur, die Nachkriegsära, steht im Mittelpunkt der vorliegenden Hausarbeit. Um die Hintergründe und Entwicklungen der DDR-Literatur im ganzen besser verstehen zu können, werden in Abschnitt II) zunächst alle Phasen dieser Literatur dargestellt. A nschließend werde ich in Abschnitt III) die DDR-Kulturpolitik der Nachkriegszeit sowie zwei damit zusammenhängende wichtige Begrifflichkeiten näher beleuchten. In A bschnitt IV) schließlich soll es exemplarisch um den Lebenslauf Uwe Johnsons und sein Hauptwerk, den Roman Mutmaßungen über Jakob, gehen.
Im Schlussteil möchte ich wieder den Bogen zur deutschen Nachkriegsliteratur im ganzen schlagen - mit der Frage, ob es eine deutsche (Nachkriegs-) Literatur oder zwei deutsche (Nachkriegs-) Literaturen gab.
II) Erneuerung, Aufbau, Ankunft: Die DDR-Literatur in Phasen
Im nun folgenden Abschnitt geht es um die einzelnen Phasen der DDR-Literatur. Als DDR-Literatur wird die zwischen 1949 und 1990 in der Deutschen Demokratischen Republik entstandene Literatur bezeichnet. Darüber hinaus wird meist auch die Nachkriegsliteratur in der SBZ zur frühen DDR-Literatur hinzugezählt. 2 Oft bildet diese gar die erste Phase der DDR-Literatur. So auch in der nun folgenden Darstellung, die vier Phasen umfasst.
1 vgl. Emmerich (1994), S. 9
2 Scherpe/Winckler, S. 5
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Die ersten beiden Phasen reichen dabei v on 1945 bis 1961. Diese Zeitspanne kann als die unmittelbare Nachkriegszeit in der DDR aufgefasst werden, wobei der Blick hier dennoch nicht enden darf. Denn einige Literaturwissenschaftler erkennen erst ab Mitte der sechziger Jahre einen Anschluss der DDR-Literatur an die Moderne, weg von den Aufbau- und Ankunftsthemen der ersten Jahrzehnte. 3
Eine weitere wichtige und endgültige Zäsur vom Nachkrieg zur sozialistischen Moderne stellt aber fraglos auch die auf dem VIII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im Jahre 1971 vollzogene Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker dar. 4 Erst ab diesem Zeitpunkt kann deutlich nicht mehr vom einer Nachkriegsära in der DDR gesprochen werden.
Einige Geschichtsbücher gehen noch weiter und sehen erst in dem Zusammenbruch der DDR und der Überwindung der deutschen Teilung in den Jahren 1989/1990 den endgültigen Abschluss der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dieser Ansicht kann ich mich nicht anschließen, da meines Erachtens zu diesem Zeitpunkt beide deutsche Staaten ihren Aufbau bereits lange abgeschlossen hatten. Aus Gründen der Vollständigkeit werde ich dennoch auch kurz auf die Phase nach 1971 eingehen.
Nun aber zunächst zur Nachkriegsliteratur in der SBZ.
II.1) 1. Phase: Kein Nullpunkt, sondern antifaschistisch-demokratische Erneuerung (1945-1949)
Die Situation der Deutschen nach dem 8. Mai 1945 ist von Intellektuellen und Künstlern aus den drei Westzonen häufig als Nullpunkt, Stunde Null, Kahlschlag (Wolfgang Weyrauch) oder tabula rasa (Alfred Andersch) bezeichnet worden. Für den literarischen Bereich hat sich vor allem Bölls Begriff von der Trümmerliteratur durchgesetzt. Aber auch die Chancen eines Ausgangspunkts für Neues, vor allem im Sinne eines westlichen Gesellschaftsmodells verbunden mit kapitalistischer Marktwirtschaft, wurden angepriesen.
3 Kroker (Phasen), S. 87
4 Mählert, S. 49
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Gleichsam bedeutete die Proklamation des Nullpunktes in den Westzonen in der Regel die Verweigerung der Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit und dem eigenen Verhalten in ihr, einen hilflosen Antifaschismus, der vielen Intellektuellen schon vor und um 1933 eigentümlich gewesen war. 5
In der SBZ war die Situation nach der Kapitulation eine gänzlich andere. Als die Führungsgruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) 6 , die Moskauer Gruppe Ulbricht, am 29. April 1945 nach Berlin zurückkehrte und unter dem Schutz der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) auch auf kulturpolitischem G ebiet aktiv wurde, knüpfte sie an die Traditionen des antifaschistischen Kampfes seit 1935 an, an die Politik der Volksfront. Zugespitzt lässt sich sagen, dass das nun proklamierte Konzept der antifaschistisch-demokratischen Erneuerung nichts anderes war als die Anpassung eben jener Volksfront aus der Mitte der dreißiger Jahre an die neuen postnationalsozialistischen Verhältnisse. 7
In dieses Konzept passten vor allem die Bemühungen in den ersten Jahren nach der Niederlage des Nationalsozialismus, so viele Exilschriftsteller wie möglich zurück ins Land zu holen. Man erhoffte sich eine deutlich antifaschistisch geprägte Literatur, aber auch eine Ermutigung des Volkes durch die Schriften der aus dem Exil heimgekehrten Autoren.
Die für die spätere DDR wichtigste Autorengruppe war dabei zweifellos die der Kommunisten, die in der Sowjetunion Schutz suchten. Allerdings mussten viele von ihnen spätestens ab 1936 erfahren, dass das Terrorsystem Stalins für sie nicht Schutz und Sicherheit, sondern einen Kampf ums Überleben bedeutete. 8
Zu den antifaschistischen Schriftstellern, die aus der Sowjetunion in die spätere DDR kamen, gehörten Johannes R. Becher, Erich Weinert, Friedrich Wolf und Adam Scharrer. Aus Mexiko - einem zweiten wichtigen Exilzentrum - kamen u.a. Anna Seghers,
5 Emmerich (1997), S. 70
6 Am 21./22. April 1946 schlossen sich KPD und SPD in Berlin zur in der DDR allein herrschenden SED zusammen.
7 Emmerich (wie Anm. 5), S. 71 f.
8 ebd., S. 78
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Bodo Uhse und Ludwig Renn. Aus den USA kehrten - in der Regel erst zwischen 1947 und 1953 - unter anderem Bertold Brecht, Stefan Heym und Ernst Bloch zurück.
Im Jahre 1948 kam es zu einem Richtungswechsel in der Kulturpolitik in der SBZ. Die SED und die sowjetischen Verwaltungsorgane verstärkten nun ihre Anstrengungen, die marxistisch-leninistische Weltanschauung auch in der Kulturpolitik durchzusetzen. 9
Im Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland und am 7. Oktober 1949 die DDR gegründet. Letztgenanntes Ereignis leitete eine neue Phase der DDR-Nachkriegsliteratur ein.
II.2) 2. Phase: Literatur des sozialistischen Aufbaus (1949-1961)
Ab 1950 wurde in der DDR der Aufbau des Sozialismus propagiert. Die jetzt allein herrschende SED forderte eine Literatur, die für die Ziele des Sozialismus und den Aufbau der sozialistischen Produktion Partei ergreifen sollte. Die Literaturwissenschaft spricht daher von der Produktionsliteratur oder der Aufbauliteratur, in welcher der wirtschaftliche, technologische Prozess des Aufbaus eines Werkes die individuellen Geschichten überlagert und die E ntwicklung des Helden mit dem vollzogenen Aufbau eines Werkes abgeschlossen ist. 10
Diese Literatur sollte den Lesern Identifikationsfiguren in Form von proletarischen Helden liefern. Sie zeigt die Helden der Arbeit bei der Meisterung schwieriger Produktionsaufgaben, beim Wiederaufbau von Industrie und Landwirtschaft und bei der Entlarvung des Klassenfeindes.
Der kunsthistorische Fachbegriff für diese Art der Darstellung ist der des sozialistischen Realismus. 11 Diesen Begriff werde ich im Abschnitt III.2) näher erläutern.
9 Haase, S. 67; ausführlicher gehe ich in Abschnitt III.1) auf dieses Thema ein, der der Kulturpolitik in der SBZ und
der frühen DDR gewidmet ist.
10 Scharfschwerdt, S. 139 f.
11 Emmerich (wie Anm. 5), S. 120
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Zwar war die Aufbau-Periode zweifellos diejenige der Lobgesänge auf den marxistischleninistischen Sozialismus. Jedoch gab es auch in dieser Zeit Kontrastromane, wie etwa von Brecht oder Heym. Beide haben die von der Partei 12 vorgegebene Interpretation der historischen Entwicklung gegen den Strich gelesen. Sie stimmen in ihren Romanen nachdenklich und fragen nach der Befindlichkeit des Individuums in der sozialistischen Gesellschaft. Die Buckower Elegien von Brecht und Heyms Roman über die Revolte des 17. Juni 1953 (Titel: Fünf Tage im Juni) enthalten ausgesprochen kritische Ansichten. 13
Überhaupt hatten sich schon zu dieser Zeit unter den Intellektuellen zahlreiche Zirkel und Diskussionsrunden gebildet, in denen kritische Gespräche über den S ozialismus in der DDR geführt wurden.
Jedoch zeigte auch der Staat seine Stärke: Viele intellektuelle und bekannte Kritiker des Sozialismus wurden angeklagt. Deshalb wird diese Zeit auch als Ära der Schauprozesse bezeichnet. Besonders im Winter 1956/57 gab es einige kritische Monate für DDR-Künstler. So wurde etwa Walter Janka, damaliger Leiter des Aufbau-Verlages, zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er zusammen mit Becher und Seghers geplant hatte, den ungarischen Schriftsteller Georg Lukács in die DDR zu holen. 14 Der 1926 geborene Autor Erich Loest wurde ebenfalls in dieser Zeit verurteilt und verbrachte sieben Jahre im Zuchthaus Bautzen. 15
Und auch im Volk regte sich in dieser Zeit Protest: Am 17. Juni 1953 kam es zunächst in Berlin, dann in der ganzen DDR zu Arbeiteraufständen. Forderungen nach freien Wahlen, einem Rücktritt der Regierung und mehr Demokratie waren die Parolen der Arbeiter. Jedoch wurden alle diesbezüglichen Hoffnungen mit Panzern und Wasserwerfen von der Regierung zunichte gemacht. 16
12 Im folgenden wird mit dem Begriff Partei im Zusammenhang mit der DDR stets die SED bezeichnet; im Zu-
sammenhang mit der Sowjetunion stets die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU).
13 Kroker (wie Anm. 3), S. 86
14 Emmerich (wie Anm. 5), S. 126; Georg Lukács war zwar der bedeutendste Literaturtheoretiker des Sozialismus (s.
auch Abschnitt III.2), vertrat jedoch nicht immer den offiziellen Kurs der KP seines Landes. So auch nicht wäh-
rend des ungarischen Aufstandes im Jahre 1956. Er galt zu dieser Zeit in den Augen der DDR-Führung sogar als
das Oberhaupt der Konterrevolution in Ungarn.
15 ebd., S. 127
16 Hoppe, S. 781
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Mit der Bitterfelder Konferenz vom April 1959 und dem darauf eingeschlagenen Bitterfelder Weg ging die SED noch einen Schritt weiter. Die Schriftsteller wurden aufgefordert, in die B etriebe zu gehen, um das Leben und die Arbeit dort zu dokumentieren. Auch Christa Wolf absolvierte im Zuge dieses Weges ein sogenanntes Betriebspraktikum: Sie war im Jahre 1961 im Waggonwerk Ammendorf tätig. Umgekehrt sollten sich die Arbeiter intensiver mit Kunst und Literatur befassen. 17
Mit dem Bitterfelder Weg, der einen M eilenstein in der Geschichte der DDR-Nachkriegsliteratur darstellt, befasse ich mich näher in Abschnitt III.3).
II.3) 3. Phase: Ankunft im sozialistischen Alltag (1961-1971)
Nach Brigitte Reimanns Roman Ankunft im Alltag von 1961 benannt, besann sich diese Phase der DDR-Literatur auf das eigene Land und seine stark eingegrenzten Möglichkeiten, wobei die Mauer, die am 13. August 1961 in Berlin errichtet wurde, auch positiv als Chance für die eigene Problembewältigung gesehen wurde. 18 Andererseits war diese Denkweise auch die einzig mögliche, denn angesichts der vollzogenen Einmauerung der DDR wurde jedes Abschweifen des Denkens nach außen zwecklos. Also richteten auch die Schriftsteller notgedrungen ihr Augenmerk auf die örtlichen, sehr konkreten L ebensumstände. 19
Von staatlicher Seite wurde mit dem 13. August 1961 nicht nur das endgültige Signal für die Absage an ein wiedervereintes Deutschland, sondern auch an eine einheitliche deutsche Kultur gegeben. Zwar schlossen sich einige Intellektuelle der Auffassung des Staates an und sahen im Mauerbau ein Signal für Aufbruchstimmung und die Chance, den echten Sozialismus jetzt erst recht in die Tat umzusetzen. Die meisten Literaten jedoch erlebten die Situation nach dem Mauerbau als eine Niederlage, von der sich die DDR nur vielleicht noch erholen könne. 20
17 Emmerich (wie Anm. 5), S. 129
18 Kroker (wie Anm. 3), S. 87
19 Emmerich (wie Anm. 5), S. 176
20 ebd., S. 176
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So mag es nicht verwundern, dass die DDR-Literatur der sechziger Jahre von einem Anwachsen kritischer Tendenzen geprägt war. Und der Staat reagierte entsprechend: Zwar kam es anfänglich zu einer Liberalisierung in der Kulturpolitik. Bereits 1963 j edoch wurde die Liberalisierungspolitik wieder gestoppt, und es gab wieder zahlreiche Einschränkungen für DDR-Künstler. Immer häufiger kamen Theaterstücke nicht zur Aufführung und wurden Manuskripte gar nicht oder zumindest nicht in der DDR g edruckt. Denn obwohl die DDR mehr und mehr zum Handlungsort der DDR-Romane wurde, wurden die Werke zunehmend nicht mehr im eigenen Land, sondern in der Bundesrepublik veröffentlicht. Dies galt unter anderem für Texte von Wolf Biermann, Heiner Müller und Stefan Heym. In ihren Werken wird die Auseinandersetzung mit der DDR-spezifischen Realität nach der Einmauerung oft mit jugendfrischem Engagement, mit spöttelnder Abgeklärtheit, beißender Satire und einem Hauch von Resignation b etrachtet. Es entstand eine Art von Literatur, die der DDR-Führung entschieden zu kritisch war. 21
Die SED propagierte vielmehr eine eigene sozialistische Nationalliteratur. Da die Phase des sozialistischen Aufbaus nun weitestgehend als abgeschlossen, der Klassenfeind als besiegt betrachtet wurde, und die DDR-Wirtschaft eine Stabilisierung erfahren hatte, sollte es jetzt darum gehen, den sozialistischen Alltag zu bewältigen, sich im realen Sozialismus einzurichten. Die Parole lautete nun: Vom ich zum wir.
Aufgrund dieser Parole entwickelte sich unter den Schriftstellern auch eine Haltung der kritischen Subjektivität. Das Zu-sich-selbst-Kommen des Individuums im Kollektiv wurde nicht kritiklos hingenommen: Techno- und Bürokratie wurden die Privatsphäre und das Recht auf Außenseitertum gegenübergestellt. Formen von Opportunismus und DDR-Spießertum wurden kritisiert. So geschehen auch in Christa Wolfs Romanen Der geteilte Himmel (1963) und Nachdenken über Christa T. (1968), wobei bei Christa Wolf stets zu bedenken ist, dass ihr Denken und Tun nicht nur das einer tief gläubigen, dogmatischen Sozialistin war, sondern dass sie als SED-Mitglied und als Informelle Mitarbeiterin (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (ugs.: Stasi) den Staat auch aktiv unterstützte. 22
21 Kroker (wie Anm. 3), S. 87
22 Emmerich (wie Anm. 5), S. 205: Wolf stand von 1959 bis 1962 als IM Margarete in den Diensten der Stasi.
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Simone Schroth, 2003, Erneuerung, Aufbau, Ankunft: Der ostdeutsche Nachkriegsroman, München, GRIN Verlag GmbH
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