I Inhaltsübersicht
I Inhaltsübersicht
1 EINLEITUNG 1
2 GRUNDLAGEN 3
3 GESCHÄFTSMODELL PRIVATE EQUITY. 16
4 SUBPRIME: VON DER IMMOBILIE-N ZUR GLOBALEN FINANZKRISE 31
5 AUSWIRKUNGEN DER SUBPRIME-KRISE AUF DEN PRIVATE EQUITY-MARKT 40
6 ZUKÜNFTIGER STRATEGISCHER FOKUS DER INVESTOREN 53
7 SCHLUSSBETRACHTUNG AUSBLICK 61
II
II Inhaltsverzeichnis
II Inhaltsverzeichnis
I INHALTSÜBERSICHT I
II INHALTSVERZEICHNIS III
III DARSTELLUNGSVERZEICHNIS VI
IV ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VII
1 EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung Zielsetzung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2 GRUNDLAGEN 3
2.1 Definition Abgrenzung 3
2.1.1 Private Equity Venture Capital 3
2.1.2 Leveraged Buy-Out (LBO) 4
2.1.3 Der Private Equity-Markt 5
2.1.3.1 Kapitalgeber 5
2.1.3.2 Dachfonds 6
2.1.3.3 Private Equity-Gesellschaften 7
2.1.3.4 Portfolio-Unternehmen 7
2.1.3.5 Externe Berater 7
2.2 Beteiligungsphasen -anlässe 8
2.2.1 Early Stage 8
2.2.2 Later Stage 9
2.2.3 Turnaround Restructuring 11
2.2.4 Mezzanine 11
2.3 Volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity 12
2.4 Exkurs: Private Equity und der Deutsche Mittelstand 14
3 GESCHÄFTSMODELL PRIVATE EQUITY. 16
3.1 Fondskonzept 16
3.2 Struktur und Ablauf von Private Equity-Investitionen 18
3.2.1 Sichtung Auswahl der Zielunternehmen 18
3.2.2 Entscheidungskriterien 20
3.2.3 Due Diligence 20
3.2.4 Unternehmensbewertung 21
3.2.5 Beteiligungsverhandlungen Vertragsabschluss 22
3.2.6 Beteiligungsmanagement 22
3.2.7 Exit 23
III
II Inhaltsverzeichnis
3.3 Werttreiber einer Private Equity-Investition 24
3.3.1 Financial Arbitrage 25
3.3.2 Optimierung der Kapitalstruktur 26
3.3.3 Kostensenkung Operative Effizienz 26
3.3.4 Strategische Neuausrichtung 26
3.3.5 Principal-Agent-Problematik 27
3.3.6 Monitoring 28
3.4 Rendite Erträge 29
4 SUBPRIME: VON DER IMMOBILIE-N ZUR GLOBALEN FINANZKRISE 31
4.1 Prolog Vorgeschichte 31
4.2 Entstehung der Krise am US-Hypothekenmarkt 32
4.2.1 Eine neue Zielgruppe: Kreditnehmer mit schlechter Bonität 32
4.2.2 Die Strukturierung der Risiken 33
4.2.3 Subprime-Indizes Derivate auf CDOs 34
4.3 Die Bedingungen ändern sich und das Unheil beginnt 34
4.4 Die Krise erreicht die internationale Finanzwelt 36
4.5 Auswirkungen auf den Geldmarkt 37
4.6 Globale wirtschaftliche Bedeutung 37
4.7 Zwischenfazit: Die wichtigsten Faktoren der Krise 38
5 AUSWIRKUNGEN DER SUBPRIME-KRISE AUF DEN PRIVATE EQUITY-MARKT 40
5.1 Prolog 40
5.2 Auswirkungen auf laufende Deals 41
5.3 Entwicklung der Transaktionsgrößen 41
5.4 Finanzierung 43
5.4.1 Covenants 43
5.4.2 Veränderung in der Finanzierungsstruktur 44
5.5 Fundraising 45
5.6 Ausfälle von Portfolio-Unternehmen 47
5.7 Renditen / Exitmöglichkeiten 48
5.8 Änderung in der Vertragsgestaltung von Transaktionen 49
5.9 Haltedauer von Beteiligungen 50
5.10 Marktbereinigungseffekte 51
5.11 Der LBO-Boom der 80er Jahre als Anhaltspunkt 51
6 ZUKÜNFTIGER STRATEGISCHER FOKUS DER INVESTOREN 53
6.1 Distressed Debt 53
6.2 Restructuring Turnaround Management 54
IV
II Inhaltsverzeichnis
6.3 Minderheitsbeteiligungen 55
6.4 Fokus Mittelstand 56
6.5 Operative Performance Portfolio-Management 57
6.6 Geographische Neu-Ausrichtung 58
6.7 Diversifikation 59
6.8 Private Equity-IPOs 60
7 SCHLUSSBETRACHTUNG AUSBLICK 61
V LITERATURVERZEICHNIS VII
VI ANHANG XVII
V
III Darstellungsverzeichnis
III Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Fundraising nach Kapitalgebern 2007 (Deutschland) .................................... 6 Darstellung 2: Überblick über die verschiedenen Finanzierungsphasen ................................ 8 Darstellung 3: Anteil der PE-Investitionen in Europa am nationalen BIP in Prozent , ........... 13 Darstellung 4: Private Equity-Fonds-Konzept .................................................................. 16 Darstellung 5: Entwicklung des Fundraising in Deutschland ............................................. 17 Darstellung 6: Schematischer Ablauf einer Private Equity-Beteiligung ................................ 18 Darstellung 7: Selektionsrate im Entscheidungsprozess ................................................... 19 Darstellung 8: Idealtypischer zeitlicher Ablauf einer Transaktion ....................................... 22 Darstellung 9: Exitkanäle 2007 in Deutschland (Aus Sicht des Exitwerts in Euro) , .............. 24 Darstellung 10: Übersicht der Werttreiber einer Private Equity-Beteiligung ........................ 24 Darstellung 11: Top Private Equity-Fonds hängen die Konkurrenz ab ................................ 30 Darstellung 12: Federal Funds Effective Rate .................................................................. 31 Darstellung 13: S&P/Case-Shiller U.S. National Home Price Index ..................................... 35 Darstellung 14: Vergleich Investitionen und Fundraising 2007 in Deutschland ................... 42 Darstellung 15: Erwartete zukünftige Nutzung von Debt-Kategorien ................................. 45 Darstellung 16: Änderung Fundraising zwischen H1 07 und H1 08 abhängig vom Fondstyp 46 Darstellung 17: Entwicklung der Private Equity-Werttreiber im historischen Verlauf ............ 58
VI
IV Abkürzungsverzeichnis
IV Abkürzungsverzeichnis
ABS Asset Backed Securities ARM Adjustable Rate Mortgage BIMBO Buy-In-Management-Buy-Out BVK Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften - German Private Equity and Venture Capital Association e. V. bzw. beziehungsweise CDO Collateralized Debt Obligations CDS Credit Default Swap CLO Collateralized Loan Obligations DCF Discounted-Cash-Flow EBITDA Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortization EUR Euro EVCA European Private Equity & Venture Capital Association EZB Europäische Zentralbank FED Federal Reserve Bank ggf. gegebenenfalls GuV Gewinn- und Verlustrechnung GSCP Goldman Sachs Capital Partners Hg. Herausgeber IPO Initial Public Offering IRR Internal Rate of Return KMU Kleine und mittelständische Unternehmen KKR Kohlberg Kravis Roberts & Co. LBO Leveraged Buy-Out LIBOR London Interbank Offered Rate LTCM Long Term Capital Management M&A Mergers & Acquisitions MAC Material Adverse Change MBO Management Buy-Out MBI Management Buy-In Mio. Millionen Mrd. Milliarden PIPE Private Investment in Public Equity RMBS Residential Mortgage Backed Securities
VII
IV Abkürzungsverzeichnis
S. Seite SIV Structured-Investment-Vehicle SPV Special-Purpose-Vehicle S&P Standard & Poor’s Corporation u.a. unter anderem USD US Dollar vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel
VIII
1 Einleitung
1 Einleitung
Als Ausgangspunkt der Arbeit wird zunächst auf die aktuelle Problemstellung und die daraus resultierende Zielsetzung der Diplomarbeit eingegangen. Aufbau und Struktur der Vorgehensweise werden in Kapitel 1.2 erläutert.
1.1 Problemstellung & Zielsetzung
Zu Beginn der Arbeit erschien folgendes Zitat aus dem Handelsblatt als ein gelungenes Beispiel für die Finanzkrise und somit ein guter Einstieg in die Arbeit: „Lässt man Goldman Sachs außen vor, so haben die New Yorker Investmentbanken innerhalb kurzer Zeit all ihre Nettogewinne der letzten zehn Jahre ausradiert." 1 Heute, Mitte Oktober 2008, muss man die Aussage umformulieren: „Lässt man Goldman Sachs und Morgan Stanley außen vor, so haben sich die New Yorker Investmentbanken innerhalb kurzer Zeit selbstständig ausradiert“.
Genauer gesagt, „die Wall Street, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr.“ 2 Mit Lehman Brothers, Merrill Lynch und Bear Stearns sind drei der fünf prestigereichsten US-Investmentbanken vom Erdboden verschwunden. Die beiden verbliebenen Wall Street-Häuser Morgan Stanley und Goldman Sachs, eigentlich gesunde Institutionen, sind teilweise durch Spekulanten in die Enge getrieben worden und werden bald als normale Banken weiter bestehen. Die Dynamik der Kreditkrise, die ursprünglich durch einen regionalen Immobiliencrash in einigen amerikanischen Vorstädten begann und schließlich in der wohl schwersten globalen Finanzmarktkrise seit den 30er Jahren mündete, ist schier unbegreiflich. In der knapp dreimonatigen Bearbeitungszeit der vorliegenden Diplomarbeit änderte sich das globale Finanzsystem entscheidend und die langfristigen Folgen sind noch nicht absehbar. Einer der größten weltweiten Versicherungskonzerne, die amerikanische AIG, wurde praktisch über Nacht verstaatlicht, ebenso britische Hypothekenfinanzierer. Regierungen in aller Welt schreien nach verstärkter Regulierung und schimpfen auf die sonst schillernden, heute aber eher ahnungslos und verzweifelt wirkenden Kapitäne der Finanzwirtschaft. Die US-Regierung verabschiedete ein milliardenschweres Rettungspaket zum Aufkauf von faulen Krediten und zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Leerverkäufe einiger Finanztitel wurden ebenfalls zeitweilig untersagt. Friedrich August von Hayek, der verstorbene Nobelpreisträger und einer der einflussreichsten Vertreter der angebotsorientierten Konjunkturpolitik, würde sich bei so viel Einmischung durch Staat und Regierung wohl im Grab umdrehen.
1 Eberle, Köhler, 22.07.2008
2 Reynolds, 23.09.2008
1
1 Einleitung
Vor der Finanzkrise in den Jahren 2005 bis hinein in die erste Hälfte von 2007 waren die Wirtschaftsgazetten allerdings von anderen Headlines geprägt. Beteiligungsgesellschaften wurden für ihre immer größer und spektakulär anmutenden Übernahmedeals gefeiert. Private Equity war in aller Munde. Riesige Buy-Outs wie die 45 Mrd. US-Dollar Übernahme von TXU durch Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. (KKR) ließen die Herzen der Beteiligungsmanager höher schlagen. Auf dem Höhepunkt sorgte der Börsengang von The Blackstone Group im Juni 2007 für eine hohe Nachfrage und bescherte den Gründern milliardenschwere Einnahmen. Gleichzeitig besiegelte dieses Ereignis aber auch das Ende der Euphorie. Am 18. Juli gab Bear Stearns den Zusammenbruch zweier Hedge-Fonds bekannt und läutete damit die globale Finanzkrise ein. Diese geht auch an der Beteiligungsbranche nicht spurlos vorbei. Kreditzusagen der Banken werden immer schwieriger, erste Deals kommen durch erschwerte Finanzierungsbedingungen ins Wanken.
Ziel dieser Arbeit ist es, die genauen Auswirkungen der Kreditkrise auf die Private Equity-Industrie zu analysieren. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die zukünftige Strategie der Finanzinvestoren gelegt werden. Wird sich also das ursprüngliche Geschäftsmodell der Private Equity-Gesellschaften verändern? Wird die Finanzkrise die Strategie der Investoren nachhaltig beeinflussen? Um ein besseres Verständnis für die Auswirkungen der Krise auf die Arbeit der Beteiligungsmanager zu erhalten, wurden einige Experten nach ihrer Meinung befragt. Diese Befragung der Beteiligungsmanager erwies sich als sehr schwierig. Nur ein Bruchteil der kontaktierten Manager stellte sich schließlich den Fragen. Viele Private Equity-Gesellschaften ließen verlauten, dass die Teilnahme an Studien dieser Art grundsätzlich nicht erwünscht sei.
1.2 Aufbau der Arbeit
Nachdem die Zielsetzung der Arbeit dargestellt wurde, werden in den folgenden Kapiteln zunächst die Grundlagen der Materie erörtert. Kapitel 2 dient als Einstieg und definiert die wichtigsten Begrifflichkeiten der Beteiligungsbranche. Des Weiteren werden die Teilnehmer des Beteiligungsmarktes dargestellt, die unterschiedlichen Beteiligungsphasen und -anlässe erklärt und kurz auf die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity hingewiesen. Struktur und Ablauf einer Beteiligung, sowie die wichtigsten Werttreiber einer Private Equity-Investition sind Hauptbestandteile von Kapitel 3. Entstehung und Entwicklung der Subprime-Krise zur internationalen Finanz- und Kreditkrise werden im darauf folgenden Kapitel näher beschrieben. Kapitel 5 und 6 analysieren die Auswirkungen der Krise auf die Private Equity-Industrie und die Strategie der Investoren. Eine abschließende Schlussbetrachtung und ein kurzer Ausblick in die Zukunft runden die Arbeit ab.
2
2 Grundlagen
2 Grundlagen
Die Bedeutung von Private Equity hat in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen. Von allen Buy-Outs seit dem Jahr 1970 wurden mehr als 40% erst nach dem 1.Januar 2004 durchgeführt. 3 Heute kann man so gut wie keine Tageszeitung aufschlagen, ohne nicht den Begriff Private Equity zu lesen. Besonders in den Boomjahren von 2005 bis hinein in die erste Hälfte des Jahres 2007 bestimmten die Finanzinvestoren vermehrt die Schlagzeilen der Wirtschaftsrubriken. In Folge dessen ist die öffentliche Diskussion rund um das Thema „Private Equity“ angestiegen und Private Equity wird vermehrt in Fernsehgesprächsrunden und Presseartikeln thematisiert. Dass diese Diskussionen oft von Halbwissen und verklärenden Argumenten geprägt sind, liegt einerseits an der Komplexität der Beteiligungsbranche, andererseits aber auch an der nicht gerade klar definierten Abgrenzung und Definition des Begriffs Private Equity. Das Kapitel Grundlagen versucht, den Begriff Private Equity daher näher zu definieren und beschreibt die teilnehmenden Parteien des Beteiligungsmarktes, sowie die Einsatzgebiete von Private Equity.
2.1 Definition & Abgrenzung
Der Begriff „Private Equity“ ist in der Literatur nicht eindeutig definiert und hat im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren. Die Geschichte und der sprachliche Gebrauch des Ausdrucks sind in einigen Ländern verschieden. Gerade die Differenzierung zwischen den Begriffen „Private Equity“ und „Venture Capital“ ist weder in der Theorie noch in der Praxis eindeutig.
2.1.1 Private Equity & Venture Capital
Die beiden aus den USA stammenden Begriffe beschreiben grundsätzlich die Beteiligung von privatem oder institutionellem Anlagekapital an größtenteils nicht börsennotierten Unternehmen. Der deutsche Fachverband Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) sowie dessen europäisches Pendant, die European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA), definieren Private Equity als Oberbegriff aller außerbörslichen Eigenkapi-tal-Anlageformen, also Venture Capital, Buy-Outs und Mezzanine-Kapital. 4 In der vorliegen-
3 vgl.World Economic Forum, 2008, S.VIII
4 vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Dezember 2004, S.11 und European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA), unter Buchstabe P
3
2 Grundlagen
den Arbeit wird synonym zum Begriff Private Equity die deutsche Bezeichnung „privates Beteiligungskapital“ benutzt. 5
Der Begriff „Venture Capital“ bezieht sich laut den beiden Fachverbänden speziell auf die Investitionsbereiche Early Stage, Expansion und Later Stage, nicht aber auf die Segmente Buy-Outs und Mezzanine. 6 Venture Capital bedeutet also die Finanzierung junger und innovativer Unternehmen, die sich in der Aufbauphase befinden und oft durch überdurchschnittliches Wachstumspotential gekennzeichnet sind. 7
Die finanzielle Beteiligung an wirtschaftlichen Projekten ist nicht neu. Investoren beteiligen sich schon seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar länger, mit Kapital an verschiedensten Vorhaben, um Ideen und Gedanken umzusetzen und davon schließlich auch finanziell profitieren zu können. Die Institutionalisierung und damit die Entstehung der Beteiligungsbranche, wie wir sie heute kennen, ist jedoch erst unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Die American Research and Development Corporation (ARD) in den USA und die britische Industrial and Commercial Finance Corporation (ICFC, heute 3i) hatten die Aufgabe, die Ei-genkapitalversorgung besonders der kleineren und mittleren Unternehmen zu verbessern. 8
Die Fachsprache ist stark von Anglizismen geprägt, was durch die historischen Wurzeln der Anlageform bedingt ist. Diese englischen Begriffe haben sich international durchgesetzt und werden in der Praxis auch in Deutschland so genutzt. Übersetzungen sind teilweise sogar irreführend. So wird der Begriff „Venture Capital“ in Deutschland manchmal mit Wagniskapital übersetzt, was durchaus zu dem Missverständnis geführt hat, dass Venture Capital eine unsichere und unsolide Anlageform sei. 9 Im Verlauf der Arbeit werden folglich die englischen Formulierungen als Standard benutzt. Sollte eine Begriffserläuterung notwendig sein, so werden die Begriffsglossare der beiden Fachverbände EVCA und BVK zu Grunde gelegt.
2.1.2 Leveraged Buy-Out (LBO)
Ein Leveraged Buy-Out (LBO) ist der Kauf eines Unternehmens durch eine extra für diesen Zweck gegründete Zweckgesellschaft (NewCo) mit überwiegender (größer als 50%) Fremdkapitalfinanzierung. Die Vermögensgegenstände des Zielunternehmens dienen dabei überwiegend zur Besicherung der Akquisitionsfinanzierung (so genanntes „Bootstrap
5 Man spricht von privatem Beteiligungskapital, da der Investor einen Finanztitel erwirbt, der nicht an der Börse gehandelt wird. Im Gegensatz dazu steht der Erwerb von Aktien, die an einem organisierten Markt gehandelt werden und sich somit als „öffentlich“ charakterisieren lassen („Public Equity“).
6 vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Dezember 2004, S.15 und European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA), unter Buchstabe V
7 vgl. Zantow, 2007, S.121 f.
8 vgl. Leopold et al., 2003, S.213
9 vgl. Leopold et al., 2003, S.3
4
2 Grundlagen
Financing“). 10 Beim Leveraged Buy-Out (LBO) steht die Fremdfinanzierung der Beteiligung und die damit verbundene Hebelwirkung (englisch: lever = Hebel) im Hinblick auf die Eigenkapitalrentabilität im Vordergrund. Der Leverage-Effekt beschreibt die Abhängigkeit der Eigenkapitalrentabilität vom Anteil der Fremdfinanzierung und entsteht dann, wenn der Zins für das zusätzliche Fremdkapital unter der Rendite des Gesamtkapitals der Investition liegt. 11 Durch die erhöhten Fremdkapitalzinsen und die zusätzlichen Abschreibungen auf die aktivierten stillen Reserven kann so außerdem der Gewinn und somit die Steuerbelastung des Zielunternehmens gesenkt werden. 12
Die Gründe für das Auftreten von LBOs wurden in der Literatur eingehend beschrieben, wobei das Hauptaugenmerk auf der LBO-Welle der 80er Jahre liegt. Das Missmanagement von Free Cash-Flow (Jensen, 1986), der so genannte „Conglomerate Discount“ 13 (Lang & Stulz, 1994) und die mangelnde Shareholder Value-Orientierung des Managements (Donaldson, 1994) sind dabei wohl die wesentlichen Erklärungsansätze. 14
Der LBO Markt erlebte in den 80er Jahren des 20.Jahrhundert seine Blütezeit und wurde mit Hilfe so genannter „Junk Bonds“ oder zu Deutsch „Ramschanleihen“ erst richtig angeheizt. Diese als High-Yield Bonds titulierten Schuldverschreibungen waren mit überdurchschnittlichem Risiko ausgestattet und ersetzten bei LBO-Finanzierungen den Anteil von Versicherungskapital. 15 Ende der 80er Jahre sorgte der 25 Mrd. US-Dollar LBO von RJR Nabisco durch Kohlberg, Kravis & Roberts (KKR) für den Höhepunkt des LBO-Booms. 16 Am Ende wurde das Unternehmen für 109 US-Dollar pro Aktie gekauft, nachdem es 33 Tage vorher mit nur 56 US-Dollar pro Aktie am Kapitalmarkt bewertet wurde. 17 Der für 17 Jahre größte Buy-Out aller Zeiten gilt als Sinnbild des Größenwahns dieser Zeit.
2.1.3 Der Private Equity-Markt
2.1.3.1 Kapitalgeber
Die Kapitalgeber können je nach Form der Beteiligungsgesellschaft unterschiedlich sein. So stellen bei Corporate Venture Capital-Einheiten und Captive Funds oft deren Muttergesellschaften die finanziellen Mittel zur Verfügung und die öffentlichen Beteiligungsgesellschaften
10 vgl. Mittendorfer, 2001, S.141
11 vgl. Perridon, Steiner, 2004, S.498
12 vgl. Leopold et al., 2003, S.24
13 Unter dem Begriff „conglomerate discount“ versteht man die Tendenz der Kapitalmärkte, Aktien von Konglomeraten mit einem diversifikationsbedingten Wertabschlag unterzubewerten.
14 Für eine genauere Betrachtung siehe Jensen, 1986, Donaldson, 1994 und Lang, Stulz, 1994.
15 vgl. Jesch, 2004, S.93
16 Der RJR Nabisco-LBO wurde Themenschwerpunkt vieler Bücher (u.a. Burrough & Helyar, 1990, „Barbarians at the Gate“) und wurde 1993 sogar als Kinofilm verfilmt.
17 vgl. Brealey, Myers, 1994, S.843
5
2 Grundlagen
werden durch Zuweisungen aus öffentlichen Haushalten gespeist, während sich die unabhängigen Beteiligungsfirmen ihre Finanzmittel von privaten Investoren besorgen müssen. 18
Die Zusammenstellung der Kapitalgeber ist länderspezifisch unterschiedlich. Darstellung 12 zeigt die Kapitalgeber in Deutschland aus dem Jahr 2007.
Darstellung 1: Fundraising nach Kapitalgebern 2007 (Deutschland) 19
So spielen in Deutschland nach wie vor die Banken und Versicherungen eine große Rolle, in den USA jedoch investieren vor allen Dingen Pensionsfonds, reiche Privatpersonen und Stiftungen in die Anlageklasse Private Equity. Die amerikanische Yale University war unter Führung des Investment Managers David J. Swensen eine der ersten Stiftungen, die auf Private Equity setzte. So investiert die heute zu den erfolgreichsten institutionellen US-Investoren zählende Stiftung mehr als 20% ihres Vermögens in Private Equity-Fonds und erzielt damit für ihr Gesamtportfolio eine durchschnittliche jährliche Rendite von 17%. 20
2.1.3.2 Dachfonds
Dachfonds sind Vermittler zwischen Investoren und Private Equity-Gesellschaften. Sie investieren nicht direkt in Anlageobjekte, sondern in Private Equity-Fonds. Durch eine Allokation des Dachfondsvermögens in mehrere Private Equity-Fonds kommt es zu einer besseren Risikostreuung als dies bei einem einzelnen direkten Private Equity-Engagement möglich wäre. Mit Hilfe von Dachfonds können auch Kleinanleger von der Anlageklasse Private Equity profitieren. Diese haben so gut wie keine Möglichkeit, direkt als Investor eines Private Equity-
18 vgl.Hockmann, Thießen, 2002, S.255
19 Quelle: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), 21.02.2008, S.14
20 vgl. Jesch, 2004, S.28
6
2 Grundlagen
Fonds aufzutreten, da die Einstiegshürden zu hoch sind. So verlangt z.B. Permira, einer der größten und erfolgreichsten Finanzinvestoren, für den Fonds „Permira IV“ eine Mindestinvestition von 15 Mio. US-Dollar. 21
2.1.3.3 Private Equity-Gesellschaften
Die Anbieter von Beteiligungskapital lassen sich grob in drei Gruppen unterteilen. 22 Zum einen gibt es die unabhängigen Kapitalbeteiligungsgesellschaften, so genannte „Independent Funds“, die ausschließlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Daneben spricht man von „Captive Funds“, also abhängigen Fonds, wenn eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft als Träger ein Industrieunternehmen oder eine Bank besitzt. Im Fall der Industrieunternehmen spricht man auch von „Corporate Venture Capital“. Bei den abhängigen Fonds kann neben der ertragswirtschaftlichen Ausrichtung auch das Verfolgen bestimmter strategischer Unternehmensziele seitens des Trägers von Bedeutung sein. Die dritte Anbietergruppe von Beteiligungskapital besteht aus den öffentlichen Beteiligungsgesellschaften, die in der Regel strukturelle Wirtschaftsförderung betreiben und einen öffentlich-rechtlichen Träger besitzen. Die Mehrheit der größten internationalen Private Equity-Häuser kommt aus dem amerikanischen oder britischen Raum. Zur Vollständigkeit sind die weltweit nach Fundraising größten Gesellschaften in Anhang 1 dargestellt.
2.1.3.4 Portfolio-Unternehmen
Portfolio-Unternehmen ist ein Oberbegriff für die Unternehmen, an denen sich ein Private Equity-Investor beteiligt hat und die sich jetzt in seinem Beteiligungsportfolio befinden. Die verschiedenen Portfolio-Unternehmen eines Private Equity-Investors müssen nicht unbedingt im Bezug auf Branchenzugehörigkeit oder das Geschäftsfeld zusammenpassen. Aufgrund der immer stärkeren Fokussierung der Investoren auf bestimmte Branchen, lassen sich in vielen Portfolien der Investoren aber vermehrt solche Industrieschwerpunkte erkennen. Speziell für Private Equity-Firmen, die einer Buy-and-Build-Strategie nachgehen, ist es sinnvoll, branchengleiche Unternehmen im Portfolio zu haben, um gegebenenfalls Synergiepotentiale zwischen verschiedenen Portfolio-Unternehmen bei Zusammenführung von Unternehmenseinheiten nutzen zu können.
2.1.3.5 Externe Berater
Im gesamten, später noch näher beschriebenen Beteiligungsprozess, brauchen die Investoren Unterstützung von erfahrenen Beratern. So sind Investmentbanker und Wirtschaftsan-
21 vgl.Reiche, 04.07.2006
22 vgl. Hockmann, Thießen, 2002, S.248
7
2 Grundlagen
wälte in der Geschäftsanbahnungs- und Verhandlungsphase, sowie im Verkaufsprozess und der Vertragsgestaltung stark involviert. Die oft zeitintensive Due Diligence-Prüfung wird in den meisten Fällen von anerkannten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften übernommen und Unternehmensberater helfen den Private Equity-Investoren bei der operativen und strategischen Umstrukturierung der übernommenen Unternehmen.
2.2 Beteiligungsphasen & -anlässe
Es gibt verschiedene Anlässe, bei denen ein Einsatz von Private Equity sinnvoll ist. Eine Beteiligung an einem Unternehmen ist in unterschiedlichen Phasen möglich, die sich jeweils mit den klassischen Entwicklungsphasen eines Unternehmens charakterisieren lassen. Abhängig von der Art der Beteiligungsphase ändert sich das Chancen-Risikopotential der Beteiligungsgesellschaften und die notwendige Vorgehensweise, sowie das dafür benötigte Know-how. Darstellung 23 fasst die wichtigsten Beteiligungsphasen zusammen, die im Folgenden detailliert beschrieben werden.
Darstellung 2: Überblick über die verschiedenen Finanzierungsphasen 23
2.2.1 Early Stage
Venture Capitalisten haben es in der so genannten Early Stage, also der Frühphase eines Unternehmens, mit Innovatoren zu tun, deren Ziel es ist, eine Innovation zur Marktreife zu
23 Eigene Darstellung in Anlehnung an Laub (1985), S.30; Schmidtke (1985), S.50 und Klemm (1988), S.41; zitiert in Schefczyk, 2000, S.24.
8
2 Grundlagen
bringen, um diese so zur Grundlage eines jungen oder neugegründeten Unternehmens zu machen. 24 Die Early Stage-Phase lässt sich nochmals genauer unterteilen. So spricht man von „Seed Capital“, also dem „Saat-Kapital“, wenn es um die Finanzierung der Ausreifung einer Idee in verwertbare Resultate bis hin zum Prototyp geht, auf dessen Basis ein Geschäftskonzept für ein zu gründendes Unternehmen erstellt werden soll. 25 Das Seed Capital wird oft von so genannten „Business Angels“ bereitgestellt. Diese „Engel“ sind vermögende Privatpersonen, die sich an einer Geschäftsidee oder einem Unternehmen mit aktiver Unterstützung (Know-how, Geschäftskontakte) und/oder mit Kapital beteiligen. 26
Die nächste zeitliche Entwicklungsphase eines Unternehmens ist die „Start-up“ Phase, bei der es um die Finanzierung der Entwicklungsarbeiten geht, bis eine Marktreife des Produktes nach erfolgter Unternehmensgründung erreicht wird. 27 Es kommt in dieser Phase nicht mehr so stark auf die Entwicklung einer Idee an, sondern auf deren kommerzielle Umsetzung. 28
Early Stage Investitionen sind besonders risikoreich, weil es sich um junge Unternehmen handelt, die einen hohen Investitionsbedarf haben, demgegenüber aber noch keine ausgereiften Produkte oder Märkte besitzen. Außerdem ist die Bewertung mittels klassischer Unternehmensbewertungsmethoden, wie dem Discounted-Cash-Flow-Verfahren, bei diesen „gesichtslosen“ Unternehmen sehr schwierig, da sie oft noch keine historischen Finanzdaten vorzuweisen haben. 29
2.2.2 Later Stage
Abgesehen von der Frühphasenfinanzierung, die meistens von Venture Capitalisten durchgeführt wird, kann Private Equity auch zur Beteiligung an reifen Unternehmen dienen. Die sich in der „Later Stage“ befindlichen etablierten Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie bereits ein erfolgreiches Produkt und einen entwickelten Kundenstamm vorweisen können. Anlässe für eine Beteiligung an einem bereits etablierten Unternehmen können eine Wachstumsfinanzierung („Expansion Financing“) sein, eine Ablösung ausscheidender Gesellschafter oder durch einen Spin-off eines Konzernteils bedingt sein.
Bei einer Wachstumsfinanzierung stellt der Private Equity-Investor das, im Rahmen einer Gesamt-Finanzierungsstruktur benötigte Eigenkapital zur Verfügung, um eine Unternehmensexpansion und das entsprechende Gewinn- und Umsatzwachstum zu finanzieren. 30 Der
24 vgl. Leopold et al., 2003, S.17
25 vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Dezember 2004, S.12
26 vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Dezember 2004, S.3
27 vgl. Betsch et al., 1998, S.232
28 vgl. Jesch, 2004, S.83
29 vgl. Betsch et al., 1998, S.232 f.
30 vgl. Leopold et al., 2003, S.21
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2 Grundlagen
Begriff „Wachstumsfinanzierung“ lässt sich nicht exakt in eine der beiden Phasen, Later Stage oder Early Stage, einsortieren. Anlässe für eine Wachstumsfinanzierung finden sich in beiden Phasen.
Ein weiterer Beteiligungsanlass bietet die Unternehmernachfolge bei Ausscheidung eines Gesellschafters. Dieser Beteiligungsanlass lässt sich sehr häufig im deutschen Mittelstand beobachten. Im Rahmen eines Management Buy-Out (MBO) oder Management Buy-In (MBI) lässt sich die Nachfolgeproblematik lösen. Die beiden Formen sind meistens mit Fremdfinanzierungskonstrukten verbunden und lassen sich demnach dem Oberbegriff Leveraged Buy-Out unterordnen. Grundlegender Gedanke der beiden Ansätze ist, dass bis dahin angestellte Manager zu Unternehmern werden, die sich zu einem kleinen Teil an dem Unternehmen beteiligen. Sobald es sich um bisher im Unternehmen beschäftige Führungskräfte handelt, spricht man von einem MBO, sollten die neuen Unternehmer allerdings von außen neu in das Unternehmen kommen, so nennt man diesen Vorgang MBI. Eine Misch-form, bei der interne und externe Unternehmer in der neuen Firma beteiligt sind, nennt man BIMBO (Buy-In-Management-Buy-Out). Der Rest des Kaufpreises wird durch den Private Equity-Investor mittels Fremdfinanzierung und eigenkapitalähnlichen Mischformen (Mezzanine Capital) aufgebracht. Gegebenenfalls bietet der Finanzinvestor den neuen Unternehmern einen Kredit an, damit diese ihren Beteiligungsteil leisten können. 31
Neben dem MBO und dem MBI gibt es noch den Employee Buy-Out (EBO) und den Owner Buy-Out (OBO), diese Sonderformen werden hier der Vollständigkeit halber aufgeführt, spielen aber in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Beim EBO übernimmt die Belegschaft Unternehmensanteile, beim OBO werden Anteile an eine Erwerbsgesellschaft verkauft, an der sich wiederum der Eigentümer beteiligt, wodurch ein Teil des Unternehmenswertes realisiert werden kann, ohne dass sich der Eigentümer vollständig von seinem Unternehmen trennen muss. 32
Neben der Wachstumsfinanzierung und der Nachfolgelösung beteiligen sich Private Equity Sponsoren auch an so genannten Spin-offs (auch Divisional Buy-Outs genannt). Darunter versteht man die Ausgliederung und Verselbständigung einer Abteilung oder eines Unternehmensteils aus einem Konzern. 33 Dieser Spin-off geschieht oft im Rahmen von strategischen Neuausrichtungen des Gesamtkonzerns und die dadurch nicht mehr vorhandene Bindung des auszugliedernden Unternehmensteils zum Kerngeschäft. Finanzierungstechnisch sind die Konstruktionen bei einer Spin-off Beteiligungen mit denen eines MBO vergleichbar,
31 vgl. Jesch, 2004, S.91 f.
32 vgl. Fendel, Groh, 2002, S.114
33 vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Dezember 2004, S.13
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2 Grundlagen
wobei in diesem Fall die für die Geschäftssparte zuständigen Manager zu Unternehmern werden. 34
Obwohl Private Equity ursprünglich nur für eine Beteiligung an nicht-börsennotierten Unternehmen gedacht war, kommt es immer häufiger zu einem „Delisting“ von börsennotierten Gesellschaften. Im Rahmen einer so genannten „Public-to-Private“ Transaktion übernimmt ein Finanzinvestor ein Börsenunternehmen und holt es dann von der Börse. Dies ist oft darin begründet, dass dadurch das Unternehmen von den kurzfristigen Quartalsmeldungen und den ständigen Aktionärsanfragen befreit wird.
In diesem Zusammenhang muss auch das „Bridge Financing“ genannt werden. Unter diesem Begriff versteht man eine Überbrückungsfinanzierung zur Vorbereitung des Börsengangs mit dem vordergründigen Ziel, die Eigenkapitalquote zu verbessern. 35 Hier wird dem Unternehmen Geld in einem Zeitfenster von ca. einem Jahr zur Verfügung gestellt. Das bereitgestellte Kapital wird dann sehr oft aus den Erlösen des Börsenganges zurückbezahlt. 36
2.2.3 Turnaround & Restructuring
Beim „Turnaround Financing” oder „Restructuring Financing“ geht es um die Sanierungsfinanzierung von Unternehmen, die starke Verluste eingefahren haben oder sich in einem Insolvenzprozess befinden. Oft sind die Unternehmen durch eine strategische Krise in eine Schieflage geraten. Mit einer Liquiditätsspritze und einer strategischen Neuausrichtung versuchen stark spezialisierte Turnaround-Gesellschaften wie die deutsche Orlando Management oder das amerikanische Beteiligungshaus Alix Partners, die Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu manövrieren. Da es sich größtenteils um unternehmensspezifische Risiken handelt, besteht eine gute Diversifikationsoption für die Beteiligungsgesellschaften und außerdem ist das Rendite/Risiko-Profil im Turnaround-Bereich günstiger als im Venture Capital oder Buy-Out-Segment. 37
2.2.4 Mezzanine
Mezzanine-Kapital wird im Deutschen als Nachrangkapital bezeichnet und gehört als verzinsliches Darlehen nicht unbedingt zu den typischen Private Equity-Beteiligungsphasen hat aber eine gewisse thematische Nähe und wird als Finanzierungsform des Öfteren bei Private Equity-Transaktionen verwendet. Der Begriff kommt von dem italienischen Wort „Mezzanino“ und bedeutet so viel wie Zwischengeschoss. Dieses Kapital zeichnet sich dadurch aus, dass es
34 Für eine nähere Auseinandersetzung mit Buy-outs von Konzerneinheiten siehe Weber, 2006.
35 vgl. Zantow, 2007, S.123
36 vgl. Jesch, 2004, S.91
37 vgl. Jesch, 2004, S.94
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2 Grundlagen
eine hybride Struktur zwischen Eigen- und Fremdkapital einnimmt. Mezzanine-Kapital kann z.B. in Form von Genussscheinen, stillen Beteiligungen oder Wandelschuldverschreibungen begeben werden. Aufgrund der Nachrangigkeit im Insolvenzfall und dem damit verbundenen höheren Risiko, sind die Renditeerwartungen von Mezzanine-Gebern dementsprechend höher als bei klassischen Darlehen gegen Sicherheiten. Den so genannten „High-Yield Bonds“, also der nachrangigsten und risikoreichsten Mezzanine-Form, kommt im Rahmen des LBO eine besondere Bedeutung zu. 38
2.3 Volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity
Die Worte von Vize-Kanzler Franz Müntefering sorgten Anfang 2005 für Empörung unter den Finanzinvestoren. Immer wieder wird die Vorgehensweise von Finanzinvestoren in den Medien angegriffen und als unmenschlich dargestellt. Als „Mücken“ werden sie bezeichnet, die ohne Rücksicht auf Menschen Betriebe aussaugen und dann weiter schwärmen. „Leidtragende [dieser Vorgehensweise] sind die Menschen“. 40 Fälle wie der Armaturenhersteller Grohe, bei dem es zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau und Auslagerung von Geschäftseinheiten ins Ausland kam, werden stellvertretend für die Auswüchse der Private Equity-Investoren genannt. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass es für das Handeln der Investoren wenig Alternativen gab und die nachhaltige Sicherung Grohe’s Zukunft nur durch die Restrukturierungsmaßnahmen ermöglicht wurde. 41
Von Beteiligungsgesellschaften gehaltene Firmen erwirtschafteten 2007 in Deutschland einen Umsatz von knapp 200 Mrd. Euro und beschäftigten 1,08 Millionen Menschen. 42 Darstellung 34 zeigt dazu exemplarisch den Anteil der Private Equity-Investitionen am nationalen BIP im europäischen Vergleich.
38 vgl. Brezski et al., 2006, S.21 ff. und Jesch, 2004, S.88
39 Müntefering, Januar 2005, S.18
40 Rügemer, Mai 2005, S.15
41 Für eine ausführliche Analyse des Grohe-LBO und die Auswirkungen der Restrukturierungen siehe Kaserer et al., 2007 , S.109-129 und Kußmaul et al., 2005.
42 vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), 21.02.2008, S.10
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2 Grundlagen
Darstellung 3: Anteil der PE-Investitionen in Europa am nationalen BIP in Prozent 43, 44
Die volkswirtschaftliche Relevanz scheint also anhand der schieren Größe schon gegeben, doch wie sieht der Effekt von privatem Beteiligungskapital auf die Volkswirtschaft nun genau aus? Gerade die Finanzierung von jungen Unternehmen ist für eine Volkswirtschaft von besonderer Bedeutung. Diese Firmen zeichnen sich oft durch einen hohen Innovationsgrad aus und besitzen neuartige Ideen, um zukunftsfähige Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Die Eigenmittel der Unternehmen reichen oft nicht aus und harte Sicherheiten, die zur Besicherung eines Kredites dienen könnten, sind oft noch nicht vorhanden. Der unternehmerische Handlungsspielraum wird aber zu größten Teilen durch die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens bestimmt. 45 Außerdem sind die Kapitalmärkte für einige junge Unternehmen nicht unbedingt verfügbar, da die benötigten Finanzvolumina zu klein und die damit verbundenen unternehmerischen Risiken zu groß sind. 46 Privates Beteiligungskapital füllt diese Finanzierungslücke. Josh Lerner, Professor der Harvard Business School, zeigt in einer Studie auf, dass Portfolio-Unternehmen, gemessen an der Zahl der Patent-Entgegenhaltungen, mehr Innovationen kreieren. Diese nehmen nach Übernahme durch eine Private Equity-Gesellschaft um 25% zu. 47
Neben der Innovationstätigkeit ist auch die Beschäftigungsentwicklung von Portfolio-Unternehmen von besonderer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Dazu untersuchte die Deutsche Beteiligungs AG zusammen mit dem Finance-Magazin verschiedene Later Stage Buy- 43 Quelle:Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), 21.07.2008, S.10 44 Es handelt sich bei der Darstellung um die Investitionen nach Sitz der Unternehmen, nicht nach Sitz der Beteiligungsgesellschaft.
45 vgl. Jesch, 2004, S.23
46 vgl. Kaserer et al., 2007, S.20
47 vgl. Lerner et al., Februar 2008, S.17
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2 Grundlagen
Outs und kam zu dem Ergebnis, dass die Portfolio-Unternehmen der Private Equity-Investoren ein Mitarbeiterwachstum von 4,5% jährlich vorweisen, während eine Vergleichsgruppe nicht Private Equity finanzierter Unternehmen nur auf ein Wachstum von 2,2% kam. 48 Eine umfassende Studie des World Economic Forum kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die Beschäftigung von Buy-Out-Firmen speziell in den ersten drei Jahren nachlässt und sich erst im vierten und fünften Jahr mit der Vergleichsgruppe messen kann. Nach dem Buy-Out scheint die Beschäftigung vergleichbar mit der Vergleichsgruppe zu sein. Die Arbeitsplatzgenerierung in völlig neuen Bereichen (Greenfield Job Creation) ist bei den Buy-Out-Firmen aber um einiges höher als bei der Peer Group. 49
Kritiker halten den Studien, die Private Equity als Arbeitsplatzgenerator postulieren, entgegen, dass Private Equity per se, bedingt durch sein Geschäftsmodell, nur in Firmen investiert, die in wirtschaftlich interessanten Märkten agieren. Somit ist ein Vergleich zu einer Benchmark von anderen nicht Private Equity finanzierten Unternehmen nicht zielführend. Andererseits kann man argumentieren, dass durch den Ausleseprozess von Beteiligungsfirmen dafür Sorge getragen wird, dass gerade die Unternehmen mit Private Equity gefördert werden, die besonders zukunftsträchtig sind. Damit landen die Investitionen genau dort, wo sie aus volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten am besten verwendet werden können. 50
2.4 Exkurs: Private Equity und der Deutsche Mittelstand
Der Mittelstand spielt in der deutschen Wirtschaft eine besondere Rolle. Mehr als 99% aller Unternehmen in Deutschland lassen sich in die Kategorie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) einordnen, die ca. 70% aller Beschäftigten in Deutschland Arbeit bieten. 51 Die Aufnahme von Eigenkapital über den organisierten Kapitalmarkt ist in vielen Fällen keine Alternative für KMU und somit stellt Private Equity eine sinnvolle Finanzierungsalternative dar. Die Eigenkapitalquote von KMU ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Deutschland sehr niedrig. 52 Eine niedrige Eigenkapitalquote kann in einigen Situationen problematisch werden und demnach sollten mittelständische Unternehmen bestrebt sein zusätzliches Eigenkapital aufzunehmen. Die vermehrt risikoorientierte Kreditvergabe der Banken, bedingt durch Basel II, sorgt außerdem dafür, dass der Zugang zu klassischen Bankkrediten für einige KMU erschwert wird. 53 Durch eine höhere Eigenkapitalquote kann eine Verbesse-
48 vgl.Deutsche Beteiligungs AG & Finance Magazin, November 2004, S.17
49 vgl. World Economic Forum, 2008, S.IX
50 vgl. Deutsche Beteiligungs AG & Finance Magazin, November 2004, S.23
51 vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn
52 vgl. dazu z.B. Europäische Kommission, 2003, S.21 oder Taiber, 2007, S.330
53 Für eine nähere Analyse der Auswirkungen von Basel II auf den deutschen Mittelstand siehe Grunert et al., 2002 und Externbrink, 2007.
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2 Grundlagen
rung des Ratings und der Bonität erzielt werden, was wiederum zu sinkenden Fremdfinanzierungskosten führt. Die anhaltende Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand ist ein weiterer Ansatzpunkt für eine Private Equity-Beteiligung. Sollte kein geeigneter Nachfolger aus dem Familienkreis sich für die Unternehmensnachfolge finden, so bieten sich Beteili-gungsformen wie der MBO oder MBI, bei denen angestellte Manager zu Unternehmern der Firma werden, an. Obwohl es anfangs „Berührungsängste“ mit der unbekannten Finanzierungsalternative Private Equity im Mittelstand gab und sicherlich auch weiterhin noch Aufklärungsarbeit von Nöten ist, scheint sich der Zugang für Private Equity im deutschen Mittel-stand verbessert zu haben. So spricht die Mehrheit der Investoren laut einer Befragung von verbesserten Zugangsbedingungen. 54 Auch zukünftig wird privates Beteiligungskapital im Mittelstand eine wichtige Rolle spielen, was auch am großen Investitionsinteresse der Private Equity-Gesellschaften in Deutschland liegt. Eine Mehrzahl der Investoren bezeichnet Deutschland als das Land mit dem meisten Wertschöpfungspotential. 55
54 vgl. Rödl & Partner, Juli 2008, S.6
55 vgl. PricewaterhouseCoopers, Februar 2008, S.16
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3 Geschäftsmodell Private Equity
3 Geschäftsmodell Private Equity
Private Equity-Beteiligungen laufen oft nach dem gleichen Strickmuster ab. Die groben Strukturen des Private Equity-Geschäftsmodells und die Vorgehensweise der Beteiligungsfirmen bei der Unternehmensübernahme werden im Folgenden ausführlich beschrieben.
3.1 Fondskonzept
Private Equity-Firmen sind meist in Form von Limited Partnerships 56 organisiert, wobei die Kapitalgeber als Limited Partners auftreten und die für den Fonds verantwortlichen Manager als General Partners. Die Limited Partners sind als Kommanditisten am Fonds beteiligt, während eine übergeordnete Verwaltungsgesellschaft der Beteiligungsgesellschaft als Komplementär auftritt. 57 Die Fondsgesellschaft sammelt das Beteiligungskapital von den Investoren ein und finanziert damit bei Bedarf die Beteiligungen an Unternehmen (siehe Darstellung 45). Daneben wird eine Management-Gesellschaft gegründet, die die Fondsgesellschaft führt und dafür jährlich ca. 1,25% bis 2,5% des Fondsvolumens als Verwaltungsgebühr erhält. 58 Diese Management-Gesellschaft wird oft erst nach Erreichen einer ausgemachten Mindestverzinsung, der so genannten „Hurdle Rate“, am Ertrag des Fonds beteiligt. Meistens liegt der „Carried Interest“ zwischen 15 und 25% des erwirtschafteten Ertrages. 59
Darstellung 4: Private Equity-Fonds-Konzept 60
56 In Deutschland oft in Form einer vermögensverwaltenden GmbH & Co. KG.
57 vgl. Kaserer et al., 2007, S.16 f.
58 vgl. Jesch, 2004, S.135
59 vgl. Hockmann, Thießen, 2002, S.250
60 Eigene Darstellung in Anlehnung an Betsch et al., 1998, S.226.
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3 Geschäftsmodell Private Equity
Bevor ein Private Equity-Investor in Firmen investieren kann, braucht er Kapital, das im Rahmen des Fundraising eingesammelt wird. 61 Dazu wird zunächst ein Private Placement-Memorandum erstellt, welches die geplante Investitionspolitik und die Kriterien der Investitionsentscheidungen des Fonds erläutert und Auskunft über dessen rechtliche und steuerliche Hintergründe gibt. 62 Mögliche Investoren werden dann direkt im Rahmen von Road-Shows angesprochen oder mit Hilfe von speziellen Vertriebsgesellschaften, so genannten „Placement Agents“, versucht zu überzeugen. Der gesamte Fundraising-Prozess dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. 63 Sobald genug Kapital eingesammelt worden ist, wird das „Closing“, also das Schließen des Fonds bekannt gegeben. Die Einzahlung des Kapitals erfolgt nicht zwangsläufig in einem Schritt, sondern in verschiedenen Tranchen, so genannten „Draw Downs“, so dass auch wirklich nur dann Kapital eingezogen wird, wenn Projekte Kapital brauchen. Darstellung 56 stellt exemplarisch die jährliche Fundraising-Entwicklung in Deutschland dar. Klar zu erkennen ist das erhöhte Fundraising-Aufkommen um die Jahrtausendwende (New Economy Boom) und in den Jahren nach 2003.
Darstellung 5: Entwicklung des Fundraising in Deutschland 64
Während der Beteiligung an einem Unternehmen entstehen im angestrebten Fall Rückflüsse in Form von Zinsen, Gewinnausschüttungen oder Tilgungen, die abhängig von der Satzung des Fonds entweder thesauriert oder an die Investoren ausgeschüttet werden können. 65 Am
61 Der Begriff Fundraising beschreibt den Prozess des Einwerben von Fonds bzw. Geldmitteln von Kapitalgebern.
62 vgl. Hockmann, Thießen, 2002, S.255
63 vgl. Jesch, 2004, S.136
64 Quelle: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), 21.02.2008, S.25
65 vgl. Fendel, Groh, 2002, S.93
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. (ISM) Nico Auel, 2008, Leveraged Buy-Outs im Schatten der Subprime-Krise: Die Auswirkungen der Kreditkrise auf die Private Equity-Industrie und die Strategie der Investoren, München, GRIN Verlag GmbH
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