3
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG. 9
2 DIE NIEDERLANDE - EIN KURZER ÜBERBLICK 12
2.1 Die Niederlande geografisch gesehen 12
2.2 Die Niederlande - demografisch gesehen 13
3 ENTWICKLUNG DER EINWANDERUNGSBEWEGUNG IN DEN
NIEDERLANDEN 15
3.1 Einwanderungsgeschichte vor 1945 15
3.1.1 Religiöse und politische Flüchtlinge 17
3.1.2 Arbeitsmigranten 19
3.2 Einwanderungsgeschichte nach 1945 21
3.2.1 Repatrianten. 22
3.2.2 Molukker. 23
3.2.3 Surinamer und Antillianer 24
3.2.4 Gastarbeiter. 27
3.2.5 Flüchtlinge 29
3.2.6 Sonstige Einwanderer 29
3.3 Einwanderungsgeschichte nach 1980 29
3.3.1 Flüchtlinge / Asylbewerber 30
3.3.2 Gastarbeiter. 32
3.3.3 Sonstige Einwanderer 33
3.4 Die illegale Immigration. 34
3.5 Emigration aus den Niederlanden 40
4 EINWANDERUNGS- UND MINORITÄTENPOLITIK 41
4.1 Minderheitenpolitik nach 1980. 41
4.2 Migrationspolitik - 90er Jahre bis heute. 47
4.2.1 Integrationspolitik 51
4.2.2 Antidiskriminierungspolitik 56
4
4.2.3 Asylpolitik 60
4.2.4 Arbeitsmarktpolitik 62
4.2.5 Politik gegenüber illegalen Einwanderern. 63
4.3 Mit Immigrationsfragen beauftragte Ministerien und
Organisationen 64
4.3.1 „Ministerie van Justitie“ 64
4.3.2 „Immigratie- en Naturalisatiedienst“ 64
4.3.3 „Centraal Orgaan opvang asielzoekers“ 65
4.3.4 „Vreemdelingendienst“ 65
4.3.5 „VluchtelingenWerk Nederland“ 65
4.3.6 „Internationale Organisatie voor Migratie“ 65
4.3.7 „Nederlands Migratie Instituut“ 66
4.3.8 „Koninklijke Marechaussee“ 66
4.3.9 „Ministerie van Binnenlandse Zaken en Koninkrijksrelaties“ 66
4.3.10 „Landelijk bureau ter bestrijding van Rassendiscriminatie“ 67
4.4 Internationale Abkommen und die Europäische Union. 67
4.4.1 Europäische und internationale Abkommen 68
4.4.2 Europäische Integrationspolitik. 70
4.4.3 Europäische Asylpolitik. 71
5 IMMIGRATIONSMODALITÄTEN. 73
5.1 Einreisebestimmungen. 73
5.1.1 Reguläre Einreise. 73
5.1.2 Asylbewerber / Flüchtlinge 76
5.1.2.1 „Alleenstaande Minderjarige Asielzoekers“ (AMAs) 79
5.2 Aufenthaltsbestimmungen. 79
5.2.1 Aufenthaltsgenehmigungen. 79
5.2.1.1 „Vreemdelingenwet“ aus dem Jahre 1994 79
5.2.1.2 „Vreemdelingenwet 2000“ 80
5.2.1.2.1 „Verblijfsvergunning voor bepaalde tijd
regulier “ (VVR bep) 81
5.2.1.2.2 „Verblijfsvergunning voor onbepaalde tijd
regulier “ (VVR onbep) 82
5.2.1.2.3 „Verblijfsvergunning voor bepaalde tijd
5
asiel “ (VVA bep) 82
5.2.1.2.4 „Verblijfsvergunning voor onbepaalde tijd
asiel “ (VVA onbep) 82
5.2.1.2.5 „Verblijf als gemeenschapsonderdaan“ 83
5.2.2 Regulärer Aufenthalt 83
5.2.2.1 Familienzusammenführung oder -bildung 84
5.2.2.2 EU-Bürger 84
5.2.3 Asylbewerber. 86
5.2.3.1 „Alleenstaande Minderjarige Asielzoekers“ 88
5.2.4 „Wet Inburgering Nieuwkomers“ 88
5.2.4.1 Meinungen zum Integrationsprogramm. 92
5.3 Ausreisebestimmungen 93
5.3.1 Rückkehrpolitik 94
5.3.1.1 Freiwillige Rückkehr 95
5.3.1.1.1 „Remigratiewet“ 96
5.3.1.1.2 „Regeling verhuiskosten Antillianen“ 98
5.3.1.2 Angeordnete Rückkehr 99
5.3.1.2.1 „REAN“ und „REAN-plus“ 100
5.3.1.2.2 „Geschoold Terug“ 102
5.3.1.3 Abschiebung 103
5.3.1.4 Programme, die die Herkunftsländer betreffen. 106
5.4 Erwerb der niederländischen Staatsangehörigkeit. 107
6 INTEGRATION VON MIGRANTEN. 111
6.1 Problemgruppen 114
6.2 Integrationshemmnis Arbeitslosigkeit 115
7 SCHLUSSBETRACHTUNG 119
8 ANHANG. 121
8.1 Visumpflichtige Länder 121
8.2 „Vreemdelingendocumenten“ 124
LITERATURVERZEICHNIS 126
6
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Altersverteilung der Bevölkerung.
Abbildung 2: Religionszugehörigkeit.
Abbildung 3: Nationalitäten der Ausländer.
Abbildung 4: „Witte illegalen“ 2000.
Abbildung 5: Anzahl Asylanfragen 1991-2001.
Abbildung 6: Anerkennung als Flüchtling nach der
Genfer Konvention.
Abbildung 7: Asylanfragen in Europa.
Abbildung 8: Asylbewerber nach Nationalität.
Abbildung 9: Asylanträge Mai-August 2001 und 2002.
Abbildung 10: Asylanfragen AMAs.
Abbildung 11: Rückkehr mit Hilfe der IOM.
Abbildung 12: Ausweisungen 1999-2001.
Abbildung 13: Arbeitslosigkeit von Personen (15-64 Jahre)
nach Herkunft.
Abbildung 14: Arbeitslosigkeit nach Herkunft und Bildungsniveau
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AC - Aanmeldcentrum AFS - Anne-Frank-Stichting AMA - Alleenstaande Minderjarige Asielzoeker AWGB - Algemene wet gelijke behandeling AZC - Asielzoekerscentrum BGS - Bundesgrenzschutz BNO - British National Overseas BO - Beroepenoriëntatie CDA - Christen Demokratisch Appel CGB - Commissie gelijke behandeling COA - Centraal Orgaan opvang asielzoekers COW - Centrale Opvang in Woningen CP´86 - Centrum Partij ´86 EER - Europese Economische Ruimte EG - Europäische Gemeinschaft Emcemo - Euro Mediterraan Centrum Migratie & Ontwikkeling EU - Europäische Union EWR - Europäischer Wirtschaftsraum FARNN - Fund to Assist the Re-installation of Refugees from the Netherlands to Bosnia Hercegovina IND - Immigratie- en Naturalisatiedienst IntEnt - Internationalization of Entrepreneurship IOM - Internationale Organisatie voor Migratie KMar - Koninklijke Marechaussee KNIL - Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger LBR - Landelijk bureau ter bestrijding van Rassendiscriminatie LECD - Landelijk Expertisecentrum Discriminatie LPF - Lijst Pim Fortuyn MDI - Meldpunt Discriminatie Internet MIDA - Migration for development in Africa MO - Maatschappijoriëntatie MVV - Machtiging tot Voorlopig Verblijf
NBK - Nederland Bekent Kleur NGO - Non-governmental organization NMI - Nederlands Migratie Instituut NT2 - Nederlands als tweede taal OC - Opvang- en onderzoekscentrum RCA - Reinforcement of the Co-operation between EU Member
REAN - Return and Emigration of Aliens from the Netherlands REMPLOD - Reintegration of Emigrant Manpower and the Promotion of Local Opportunities for Development RQA - Return of Qualified Afghan Nationals SVB - Sociale Verzekeringsbank UNHCR - United Nations High Commissioner for Human Rights VD - Vreemdelingendienst VTV - Vergunning tot verblijf VVA bep - Verblijfsvergunning asiel voor bepaalde tijd VVA onbep - Verblijfsvergunning asiel voor onbepaalde tijd VVD - Volkspartij voor Vrijheid en Democratie VVR bep - Verblijfsvergunning regulier voor bepaalde tijd VVR onbep - Verblijfsvergunning regulier voor onbepaalde tijd VVTV - Voorwaardelijke vergunning tot verblijf WBEAA - Wet Bevordering Evenredige Arbeitsdeelname Allochtonen WIN - Wet Inburgering Nieuwkomers WRR - Wetenschappelijke Raad voor het Regeringsbeleid ZZA - ZelfZorgArrangement
1 EINLEITUNG
Schon Euripides sagte, dass es keinen größeren Verlust gäbe als den der Heimat. 1 Und doch machen sich schon seit Jahrhunderten, ja sogar Jahrtausenden Menschen auf, um in einem fremden Land ihr Glück zu suchen. Sie lassen alles zurück: ihre Heimat, ihre Freunde, Verwandte etc., um in ein „besseres“ Leben zu fliehen. Doch erweist sich dies oftmals als Traum, der in der Realität meist ganz anders aussieht.
Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten „geschrumpft“. Dank der neuen Transportmöglichkeiten und Kommunikationstechnologien kommen
Personen, Güter, Ideen und Bilder ohne Probleme um die ganze Welt. Geografische Grenzen und große Entfernungen werden mühelos überwunden, Menschen auf der ganzen Welt stehen in Kontakt miteinander, sind mehr denn je voneinander abhängig. Früher hatte Migration mehr individuellen Charakter und fand zwischen Nachbarländern statt. Heute ziehen Migrantenströme über die ganze Welt. Verjagt aus ihrer Heimat durch Unterdrückung, Kriege, Hunger und Armut, aber auch aufgrund diktatorischer Regime oder Umweltkatastrophen, auf der Suche nach einem besseren Leben. Die Gründe für die Migrationsbewegungen sind sehr vielseitig. Das Wohlstandsgefälle zwischen der Ersten und Dritten Welt, aber auch ein Wohlstand des Westens, der über moderne Medien propagiert wird, so aber nicht der Realität entspricht und Erwartungen weckt, die nicht erfüllt werden können, sind nur einige Beispiele. Viele Migranten sind auf der Suche nach ihrem Traum von Freiheit und Konsum im Westen, ärztlicher Versorgung, bezahlter Arbeit und Eigentum oder fliehen aus der Perspektivlosigkeit, aus Elend und Armut in ihren Herkunftsländern. Die Zahl der Flüchtlinge ist weltweit nach Schätzungen des UNHCR zu Beginn des Jahres 2001 auf etwa 21 Mio. angestiegen. Die Mehrzahl der Flüchtlinge blieb allerdings im Umfeld ihrer Herkunftsgebiete, denn die Wanderungsbewegungen richteten sich meist auf die unmittelbaren Nachbarländer und nur zu einem kleinen Teil auf entfernte Weltregionen. Länder wie Pakistan mit mehr als 2 Mio. Flüchtlingen und der Iran mit etwa
1 Peltzer 1957:319
1,8 Mio. Flüchtlingen führen die Liste der größten Aufnahmeländer an, gefolgt von Deutschland (0,9 Mio.) und vielen Ländern des afrikanischen Kontinents, die mit mehreren hunderttausend Flüchtlingen konfrontiert werden. Die westeuropäischen Staaten treten dagegen erst in großem Ab-stand als Aufnahmeländer in Erscheinung.
Die Globalisierung und die damit verbundene Ausbreitung und Intensivierung der gegenseitigen Beziehungen führt sowohl zu einer kulturellen Homogenität, als auch zu einer Lokalisierung, zu einer zunehmenden kulturellen Profilierung. Die eigene Kultur wird von Aspekten anderer Kulturen durchsetzt und eine dominante Kultur ist dem Einfluss von Menschen mit anderen Gewohnheiten, Bräuchen und Traditionen ausgesetzt. In diesem Prozess fortwährender kultureller Vielfalt entsteht eine Mischung von Kulturen und Subkulturen und es ist Aufgabe eines Staates, diesen Prozess zu begleiten und zu unterstützen.
Da dieses Thema auch heutzutage aktueller denn je ist, habe ich beschlossen, mich in dieser Arbeit mit dem Phänomen Immigration in den Niederlanden zu befassen. Immigration - ein Thema, das sehr viele verschiedene Aspekte in sich birgt, der jeder für sich intensiver Untersuchungen bedarf. In der vorliegenden Arbeit soll das Ausmaß der Einwanderung in die Niederlande in all ihren Formen dargestellt werden. Es soll ein Überblick über die Immigration in den Niederlanden, insbesondere gegen Ende des 20. Jahrhunderts geschaffen werden. Den eigentlichen Betrachtungen ist eine kurze Einführung in die Geografie und Demografie der Niederlande vorangestellt. Im darauf folgenden Kapitel wird auf die Einwanderungsgeschichte eingegangen, die anhand der größten Einwanderungsgruppen aufgezeigt wird. Darüber hinaus gehe ich auch auf Aspekte der illegalen Immigration und der Emigration aus den Niederlanden ein.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der heutigen Einwanderungs- und Minoritätenpolitik. In Zusammenhang mit den verschiedenen politischen Zielsetzungen der letzten Jahre werden einige der wichtigsten Organisationen dargestellt, die bei dem sehr vielfältigen Einwanderungs- prozess eine Rolle spielen. Da angesichts der hohen Flüchtlingszahlen in
ganz Europa das Thema nicht nur einzelne Staaten betrifft, sondern die gesamte Europäische Union, ist eine europabezogene Betrachtung notwendig, die im Anschluss an die Ausführungen der nationalen Politik kurz dargelegt wird.
Das nächste Kapitel beinhaltet detaillierte Informationen zu den Einreise-, Aufenthalts- und Ausreisebestimmungen der Niederlande. Dabei wird zwischen regulärer Einreise und Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern unterschieden. Des Weiteren folgen Erläuterungen, welche Rechte Immigranten in den Niederlanden haben, aber auch mit welchen Pflichten sie konfrontiert werden. Was die Ausreisebestimmungen anbelangt, so werden die vielfältigen Rückkehrprogramme dargestellt. Im Anschluss möchte ich noch einige Aspekte der Integration von Neu-zuwanderern ansprechen, wobei ich das Augenmerk besonders auf die Arbeitsmarktproblematik richte.
Zum Schluss soll noch darauf hingewiesen werden, dass die in dieser Diplomarbeit dargestellten Grafiken ausschließlich von mir selbst erstellt wurden und jeweils nur die Quellen gesondert vermerkt wurden, denen ich die nötigen Angaben entnommen habe. Weiterhin möchte ich anmerken, dass das Wort „Ausländer“ in dieser Arbeit ohne jegliche negative oder abwertende Konnotation verwendet wurde.
2 DIE NIEDERLANDE - EIN KURZER ÜBERBLICK
In diesem Kapitel sollen die Niederlande kurz vorgestellt werden. Zuerst einige Worte zur Staatsform, anschließend wichtige Daten zu Geografie und Demografie.
„Het Koninkrijk der Nederlanden“, zu dessen Hoheitsgebiet auch die in der Karibik gelegenen autonomen Niederländischen Antillen und Aruba gehören 2 , ist eine konstitutionelle Monarchie mit parlamentarischem Regierungssystem. Staatsoberhaupt ist seit dem 30. April 1980 Königin Beatrix. Die Regierung unter Vorsitz des Ministerpräsidenten wird von der Königin ernannt und ist dem Parlament verantwortlich. Der Regierungssitz der Niederlande befindet sich in Den Haag, Landeshauptstadt ist jedoch Amsterdam. 3
2.1 Die Niederlande geografisch gesehen
Die Niederlande selbst, besser gesagt der in Europa gelegene Teil des Königreichs der Niederlande, sind mit einer Gesamtfläche von 41 526 km 2 eines der kleinsten westeuropäischen Ländern. Wie der Name „Niederlande“ schon sagt, ist das Land sehr tief gelegen. Weite Teile des Landes, genau genommen 24 % der Landfläche, liegen unterhalb des Meeresspiegels. Auf dieser Fläche wohnen ca. 60 % der gesamten Bevölkerung der Niederlande. 4 Die Niederlande werden im Ausland oft als „Holland“ bezeichnet, obwohl dies eigentlich nur der Name der beiden Provinzen an der Westküste (Nord- und Südholland) ist, die in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt haben. 5
2 Geografisch gesehen gehört Aruba zur Inselgruppe der Kleinen Antillen. Seit 1954 genießen die Niederländischen Antillen innere Autonomie, die durch eine eigene Exekutive und ein eigenes Parlament ausgeübt wird. Die westlichste der niederländischen Inseln der Kleinen Antillen, Aruba, hat seit 1986 einen eigenen Status innerhalb der autonomen Inselgemeinschaft „Union der Niederländischen Antillen und Aruba“. Darum werden die Niederländischen Antillen und Aruba im weiteren Verlauf der Arbeit getrennt genannt. (Meyers großes Taschenlexikon 1999, Bd.1:295; Bd.16:12)
3 http://www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html? land_ id=1 23&type_id=10
4 Meijer 1997:4
5 „Die Niederlande im Überblick“:6
2.2 Die Niederlande - demografisch gesehen
In den Niederlanden leben etwa 16,1 Mio. Menschen (Stand: Oktober 2002) 6 . Auf einem Quadratkilometer leben im Schnitt 449 Einwohner, was bedeutet, dass die Niederlande eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt sind. Die größte Bevölkerungsdichte herrscht in der sog. „Randstad“ Holland, dem Städtering im Westen des Landes, zu dem Amsterdam, Haarlem, Leiden, Den Haag, Rotterdam und Utrecht gehören. 7 In den folgenden Diagrammen sind statistische Angaben zu Alter, Religionszugehörigkeit und Nationalität der niederländischen Bevölkerung einzusehen.
Der Bevölkerungszuwachs in den Niederlanden beträgt 0,57 % (ohne Zuwanderungsgewinn).
6 http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html? land_id=123&type_id=2
7 Die Niederlande im Überblick:8f.
8 http://statline.cbs.nl/StatWeb/start.asp?LA=nl&DM=SLNL&lp=Search/Search
Infolge der Zuwanderung, insbesondere aus Ländern wie der Türkei und Marokko, nimmt auch der Anteil der Muslime seit einiger Zeit stark zu (4 %). 10 Von den 16,1 Mio. Einwohnern sind etwa 690 400 Ausländer, die sich folgendermaßen aufteilen lassen.
Seit den 70er Jahren herrscht eine hohe Zuwanderung von Gastarbeitern und ihren Familien, Surinamern, Flüchtlingen sowie Zuwanderern von den Antillen. Dagegen emigrierten in den 50ern tausende Niederländer nach Kanada, Südafrika, Australien, Neuseeland und in die USA. 12
9 http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html? land_id=123&type_id=2
10 http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html? land_id=123&type_id=2
11 http://statline.cbs.nl/StatWeb/Table.asp?STB=G1&LA=nl&DM=SLNL&PA=03743&D1=0 &D2=0-3,12,23,32,41,52,62,68,79-80,83,86,117,145-146,167,169,184,l&D3=0&D4=(l-4)-l&HDR=T,G2,G3
12 Meijer 1997:22
3 ENTWICKLUNG DER EINWANDERUNGSBEWEGUNG IN DEN
NIEDERLANDEN
Bereits seit Jahrhunderten kommen immer wieder Zuwanderer in die Niederlande. Vor allem der relative 13 Reichtum und die vergleichsweise große religiöse und politische Toleranz der Niederlande machten das Land seit jeher sehr attraktiv für Immigranten. Was die Motive der Immigration angeht, so muss man zwischen politisch und/oder religiösen oder wirtschaftlichen Motiven unterscheiden. 14
Auch die koloniale Vergangenheit der Niederlande prägte die Entstehung und Lage der ethnischen Minderheiten. Da die Niederlande seit dem Zweiten Weltkrieg ihre Kolonien aufgelöst haben und dabei ganze Bevölkerungsgruppen in das Mutterland hinübergewechselt sind, entstanden alsbald relativ geschlossene und ethnisch selbstbewusste Bevölkerungsgruppen. 15 Heute leben insgesamt 690 400 Ausländer in den Niederlanden (Stand: Oktober 2002). 16
„Trotz der Tatsache, daß sich die Niederlande nicht als Einwanderungsland betrachteten, haben sich doch viele Einwanderer in den letzten Jahrzehnten hier niedergelassen.“ 17
3.1 Einwanderungsgeschichte vor 1945 18
Bereits seit dem 16. Jh. haben sich viele Immigranten in dem wohlhabenden und toleranten Land niedergelassen. Vor 1900 waren es meist religiöse, aber auch politische Flüchtlinge. Hinzu kamen noch Arbeitsmigranten und „passanten“ 19 sowie Wanderarbeiter.
13 Relativ, das soll heißen, in oftmals großem Kontrast zu den Gebieten, aus denen die Zuwanderer kommen. (Lucassen/Penninx 1994:19)
14 Lucassen/Penninx 1994:61
15 Bukow 1989: 10
16 http://statline.cbs.nl/StatWeb/start.asp?STB=G1&LA=nl&DM=SLNL&PA=03743&D1=0& D2 =0-3, 12,23,32,41,52,62,68,79-80,83,86,117,145-146,167,169,184,l&D3=0&D4=(l-4)-l&HDR=T,G2,G3
17 Penninx 1993:81
18 Soweit nicht anders angegeben, stützt sich diese Übersicht im Wesentlichen auf Lucassen/Penninx 1994.
19 Durchreisende; Personen, die nur einige Jahre in den Niederlanden verbrachten
Schon Mitte des 19. Jh. gab es erste Bemühungen, nur die Ausländer zuzulassen, die für das Land von Nutzen waren. So wurde bereits 1849 ein Ausländergesetz 20 eingeführt, das aber nicht von allzu großer Bedeutung war. Obgleich der niederländische Nationalismus in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zunahm, kam, im Gegensatz zu z. B. England, kein neues Ausländergesetz zustande, vermutlich vor allem durch das Ausbleiben von unerwarteten, großen Immigrationswellen. Erst der Erste Weltkrieg und die dadurch verursachten massenhaften Flüchtlingsströme und politischen Veränderungen führten zu einer neuen Gesetzgebung, wie dem „Wet toezicht vreemdelingen“ (Gesetz zur Aufsicht von Ausländern) aus dem Jahre 1918 und dem „Wet op de grensbewaking“ (Gesetz zur Grenzbewachung) von 1920. Unter diesen Gesetzen wurde es Flüchtlingen v. a. in den 30er Jahren bedeutend erschwert in die Niederlande einzureisen. Aber durch die Vorkommnisse in Deutschland, besonders durch die Reichskristallnacht und die offensichtlichen Judenverfolgungen, wurden einige Beschränkungen wieder zurückgenommen.
Rückblickend unterscheiden Lucassen/Penninx in den vier Jahrhunderten Immigrations- und Zulassungspolitik der Niederlande drei Phasen: „In de eerste fase - van de zeventiende en achttiende eeuw tot en met het einde van de Republiek - was Nederland een immigratieland bij uitstek. Als staatkundige eenheid was het een betrekkelijk los verband van steden en provincies. Land of plaats van geboorte was het belangrijkste criterium waarop nieuwkomers van inboorlingen werden onderscheiden. Nakomelingen van immigranten waren inboorlingen en voor hen gold dus geen principieel onderscheid. Het beleid ten aanzien van deze nieuwkomers was in hoofdzaak een aangelegenheid van steden.
In de tweede fase - vanaf het begin van de negentiende eeuw tot omstreeks 1970 - treden belangrijke veranderingen op. Het aantal immigranten neemt tot 1870 gestadig af om vervolgens tot aan de Tweede Wereldoorlog op een relatief laag niveau te blijven, uitgezonderd enkele vluchtelingenmigraties. De staatkundige eenheid heeft sinds het ontstaan van het Koninkrijk der Nederlanden (1815) steeds meer de juridische en politieke structuur van een natie-staat gekregen, met het staatsburgerschap als de juridische uitdrukking daarvan; dat staatsburgerschap wordt nu hoofdzakelijk gebaseerd op het afstammingsbeginsel. De tegenstelling inboorling versus elders
20 Das Ausländergesetz war theoretisch ein wasserdichtes System, wie Lucassen/Penninx es nennen, um die Zulassung von Ausländern zu kontrollieren. Praktisch war dies jedoch nicht der Fall. Das Gesetz wurde hauptsächlich genutzt, um Ausländer, die als wirtschaftlich nicht nützlich erachtet wurden, abzuweisen. So verweigerte man in den kommenden Jahren z. B. Musikanten und Schaustellern den Aufenthalt in den Niederlanden.
geboren nieuwkomers die tijdens de Republiek bestond, wordt vervangen door die van Nederlandse staatsburgers door afkomst versus vreemde onderdanen. De staat formuleert nu ook nadrukkelijk het recht om over toelating tot haar grondgebied en uitzetting daaruit van vreemde staatsburgers te beslissen. Echt beleid op basis van deze nieuwe principes krijgt eigenlijk pas vanaf het begin van de twintigste eeuw concreet vorm, wanneer uitgewerkte wetgeving en handhavingsinstituties ontstaan. Deze worden actief gebruikt op het moment dat politieke of economische ontwikkelingen dat vereisen. Vanaf het midden van de jaren tachtig treedt de derde fase in, die van de internationalisering van het immigratiebeleid in het kader van de Europese eenwording.“
3.1.1 Religiöse und politische Flüchtlinge
Die Anfänge der Immigration findet man bereits während des Achtzigjährigen Krieges (1568 bis 1648), als v. a. Südniederländer, darunter hauptsächlich Flamen, in die Republik der Vereinigten Niederlande flüchteten. Um 1600 wohnten ca. 100 000 Südniederländer in den Vereinigten Niederlanden, was etwa 7 % der Gesamtbevölkerung ausmachte. Zum Vergleich: Die Zahl der Ausländer in den Niederlanden belief sich 2001 auf 4,2 % der Bevölkerung. 21 Die Südniederländer hatten große Schwierigkeiten in den Vereinigten Niederlanden, da sie entweder einen Dialekt oder aber Französisch sprachen. Ungeachtet dieser Schwierigkeiten sorgten sie für Aufschwung in der Textilindustrie. Durch die entstandenen Handelskolonien wurden unter anderem Kaufleute aus Wales, Schottland, Armenien und auch Griechenland angezogen, die in den großen Städten ihre eigenen Gemeinschaften bildeten. 22 Zudem kamen immer mehr Arbeiter, Handwerker und auch Kaufleute, die großen Einfluss auf die Entwicklung der niederländischen Wirtschaft hatten. Die Immigranten aus dem Süden waren aber nicht nur Kaufleute, auch Dozenten der Universität Leiden, sowie Theologen, Künstler und Maler gehörten zu den Einwanderern. So war diese Immigrationswelle im 16./17. Jh. nicht nur quantitativ, sondern besaß auch Qualität und war von unschätzbarem Wert für die wirtschaftliche, gesellschaftliche,
wissenschaftliche und kulturelle Blüte der Niederlande während des „Goldenen Jahrhunderts“.
21 http://statline.cbs.nl/StatWeb/Table.asp?STB=G1&LA=nl&DM=SLNL&PA=03743&D1=0 &D2=0-3,12,23,32,41,52,62,68,79-80,83,86,117,145-146,167,169,184,l&D3=0&D4=(l-4)-l&HDR=T,G2,G3
22 Cornelis 1990:14
Auch B. Cornelis bestätigt dies:
„Deze grote groepen immigranten hebben een belangrijke bijdrage geleverd aan de economische, culturele en ook wetenschappelijke bloei in de Gouden Eeuw. Zo was bij de oprichting van de Verenigde Oostindische Compagnie in 1602 meer dan een derde deel van het ingelegde kapitaal afkomstig van de Zuidnederlandse immigranten!“ 23
Etwa in der zweiten Hälfte des 17. Jh. flüchteten Hugenotten, eine protestantische Minderheit in Frankreich, aufgrund der Ereignisse dort in die Niederlande. 24 In den ersten Jahren wurden sie mit offenen Armen empfangen, denn es waren Stadtbürger und Kaufleute. Ihnen wurden Vergünstigungen und Bürgerrechte zuteil. Als jedoch auch ärmere Flüchtlinge in die Niederlande kamen, wurden keine dieser Vorrechte mehr gewährt. Die Hugenotten waren, ebenso wie die Südniederländer, von wirtschaftlicher und religiöser Bedeutung für die Niederlande. Unter ihnen befanden sich viele Gelehrte. Insgesamt machten die Hugenotten im 17. Jh. ca. 3 % der Bevölkerung in den Niederlanden aus.
Es kamen auch jüdische Flüchtlinge zu Beginn des 17. Jh. in die Vereinigten Niederlande. So flüchteten einige tausend Juden aus Portugal und Spanien 25 , aber auch Juden aus Mittel- und Osteuropa 26 . Diese stellten eine viel größere und ärmere Gruppe Flüchtlinge dar, als dies bisher der Fall war. Bei der Volkszählung von 1796 in der Batavischen Republik wurden ca. 30 000 jüdische Einwohner gezählt, das entsprach etwa 1,5 % der Bevölkerung und war das Ergebnis von zwei Jahrhunderten Immigration plus natürlichem Wachstum.
Neben den genannten großen Gruppen gab es auch noch viele kleine Gruppen von Flüchtlingen, die meist aus religiösen Gründen in die Nieder-lande geflohen waren. Religiöse Flüchtlinge sind ein Phänomen im Europa
23 Cornelis 1990:14
24 Bereits im 16. Jh. lebten die Hugenotten in Frankreich in ständiger Angst hinsichtlich der Anerkennung ihrer Rechte durch den (katholischen) König. 1598 wurde ihnen im Edikt von Nantes die Religionsfreiheit zugesagt. Ab 1680 begann eine massenhafte Flucht der Hugenotten aus Frankreich, die noch stärker wurde, als Ludwig XIV. im Edikt von Fontainebleau 1685 das Edikt von Nantes offiziell widerrief und ihnen somit alle garantierten Rechte nahm. (Lucassen/Penninx 1994:32f.; Meyers großes Taschenlexikon 1999, Bd.10:97)
25 Sie waren Opfer der Inquisition geworden.
26 Als Folge des Antisemitismus in Deutschland im Dreißigjährigen Krieg, des Antisemitismus in Polen und der Pogrome in Polen und Russland in der zweiten Hälfte des 18. Jh.
des 16. bis zur ersten Hälfte des 18. Jh., mit Ausnahme der Judenverfolgungen in Mittel- und Osteuropa, die auch im 20. Jh. andauerten. Im 19. Jh. kamen nur wenige Flüchtlinge in die Niederlande, die meisten zogen nach England und in die USA.
Während der Kriegsjahre im 20. Jh. kamen Vertriebene aus verschiedenen Nachbarländern. So flüchteten während des Ersten Weltkrieges im Oktober 1914 fast 900 000 Belgier in die Niederlande, von denen aber viele schnell wieder nach Belgien zurückkehrten. Als Folge des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Revolutionen v. a. in Osteuropa, kam es zu großen Flüchtlingsbewegungen. So gingen viele österreichisch-ungarische Waisenkinder und einige russische Flüchtlinge in die Niederlande. Der andauernde osteuropäische Antisemitismus führte in den 20er Jahren noch einmal zu einer Welle von etwa 10 000 jüdischen Flüchtlingen, die in die Niederlande einreisten. Später kam der zeitweise Verbleib von Flüchtlingen aus Deutsch-land in den 30er Jahren. Die Judenverfolgung ab 1933 in Deutschland und ab 1938 in Österreich zwang 20 000 Juden zur Flucht. Es zog sie in die Niederlande. Außerdem kamen noch viele andere politische Flüchtlinge, nach Schätzungen etwa 7 000; vor allem verfolgte Sozialisten, Kommunisten und Trotzkisten, aber auch katholische Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und verfolgte Intellektuelle und Künstler.
3.1.2 Arbeitsmigranten
Eine weitere Gruppe von Immigranten in den Zeiten der Vereinigten Nieder-lande waren neben den Flüchtlingen die Arbeitsmigranten und „passanten“, wobei es wesentlich mehr Arbeitsmigranten als „passanten“ gab. Um Geld zu verdienen oder anzusparen, versuchten sich hunderttausende junger Menschen als Dienstboten, Matrosen oder Soldaten in den Niederlanden oder in einer der Kolonien. Diejenigen, die sich als Dienstboten verdingten, kamen aus England, Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Soldaten stammten aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Matrosen kamen aus Deutschland, China, Indonesien, von den Philippinen und den Kapverdischen Inseln. Bei den „passanten“ handelte es sich um die verschiedensten sozialen Gruppen. Es waren Handelsreisende, aber auch Botschaftspersonal, Intellektuelle, Gelehrte, Professoren, die eingeladen
wurden in den Niederlanden zu lehren, Handwerker (z. B. Wanderburschen aus Deutschland), osteuropäische Bärenkämpfer, italienische Clowns, deutsche Musiker, Prostituierte, Bühnen-, Ballett- und Operngesellschaften u. v. a. Diese Gruppen hatten den nur befristeten und unregelmäßigen Kontakt mit den Niederlanden und den Niederländern gemeinsam. Seit dem 16. bis ins späte 19. Jh. zogen jährlich zehntausende Saisonarbeiter aus Westfalen, dem Osten und Süden der heutigen Niederlande, aus der Eifel und dem Hunsrück, aus Teilen Belgiens und der Picardie an die Nordseeküsten. Für die Provinzen der Niederlande an der Nordsee bedeutete dies, dass ca. 20 000 Arbeiter in einem festen Rhythmus zwischen dem armen Hinterland und dem reichen Küstenland hin und her zogen. Meist fand diese „Wanderung“ im Frühjahr, Sommer oder Herbst statt. Die Wanderarbeiter fanden Arbeit v. a. in der Landwirtschaft, bei infrastrukturellen Arbeiten oder bei Deich- und Kanalbau. Im Gegensatz zu den anderen hier behandelten Gruppen von Immigranten blieben sie hauptsächlich auf dem Land. Nach 1870 veränderte sich die Wanderarbeit in den Niederlanden. Durch die Industrialisierung bot sich den Wanderarbeitern mehr dauerhafte Arbeit als Saisonarbeit. Dabei war v. a. das Ruhrgebiet von Bedeutung. Die Wanderarbeiter aus Westfalen, aber auch viele Niederländer zog es dorthin. So änderte sich die Richtung der Arbeitsmigration von West nach Ost.
Durch die Entwicklung der Minenindustrie in der niederländischen Provinz Limburg nach 1900 wurden viele Arbeiter aus Deutschland, aber auch Tausende aus Italien, Polen und Slowenien angezogen. Ein Teil von ihnen wurde in den 30er Jahren wieder entlassen und ausgewiesen, viele jedoch blieben für immer.
Bis 1900 verlief die Arbeitsimmigration ziemlich spontan und die Eigeninitiative der Immigranten war ausschlaggebend. Erst im 20. Jh. entstanden dann weniger spontane Formen der Arbeitsimmigration, wobei der Staat eine große Rolle spielte. Das betrifft sowohl die Arbeitsmigration als auch die Migration in Zusammenhang mit der Dekolonisation. 27
27 Cornelis 1990:14
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kamen die ersten chinesischen Immigranten in die Niederlande, sie arbeiteten meist bei Schifffahrtsgesellschaften als Matrosen. Ende der 20er Jahre wurden viele von ihnen arbeitslos. Aufgrund der Krise in den 30ern kehrten viele zurück nach China und erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es auch den Chinesen, die in den Niederlanden geblieben waren, aufgrund des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs wieder besser.
3.2 Einwanderungsgeschichte nach 1945 28
Wie zu Beginn bereits erwähnt, wurde die Zuwanderung in die Niederlande seit dem Zweiten Weltkrieg wesentlich von der kolonialen Vergangenheit geprägt. Da die Kolonien Teile des Königreichs der Niederlande waren, besaßen die Bürger somit die niederländische Staatsangehörigkeit. Nach 1945 sind mehrere Immigrationswellen mit verschiedenen politischen Hintergründen zu unterscheiden. So hatte diese Immigration zum einen kolonialhistorische und zum anderen ökonomische, aber auch politische Gründe. Bezeichnend ist eine durch die Dekolonisation entstandene Immigration von eigenen Staatsangehörigen, die jedoch von Personen aus Drittländern ergänzt wurde.
Was die Migration als Folge der Dekolonisation angeht, so spielten erst die „Indische Nederlanders“ (indonesische Niederländer) von 1945 bis 1958, 1951 die Molukker und seit 1954 die karibische Migration (Surinamer und Antillianer) eine große Rolle bei der Immigration in die Niederlande. 29 Politisch gesehen war die Nachkriegszeit hinsichtlich der Zulassung von Immigranten mit Aufsicht und oft auch Beschränkungen seitens des Staates verbunden. So fiel die Zeit der Nachsicht bei der Zulassung zusammen mit Zeiten in denen die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt war und die Wirtschaft expandierte. Die Niederlande haben versucht, nicht nur den Zustrom ausländischer Einwanderer einzuschränken, sondern auch den Zustrom der „Indische Nederlanders“, indem diesen nahegelegt wurde, die
28 Sofern nicht anders angegeben, stammen die Informationen zu Kapitel 3.2 aus Cornelis 1990.
29 Dörr 1996
indonesische Nationalität anzunehmen (s. auch Kapitel 3.2.1). Weiterhin war die Politik darauf ausgerichtet, dass die Verweildauer der Migranten nur vorübergehend war, was aber, wie im Folgenden gezeigt wird, durchaus nicht der Fall war. Die Immigranten wurden als einzelne Gruppen definiert, die nicht, zumindest nicht dauerhaft, zur niederländischen Gesellschaft gehörten und es wurden Maßnahmen ergriffen, die den vorübergehenden Charakter ihres Aufenthalts betonten. 30
„Diese "Fiktion des vorübergehenden Aufenthaltes" ... war tief verwurzelt in den Einwanderungsbestimmungen, in Gesetzen und Bestimmungen zum rechtlichen Status der Einwanderer (ohne niederländische Staatsangehörigkeit) und in der Aufnahmepolitik.“ 31
Im Fall der Molukker war dies besonders schwerwiegend. Erst gegen Ende der 70er Jahre kam ein Wandel in der Diskussion um Einwanderer, hervorgerufen durch Geiselnahmen und die Zugentführung durch junge Molukker. Mehr zu den molukkischen Einwanderern in Kapitel 3.2.2. Die Auffassung der zeitlichen Begrenzung der Aufenthaltsdauer wich einer neuen politischen Vision, in der die Zukunft der Einwanderungsgruppen in der niederländischen Gesellschaft im Mittelpunkt stand. 32
3.2.1 Repatrianten 33
Die erste Immigrationswelle aus den ehemaligen Kolonien bildeten die Indonesier, die sog. Repatrianten, die zwischen 1945 und 1975 in die Niederlande kamen 34 . Sie immigrierten nach der Erlangung der Unabhängigkeit Indonesiens in die Niederlande. Die meisten von ihnen waren gemischter indonesisch-niederländischer Abstammung und hatten aufgrund ihrer niederländischen Staatsangehörigkeit das Recht, sich in den Nieder- 30 Sogab es z. B. Programme, die vorsahen, Kinder von Gastarbeitern in ihrer Muttersprache zu unterrichten, um ihnen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft des Heimatlandes zu erleichtern. (Penninx 1993:82)
31 Penninx 1993:82
32 Penninx 1993:83
33 „Many of the migrants involved were born in the Dutch East Indies/Indonesia, and had never set foot in the Netherlands before. Therefore they were not actually ´repatriats`, though the latter term is often used to indicate all decolonization migration from the Dutch East Indies/Indonesia.“ (Penninx/Schoorl/Praag 1993:8)
34 Für nähere Informationen zu den geschichtlichen Hintergründen und den Ereignissen auf Indonesien siehe Lucassen/Penninx 1994:38ff. und Cornelis 1990:15f.
landen anzusiedeln 35 . Diese Einwanderergruppe war gebildet und stark auf die Niederlande orientiert. Wie R: Penninx es ausdrückt, wurde „ihre Integration durch eine aktive Aufnahme- und Niederlassungspolitik unterstützt.“ Von großem Vorteil für die Indonesier war die Tatsache, dass diese Einwanderungswelle in einen Zeitraum fiel, in dem die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt expandierten. 36
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen ca. 290 000 Repatrianten aus Indonesien, aber in der gleichen Zeit emigrierten mehr als 500 000 Niederländer in Länder wie Australien, Neuseeland, Kanada, USA und Südafrika. Auf diese Emigration gehe ich in Kapitel 3.5 kurz ein. Die Personen, die gemischt niederländisch-indonesischer Abstammung waren, besaßen die niederländische Staatsangehörigkeit. Sie hatten aber die Möglichkeit, sich für die indonesische zu entscheiden, wozu sie von der niederländischen Regierung ermutigt wurden. Viele entschieden sich folglich für die indonesische Staatsangehörigkeit, kehrten aber nach einigen schwierigen Jahren in Indonesien doch in die Niederlande zurück und entschieden sich für die niederländische Staatsangehörigkeit. 37
3.2.2 Molukker
Die nächste große Einwanderungswelle waren Gruppen molukkischer Soldaten 38 , die in der ehemaligen Kolonialstreitmacht in Indonesien gedient hatten. Sie hatten sich bis 1949 für die niederländischen Belange eingesetzt und emigrierten 1951 als eine Gruppe zwangsweise in die Niederlande. Die Molukker, die zusammen mit ihren Angehörigen eine Gruppe von ca. 13 000
35 Neben den Staatsbürgern, die niederländischer oder niederländisch-indonesischer Abstammung waren, verließ auch eine Gruppe Personen rein indonesischer Abstammung das Land, die sich für die Interessen der Niederlande eingesetzt hatten, die Molukker, auf die ich in Kapitel 3.2.2 näher eingehen.
36 Penninx 1993:77
37 Lucassen/Penninx 1994:40
38 Die Molukker standen im Dienst der kolonialen Verwaltung, vor allem als Soldaten im ´Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger` (KNIL). Als dieses aufgelöst wurde weigerten sich ca. 4 000 Molukker, in die indonesische Armee aufgenommen zu werden. Sie wollten u. a. die Unabhängigkeit der Republik ´Zuid-Molukken`. Sie sollten auf die Insel Java verlegt werden, was sie ablehnten. Da sie auch nicht auf die Molukken zurückkehren konnten, und als die Niederlande 1951 gezwungen wurden, die Soldaten mit ihren Angehörigen in die Niederlande zu holen, hatten sie keine andere Wahl mehr. (Lucassen/Penninx 1994:40f.)
Personen bildeten, gingen, ebenso wie die niederländische Regierung, davon aus, dass es sich nur um einen vorübergehenden Aufenthalt handeln würde, denn die Molukker wollten innerhalb absehbarer Zeit wieder zurückkehren und strebten einen selbstständigen Staat, die Freie Republik der Molukken, an. Es sollte sich aber herausstellen, dass sie nie auf die Molukken zurückkehren würden. Sie erlebten in den Niederlanden eine böse Überraschung, denn sie wurden nach ihrer Ankunft in Europa aus dem militärischen Dienst entlassen 39 . Die Molukker hatten von Anfang an mit ungünstigen Bedingungen zu kämpfen. So erschwerten ihre eigenen starken Rückkehrabsichten eine schnelle Integration in die niederländische Gesellschaft. Auch die Regierungspolitik war darauf ausgerichtet, die Molukker in Erwartung ihrer baldigen Rückkehr als Gruppe zu erhalten.
„Vanwege hun sterke gerichtheid op terugkeer werden de Molukkers geconcenetreerd gehuisvest in woonkampen.“
Zu der von der niederländischen Gesellschaft gesonderten Unterbringung kamen noch ihr niedriger Bildungsstand und ihre geringen
Niederländischkenntnisse als Integrationshemmnis hinzu. Erst im Jahre 1978, nach einer Reihe gewalttätiger Besetzungen und einer Zugentführung 40 Mitte der 70er Jahre wurden die politischen Zielsetzungen hinsichtlich dieser Immigrantengruppe explizit geändert. Die Anzahl der Molukker in den Niederlanden betrug zu Beginn der 90er Jahre schätzungsweise 40 000 Personen. 41
3.2.3 Surinamer und Antillianer
Die Surinamer konnten bis zum Jahr 1975 als niederländische Staatsbürger ohne Beschränkungen in die Niederlande einreisen, ebenso wie die Antillianer auch heute noch.
39 „Auf der Inselgruppe der Molukken wurde die Gründung einer eigenen Republik angestrebt. Darum erlaubten die Indonesier nicht, daß die Militärs auf den Molukken aus der Streitmacht entlassen wurden.“ (Boecker 1996:7)
40 1970 wurden von ´Ambonesen` erste Überfälle mit Geiselnahme bei Amsterdam und Drente verübt. 1976 nahm erneut eine Gruppe Molukker Geiseln in einer Schule in Bovensmilde. 1978 schließlich kam es zur Zugbesetzung bei Assen wiederum durch junge Molukker. (Baedeker 1997:57)
41 Lucassen/Penninx 1994:41
Seit Ende des 19. Jh. ist eine ständige Zunahme der Migration von Surinam in die Niederlande zu verzeichnen. Surinam war von 1668 bis 1975 Kolonie der Niederlande 42 bzw. „Overzees Rijksdeel“ und daher steht diese Migrationswelle in engem Zusammenhang mit der Kolonialgeschichte und der Dekolonisation. Da Surinam bis 1975 Teil des niederländischen Königreichs war, gab es für Surinamer bis zur Unabhängigkeit keinerlei Einwanderungsbeschränkungen.
Für die Immigration aus Surinam gibt es sehr unterschiedliche Gründe. Wichtig waren das Streben nach sozialer Mobilität (Bildung), Arbeitsmigration und Migration als Folge der politischen Situation in Surinam. Von 1880 bis 1950 kann man die Migration als Elitemigration bezeichnen. Kennzeichnend war, dass die Surinamer durch den direkten Kontakt mit den kolonialen Herrschern eine gute Bildung genossen hatten und dass ihnen die Integration keine Probleme bereitete. In der Zeit zwischen 1950 und 1975 immigrierten neben der Elite auch viele Migranten aus dem (kleinen) Mittel-stand. Durch das „Statuut voor het Koninkrijk der Nederlanden“, das 1954 in Kraft trat, waren Surinamer und Antillianer gleichberechtigt und konnten jederzeit in die Niederlande einreisen. In den 60er Jahren war der Hauptgrund für die Immigration in die Niederlande die schwierige wirtschaftliche Lage in Surinam, in den 70ern war es der Beginn der Unabhängigkeitsverhandlungen. So stieg die Einwanderung aus Surinam in den Jahren vor der Unabhängigkeit 1973 bis 1975 signifikant an. Während 1970 etwa 30 000 Surinamer in die Niederlande kamen, waren es 1975 100 000. 43 In dieser Zeit kamen auch die ersten Arbeitsmigranten aus Surinam. Die Periode von 1974 bis 1980 ist gekennzeichnet durch Immigranten, die aus politischen Gründen kamen, unter anderem aufgrund der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1975. Durch diese Unabhängigkeit erhielten die Surinamer die surinamische Nationalität. Aber viele, die in den Niederlanden lebten, entschieden sich für die niederländische Staatsangehörigkeit. Kurz vor Einführung der Visumpflicht 44
42 Die Geschichte Surinams und die Kolonisationsgeschichte ist nachzulesen in Buddingh´ 1995.
43 Boecker 1996:8
44 kurz vor Ablauf der Übergangsvereinbarung über die Niederlassung der jeweiligen Staatsbürger (Penninx 1993:79)
im Jahre 1980 folgte eine zweite Einwanderungswelle mit noch einmal rund 18 000 Surinamern im Jahre 1979 und im Jahre 1980 etwa 19 000 Personen. Neben politischen Gründen war die Immigration dieser Periode auch gekennzeichnet durch Familienzusammenführungen in der surinamischen Bevölkerung, die in den Niederlanden lebte. In der Zeit zwischen 1980 und 1986 kam es zu einer erneuten, aber etwas geringeren Einwanderungswelle, verursacht durch die Revolution 1980 und das Militärregime, das die Macht übernahm. 1982, nach den „Dezembermorden“ 45 in Surinam, wurden Surinamer auch als Flüchtlinge aufgenommen, daneben wurden aber ab 1980 nur noch Surinamer in den Niederlanden zugelassen, die im Zuge der Familienzusammenführung kamen. Insgesamt sind bis 1986 rund 200 000 Surinamer in die Niederlande immigriert, was etwa einem Drittel der Bevölkerung von Surinam entspricht.
Doch auch die Immigration der Surinamer war nicht ohne Probleme für diese Bevölkerungsgruppe.
„Die Surinamer haben nicht nur in Bezug auf eine Integration in die niederländische Gesellschaft (Unterkunft, Arbeitsplätze)
Schwierigkeiten. Sie sind vor allem auch, ähnlich wie die in Südeuropa angeworbenen Arbeitskräfte, Vorurteilen und
Repressionen seitens der niederländischen Bevölkerung ausgesetzt. Auch leben die Spannungen unter den einzelnen Bevölkerungsgruppen fort.“ 46
Aus niederländischer Sicht wird die Migration von den Antillen und Aruba oft in Zusammenhang mit der surinamischen Migration genannt. Diese entspricht aber weder einer (ex-)kolonialen, noch einer politischen Migration, wie Lucassen/Penninx es nennen. Da die Antillen mit Aruba aufgrund des „Koninkrijksstatuut“ von 1954 einen Teil des Königreichs der Niederlande bilden, besitzen die Einwohner der Antillen und Aruba die niederländische Staatsangehörigkeit und es bestehen für sie keinerlei Einschränkungen, was die Migration anbelangt. In der Praxis erweist sich die Migration von den Niederländischen Antillen auf das niederländische Festland als stark abhängig von den Konjunkturbewegungen auf den Inseln. Auch die Rückwande-
45 NachdemMilitärs 1980 die gewählte Regierung übernommen hatten, wurden am 08.12.1982 15 prominente Oppositionelle von den Militärs erschossen. Näheres hierzu siehe Buddingh´ 1995:331ff.
46 Meinhardt 1985:13
rung von den Niederlanden auf die Antillen ist sehr hoch. 47 Die Antillianer sind eine kleine Migrantengruppe in den Niederlanden. Als Gründe für eine zeitlich befristete Migration sind Studien- und Arbeitsmöglichkeiten aber auch politische Überzeugungen zu nennen. Durch die niederländische Bildung auf den Antillen haben die Antillianer gute Studienmöglichkeiten in den Nieder-landen. Heute leben mindestens 90 000 Antillianer in den Niederlanden. 48 Da die Einwanderung von den niederländischen Antillen nicht durch internationale Regelungen beeinträchtigt ist, kann man in diesem Zusammenhang nicht von Immigration von Ausländern sprechen. Und doch gehören sie in den Niederlanden, trotz ihrer niederländischen Staatsangehörigkeit, zu den ethnischen Minderheiten.
3.2.4 Gastarbeiter
Im Zuge einer weiteren Immigrationswelle neben der Kolonialimmigration kamen in den 60ern und Anfang der 70er Jahre Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum, um den gestiegenen Arbeitskräftebedarf zu decken. Doch die Arbeitsmigration begann eigentlich schon viel früher.
„Trekarbeid en arbeidsmigratie zijn in Nederland geen nieuwe, twintigste-eeuwse verschijnselen. Al van oudsher zijn mensen naar Nederland gekomen, onder andere vanwege de gunstiger arbeidsmogelijkheden.“
Die verschiedenen Gruppen von Arbeitsmigranten bzw. Gastarbeitern, welche nach dem Zweiten Weltkrieg in die Niederlande kamen, läßt die Unterteilung in drei Perioden zu, nämlich, nämlich der von 1945 bis 1960, von 1960 bis 1971 und der von 1971 bis 1990. Die Zeit von 1945 bis 1960 war gekennzeichnet durch den Wiederaufbau. Dadurch, und durch den wirtschaftlichen Aufschwung, kam es auch in den Niederlanden zu einem Arbeitskräftemangel und zur Anwerbung von Gastarbeitern. Sowohl der Staat als auch die Gastarbeiter selbst gingen dabei von einem zeitlich befristeten Aufenthalt aus. In der Periode von 1960 bis 1971 kam es zu „wilder Werbung“ von Gastarbeitern durch die Betriebe
47 Lucassen/Penninx 1994:43f.
48 http://www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html? land_id=123&type_id=10
selbst und Anfang der 70er Jahre kamen die ersten offiziellen Werbungsverträge mit südeuropäischen Ländern zustande. 49
„Maar doordat ook andere Westeuropese landen hier arbeiders gingen werven, werd het arbeidsoverschot kleiner. Nederland moest dan ook verder weg gelegen landen bij de werving betrekken.“
1964 wurde ein Werbungsabkommen mit der Türkei unterzeichnet, kurz darauf mit Marokko. Gleichzeitig setzte eine spontane Zuwanderung ein. Immer mehr Einwanderer kamen ohne Arbeitsvertrag, bekamen aber eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, sobald sie Arbeit gefunden hatten. Doch Ende der 60er Jahre wurde dieser lockeren Politik ein Ende gesetzt und Arbeitsmigranten durften nicht mehr ohne Visum einreisen. 50 Immer noch ging man von einem zeitweisen Einsatz von Gastarbeitern aus, und in den Jahren von 1960 bis 1970 sind tatsächlich ca. 60 % der Gastarbeiter in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt. 1967 übertraf sogar die Zahl der Remigranten die der Immigranten. In der Zeit zwischen 1971 und 1990 kann man sagen, dass es für immer mehr Gastarbeiter zunehmend schwieriger wurde, zurückzukehren. Trotz des Anwerbestopps nach der Ölkrise 1973 riss der Strom der Immigranten aber nicht ab. Da die Aufenthaltsdauer zunahm, gingen viele Gastarbeiter dazu über ihre Familien in die Niederlande nachzuholen. Bei den Gastarbeitern kann man auch von dem Phänomen der sog. Kettenmigration sprechen. Den ersten Immigranten folgten nicht nur Familienmitglieder, sondern auch Freunde und Bekannte. So emigrierten aus bestimmten Orten viele Personen nacheinander. Sie stammten aus Bevölkerungsgruppen mit geringen Aussichten auf Wohlstand und kamen aus relativ rückständigen Gebieten. Für die Rückwanderung ist es von Bedeutung, dass die Emigration in die Niederlande von Gebieten aus erfolgte, in denen wirtschaftliche Perspektiven für Rückkehrer weitgehend fehlten. 51
49 Zwischen 1960 und 1970 wurden Verträge mit Italien, Spanien, Portugal, Türkei, Griechenland, Marokko, Jugoslawien und Tunesien geschlossen. (Penninx/Schoorl/Praag 1993:10)
50 Lucassen/Penninx 1994:80
51 Vos 1996:16
3.2.5 Flüchtlinge
In der Nachkriegszeit und der Zeit der Sowjetisierung Osteuropas flüchteten viele Polen, Ungarn und Tschechen, aber auch Balten und russische Militärs in die Niederlande. Durch zunehmende Kommunikations- und Transportmöglichkeiten über die ganze Welt, nahm nach dem Zweiten Weltkrieg aber auch die Anzahl der Flüchtlinge, die von außerhalb Europas kamen, stark zu. Dabei handelte es sich um Flüchtlinge infolge von Terrorregimen und Kriegen (u. a. aus Uganda, Chile, Uruguay, Argentinien, Äthiopien, Eritrea, Irak, Vietnam und Kambodscha). Im Jahre 2001 wurden insgesamt etwa 32 580 Asylanträge eingereicht, wovon 8 230 genehmigt wurden. 52
3.2.6 Sonstige Einwanderer
Die wirtschaftliche Entwicklung führte aber nicht nur zur Zunahme von Gastarbeitern, sondern auch zur Immigration aus anderen hochindustrialisierten Ländern, wie Deutschland, England und Belgien, für welche ein freies Niederlassungsrecht innerhalb der EG unter bestimmten Voraussetzungen galt. Und es kamen mehr Amerikaner und Japaner in die Niederlande. Diese und die Europäer sind eine ganz andere Art von Immigranten. Sie haben eine gute Schulbildung und befinden sich meist in einer guten Position in der niederländischen Gesellschaft. Diese Gruppe Immigranten wird nicht als problematisch erachtet.
3.3 Einwanderungsgeschichte nach 1980 53
Wie in Kapitel 3.2 bereits geschildert, wurde die Einwanderungsgeschichte seit 1970 vor allem von zwei verschiedenen Migrationsbewegungen geprägt. Zum einen von den zwei großen Migrationswellen aus Surinam und zum anderen von den immer stärker anschwellenden Migrationsströmen von Flüchtlingen und Asylsuchenden aus aller Welt. Bereits die Zeit nach 1970 ist charakterisiert durch eine Politik, die die Zuwanderung von Nicht-EU-Bürgern
52 http://statline.cbs.nl/StatWeb/start.asp?PA=37970ned&D1=a&D2=0,5,10,15,20,25,(l-4)-l&LA=NL&DM=SLNL&STB=T&HDR=G1
53 Sofern nicht anders angegeben, stammen die Informationen aus Lucassen/Penninx 1994.
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Bianca Bleibtreu, 2002, Die Niederlande - ein Einwanderungsland? Aspekte der Immigration in den Niederlanden, München, GRIN Verlag GmbH
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