1. Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht ?
Bereits bei der ersten Seminarsitzung zum Thema „Kreatives Schreiben in allen Fächern“ konnte ich mir die gedankliche Anmerkung „außer in der Mathematik“ nicht verkneifen. Dennoch habe ich mich entschlossen mich auf die Suche nach kreativen Schreibanlässen im Mathematikunterricht der Grundschule zu begeben. Das „Kreative Schreiben“ ist nach K.H. Spinner „ein Schreiben, das nicht der Reproduktion von vorgegebenen Mustern besteht, sondern die eigene Gestaltungskraft des Schreibenden in Anspruch nimmt“ (Spinner 1994). Zunächst beschränke ich mich auf eine Betrachtung und Untersuchung des Lernplans Mathematik für die Grundschule des Landes NRW unter der Berücksichtigung der Begriffe „Schreiben und Kreativität“. Im Anschluss daran werde ich drei verschiedene Umsetzungsmöglichten des „Kreativen Schreibens“ im Mathematikunterricht kurz beleuchten und deren Grenzen und Möglichkeiten aufzeigen.
2. Schreiben und Kreativität im Mathematikunterricht - Der Lehrplan
Auf den ersten Blick stehen Mathematik und das „kreative Schreiben“ in keinerlei Zusammenhang. Nach der klassischen Vorstellung der drei Kernsäulen des Grundschulunterrichts „Rechnen-Schreiben-Lesen“ stehen Mathematik und Schreiben sogar in direkter Konkurrenz zueinander.
Kreativität, nach Kruse verstanden als die „Fähigkeit Neues zu schaffen“ (Kruse, 1997) ist zunächst nur schwer mit dem starren, normierten System von mathematischen Zeichen, Formeln und Größen in Einklang zu bringen.
Doch ein Blick in den Lehrplan für Mathematik in der Grundschule für das Land NRW kann mich eines Besseren belehren - Schreiben wird durchaus einen Platz im Mathematikunterricht eingeräumt und auch Kreativität erhält seinen Stellenwert.
Der Lehrplan unterscheidet zwischen prozessbezogenen und inhaltsbezogenen Kompetenzen.
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Prozessbezogene mathematische Kompetenzen sind für eine erfolgreiche Aneignung und Nutzung von Mathematik von zentraler Bedeutung und werden durch die tägliche Auseinandersetzung mit mathematischen Problemen erworben.
Die erste Kompetenz umfasst das „Problemlösen“ und das „kreativ sein“ wird erwähnt:
Lösungsstrategien müssen entwickelt, von anderen Problemen übernommen und modifiziert werden. Die Kompetenzerwartungen in diesem Bereich umfassen das Übertragen von Strategien auf ähnliche Probleme, sowie das Erfinden von Aufgaben und Fragestellungen.
Eine weitere Kompetenz ist die des „Argumentierens“, welche unter anderem sprachliche Erklärungen und Begründungen fordert. Schülerinnen und Schüler sollen Vermutungen aufstellen, Erklärungen und Bestätigungen von Beziehungen formulieren.
Die Kompetenz des „Darstellens und Kommunizierens“ beinhaltet ebenfalls die Erläuterung eigener Denkprozesse und Vorgehensweisen „in mündlicher und schriftlicher Form“. Die Kommunikation erfolgt mit zunehmendem Alter auch „in fachgebundener Sprache mit fachspezifischen Begriffen“. Des weiteren sollen die Schülerinnen und Schüler die Kompetenz erwerben „Arbeitsergebnisse, Vorgehensweisen und Lernerfahrungen z.B. in Lerntagebüchern festzuhalten“ Auch im vierten und letzten prozessbezogenen Kompetenzbereich, dem Bereich des „Modellierens“ wird von den Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie eigene Fragestelungen zu mathematischen Modellen und bestimmten Sachsituationen entwickeln.
Innerhalb der inhaltsbezogenen Kompetenzen spielt das Schreiben ebenfalls eine Rolle.
Der Schwerpunkt „Zahlvorstellung“ beinhaltet unter Anderem das Beschreiben der Beziehungen zwischen Zahlen und komplexen Zahlenfolgen mit eigenen Worten oder unter der Verwendung der Fachbegriffe wie z.B. x ist Vielfaches von y, x passt genau y mal in z.
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Das „Zahlenrechnen“ erfordert eine Beschreibung „der (eigenen) Rechenwege für andere nachvollziehbar in mündlicher oder in schriftlicher Form“, sowohl als auch eine übersichtliche Darstellung und Bewertung eines Rechenweges. Im Bereich des „Ziffernrechnens“ wird nach der vierten Klasse von den Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie Rechenschritte und schriftliche Rechenverfahren an Hand von Beispielen in nachvollziehbarer Weise beschreiben können.
Der Inhaltsbereich „Raum und Form“ umfasst unter Anderem das Beschreiben von räumlichen Beziehungen mittels konkreter oder bildlicher Darstellungen sowie aus der eigenen Vorstellung.
Der Schwerpunkt „Sachsituationen“ im Bereich von „Größen und Messen“ bietet die meisten Schreibanlässe. Nach der Schuleingangsphase wird von den Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie zu Spiel- und Sachsituationen und einfachen Sachaufgaben mathematische Fragen und Aufgabenstellungen und im Gegenzug zu vorgegeben Gleichungen Rechengeschichten formulieren können.
Die Bedeutung der schreibbezogenen Kompetenzen im Mathematikunterricht wird im Lernplan zusätzlich untermauert, indem zu den fachspezifischen Beurteilungskriterien unter Anderem die mündliche und schriftliche Darstellungsfähigkeit zählt.
3. Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht
Die im Lernplan ersichtliche Bedeutung von Schreiben und auch Kreativiät im Mathematikunterricht führt zu einer genaueren Betrachtung des „kreativen Schreibens im Mathematikunterricht“.
Während meiner Recherche bin ich auf drei verschiedene Konzepte des kreativen Schreibens im Mathematikunterricht gestoßen, die isoliert zu betrachten sind und unterschiedliche Funktionen haben.
Das erste Konzept sieht das „Kreative Schreiben“ als Medium oder Werkzeug. Schreiben im Mathematikunterricht wird als der individuelle Ausdruck kreativer mathematischer Gedanken verstanden.
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Bei dem zweiten Konzept fungiert das „Kreative Schreiben“ als Brücke oder Vermittler zwischen der objektiven Mathematik und der subjektiven Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler. Durch das Schreiben von Rechengeschichten soll ein Bezug zu realitätsnahen mathematischen Problemen und Alltagssituationen hergestellt werden.
Das dritte Konzept betrachtet das „Kreative Schreiben“ als Lernmethode und soll als Unterstützung des Auswendiglernens von „mathematischen Vokabeln“ dienen.
3.1 Kreatives Schreiben als Medium: Schreiben als Ausdruck mathematischer
Kreativität
Jeder Schüler kann die Lösung zu einem mathematischen Problem mit einem anderen mathematischen Ansatz liefern und demzufolge auch mit unterschiedlichen mathematischen Fachausdrücken formulieren. Als Beispiel hierfür nennt Berend (Berend, 1999) folgende Unterrichtsituation und die möglichen Schülerreaktionen. Die mathematische Thematik befasst sich mit der Berechnung des Wechselgeldes und der individuellen Dokumentation der Rechenidee.
Die Standardgleichung 20 DM - 13 DM = 7 DM wird nicht von allen Schülerinnen und Schülern gewählt.
Eine Schülerin hält lediglich den Rechenschritt 3 DM + 7DM = 10 DM für relevant, während ein Mitschüler lieber 20 DM - 7 DM = 13 DM rechnet und dies auch logisch begründen kann.
Die Unterschiede in den mathematischen Herangehensweisen an solche Aufgaben zeigen, dass es von enormer Bedeutung ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler die Möglichkeit und Fähigkeit haben sollte, seine Gedanken und Ideen mittels mathematischer Fachsprache nach außen zu transportieren. Ähnlich dem Kreativen Schreiben sollten keine Grenzen oder Musterlösungen gesetzt oder erwartet werden.
Würde der Ausdruck der individuellen mathematisch kreativen Gedankengänge nicht akzeptiert oder gefordert, würde das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler schwinden und ein Entlanghangeln an Musterbeispielen würde den Mathematikunterricht ausmachen.
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Arbeit zitieren:
Catharina Belinghausen, 2009, Kreatives Schreiben im Mathematikunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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