Inhalt
1 Einleitung 3
2 Die Literatur im Mittelalter 4
2.1 Die erste Ebene: Abgrenzungen 4
2.2 Die zweite Ebene: Textsorten im Mittelalter 5
3 Schlussbetrachtung: Resumée und Fazit 11
Literaturverzeichnis 14
2
1 Einleitung
Im Zeitalter ständig neu hinzukommender Medien scheint eine Verbindung von den Anfängen der deutschen Literatur bis hin zu neuzeitlichen Literaturformen schwierig. Die Diskrepanz macht sich in Seminaren an der Universität - beispielsweise dem Seminar Das Annolied aus dem Sommersemester 2007 - bemerkbar. Von Kirche, Kämpfen, Heiligen ist die Rede. Heute sind solche Schlagworte entweder in historischen Romanen oder mediävistischer Fachliteratur zu finden. Doch war, ist und bleibt die ältere deutsche Philologie ein fester Bestandteil der deutschen Literatur und auch des Studiengangs Germanistik, ganz gleich, um welchen Studienabschluss es sich handelt. Werden in solch einem Seminar Aspekte mittelalterlicher Literatur untersucht, lässt sich für die Studierenden kaum noch nachvollziehen, wie aus der mittelalterlichen Literatur Entwicklungen stattfinden konnten, die zu moderner Literatur führten. Genau diese Entwicklung versucht die vorliegende Arbeit zu ergründen. Durch einen Abriss der in einer immensen Fülle in der Fachliteratur dargestellten Literaturgeschichte soll ein grober Überblick die Diskrepanz zwischen Altem und Neuem überwinden.
Im Folgenden soll eine knappe Abgrenzung der relevanten Literaturepochen des Mittelalters dargstellt werden. Anschließend werden einzelne Werke und Entwicklungen der deutschen Literatur näher in den Focus rücken. Das Annolied wird in diesen Gesamtkontext eingeordnet. Erst im Anschluss hieran können einzelne Entwicklungen und Veränderungen innerhalb der deutschen Literatur des Mittelalters ausfindig gemacht werden. Diese werden benötigt, um den Sprung vom Religiösen ins Weltliche und vom Historischen zum Fiktiven zu ermöglichen. Der Schlussteil wird alle Ergebnisse noch einmal zusammenfassend wiedergeben und einen weiteren Ausblick anbieten.
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2 Literatur im Mittelalter
2.1 Die erste Ebene: Abgrenzungen der Literatur
Um den Überblick des breit gefächerten Gebiets der Literatur im Mittelalter nicht zu verlieren, wird zunächst auf eine Ebene der Abgrenzung eingegangen, um anschließend in den nächsten Kapiteln zu veranschaulichen, welche Textsorten im Mittelalter dominierten und wie das Annolied dort einzuordnen ist.
Althochdeutsche Schrifttexte sind in die Zeit des fränkischen Königshauses der
Karolinger einzuordnen. 1 Die Sprache des Karolingerreichs war das Lateinische 2 , die Texte waren überwiegend religiöser Natur 3 ; doch um ca. 900 folgt eine abrupte Zäsur der Literaturproduktion. 4 „Aus den anschließenden 150 Jahren sind zwar Glossen überliefert, aber kaum noch althochdeutsche Texte.“, erfahren wir durch Hübner. 5 Gegen 1050 setzt die Epoche der frühmittelhochdeutschen Literatur ein. 6 Wehrli hierzu:
Wenn das 9.Jahrhundert die großen deutschen Bibeldichtungen entstehen sah, so tritt nun die Geschichts- und Legendendichtung als wichtigste Gattung der salisch-romanischen Epoche hinzu; sie sieht wie keine andere die Möglichkeit einer sakralen Einheit von Macht und Glauben, himmlischem und irdischem Bereich, und sie wagt es, in monumentalen Vereinfachungen dem vornehmen Laien den weltgeschichtlichen Ort seines Wirkens zwischen Anfang und Ende, Himmel und Hölle darzustellen. 7
Die Epoche war also überwiegend von geistlichen Texten bestimmt, deren Autoren ihre Aufgabe in der Verkündung der Heilsgeschichte, der Verbreitung von dogmatischem
Wissen, Mahnungen zur Buße und im Lob der Heiligen sahen. 8 Wie es auch im Annolied der Fall ist - wenn auch in einer Art Mischform -, sind die Protagonisten frühmittelhochdeutscher Dichtung vorwiegend
[…] Kaiser, in denen das Reich verkörpert ist, und die Heiligen. Es ist nicht der heroische Kämpfer der Heldensage und noch nicht der ritterliche Abenteurer des kommenden Heldenromans, sondern der in den Ordnungen und gefährlichen
1 vgl. Hübner, Gert: Ältere Deutsche Literatur. Eine Einführung. Tübingen, 2006, S.14
2 vgl. ebenda.
3 vgl. Hübner S.22
4 vgl. Hübner S.16
5 Hübner, S.16. - Eine Ausnahme stellt Notker („der Deutsche“) dar, auf den hier nicht näher eingegangen wird.
6 Wehrli, Max: Geschichte der deutschen Literatur im Mittelalter. Stuttgart, 3., bibliographisch erweiterte Ausgabe 1997
7 Wehrli, S.177
8 vgl. Brunner, Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick. Stuttgart [1997] 2000, S.77
4
Entscheidungen der Geschichte stehende Mensch, der den Heilsplan abschreitet und den Konflikt der beiden civitates in sich austrägt. 9
Die auch bei der Lektüre des Annolieds auffallende Abweichung der realen historischen Hintergründe sieht Wehrli in der Intention einer solchen Dichtung begründet: „Die großen Linien des Heilsgeschehens zu verbürgen, die moralischreligiöse Entscheidungsstuation des Menschen zu zeigen, das Eingreifen Gottes in Wunderzeichen und geheimnisvoller Führung ahnen zu lassen […].“ 10 Im folgenden Kapitel werden auch Werke des hohen Mittelalters genannt werden. Doch welche Entwicklungen und Charakteristika sich hier ergeben, soll dort erkundet werden. Denn erst hier beginnt die Entwicklung neuzeitlicher Literaturformen, wie etwa der Roman. Ob und inwieweit vorangegangene Werke wie das Annolied zu dieser Entwicklung beitrugen, soll im Folgenden gezeigt werden.
2.2 Die zweite Ebene: Textsorten im Mittelalter
Zu den unterschiedlichen Textsorten im Mittelalter ist weitaus mehr zu sagen, als es an dieser Stelle getan wird, doch sollen hier besonders relevante und populäre Werke der deutschen Literatur des Mittelalters genannt werden, um die Entwicklung innerhalb der Literatur in ihren Grundzügen nachvollziehen zu können.
Die Anfänge der deutschen Literaturproduktion liegt in den so genannten Merseburger
Zaubersprüchen 11 . Auch christliche Segenssprüche wie der Trierer Spruch gegen den Teufel 12 gehören zu diesen. Überhaupt bilden religiöse Dichtungen aus dem 9. Jahrhundert die Anfänge der deutschen Literatur. 13 Doch noch innerhalb des 9. Jahrhunderts entstand eine bis heute populäre Heldendichtung: das Hildebrandslied laut Brunner gehört sie „[z]u den kostbarsten und eindrucksvollsten Zeugnissen ahd.
Dichtung […].“ 14 Erstmals wird hiermit die germanische Heldedichtung verschriftlicht 15 - die mündliche Überlieferung findet demnach eine feste, sicherere Form des Bestehens.
9 Wehrli, S.179
10 Wehrli, S.179f.
11 vgl. Brunner, S.56
12 vgl. Wisniewski, Roswitha: Deutsche Literatur vom achten bis elften Jahrhundert. In: Roloff, Hans-Gert (Hrsg): Germanistische Lehrbuchsammlung, Bd.28, Berlin, 2003, S.253
13 vgl. Brunner, S.58ff.
14 vgl. Brunner, S.52
15 vgl. Brunner, S.53
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Arbeit zitieren:
Alev Cingöz, 2007, Das Annolied und die deutsche Literatur des 11. Jahrhunderts , München, GRIN Verlag GmbH
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