zu warnen (III,6). doch in seiner Wut gegen das Mädchen peitscht der Graf sie beinahe aus - für diesen eigentlich simplen Akt muss sie sich enorm anstrengen, um Hilfe zu leisten, was ebenfalls negativ zu bewerten ist. Als Schloss Thurneck tatsächlich angegriffen wird, ist der Schauplatz der Handlung vor dem Schloss, also draußen unter freiem Himmel. Es ist Nacht (III,7). Käthchen bringt dem Grafen Schwert, Schild und Lanze, anstatt sich von diesem gefährlichen Ort fernzuhalten (III,9). Doch zunächst wird sie wieder einmal nur ausgeschimpft. Man steht immer noch draußen, als das Schloss in Flammen aufgeht (III,12). Käthchen will Kunigunde ein Bild aus dem brennenden Gebäude retten - hier zeigt sich erneut die helfende Funktion bzw. Absicht Käthchens. Im Gebäude allerdings stirbt sie fast (III,13). Doch wie es auch ins Märchenwesen passt, wird sie gerettet: Ein Cherub begleitet sie schützend aus dem brennenden Gebäude heraus. Das Innere des Gebäudes, welches der Zivilisation zuzurechnen ist, stellt also Gefahr für sie dar, wenn nicht gar den Tod. Diese vermutung wird durch den Sturz aus dem Fenster im 1.Akt gestützt: Erst im Freien kann sie ungehindert ihrem ‚Herrn’ folgen; die Mauern des Gebäudes hingegen hindern sie beim ersten Versuch, ihm nachzulaufen. Folgt sie ihm jedoch über Wochen durch Wald und Wildnis, geschieht ihr nichts. Selbstlos wie sie ist, macht es ihr nicht einmal etwas aus, im Stall zu übernachten. So auch hier in der ‚Cherub-Szene’. Der Engel verschwindet erst, als Käthchen sich draußen, also nicht mehr im Gefahr bringenden Gebäude, befindet. Im Freien ist sie in Sicherheit, wohingegen ihr zivilistorische Räumlichkeiten Gefahr oder ein negatives Erlebnis bescheren. Die idyllische Holunderstrauchszene ist diejenige, in der der Graf und Käthchen endgültig zusammenfinden (IV,2). Sie schläft unter freiem Himmel und redet mit ihm im Schlaf. Diese ‚Holunderszene’ ist es auch, die eine Wendung des Grafens im Ungang mit Käthchen mit sich bringt: Er behandelt sie von nun an nur noch sehr höflich und fürsorglich (IV,3). In der ‚Grottenszene’ will Käthchen sich frohen Mutes baden (IV,6). doch auch diese zivilisatorisch gebrauchte Räumlichkeit ist ein schlechtes Erlebnis: Sie entdeckt das wahre Gesicht Kunigundes und erfährt, dass diese vorhabe, sie zu vergiften. Schließlich die Schlussszene: Auf dem Schlossplatz unter freiem Himmel kommt es bei der geplanten Hochzeit des Grafen mit Kunigunde dazu, dass der Graf plötzlich Käthchen heiratet, was die Krönung des Glücks für diese darstellt (V,12). Für die Figur des Käthchens steht an dieser Stelle fest: Das ‚gute’ Käthchen ist unter freiem Himmel, in der Natur, freier und erfolgreicher in ihren selbstlosen Absichten.
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Arbeit zitieren:
Alev Cingöz, 2008, Natur und Zivilisation als Entsprechung von Gut und Böse in Kleists 'Käthchen von Heilbronn', München, GRIN Verlag GmbH
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