Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Vorreiter der Bildungstheorie Humboldts. 3
2.1. Platon. 3
2.2. Immanuel Kant 3
3. Klassische Bildungstheorie nach Humboldt 5
3.1. (Neu-)Humanismus 5
3.2. Bildungsideal Wilhelm von Humboldts 6
3.3. Bedingungen von Bildung (nach Humboldt) 8
3.3.1. Freiheit und Selbstbestimmung 8
3.3.2. Mannigfaltigkeit der Situationen 9
3.3.3. Vielseitige Bildung 9
3.3.4. Sozialität 10
3.4. Allgemeine Erziehungsinstitutionen (nach Humboldt) 10
3.4.1. Sprache als Zugang zu Bildung 11
3.4.2. Humboldts Position zur beruflichen Bildung 11
3.5. Bildungswesen nach Humboldt. 12
3.5.1. Elementarunterricht 13
3.5.2. Schulunterricht. 13
3.5.3. Universitätsunterricht. 14
4. Schlussfolgerung 16
Literaturverzeichnis. 18
1
1. Einleitung
„Bildung, Bildung, Bildung“ 1 , so lauteten die Schlagworte des ehemaligen Premierministers Tony Blair bei seinem Amtsantritt vor 11 Jahren. Schon damals war vielen Menschen klar, dass ohne Bildung der Wandel in der heutigen Wissensgesellschaft nicht zu bewältigen ist. Der Zugang zu Bildung, Qualifikation und Kompetenzerwerb, sowie das Erlernen von Konflikt- und Diskursfähigkeiten entscheidet über die Beruflichen und gesellschaftlichen Chancen eines jeden Menschen und damit indirekt über seine Entlohnung und seinen Lebensstandart. 2 Doch auch bundesdeutschen Politikern ist das Thema Bildung, ein sehr wichtiges, wie zum Beispiel Horst Köhler, dessen so genannte „Bildungs-Rede“ im September 2006 auf große Zustimmung gestoßen ist. Das Staatsoberhaupt sprach sich in seiner Rede in erster Linie für die Wiederentdeckung der Werte, die bereits seit Generation eine der höchsten Tugenden in Deutschland seien, aus. Eltern sollten dabei wieder Vorbilder für ihre Kinder sein und diese Werte vermitteln. Die Bildung findet seiner Meinung nach nicht erst in der Schule statt, sondern beginnt bereits im Elternhaus. Seine Therapievorschläge waren dabei nicht sehr innovativ, jedoch zutreffend: „Deutschland muss mehr Geld für Bildung ausgeben in Zeiten leerer Kassen, zu Lasten anderer Bereiche!“ 3 Der Bildungsaspekt ist aus der heutigen Sicht leicht fassbar, doch was ist der vorgeschichtliche Hintergrund und welche Entwicklungsgeschichte liegt diesem Begriff zugrunde?
In den folgenden Ausführungen soll nicht die aktuelle Bildungspolitik näher beleuchtet werden, sondern die Bildung und gesellschaftliche Brauchbarkeit im 19. Jahrhundert. Dabei sollen im weitern Verlauf Fragen wie: - Wer waren die Pioniere der wichtigen „Bildungsepoche“? und Welchen Bildungsgedanken haben sie kreiert und weiterentwickelt? -beantwortet werden. Abschließend soll das aktuelle Bildungssystem dahingehend untersucht werden, ob und in wie weit sich darin das 19. Jahrhundert widerspiegelt.
1 URL: www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/b/bildung.pdf/view?showdesc=1 (Stand: 28.04.2008)
2 Ebenda
3 URL:
http://www.imkreuzfeuer.de/joomla/index.php?option=com_content&task=view&id=295&Ite
mid=3 (Stand: 28.04.2008)
2
2. Vorreiter der Bildungstheorie Humboldts
2.1. Platon
Um den Bildungsgedanken des 19. Jahrhunderts richtig verstehen zu können muss man ihre Entstehung und einige ihrer Entwicklungslinien kennen. Richtigerweise sollte man an dieser Stelle mit Platon (lat. Plato) (427-347 v.Chr.), der neben seinem Lehrer Socrates (470-399 v. Chr.) und seinem Schüler Aristoteles (384-322 v. Chr.) als einer der wichtigsten Denker der europäischen Tradition gilt, beginnen. Seine Gründung der „Akademie“ (ca. 388 - 385 v. Chr.) in Athen, die über 900 Jahre bestand hatte, wird als Europas erste Universität bezeichnet. Seine pädagogische Hauptintension und sein Bildungsgedanke wird in seinem „Höhlengleichnis“ sehr deutlich, das am Anfang seines siebten Buches in Platons Hauptschrift „Der Staat“ zu finden ist. Dieses adäquat zu interpretieren wäre an dieser Stelle jedoch deplaziert und nicht zwingend zielführend. Viel wichtiger ist an dieser Stelle die Tatsache, dass Platons Werke einen bleibenden Eindruck bei Humboldt hinterlassen haben und er sie, wie wir es später noch sehr deutlich sehen werden, in seine eigenen Überlegungen einfließen ließ.
2.2. Immanuel Kant
Ein weiterer Wegbereiter war Immanuel Kant (1724-1804), der Bildung als autonomen Entwicklungsprozess angesehen hat. Dabei betrachten sich die Menschen, seiner Meinung nach, so, als seien sie Mündig und wären in der Lage ihr Leben selbst führen. 4 Kant war ein Verfechter der Aufklärung, einer Epoche, die das politische Handeln in Europa vom Ende des 17. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein wesentlich mitbestimmte.
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Erschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ 5
4 vgl. Wilhelm Weischedel IX, 1964, S.27
5 Ebenda, S.53
3
Die Aufklärung führt in Kants Überlegungen aus einer Unmündigkeit, die darin besteht, dass der Mensch nicht selbst denkt. Da er jedoch die Möglichkeit und die dafür notwendigen Voraussetzungen sieht, ist diese Unmündigkeit selbstverschuldet. 6 Ein Leben unter Vormundschaft ist die logische Konsequenz, die es zu überwinden gilt. Dabei ist die Mündigkeit auch gleichzeitig eine Frage danach, ob der Mensch in der Lage ist sich selbst zu regieren im Sinne von „auf eigenen Beinen stehen“ und für sich und sein Leben Sorge und Verantwortung zu tragen. 7
Des Weiteren stellt Immanuel Kant drei Fragen für die Vernunft des Menschen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?“ 8 , die von einer vierten Frage: „Was ist der Mensch?“ 9 zusammengehalten werden. „Menschen sind freie Wesen, die keines Vormundes bedürfen.“ 10 Zeit seines Lebens hat Kant versucht zu beweisen, dass der Mensch als ein Handelnder verstanden werden muss. Der Mensch soll dabei unter Beihilfe seiner Vernunft in die erstrebenswerte Lage gebracht werden, sich moralisch zu bilden und anschließend selbst Verantwortung für seine Handlungen zu tragen
„Was der Mensch im moralischen Sinne ist, oder werden soll, gut oder böse, dazu muss er sich selbst machen, oder gemacht haben. Beides muss eine Wirkung seiner freien Willkür sein; denn sonst könnte es ihm nicht selbst zugerechnet werden, folglich er werde moralisch gut noch böse sein. Wenn es heißt: er ist gut geschaffen, so kann das nichts mehr bedeuten, als er ist zum Guten erschaffen, und die ursprüngliche Anlage im Menschen ist gut; der Mensch ist es selber dadurch nicht, sondern, nachdem er die Triebfedern, die diese Anlage erhält, in seine Maxime aufnimmt, oder nicht (welches seiner freien Wahl gänzlich überlassensein muss) macht er, dass er gut oder böse wird.“ 11
6 vgl. Menze, C. 1970, S. 155
7 vgl. Ebenda, S.170
8 Blankertz, H. 1982, S. 25
9 Ebenda
10 Ebenda, S.29
11 Wilhelm Weischedel VIII, 1964, S.694
4
3. Klassische Bildungstheorie nach Humboldt
3.1. (Neu-)Humanismus
An die Epoche der Aufklärung, in der die utilitaristischen Denkweise vorherrschte, 12 folgte die des Humanismus, ein von Ciceros „humanitas“ abgeleiteter Begriff, woraus sich später der Neuhumanismus, der im Folgenden thematisiert werden soll, herauskristallisierte. Um den Neuhumanismus zu verstehen, muss zu erst auf sein historisches Phänomen Humanismus, also auf die Gelehrtenbewegung zu Beginn der Neuzeit eingegangen werden. Das Bildungsideal der frühen Neuzeit war stark beeinflusst vom griechisch römischen Altertum, das als „vollendete und darum beispielhafte Verwirklichung der im Menschen angelegten Möglichkeiten“ 13 verstanden wurde. Der Begriff „Humanismus“ erschien zum ersten Mal im Jahr 1808 bei Friedrich Immanuel Niethammer (deutscher Philosoph und Theologe; 1766 -1848) in dem Buch: Der Streit des Philanthropinismus und des Humanismus in der Theorie des Erziehungs-Unterrichts unserer Zeit, Jena 1808. Darin äußerte er seinen Unmut über die durch die Aufklärung geprägte Pädagogik. Er benannte mit diesem Begriff die Theorie des „älteren Unterrichtssystems“, nämlich die Lateinschulen, deren Hauptaugenmerk darin bestand die alten Sprachen (Latein, Griechisch, etc.) mit Leben zu füllen, indem sie im Schulunterricht überdurchschnittlich rege thematisiert wurden. 14
Will man nun das „Neue“ am Neuhumanismus bestimmen, darf man die historischen Phänomene, wie bereits oben erwähnt, nicht gänzlich ausblenden. Der Neuhumanismus, der eng mit der deutschen Geistesgeschichte verwurzelt ist, war ein Produkt des bereits Anfang des 18. Jahrhunderts in ganz Europa einsetzenden Interesses am Griechischen und Römischen Menschenbild. 15 Die damals vorherrschende Vormachtstellung der französischen Literatur, die aufgrund ihrer höfischen Herkunft als zu regelhaftig empfunden wurde, nahm kontinuierlich ab und es folgte eine regelrechte Ablehnung gegen sie. 16 Das individuelle Ideal des einzelnen Menschen und nicht das der gesamten Gesellschaft zu einer verwechselbaren
12 vgl. Blankertz, H. 1963, S.127
13 Dieter Lenzen, 1992, S.417
14 vgl. URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1746
(Stand:29.04.2008)
15 vgl. Dieter Lenzen, 1992, S.417
16 vgl. URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1746
(Stand:29.04.2008)
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Arbeit zitieren:
Andreas Uffelman, 2008, Bildung und gesellschaftliche Brauchbarkeit im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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