Oliver Thaßler/ Diplom II/ ASL
Landschaftsplanung/ Landschaftsnutzung
Studienarbeit: Kulturtransparenz
Kulturtransparenz
Kartierung und Analyse von Kulturlandschaftselementen auf der Insel
Rügen
2
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Forschungsgeschichte
4
2. Flächenauswahl
6
3. Exkurs in die Landschaftsgeschichte der Insel Rügen
10
3.1.Geologische
Entwicklung 10
3.2.
Vegetation
und
Landschaftscharakter
11
4.
Material
und
Methoden
12
4.1.
Kartierungsbögen 12
4.2.
Fotografien
und
Vermessungen
12
4.3.
Kunstzeichnungen 12
4.4.
Literaturrecherche
13
5. Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen
14
5.1.
Das
Hünenbett
Nobbin
14
5.2.
Das
Ganggrab
Nipmerow 21
5.3.
Das
Hügelgräberfeld
Woorke
26
5.4.
Das
Kap
Arkona
30
5.5. Ralswiek
36
5.6. Altenkirchen
41
5.7. Putbus
48
5.8. Sassnitz
55
5.9. Prora
60
5.10. Tagebau Klementvitz
64
6.
Kulturtransparenz
auf
Rügen
69
Quellen
71
3
Einleitung
Die Landschaften der Insel Rügen weisen Spuren aus 5000 Jahren Kulturgeschichte des
Menschen auf. Die Dichte an archäologischen und historischen Artefakten und Denkmälern
ist auf der Ostseeinsel außergewöhnlich hoch. Damit eignet sich der Raum besonders gut für
die Kartierung und Analyse der verschiedenen Kulturlandschaftselemente und ihrer
kulturellen, geschichtlichen Bedeutung. Im Rahmen eines Proseminars und einer Kompakt-
Exkursion an der Universität Kassel im Fachgebiet Landschaftsplanung/ Landnutzung wurden
auf Rügen verschiedene archäologische und landschaftsplanerische Methoden angewandt, um
ausgewählte Landschaften Rügens mit ihren Elementen verschiedener zeitlicher
Kulturepochen zu beschreiben. Dabei kamen analoge wie auch digitale Methoden zum
Einsatz. Mit der gewonnenen Datengrundlage konnte dann die kulturelle Eigenart und Vielfalt
der untersuchten Räume herausgearbeitet werden.
4
1. Forschungsgeschichte
Die Insel Rügen stellt innerhalb des Mecklenburg-vorpommerschen Küstengebietes eine
Besonderheit dar. Nach L
AMPE
(1973) sind die Hälfte aller staatlich geschützten
Bodendenkmäler der Küstenregion auf der Insel Rügen zu finden. Die ersten Forschungen,
die sich insbesondere mit den Grabanlagen und Burgwällen aus der Steinzeit und Slawenzeit
auseinandersetzten fallen in das 17. Jh. Systematisch setzte sich W
ACKENRODER
im 18 Jh. in
seiner Publikation Altes und neues Rügen mit den Altertümern auseinander. J
OHANN
J
ACOB
G
RÜMBKE
war es, der 1819 an die Forschungen angeknüpfte und seine Neuen und genauen
geographisch-statistisch-historischen Darstellungen von der Insel und dem Fürstenthume
Rügen verfasste.
Umfassende Kartierungen der steinzeitlichen und bronzezeitlichen Grabanlagen, der
slawischen Burgwälle und der topographischen Situation Rügens gingen auf F
RIEDRICH VON
H
AGENOW
zurück, die 1829 Eingang in die von ihm erstellte Special Charte der Insel Rügen
fanden. In der zweiten Hälfte war es der Gründer des Provinzial Museums für
Nordvorpommern und Rügen R
UDOLF
B
AIER
,
welcher
die bisherigen Ergebnisse der
archäologischen Forschung zusammentrug. An seine Arbeit knüpfte zu Beginn des 20
Jahrhunderts A
LFRED
H
AAS
an, der die Forschungsergebnisse in mehreren Schriften
publizierte.
Der erste Weltkrieg brachte die Forschung vorerst zum Erliegen, bis in den zwanziger Jahren
C
ARL
S
CHUCHARDT
in seinen Sitzungsberichten der Preußischen Akademie der
Wissenschaften neue Erkenntnisse zum Burgwall Arkona publizierte. Die Hochzeit der
landeskundlichen und archäologischen Forschung fällt jedoch in die Zeit nach dem zweiten
Weltkrieg. Die Insel Rügen wurde in verschiedenen Forschungsprojekten durch das
Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der
DDR, dem Museum für Ur- und Frühgeschichte in Potsdam und dem Kulturhistorischen
Museum in Stralsund untersucht. 1964 wurde dann ein Ausgrabungsprogramm zur
Erforschung der jungsteinzeitlichen Besiedlungsgeschichte etabliert, dessen Teilergebnisse
bei E
WALD
S
CHULDT
publiziert sind. Insbesondere der zur Slawenzeit bedeutende
Seehandelsplatz Ralswiek, als auch die ehemalige Tempelburg Arkona rückten wieder in den
Focus der Forscher. Wesentliche Erkenntnis lieferten dabei J
OACHIM
H
ERMANN
und P
ETER
H
ERFERT
.
Als erstes transdisziplinäres Forschungsprojekt wurde unter Federführung der Akademie der
Wissenschaften der DDR die Insel pollenanalytisch, bodenkundlich und archäologisch
untersucht. Durch die Verknüpfung archäologischer und naturwissenschaftlicher Forschung
konnten neue Erkenntnisse und Fragen gesellschaftswissenschaftlicher Art aufgeworfen
werden. Wesentliche Erkenntnisse sind bei L
ANGE
,
J
ESCHKE U
.
K
NAPP
(1986) publiziert.
Neuere Forschungen haben insbesondere die Siedlungsplätze der Steinzeit im Fokus, so bei
T
HOMAS
T
ERBERGER
(2002), untersetzen die bisherige Forschung zum Seehandelsplatz
Ralswiek wie bei F
RED
R
UCHHÖFT
(2004) oder knüpfen an alte Arbeiten an, um diese zu
untermauern, so bei P
ETER
H
ERFERT
(2000). Insbesondere die letzten Forschungen wurden
entweder durch das Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern oder die
Universität Greifswald unterstützt.
In der aktuellen Beforschung der Insel Rügen ist jedoch ein sektorales Vorgehen zu
beobachten. Fachübergreifende Arbeiten wie die Forschungen von L
ANGE ET AL
. (1986)
blieben die Ausnahme. Für ein Teilgebiet Südost-Rügens hat T
HASSLER
(2003) die
Kulturlandschaftsentwicklung untersucht, hier kamen soziologische und kulturwissen-
schaftliche, wie auch naturwissenschaftliche Befunde zum Tragen. Derzeitige Unter-
suchungen der Kulturlandschaft stützen sich jedoch fast ausschließlich auf die Arbeit der
unteren Denkmalschutzbehörden, die zwar Kulturgüter inventarisieren, sich aber auf bauliche
Artefakte beschränken und Gebäude der jüngsten DDR-Geschichte nicht immer einbeziehen.
5
Die unteren Naturschutzbehörden ihrerseits erheben Biotope und für Rügen existiert eine
Biotoptypenkartierung, die aber vorrangig aus Luftbildinterpretationen hervorgegangen ist.
Die Typisierung beschränkt sich hier auf eine pflanzensoziologische Einordnung, die
Kultureinflüsse nicht offenlegt. Somit fehlt bis heute ein Kulturlandschaftskataster für Rügen
und auch für Mecklenburg- Vorpommern.
Allein an der FH-Neubrandenburg wurde durch B
EHRENS
,
S
TÖCKMANN UND
V
ETTER
(2004)
ein digital gestütztes Kulturlandschaftselementekataster (KLEKS) entwickelt, dass Kultur-
landschaft in Mecklenburg-Vorpommern inventarisiert und mit dem im Rahmen dieses
Proseminars auch gearbeitet wurde. Die Arbeit und die Probleme mit KLEKS werden an
anderer Stelle dieser Arbeit aufgegriffen. Damit sind auch zwei Ziele des Projekts
beschrieben, denn zum Einen sollte die Erfahrung der Kartierungen in Vorschläge für ein
Erfassungsbogen münden und zum Anderen sollte die Datenbank von KLEKS mit
Informationen angereichert und auf eventuelle Schwachstellen evaluiert werden.
6
2. Flächenauswahl
Die im Rahmen des Proseminars erfolgte Flächenauswahl der zu untersuchenden Plätze
orientierte sich an zwei Zielen. Zum Einen sollte ein kulturgeschichtlicher Querschnitt
vertreten sein, weshalb ein ausschließlicher Fokus auf die frühgeschichtlichen Denkmäler
ausschied. Vielmehr sollten auch neuzeitliche Landschaftselemente oder landeskulturelle
Zeugnisse repräsentiert sein. Zum Anderen sollten Flächen vorhanden sein, die eine gute
Forschungsgeschichte aufweisen, um im Vorfeld auf die Quellenlage zurückgreifen zu
können und eine Einarbeitung in die Untersuchungsräume zu gewährleisten.
Vor diesem Hintergrund wurde das Großsteingrab Nobbin als bekanntes Zeugnis der
Jungsteinzeit (Neolithikum) auf Wittow, sowie das Ganggrab Nipmerow auf Jasmund kartiert.
Die Bronzezeit wurde durch das Hügelgräberfeld in Woorke im Kernland der Insel
repräsentiert. Ralswiek als ehemalig slawisches Handelszentrum wurde im Rahmen der
Kompaktexkursion ebenso aufgesucht, wie auch die landschaftskulturellen Veränderungen
des intensiv beforschten Kap Arkonas mit seinem Burgwall im Umfeld neuzeitlicher
Entwicklungen Teil der Kartierungen waren. Die Kirche in Altenkirchen und die Kapelle in
Vitt wurden aufgrund ihrer Typologien und ihrer Zugehörigkeit in die herzogliche
Pommernzeit ausgewählt. Die Residenzstadt Putbus mit klassizistischen Gebäudeensemble
und englischem Landschaftsgarten und die Stadt Sassnitz dienten als Zeugnis des 19. Jh. Der
landeskulturelle Ausdruck des 20. Jh. fand in der Betrachtung des KdF Bades Prora und dem
Kreidetagebau Klementelvitz seinen Niederschlag. Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen,
dass sich heute an den untersuchten Orten viele Kulturlandschaftselemente vorfinden, die
nicht nur einer Epoche, sondern in diversen kulturgeschichtlichen Zeitabschnitten entstanden
sind und die vor Ort zusätzlich kartiert worden sind. Die Grundauswahl folgte aber einer
chronologischen Repräsentativität. Abbildung 1 zeigt die untersuchten Orte auf der Insel
Rügen nebst einer Landschaftsgliederung, Abbildung 2 zeigt einen landschafts- und kulturell-
epochalen Überblick zur Inselgeschichte, welcher der Auswahl zugrunde lag. Die Zuordnung
der untersuchten Flächen in die Kulturepochen ist in Abbildung 2 rot unterlegt.
7
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Abbildung 1: Landschaftsgliederung der Insel Rügen (aus: L
ANGE ET AL
. 1986, ergänzt).
Die Zahlen in den roten Kreisen stellen die untersuchten Standorte dar.
1. Hünenbett von Nobbin
6.
Altenkirchen
2.
Ganggrab
Nipmerow
7.
Putbus
3.
Hügelgräberfeld
Woorke
8.
Sassnitz
4.
Kap
Arkona 9.
Prora
5. Ralswiek
10. Tagebau Klementvitz
8
Abbildung 2: Phasen der Landschaftsentwicklung und Frühgeschichte der Insel Rügen
(aus: K
NAPP
2008, verändert und ergänzt). Die Zahlen in den roten Blöcken
kennzeichnen die untersuchten Standorte.
1, 2 u. 3
4 u. 5
6
9
Abbildung 2 (Fortsetzung): Phasen der Landschaftsentwicklung und Frühgeschichte der Insel Rügen
7
8
9 u.
10
10
3. Exkurs in die Landschaftsgeschichte der Insel Rügen
3.1.Geologische Entwicklung
Rügen liegt auf der Westeuropäischen Platte, die voreiszeitlichen Bildungen gehen auf die
Kreide des Mesozoikums zurück. Als vor ca. 13000 Jahren Gletschervorstöße aus
Skandinavien in den heutigen Raum Rügens vorstießen, war der Kreidekomplex der Halbinsel
Jasmund schon vorhanden und wurde einerseits durch die Gletscher umflossen, andererseits
gefaltet. Das Hügelland, welches zusätzlich durch die Gletschervorstöße der Nordrügen-
Staffel entstand, war durch etliche Wassersenken gekennzeichnet und kann als Kernland der
Insel Rügen bezeichnet werden. Die weitere geologische Entwicklung vollzog sich dann in
der Nacheiszeit (Holozän).
Wie B
AHLS ET AL
. (1990) herausarbeiteten existierte Rügen in seiner heutigen Form damals
noch nicht. Mit dem Abtauen der Gletscher bildete sich vor etwa 11 000 Jahren der Baltische
Eisstausee aus den Schmelzwassern. Dieser war zuerst nicht an den heutigen Atlantischen
Ozean angebunden. Erst der Rückgang der Vergletscherung Mittelschwedens ermöglichte der
Nordsee das Einströmen in den Baltischen Eisstausee. Das dadurch entstandene Yoldia-Meer,
benannt nach der arktischen Meeresschnecke Yoldia aretica, blieb aber nur ca. 1000 Jahre
erhalten, denn aufgrund einer noch bis die heutige Zeit andauernden Landhebung (Das
Baltische Schild wurde von den abtauenden Eismassen entlastet) kam es zur Unterbrechung
der Yoldia-Meeres zur Nordsee. Die Folge war eine Aussüßung des YoldiaMeeres, das fortan
als Ancylus-See (vor 9000 bis 7500 Jahren), benannt nach der Süßwasserschnecke Ancylus
fluviatius.
Erst vor 7500 Jahren brachte ein Salzwassereinbruch aufgrund eines phasenhaften Anstiegs
des Weltmeeres die Ausbildung des Litorina-Meeres, benannt nach Strandschnecke Litorina
littorea. Die Entwicklung zu Inselarchipelen, Kliffbildungen und starker submariner
Sedimentation vollzog sich während der ersten litorinen Transgressionshauptphase vor 7000
5700 Jahren als das südbaltische Festland durch den Meeresspiegelanstieg aufgelöst wurde. In
der litorinazeitlichen Ostsee gab es 6000 Jahre vor heute die Inselkerne Rügen, Granitz,
Wittow, Jasmund, Mönchgut, Groß Zicker und Thissow.
Zwischen 5700 und 5400 Jahren vor heute kam es dann zum Beginn der Nehrungsbildung bei
einem weiteren Anstieg des Meeres bis zum vergleichbaren heutigen Niveau (R
HEINHEIMER
1995). Es folgten intensive Küstenausgleichsprozesse mit der Bildung von Kliffen, Haken
und Nehrungen (D
UPHORN ET AL
.1995). Die Erosion an den Inselkernen, die marine
Strömungsdrift von Sand und eine Sedimentation im Strömungsschatten der Inselkerne waren
die wesentlichen Prozesse. Es entstanden Sandhaken über dem Wasserspiegel, die von einem
Inselkern zum Anderen über die Jahrhunderte ,,wuchsen", bis sie als Nehrungen Teile der
Küste abriegelten und so die Boddengewässer entstanden. Die nun durch holozäne Sedimente,
Dünensande und Seesande verbundenen Inselkerne wurden zur Insel Rügen.
Folgt man den Untersuchungen von L
ANGE ET AL
. (1986) lassen sich die aus geologischer
Entwicklung hervorgegangenen Landschaften und Böden Rügens zu gewissen Grund-
Einheiten zusammenfassen. Es herrschen vor allem Geschiebelehm und Mergelablagerungen
der End und Grundmoränen vor. Die Endmoränenbögen ziehen sich vom Nordwesten der
Insel bis in den Südosten. Vergesellschaftet ist dieser Geschiebelehm mit pleistozänen
Sanddecken und Sanden, die sich in der Mitte Rügens und im Südosten konzentrieren,
während im Nordosten anstehende Kreideablagerungen zu finden sind. An den Ostküsten
finden sich, die einzelnen Moränenkerne verbindend holozäne Seesandnehrungen und Dünen
aus Seesand. Moor und anmoorige Standorte sind hauptsächlich im Norden der Insel präsent.
11
3.2. Vegetation und Landschaftscharakter
Rügen ist nach D
IERßEN
(1996) dem Baltischen Buchenwaldareal innerhalb der temperaten
Vegetationszone Europas zugehörig. Rügens Küsten gliedern sich in boddenseitige
Innenküsten (451 km) und Außenküsten (123 km), die von lehmigen und steinigen
Steilküsten, über Kreideküsten zu flachen Sandküsten reichen. 15 % der Fläche Rügens ist
bewaldet, während 61 % der Flächen durch Landwirtschaft genutzt werden. Insgesamt können
nach L
ANGE ET AL
. (1986) und K
NAPP
(2008) sieben verschiedene Naturraumtypen auf Rügen
festgestellt werden:
·
Dazu zählen die ebenen-flachwelligen Grundmoränenlandschaften mit grundwasser-
bestimmten Lehmstandorten und einer Vegetation von Ackernutzpflanzen,
Wirtschaftsgrünland, Hochstaudenfluren, Röhrichten, sowie Großseggenriede und
Moorgehölzen. Vertreten durch die Untersuchungsfläche
1
,
3
und
6
.
·
Die kuppigen Grund- und Endmoränenlandschaften mit Tieflehm und Lehmstandorten
in Form von Fahlerden und Lehmsandbraunerden mit einer Vegetation von Acker-
nutzpflanzen, kleiner Restwälder und Grünland. An den Steilufern finden sich
Pionierfluren, Magerrasen und Gebüsche. Vertreten durch die Untersuchungsfläche
7
.
· Die
kleinformenreichen
Sandlandschaften, die in Form grundwasserferner Standorte
Sand-Rosterden und Braunerden ausgebildet haben und neben Lehmund
Sandackerfluren auch Feldgehölze, Hutungen und Kiefernwälder aufweisen. Vertreten
durch die Untersuchungsfläche
4
.
·
Die hügeligen Endmoränenlandschaften mit Rendzinen und Lehmfahlerden in
Kuppenlagen und Lehm-Parabraunerden in Tallagen. Die Vegetation wird größtenteils
von Perlgras-Buchenwäldern, Eichen-Hainbuchenwäldern und Erlen-Eschenwälder
eingenommen. In den Senken finden sich neben Wollgrasbulten und Torfmoos-
Seggenrieden auch Birken-Moorgehölze. Vertreten durch die Untersuchungsfläche
5
.
·
Die im Nordosten zu findenden Kreidelandschaften mit Kreide- und Bergrendzinen,
sowie Fahlerden in Kuppenlagen. In Kesseln finden sich Moore und in den Tallagen
Lehm und Muldengleye, sowie Parabraunerden. Die auf diesen Standorten
anzutreffende Vegetation ist stark differenziert wird aber hauptsächlich durch
Schattenblumen-Buchenwälder bestimmt. Auch kommen Schwalbenwurz
Eichentrockenwälder, Halbtrockenrasen und Schlehentrockengebüsche vor. In den
Kesselmooren kommen Torfmoos-Seggenriede, Torfmoos-Wollgrasbulte und Birken-
Moorgehölze vor. Vertreten durch die Untersuchungsflächen
2, 8
und
10
.
·
Die Seesand- und Küstendünenlandschaften mit Grundwasserstandorten in ihrer
Ausprägung als Gleye und grundwasserfernen Sandstandorten mit Braunerden und
Podsolen. In Überflutungsgebieten kommt es zur Ausbildung von Mooren. Die
Vegetation ist durch Strandhaferdünen, Calluna-Heiden, Kiefernwälder, Kiefern-
Moorgehölzen, Sandmagerrasen, Rohrschwingelgrasfluren, Salzröhrichte und
Salzwiesen beschrieben. Vertreten durch den Standort
9
.
·
Als siebter Naturraumtyp gelten die Niederungslandschaften, wo es zu Moorbildungen
kommt. Diese Flächen sind größtenteils zu Wirtschaftsgrünland umgewandelt, an
Seeufern und Torfstichen gibt es noch Röhrichte, Großseggensümpfe, Weiden und
Moorgebüsche, sowie Erlenwälder.
12
4. Material und Methoden
Die Erfassung und Kartierung der Kulturlandschaft und ihrer Elemente erfolgte durch
Geländebegehung. Zur Vor- und Nachbereitung der erfassten Daten wurde Fachliteratur und
historische Literatur benutzt, die Ergebnisse wurden zeitnah im Portal KLEKSeditor
veröffentlicht.
4.1.Kartierungsbögen
Für die Kartierung im Gelände standen zwei verschiedenen Erfassungsbögen (siehe Anlage I
und II) zur Auswahl. Der erste Erfassungsbogen mit seiner Systematik geht auf S
TÖCKMANN
,
B
EHRENS U
.
V
ETTER
(2007) zurück und wird in Mecklenburg-Vorpommern angewandt, dieser
ist Grundlage für das digitale Kulturlandschaftselementekataster KLEKS, mit dem in
Mecklenburg-Vorpommern auch schon auf behördlicher Ebene gearbeitet wird. Der zweite
Kartierungsbogen kommt in Brandenburg zum Einsatz und geht auf die Systematik von
P
ETERS U
.
K
LINKHAMMER
(2000) zurück. Da insbesondere der brandenburgische
Kartierungsbogen detaillierter ist und auch mehr Raum für Beschreibungen des Objekts, des
Umfeldes und benachbarter Kulturlandschaftselemente ermöglicht, wurden die
Geländeerfassungen auf Rügen mit diesem durchgeführt. In diesem Zusammenhang ist es
wichtig zu betonen, dass beide analoge Erfassungsbögen mit verschiedenen Systematiken
bzw. Codierungen der einzelnen Länder ausgefüllt werden können. In ein digitales
Amtskataster werden aber zumeist nicht alle Daten eingespeist, die im Gelände erfasst
wurden. Für spätere Vergleiche, zur Dokumentation von Veränderungen, als Datengrundlage
für Stellungnahmen, etc. sollte aber ein möglichst hoher Detailgrad erreicht werden. Da aber
die Daten später in das digitale Kataster KLEKS eingespeist werden sollen und im Vorfeld
der Untersuchung von einem regional spezifischen Ensemble ausgegangen wurde, stützte sich
im Sinne der Kompatibilität und der ,,Erfassungsschärfe" die Punkt- und Flächenaufnahme
auf die mecklenburgische Systematik (Anlage III). Dass mit dieser Kombination nicht
unbedingt bessere Ergebnisse erzielt werden, soll noch diskutiert werden. Es erfolgt in dieser
Arbeit deshalb auch die Angabe der mecklenburgischen und brandenburgischen Codierung.
4.2. Fotografien und Vermessungen
Neben der Erfassung in den Bögen wurden von allen Objekten Fotos angefertigt, diese
können den Zustand, die Umgebung und den Typus des Kulturlandschaftselements
verdeutlichen. Die urgeschichtlichen Untersuchungspunkte (Hünenbett von Nobbin,
Ganggrab Nipmerow, bronzezeitliches Gräberfeld Woorke) wurden zusätzlich durch
Vermessungen und als Übertrag in Profil- und Planzeichnungen im Maßstab 1:50 erfasst. Um
ein zeitliches nebeneinander verschiedener Kulturlandschaftselemente (KLE) abzubilden,
wurden außerdem Transekte in die Landschaft gelegt. Durch eine vorher festgelegte Strecke
A-B, die sich daran orientierte, Umgebung und Begleitelemente möglichst gut abzubilden,
war ein räumlicher Überblick besser zu erzielen, als mit einem Erfassungsbogen.
4.3. Kunstzeichnungen
Einige der aufgenommen Objekte haben einen künstlerischen Stellenwert erreicht, weil
bekannte Maler (z.B. der Malerfreund von C.D.
F
RIEDRICH
) Skizzen oder Gemälde der
betroffenen Objekte hinterließen. Die Sicht eines Zeichners oder Malers ist zweifelsohne ein
anderer Blick, als der eines Naturwissenschaftlers. Trotzdem bildet er die Landschaft im
Sinne der europäischen Landschaftskonvention als ein wahrgenommenes Gut wieder (vgl.
B
RUNS
2007, M
ARSCHALL
2007), dass in der Landschaftspolitik neben naturwissen-
schaftlichen Fakten durchaus eine Rolle spielen kann. Deshalb erfolgte die Annäherung und
Erfassung der KLE auf Rügen im Gelände auch zeichnerisch, ohne den Anspruch einer
dimensions- und maßstabsgerechten Darstellung.
13
4.4. Literaturrecherche
Für eine konkrete Beschreibung eines Objekts, insbesondere der kulturhistorischen Bedeutung
in einem Kataster, reicht eine Geländeerfassung nicht aus. Zur Kennzeichnung der
geschichtlichen Bedeutsamkeit wurden die Erfassung mit Beschreibungen aus der Literatur
und Informationen aus Archiven untersetzt. Wesentliche Archive sind dabei das Altes
Magazin der Universität Greifswald, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, das
Landesarchiv in Greifswald, das kulturhistorische Museum in Stralsund, das Ernst- Moritz-
Arndt Museum in Garz (Rügen) und das Kulturhistorische Museum in Göhren (Rügen).
14
5. Kulturlandschaftselemente auf der Insel Rügen
5.1. Das Hünenbett Nobbin
Ein Hünenbett ist eine Grabform der Jungsteinzeit (vor 4000 Jahren) auf dem Gebiet des
heutigen Mecklenburg-Vorpommerns. Hünenbetten sind aufgeworfene Hügel, die mit
Steinen, sogenannten Bannkreisen, umfriedet sind und eine oder mehrere aus Stein errichtete
Grabkammern besitzen (S
CHULDT
1971).
5.1.1. Lage
Die Grabanlage befindet sich im Nordosten der Insel Rügen auf der Halbinsel Wittow
(Hochwert: 6059.091,929/ Rechtswert: 4590.047,876), gelegen an einem touristisch viel
frequentierten Radweg, der zum Kap Arkona führt. Die Anlage ist in östlicher Richtung 15 m
von der Steilküste (27 m ü. N.N.) entfernt und liegt innerhalb einer Agrarlandschaft auf einer
ebenen-flachwelligen Grundmoränenlandschaften mit grundwasserbestimmten Lehm-
standorten. Der Ort Nobbin ist nur wenige Kilometer entfernt und hat der Grabanlage den
Namen verliehen. Der Grabhügel hat eine Länge von 38 m und einen trapezförmigen
Grundriss (Abbildung 3.1, 3.2 und 3.2).
5.1.2. Eigentums- und Schutzstatus
Das Großsteingrab gehört zum Kreis Rügen, der Gemeinde Putgarden und ist als neolithisches
Megalithgrab in die Denkmalliste des Kreises Rügen eingetragen (Liste der unteren
Denkmalschutzbehörde 2007)
5.1.3. Kulturlandschaftskataster
Im KLEKS ist das Objekt folgender Kategorie und Chronologie (absteigende Detailliertheit)
zuzuordnen:
7-
Kult und Religion
74- Prähistorische
Gräber
GSG Großsteingrab
NLmk Trichterbecherkultur (Megalithkultur)
In der KHLE Systematik Brandenburg:
8-
Kulturhistorische Landschaftselemente mit religiöser Bedeutung
84- Prähistorische
Gräber
841- Hünengräber
(Megalithgräber)
Die Verwendung der KLEKS- Systematik erweist sich beim Großsteingrab Nobbin als
zielführend. So ist die Bezeichnung Großsteingrab gegenüber Hünengrab wissenschaftlich
korrekt. Auch gelingt die zeitliche Einordnung der Grabanlage mit KLEKS besser. Das
Neolithikum ist dort mit zwölf Unterkategorien besetzt, die eine jeweilige Einschätzung der
Kulturzugehörigkeit von Grabanlagen ermöglicht. Das Großsteingrab von Nobbin fällt in Zeit
zwischen 4000-3000 vor unserer Zeit. Damit ist es eine Anlage der Trichterbecherkultur. Die
Brandenburger Systematik untersetzt die Entstehungszeit der Grabanlagen nur mit einer
Kategorie und erweist sich deshalb als unschärfer. Gleichwohl ist in dieser Systematik der
Hinweis gegeben, dass eine weitere Untersetzung Aufgabe der Denkmalbehörden ist.
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5.1.4. Kulturhistorische Bedeutung
Die Untersuchungen von E
WALD
S
CHULDT
konnten zwei Grabkammern innerhalb des
Hünenbettes ausfindig machen. Neben dem Nachweis von Nachbestattungen, die in die
Eisenzeit zu datieren waren, konnten außer Feuersteinartefakten und Keramikscherben nicht
viel nachgewiesen werden. Die Anlage war wohl im Laufe der jahrhunderte mehrmals von
Grabräubern heimgesucht worden. Außergewöhnlich gilt allerdings der Fund einer arabischen
Münze, dessen Herkunft nicht geklärt werden konnte (S
CHULDT
1971).
Die Grabanlage gehört von ihrer Dimension zu den größten auf der Insel Rügen. Schon im 19
Jh. wurde es als majestätisch bezeichnet: ,,das imposanteste, und zugleich am Besten
erhaltene, welches wir noch auf der Insel gesehen haben...Die Steine, die es umgeben, sind
39 Gewaltige, mächtige Blöcke sind darunter, die beiden gewaltigsten aber bilden den
Eingang und würden leicht einen Reiter zu Pferde bedecken"(P
EREGRINUS PEDESTRIS
, 1833:
Der Holsteinische Tourist. Zitiert in: E. S
PROCKHOFF
, 1967). Auch wenn die Dichte an
neolithischen Fundstellen nach Knapp 2008 zu den Höchsten innerhalb frühgeschichtlicher
Siedlungsphasen gehört, ist das Hünenbett von Nobbin in seiner Dimension auf Rügen nur
noch mit dem Hünenbett bei Dwasiden an den Küsten der Halbinsel Jasmunds zu vergleichen.
Darin liegt insbesondere seine kulturhistorisch, hohe Bedeutung. Versuche die Art und Weise
der Steinsetzung astronomisch zu interpretieren, führten bisher zu keinen schlüssigen
Ergebnissen (vgl. B
IELAS
1988).
5.1.5. Kunsthistorische Bedeutung
Die Steinsetzung von Nobbin war zudem Motiv für C
ASPAR
D
AVID
F
RIEDRICH
und seinen
Malerfreund C
ARL
G
USTAV
C
ARUS
.
Die Behauptung W
EMBERS
(2007) das Hünengrab wäre
1806 von C.D.
F
RIEDRICH
mit Bleistift gezeichnet worden (Abbildung 4), ist unter
Kunsthistorikern umstritten. Werden Friedrichs Ölgemälde als Kompositionen angesehen,
zeugen seine Bleistiftzeichnungen zumeist von einer hohe Detail- und Ortstreue.
Dementsprechend hat die Bleistiftzeichnung im Bezug auf die Steinsetzung eine starke
Ähnlichkeit mit Nobbin, das hügelige Gelände mit dem Wald widerspricht aber der örtlichen
Topographie (vgl. Z
SCHOSCHE
2007).
Abbildung 4: C.D.
F
RIEDRICH
- Hünengrab bei Nobbin (aus: W
EMBER
2007, S. 139)
Als gesichert gilt dagegen, dass C.D.
F
RIEDRICH
die Steinsetzung von Nobbin in zwei
Gemälden verarbeitet hat. Um 1806/1807 entstand das Hünengrab am Meer, eine
Feder/Pinsel Zeichnung in Sepia (Abbildung 5) und zur gleichen Zeit ein Ölbild, das mit
,,Abend am Ostseestrand" (Abbildung 6) betitelt ist.
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