Einleitung
Die Ostsee ist ein erst wenige Jahrtausende altes Meer und damit erdgeschichtlich sehr jung. Sie ist durch Meerengen mit der Nordsee verbunden und steht einerseits unter dem Einfluß des salzhaltigen Nordseewassers und andererseits im Regime von Süßwassern, die aus den Einzugsgebieten Skandinaviens in sie fliessen. Diese Begebenheiten machen die Ostsee mit ihren 415 000 km² zu einer der größten Brackwasserflächen der Erde. Neben der auch durch den unterschiedlichen Salzgehalt bedingten Vielfalt an Meeresorganismen stellt besonders das geologische Potenzial, auf dem die Ostsee ruht und von dem sie umgeben ist, eine enorme Vielfalt dar. Dieses Meer liegt in der transeuropäischen Störungszone der westeuropäischen Plattform und der Osteuropäischen Plattform mit dem Baltischen Schild. Durch diverse plattentektonische Vorgänge, die schon im Erdaltertum (Altpaläozoikum) ihren Anfang fanden, grenzen heute verschiedene geologische Untergründe aneinander oder erheben sich aus der Ostsee. Diese Vielfalt zeichnen auch die Inseln des baltischen Meeres nach. Diese Studienarbeit möchte dabei landschaftökologische Begebenheiten ausgewählter Ostseeinseln vermitteln.
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Inhaltsverzeichnis
1. Geographie des Ostseeraums
1.1 Geologie 5
1.2 Hydro-geographische Gliederung 6
1.3 Küstenformen 7
1.4 Vegetation Landschaftscharakter 8
1.5 Besiedlung Geschichte 9
2. Geographie ausgewählter Ostseeinseln
Inseln der Bundesrebublik Rebublik
2.1 Rügen 12
2.2 Usedom 15
2.3 Hiddensee 17
2.4 Vilm 19
2.5 Ruden 21
2.6 Fehmarn 23
Insel Polens
2.7 Wollin 25
Insel Dänemarks
2.8 Møn 27
2.9 Langeland 29
2.10 Bornholm 31
Inseln Schwedens
2.11 Öland 33
2.12 Gotland 35
2.13 Gotska Sandön 37
Inseln Estlands
2.14. Saaremaa 39
2.15. Hiiumaa 41
2.16. Vilsandi 43
2.17 Ruhnu 45
Inseln Finnlands
2.18. Åland 46
2.19 Hailuoto 48
Insel der Russischen Förderation
2.20. Gogland 50
3. Literaturverzeichnis 52
4. Verwendetes Kartenmaterial 56
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1.Geographie des Ostseeraums
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1.1 Geologie
Im Ostseegebiet lassen sich zwei große Teilräume unterscheiden. Der Südwesten ist nach NIEDERMEYER (1996) der tektonisch instabilen Westeuropäischen Plattform zuzuordnen, der Norden, Osten und Südosten der präkambrischen Osteuropäischen Plattform, zu der auch der Baltische Schild als tieferer geologischer Untergrund des nördlichen und mittleren Ostseegebiets gehört.
Während der kaledonischen Gebirgsbildung im Silur wurden Gesteine auf diesen Schild aufgeschoben. Die variszische Gebirgsbildung des Jungpaläozoikums brachte tiefreichende Brüche in die Gesteinskomplexe. Im Quartär kam es aufgrund von Gletschervorstößen aus Skandinavien dann im südlichen Ostseeraum zur Überlagerung der zumeist mesozoischen Ablagerungen. Nach DUPHORN ET AL. (1995) sind Verwerfungen bis heute mobil, jedoch liegen diese neotektonischen Bewegungen der Erdkruste im jährlichen Milimeterbereich.
Die geologisch differente Basis des Ostseeraumes (Abbildung 1) spiegelt sich in den verschiedenen Gesteinen und Ablagerungen wider. Wesentliche Merkmale sind Kristallingesteine des Baltischen Schildes, die Sedimentgesteine der osteuropäischen Plattform aus dem Paläozoikum, die Sedimentgesteine der Westeuropäischen Plattform, die Kreideablagerungen und Sedimente der mitteleuropäischen Senke aus der Kreide und dem Tertiär, sowie die geologisch jungen,glazigenen Ablagerungen der Weicheleiszeit.
Abbildung 1: Geologische Karte der vor–eiszeitlichen Bildungen (aus: LOZAN ET AL. 1996).
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1.2 Hydro-geographische Gliederung
Die Ostsee wird nach DUPHORN et. al (1995) als ein humides Nebenmeer des Atlantischen Ozeans innerhalb des europäischen Kontinents bezeichnet. Das Einzugsgebiet dieses Binnenmeeres ist nach FALKENMARK in DUPHORN ET. AL (1995) 1 721 233 km² groß und besitzt ein Wasservolumen von 21 721 km³ bei einer mittleren Tiefe von 52,3 m (459 m max.).Der von Westen nach Osten bzw. Nordosten abnehmende Salzgehalt beträgt ca. ein Drittel der des Atlantischen Ozeans. In der Wasserbilanz der Ostsee beläuft sich der Niederschlag auf 243 km³ / a, die Verdunstung auf 209 km³ / a und die Zufuhr über die Flüsse bei 435 km³ / a. Jährlich strömen 893 km³ über die Nordsee ein, während der Ausstrom um das 1,6-fache mit 1208 km³ / a größer ist.
Neben diesen hydrologischen Verhältnissen der Ostsee finden sich aufgrund der Geomorphologie verschiedene Reliefformen auf dem Meeresboden, die als Schwellen verschiedene Becken voneinander abtrennen. Die Ostsee kann in ein Übergangsgebiet mit der Verbindung zur Nordsee, in die zentrale Ostsee und den Bottnischen Meerbusen gegliedert werden. Die geographische Differenzierung ist aus Abbildung 2 ersichtlich.
Abbildung 2: Geographische Gliederung der Ostsee (nach WATTENBERG 1949 / HUPFER 1984 in: DUPHORN, K. ET AL., 1995 : Die deutsche Ostseeküste).
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1.3 Küstenformen
Im Ostseeraum sind nach LAMPE (1996) verschiedene Küstentypen ausgebildet. Dabei ist die Genese von verschiedenen Faktoren abhängig:
Von den topographischen , hydrogeographischen und meteorologischen Größen, die Einfluss auf marine Kräfte (Strömung, Wasserstand, Seegang) nehmen; vom voreiszeitlichen Unter-grund mit seinem Relief; der Art und Mächigkeit des skandinavischen Gletschereisvorstoßes und der damit verbundenen Mächtigkeit und Materialeigenschaft der spezifischen glazigenen Ablagerungen; vom holozänen Meeresspiegelanstieg und den isostatischen Hebungs- und Senkungsbewegungen.
Darauf aufbauend weisen LAMPE U. KLUG (1996) 12 verschiedene Küstentypen aus. Aufgrund der vielfältigen abiotischen Einflüsse sind oftmals mehrere Küstenformen auf einer Insel präsent. Abbildung 3 gibt eine Übersicht zu den im Ostseeraum vorkommenden Küstenformen.
Abbildung 3: Räumliche Verteilung der Küstentypen der Ostsee (LAMPE 1995 / nach KLUG 1985 in: LOZÁN, J.L. ET AL. (1996) : Warnsignale aus der Ostsee)
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1.4 Vegetation / Landschaftscharakter
Der Ostseeraum gliedert sich geobotanisch in die boreale Zone (B1-B3) im Norden und eine temperate Zone (T1-T4) im Süden. Die boreale und hemiboreale Vegetationszone kennzeichnet sich nach FREY & LÖSCH (1998) durch immergrüne Nadelwälder und Nadel-Laubmischwälder. Die temperate Vegetationszone besitzt temperate Breitlaubmischwälder. In beiden Vegetationszonen, jedoch insbesondere in den temperaten Bereichen sind die Wälder durch Ersatzvegeation überprägt. Darunter fallen insbesondere annuelle Ackerkulturen.
Die potentiell natürliche Vegetation (vgl. BOHN ET AL. 2003) ist dementsprechend der mesophytische, sommergrüne Laubwald und Nadel- Laubwald. Im zentralen Ostseegebiet finden sich zudem hygromesophytische Nadel- und Laub-Nadelwälder. Neben Stieleichen-Hainbuchenwäldern (Fehmarn, Bornholm), kommen innerhalb des Baltischen Buchwaldareals artenreiche eu- und - mesothraphente Buchen- und Buchenmischwälder (Langeland, Møn, Langeland, Rügen, Vilm), sowie artenarme, oligo-mesotraphente Buchen- und Buchenmischwälder (Usedom, Wollin) vor. In nördlicher Richtung finden sich artenarme azidophile Eichen- und Eichenmischwälder, aber auch subkontinentale Wiesensteppen und steppenartige Trockenrasen (Öland).Weiter nördlich treten hemiboreale und nemorale Kiefernwälder auf (Gotland, Öland, Ruhnu, Gogland, Hailuoto).In östlicher Richtung gibt es Restvorkommen hemiborealer Fichten- und Tannen- Fichtenwälder mit Laubbaumarten (Saaremaa, Hiiumaa, Åland).
Insgesamt lässt sich konstatieren, dass der Landschaftscharakter der Inseln vielerorts durch Wald bestimmt war, der insbesondere mit Beginn des 20. Jh. in forstwirtschaftliche oder ackerbauliche Kulturen überführt wurde. Insbesondere die Landwirtschaft führte zu einer Homogenisierung des Landschaftsbildes mit Verlust an Kleinstrukturen (Feldsäume, Hecken, temporäre Gewässer. etc.). Betrachtet man den Ostseeraum unter dem Aspekt anthropogener Ersatzvegetation zeigen sich ein Gradient in west-östlicher Richtung und ein größerer Anteil natürlicher Vegetation in den östlichen, baltischen Staaten. Dabei nimmt der Grad der Hemerobie in südwestlicher Richtung zu (vgl. KNAPP, H. D.; L. JESCHKE & M. SUCCOW 1985).
Abbildung 4: Heutige natürliche Vegetation Mitteleuropas
(aus LANG 1994 in FREY u. LÖSCH 1998)
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1.5 Besiedlung / Geschichte
Die ersten Spuren menschlicher Tätigkeit im Ostseeraum gehen nach WERNICKE (1996) auf die Zeit 8000 v.Chr. zurück. Von einer Besiedlung kann aber erst ab dem 5. Jahrtausend v.Chr.ausgegangen werden. Die mesolithische Ertebölle- Kultur in Dänemark und an der holsteinisch- mecklenburgisch pommerschen Küste sind Beispiele dafür. Gesellschaftliche Einschnitte waren vor allem die Veränderungen der Jäger- und Sammlerkulturen zu Ackbau-und Viehzuchtgesellschaften vor ca. 3000 v. Chr. In der Folgezeit kam es durch Einwanderungen aus dem osteuropäischen Raum zur Ausbildung verschiedener Kulturen wie z.B. der neolithischen Trichterbecherkultur oder der spätneolithischen Einzelgrabkultur auf Rügen (2000 J. v.Chr.). Landschaftlich relevant war insbesondere der Übergang von Jäger-Sammlerkulturen zu sesshaft werdenden und Ackerbau betreibenden Kulturen mit Beginn der Jungstein (Neolitische Revolution). Die Neolithische Revolution markiert den Übergang von Naturlandschaften zu Kulturlandschaften und den Beginn der Kulturlandschaftentwicklung mit der Rodung von Wäldern für Siedlungen und Felder, der Entwässerung von Feuchtgebieten, wie auch die durch Pollenanalysen nachgewiesenen Florenveränderungen (Gräser- und Kulturpflanzenausbreitung) der Landschaft (KNAPP 2008). In Abbildung 5 wird die Besiedlungsgeschichte mit der Landschaftsgeschichte und der Ostseeentwicklung korreliert
Mit dem Beginn der Bronzezeit um 1800 v.Chr. werden Handelsbeziehungen nach Britannien, in den Donauraum und zum Schwarzen Meer aufgenommen. Die Besiedlung des Ostseeraums durch germanische Stämmme fällt in die Eisenzeit (500 v.Chr.). Danach folgte die römische Kaiserzeit und die Völkerwanderungszeit, die bis 700 n.Chr. anhielt. Die Vormachtstellung im Ostseeraum wurde im 9. und 10. Jh. durch Wikinger behauptet, die neben ihren Raubzügen einen regen Handel betrieben. Die Dänen waren im 12. / 13. Jh. die dominante Macht in der Ostsee, bis es der Hanse im 14. Jh. bis ins 16. Jh. gelang den Handel der Ostseeküsten und der Inseln unter ihre Kontrolle zu bringen (VARJO U. TIETZE 1987).
Eine über 100 jährige Vorherrschaft der Schweden prägte das Balticum bis in den südlichen Ostseeraum, der im 19. Jh. und in der ersten Hälfte des 20 Jh. erst im Besitz Preußens und später des Deutschen Reiches war. Der zweite Weltkrieg brachte die politische Spaltung und Segregation der einzelnen Ostseeräume. Erst das Ende des Kalten Krieges und die Annäherungen der Jahre 89 / 90, der Zerfall der UDSSR, die Erweiterungen der NATO und internationale Wirtschaftsabkommen, auch im Rahmen der EU- Erweiterung, lassen den Ostseeraum zumindest wirtschaftlich wieder stärker kooperieren.
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Abbildung 5: Holozängliederung und Landschaftentwicklung im südbaltischen
Küstenraum (aus: DUPHORN ET. AL. 1995)
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2.Geographie ausgewählter Ostseeinseln
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2.1.Rügen (Größe und Lage: 956 km²/ Arkonasee)
Foto: Rolf Reinecke
2.1.1.Geologische Entwicklung
Rügen liegt auf der Westeuropäischen Platte, die voreiszeitlichen Bildungen gehen auf die Kreide des Mesozoikums zurück. Die weitere geologische Entwicklung fand im Pleistozän des Quartärs (Känozoikum) und im Holozän statt. Die Geschehnisse der letzten Eiszeit, der Weiseleiszeit, sind maßgeblich für die Entstehung und Geomorphologie Rügens verantwortlich (DUPHORN ET AL.1995).
Wie BAHLS ET AL. (1990) herausarbeiteten, kam es ca. 13 000 Jahre vor heute zu letzten Eisvorstößen aus dem skandinavischen Ostseeraum. Rügen existierte in seiner heutigen Form noch nicht, sondern war eiszeitliches Moränenland mit Stauchendmoränen und Gletschzungenbecken. Mit dem Abtauen der Gletscher bildete sich vor etwa 11 000 Jahren v.h. der Baltische Eisstausee aus den Schmelzwassern. Dieser war zuerst nicht an den heutigen Atlantischen Ozean angebunden. Erst der Rückgang der Vergletscherung Mittelschwedens ermöglichte der Nordsee das Einströmen in den Baltischen Eisstausee. Das dadurch entstandende Yoldia- Meer blieb aber nur ca. 1000 Jahre erhalten, denn aufgrund einer noch bis die heutige Zeit anhaltenden Landhebung kam es zur Unterbrechung der Yoldia- Meeranbindung zur Nordsee. Es kam in Folge zur Aussüßung des Yoldia – Meeres, das fortan als Ancylus- See (9000 bis 7500 Jahren v.h.) bezeichnet wurde. Erst vor 7500 Jahren brachte ein Salzwassereinbruch aufgrund eines phasenhaften Anstiegs des Weltmeeres die Ausbildung des Litorina- Meeres hervor.
Die Entwicklung zu Inselarchipelen, Kliffbildungen und starker submariner Sedimentation vollzog sich während der ersten litorinen Transgressionshauptphase vor 7000 – 5700 Jahren als das südbaltische Festland durch den Meeresspiegelanstieg aufgelöst wurde.In der litorinazeitlichen Ostsee gab es 6000 Jahre v.h. die Inselkerne Rügen, Granitz, Wittow, Jasmund, Mönchgut, Groß Zicker und Thissow.In der hochlitorinen Regression zwischen 5700 und 5400 Jahren v.h kam es dann zum Beginn der Nehrungsbildung bei einem weiteren Anstieg des Meeres bis zum vergleichbaren heutigen Niveau (RHEINHEIMER 1995).
Die zweite litorine Transgressionshauptphase (5400 – 3900 v.h.), die spätlitorine Regression (3900- 2900 v.h.) und die dritte litorine Transgressionshauptphase (2900- 2000 v.h.) brachte intensive Küstenausgleichsprozesse mit der Bildung von Kliffen, Haken und Nehrungen in
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Oliver Thaßler, 2009, Inseln der Ostsee, Munich, GRIN Publishing GmbH
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