Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3
2 Die Anfänge der virtuellen Antike 3
3 Erklärung. 4
3.1 Problemstellung. 4
3.2 Kontrafaktische Geschichte. 5
3.3 Alternative Geschichte 5
3.4 Ungeschehene Geschichte 6
4 Kritik 7
4.1 Die drei Schlüsselkategorien nach Demandt: 7
4.1.1 Plausibilitätsstufen 7
4.1.2 Knotenstruktur. 7
4.1.3 Fließgleichgewicht. 8
4.2 Für Demandt ist das Konzept der „ungeschehenen Geschichte“ wichtig: 8
4.2.1 für ein Verständnis von Entscheidungssituationen. 8
4.2.2 für die Gewichtung von Kausalfaktoren. 8
4.2.3 für die Begründung von Werturteilen. 9
4.2.4 dann, wenn wir die unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten im
Geschehen 9
5 Zusammenfassung. 10
6 Literaturverzeichnis 11
2
1 Einführung
„Was wäre geschehen, wenn die Griechen 490 bei Marathon den Persern unterlegen wären? Was wäre geschehen, wenn Pontius Pilatus im Jahre 33 Jesus begnadigt hätte? Was wäre geschehen, wenn Hitler 1938 gestorben wäre?“ Dies sind typische Fragestellungen der alternativen Geschichtsschreibung. Beinahe jeder Mensch hat sich ebenfalls schon einmal in den verschiedensten Situationen die Frage gestellt: „Was wäre geschehen, wenn…?“ Die Konstruktion alternativer Geschehensabläufe ist längst kein überflüssiges Gedankenspiel mehr, sondern „ein unentbehrliches Geschäft der Geschichtswissenschaft“. 1 Macht virtuelle, ungeschehene oder kontrafaktische Geschichtsschreibung überhaupt einen Sinn? Wo findet sie Verwendung?
Ich möchte nun im Rahmen meiner Seminararbeit mit dem Titel „Die virtuelle Antikewas wäre geschehen, wenn…?“ zunächst den Urspung der virtuellen Geschichte, sowie die Begriffe und Merkmale alternativer Geschichte erläutern und anschließend die Kritik an der virtuellen Geschichtsschreibung etwas genauer betrachten.
2 Die Anfänge der virtuellen Antike
„Ich kann jetzt nicht umhin, hier eine Ansicht zu äußern, die freilich den meisten Menschen tadelnswert erscheinen mag; dennoch will ich damit nicht hinter dem Berg halten, soweit es mir wahr zu sein scheint. Wären die Athener aus Furcht vor der Gefahr aus ihrer Heimat abgezogen oder hätten sie sich, wenn sie da geblieben, Xerxes ergeben, so hätte niemand gewagt, dem König zur See entgegenzutreten. Hätte es aber zur See niemand mit Xerxes aufgenommen, was wäre dann zu Lande geworden! Hätten die Peloponnesier auf dem Isthmos auch noch so viele Brustwehren von Mauern gebaut, so hätte die Flotte der Barbaren doch eine Stadt nach der anderen genommen, und die Lakedaimonier wären von den
Bundesgenossen zwar ungern, aber notgedrungen im Stich gelassen worden und nach tapferer Gegenwehr mit Ehren untergegangen. Entweder wäre es ihnen so ergangen, oder vielleicht hätten sie sich mit Xerxes verständigt, wenn sie vorher gesehen hätten, dass auch die anderen Griechen persisch gesinnt waren. Griechenlang wäre also in beiden Fällen unter persische Herrschaft geraten. Denn ich sehe nicht ein, was die Mauern auf dem Isthmos nützen konnten. wenn der König
1 Demandt, Alexander: Ungeschehene Geschichte, Göttingen, 1986, S. 38
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das Meer beherrschte. Wenn aber jetzt einer behauptet, die Athener hätten Griechenland gerettet, gibt er der Wahrheit nur die Ehre.“ 2 Dieses Zitat stammt von Herodot von Halikanassos. Auffällig in diesem Text ist, dass der Verfasser alternative Geschehensverläufe konstruiert: „so hätte niemand gewagt..“, „Hätten die Peloponnesier…“ oder „…wenn sie sich vorher gesehen hätten“. Mit Herodot von Halikarnassos wurde der erste Historiker gefunden, bei dem man das Verfahren der virtuellen Geschichtsschreibung in der Historiographie nachweisen kann.
Herodot wurde etwa 484 v. Chr. in Halikarnassos (heute: Bordrum/Türkei) in einer wohlhabenden, aristokratischen Familie geboren, die aber durch die Tyrannen Lygdamis vertrieben wurden. Durch eine Übereinkunft kehrte Herodot aus dem Exil zurück nach Halikarnassos, das er nach erfolgreichem Sturz der Tyrannen Lygdamis für immer verließ. 444 v. Chr. ließ er sich in der griechischen Kolonie Thurioi in Süditalien nieder, an dessen Gründung er vermutlich beteiligt war. Drei Jahre später kam er nach Athen, wo er sich offenbar mit dem Dichter Sophokles anfreundete. Auch mit dem Staatsmann Perikes soll er in Kontakt getreten sein. Herodot unternahm viele Reisen zu den unterschiedlichsten Orten, wie beispielsweise nach Ägypten, in das Schwarzmeergebiet oder Babylon, wo er Informationen über Land und Leute sammelte. 425 v. Chr. verstarb Herodot vermutlich in Athen.
3 Erklärung
3.1 Problemstellung
Die Beschäftigung mit der virtuellen, kontrafaktischen, ungeschehenen, alternativen Geschichte ist Neuland für die alte Geschichtswissenschaft, mit Ausnahme von Alexander Demandt, der 1986 ein ganzes Buch über die Problemstellung der ungeschehenen Geschichte verfasst. Er schreibt:
„Die Besinnung auf ungeschehene Geschichte ist trotz begreiflicher Bedenken notwendig, trotz beträchtlicher Schwierigkeiten möglich und findet ihren Lehrwert in der Erkenntnis geschehener Geschichte. Die durch die Regeln der Wahrscheinlichkeit gezügelte historische Phantasie könnte ein Novum Organon der Wissenschaft werden. Sie geht von der Geschichte aus und geht zur Geschichte zurück.“ 3
2 Herodot von Halikanassos in: Demandt, Alexander: Ungeschehene Geschichte, Göttingen 1986,
S. 11
3 Alexander Demandt: Ungeschehene Geschichte, Göttingen 1986, Seite 10
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Arbeit zitieren:
Stephanie Schneider, 2007, Die virtuelle Antike - was wäre geschehen, wenn..?, München, GRIN Verlag GmbH
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