Spielen und soziales Lernen: Kooperative Spiele
von
Susanne Altmann
Manche Menschen möchten berühmt werden.
Manche möchten weise werden.
Ich möchte wie mein Großvater werden
mit Lachfalten um die Augen.
"Ziele" von Paul Teskey
Eine klassische chinesische Geschichte zur Kooperation:
Es war einmal ein alter Mann, der hatte zehn Söhne. Als er im sterben lag, rief er seine zehn Söhne zu sich und nahm zehn Eßstäbchen zur Hand. Er gab jedem Sohn ein Stäbchen und forderte ihn auf, es zu zerbrechen. Jeder Sohn zerbrach sein Stäbchen ohne Schwierigkeiten. Dann griff der alte Mann zu weiteren zehn Stäbchen. Diesmal band er sie zusammen und forderte jeden Sohn auf, wieder zu versuchen, sie zu zerbrechen. Keiner von ihnen konnte die zusammengebundenen Stäbchen brechen, so sehr sie sich auch bemühten. Sie sahen einander bestürzt an. Da sagte der alte Mann: "Seht, jeder von euch ist wie ein Esstäbchen: ein Stäbchen ist leicht zu brechen. Wenn ihr euch vereint und zusammenarbeitet, dann seid ihr so stark, dass niemand euch leicht vernichten kann." (vgl. Terry Orlick, 1993)
13.1. Allgemeines
Die Welt des Spieles ist das natürliche Umfeld des Kindes, in der es sich persönlich entfaltet und positiv lernt. Junge Menschen spielen am meisten und werden am stärksten von Spielen beeinflußt. Ihr Spiel ist ernsthaftes Handeln und pures Vergnügen zugleich, wobei sie lernen, wie sie in der künftigen Welt leben werden.
Das Spiel ist ein ideales Medium für positives soziales Lernen, weil es natürlich, aktiv und für die meisten Kinder stark motivierend ist. Bei Sport und Spiel werden Menschen ständig in Prozesse des Agierens und Reagierens , sowie des Fühlen und Erlebens verwickelt. Bei Spielen können Menschen wunderbar zusammengebracht werden. Allerdings nimmt die Entwicklung der Kinder Schaden, wenn es zu übersteigertem Wettkampf, körperlicher Aggression gegenüber den anderen, Mogelei und Unfairness kommt.
Welch verheerende Wirkungen Erziehungsgrundsätze haben, die konkurrenzorientiert sind, und welchen Schaden sie in den Seelen der Kinder anrichten sieht man täglich. Es gibt geborene "Sieger" und "Verlierer" und damit steigt auch die Kriminalität, da die sogenannten "Verlierer" ihre Erfolgserlebnisse anderweitig suchen.
Im kooperativem Spiel wird auf alte Formen zurückgegriffen, um mehr Kindern zu helfen zu glücklichen und voll funktionsfähigen Menschen heranzuwachsen. Es entstand vor Tausenden von Jahren, als sich Menschengruppen in Stämmen zusammenfanden, um das Leben zu feiern.
Das Konzept, das dahinter steht ist einfach:
Menschen spielen miteinander statt gegeneinander; sie spielen um Herausforderungen zu überwinden, nicht um andere zu besiegen. Durch die Struktur der Spiele sind sie frei das Spielerlebnis zu genießen, d.h. kein Spieler braucht sich mehr auf der Ersatzbank wiederzufinden, vergeblich bemüht sein angeknackstes Selbstwertgefühl wiederzufinden. Da diese Spiele so konzipiert sind, dass die Spieler zusammenwirken müssen, um das Spielziel zu erreichen, arbeiten die Teilnehmer gemeinschaftlich statt gegeneinander, da das Ziel das selbe ist. Sie lernen so auf vergnügliche Art, rücksichtsvoller zueinander zu werden, bewußter wahrzunehmen, wie andere empfinden, und sie werden so bereitwilliger, sich im gegenseitigen Interesse zu verhalten.
[...]
Arbeit zitieren:
Susanne Altmann, 1999, Kooperative Spiele, München, GRIN Verlag GmbH
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