Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................... I I
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Der Ansatz „Nationales Innovationssystem“ 3
2.1 Theoretische Sichtweisen und Definition 3
2.2 Kriterien für die Analyse der nationalen Innovationssysteme 6
3 Analyse und Vergleich von nationalen Innovationssystemen
Skandinaviens 14
3.1 Das nationale Innovationssystem Schwedens 14
3.1.1 Analyse des nationalen Innovationssystems Schwedens
16
3.1.2 Zusammenfassung und Bewertung des nationalen
Innovationssystems Schwedens 32
3.2 Das nationale Innovationssystem Norwegens 36
3.2.1 Analyse des nationalen Innovationssystems Norwegens
37
3.2.2 Zusammenfassung und Bewertung des nationalen
Innovationssystems Norwegens 52
3.3 Das nationale Innovationssystem Islands 54
3.3.1 Analyse des nationalen Innovationssystems Islands 55
3.3.2 Zusammenfassung und Bewertung des nationalen
Innovationssystems Islands 68
I
3.4 Vergleich der nationalen Innovationssysteme Skandinaviens
71
4 Schlussbetrachtung 78
Literatur VI
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Untersuchungskriterien zur Analyse von NIS in Anlehnung an Edquist/Chaminade (2006, S. 114).
Abbildung 2: F&E-Ausgaben der skandinavischen Länder von
Abbildung 3: Prozentualer Anteil von KMU und Großunternehmen skandinavischer Länder, welche im Zeitraum von
Abbildung 4: Jährliche F&E-Ausgaben in Norwegen von 1970-
Abkürzungsverzeichnis
AUFI Außeruniversitäre Forschungsinstitute BIP Bruttoinlandsprodukt CIS Community Innovation Survey EFTA European Free Trade Association EIS European Innovation Scoreboard EPO European Patent Office EU Europäische Union EWR Europäischer Wirtschaftsraum F&E Forschung und Entwicklung IceTec Technological Institute of Iceland IKT Informations- und Kommunikationstechnologie IPR Intellectual Property Rights KMU Klein- und mittelständische Unternehmen NATO North Atlantic Treaty Organization NIS Nationale(s) Innovationssystem(e) NTBF New technology-based firms NUTEK Schwedische Agentur für wirtschaftliches und regionales Wachstum OECD Organisation for Economic Co-operation and Development PPP Public-private partnership(s) RCN Research Council of Norway
IV
STPC (Icelandic) Science and Technology Policy Council USA Vereinigte Staaten von Amerika USPTO United States Patent and Trademark Office VINNOVA Schwedische Agentur für Innovationssysteme
V
1 Einleitung
Zur Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen und einer Volkswirtschaft sind ständig neue Innovationen notwendig. Diese bieten im Sinne neuartiger Produkte oder Prozesse die Möglichkeit zur Produktivitäts- und Wachstumssteigerung und erhöhen folglich die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung von Wachstum und Wohlstand ist also die Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Eine Möglichkeit zur Klärung der Frage, wie die Innovationsfähigkeit eines Landes gefördert bzw. beeinflusst werden kann, ist die Analyse des nationalen Innovationssystems. Dabei spielen vor allem die institutionellen Rahmenbedingungen sowie die Kompetenzen und die Vernetzung der beteiligten Akteure eine entscheidende Rolle. Um ein genaueres Bild von dem Innovationssystem eines Landes zu bekommen, sollten möglichst alle für die nationale Innovationsfähigkeit relevanten Kriterien untersucht und analysiert werden. In der vorliegenden Arbeit wird eine solche Analyse von nationalen Innovationssystemen durchgeführt und ein Vergleich zwischen ausgewählten Ländern Skandinaviens vorgenommen. Die Länderauswahl fällt auf das Königreich Schweden, das Königreich Norwegen und die Republik Is-land.
Zu Beginn der Arbeit werden in Kapitel 2 verschiedene theoretische Sichtweisen auf nationale Innovationssysteme und deren Analyse dargestellt und anschließend eine für diese Arbeit gültige Definition festgelegt. Des Weiteren werden die Bestandteile eines Innovationssystems aufgezeigt und näher erläutert. Zum Abschluss dieses theoretischen Teils der Arbeit erfolgt eine Festlegung und Beschreibung der zu untersuchenden Kriterien für die später folgende Analyse von nationalen Innovationssystemen in Skandinavien.
Im Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) erfolgt eine Analyse der nationalen Innovationssysteme der ausgewählten skandinavischen Nationen, welche
1
in separaten Abschnitten behandelt werden. Dabei werden zu Beginn jeweils kurze Informationen zu den Ländern selbst gegeben und im Anschluss die in Abschnitt 2.2 beschriebenen Analysekriterien von nationalen Innovationssystemen untersucht. Abschließend werden eine kurze Zusammenfassung und unter Bezugnahme auf die Innovationsleistung eine Bewertung des jeweiligen nationalen Innovationssystems vorgenommen.
Im letzten Abschnitt von Kapitel 3 werden die untersuchten Nationen in Hinblick auf die untersuchten Kriterien und die Innovationsleistung mit-einander verglichen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen den nationalen Innovationssystemen herausgestellt.
2
2 Der Ansatz „Nationales Innovationssystem“
Zu Beginn dieses Kapitels erfolgt eine Darstellung unterschiedlicher Sichtweisen auf den theoretischen Ansatz des nationalen Innovationssystems. 1 Im Anschluss daran wird eine für die vorliegende Arbeit gültige Definition festgelegt. Im zweiten Teil des Kapitels werden die Bestandteile eines Innovationssystems erläutert und darauf aufbauend die für eine Analyse von nationalen Innovationssystemen (NIS) relevanten Kriterien bestimmt und näher erklärt.
2.1 Theoretische Sichtweisen und Definition
Die wichtigste Quelle für das Wachstum und den Wohlstand einer Nation sind anerkanntermaßen der technologische Wandel und Innovationen. 2 Diese werden als Neuerungen mit ökonomischer Bedeutsamkeit verstanden und können verschiedener Natur sein. Innovationen im Sinne von Produkten sind neue bzw. verbesserte materielle Waren und immaterielle Dienstleistungen. Auch Kombinationen von bisher bestehenden Elementen können als neue Produkte angesehen werden (vgl. Edquist, 1997, S. 1). Auf Prozesse bezogen stellen Innovationen neue technologische oder organisa-torische Wege und Möglichkeiten zur Produktion von Waren und Dienstleistungen dar (vgl. Edquist/Hommen, 2008, S. 8).
In Hinblick auf die Definition und Analyse von NIS stehen jedoch nicht die Innovationen als solche, sondern der Innovationsprozess im Mittelpunkt.
1 In der englischsprachigen Literatur wird gleichbedeutend dafür entweder der Begriff „national system of innovation“ (vgl. bspw. Lundvall, 1992 und Edquist,
1997) oder „national innovation system“ verwendet (vgl. Nelson, 1993).
2 „Der fundamentale Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt und hält, kommt von neuen Konsumgütern, den neuen Produktions- oder Trans-portmethoden, den neuen Märkten, den neuen Formen der industriellen Organisation, welche die kapitalistische Unternehmung schafft.“ (Schumpeter, 1993, S. 137)
3
Im NIS wird dieser als evolutionär betrachtet und als ein vernetzter und interdependenter Prozess über die Zeit verstanden (vgl. Edquist, 2005, S. 185). Wie Edquist und Chaminade mit dem Ausspruch „Firms do not innovate in isolation […].“ treffend formulieren, wird der Innovationsprozess von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst und findet in ständiger Interaktion mit der Umwelt, bspw. mit anderen Firmen oder Universitäten, statt. Im Fokus des NIS-Ansatzes stehen also die Funktionsweise des dem Innovationsprozess zugrunde liegenden Systems (Subsystem einer Volkswirtschaft) und die relevanten Interaktionen zwischen den teilnehmenden Akteuren (Edquist/Chaminade, 2006, S. 109).
Auf den Ansatz der NIS finden sich in der internationalen wissenschaftlichen Literatur verschiedene theoretische Sichtweisen (vgl. Giesecke, 2000). Ende der 1980er Jahre wurde der Begriff bzw. der Ansatz der „national systems of innovation“ in einer Veröffentlichung von Christopher Freeman erstmals verwendet (vgl. Freeman, 1987). Im Zentrum der Forschungsarbeit seiner Japan-Studie stand die länderspezifische Organisation von Subsystemen und deren Interaktionen. Er analysierte inwieweit die Interdependenzen von Forschung und Entwicklung und Produktion in Unternehmen sowie die Beziehungen zwischen Unternehmen und staatlichen Institutionen dazu beitragen, neue Technologien zu entwickeln (vgl. Giesecke, 2000, S. 136). Folglich beschreibt Freeman NIS als ein Netzwerk privater und öffentlicher Institutionen, deren Aktivitäten und Interaktionen neue Technologien initiieren, einführen und verbreiten (vgl. Freeman, 1987, S. 1).
Weitere wichtige Forschungsarbeiten für den NIS-Ansatz leisteten der Amerikaner Nelson (1993) und der Schwede Lundvall (1992) Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre. Beide Autoren verfolgten jedoch unterschiedliche Untersuchungsansätze. Nelsons Analysen beziehen sich mehr auf den NIS-Ansatz im engeren Sinne, d.h. aus einer vorwiegend
4
volkswirtschaftlichen Sichtweise. 3 Sein Hauptaugenmerk legte er dabei auf empirische Fallstudien. Er untersuchte „die Trias von privater Industrie, Staat und Universitäten [sowie] ihre Bedeutung für die Generierung von Innovationen und neuen Technologien“ (Giesecke, 2000, S. 137). Lundvall hingegen verfolgte den NIS-Ansatz im weiteren Sinne. 4 In seinen Untersuchungen bezieht er sich zwar auf die volkswirtschaftliche Ebene, erweitert den NIS-Ansatz Nelsons darüber hinaus aber um den Fokus auf organisationale Produzenten-Anwender-Beziehungen (vgl. Lundvall, 1992, S. 17). Die Studien Lundvalls sind folglich vorrangig vom „Paradigma des interaktiven Lernens zwischen verschiedenen, im Innovationsprozess involvierten Akteuren“ geprägt (Giesecke, 2000, S. 138). Nationale Innovationssysteme definieren zwar beide Autoren unter Bezugnahme der den Innovationsprozess beeinflussenden Faktoren, jedoch mit jeweils unterschiedlichen Determinanten. Dies verdeutlicht, dass bis dato eine einheitliche Bestimmung des NIS-Ansatzes fehlt.
Eine allgemeingültigere Definition von NIS nahm Edquist im Jahr 1997 vor, welche als Grundlage für die weiteren Ausführungen in der vorliegenden Arbeit dienen soll. Ein nationales Innovationssystem umfasst demnach alle wichtigen ökonomischen, sozialen, politischen, organisationalen, institutionellen und anderweitigen Faktoren, welche die Entwicklung, Verbreitung und Nutzung von Innovationen beeinflussen (vgl. Edquist, 1997, S. 14). Edquist formulierte diese Definition bewusst aus einer sehr allgemeinen und umfassenden Sichtweise, da seiner Meinung nach keine potentiell wichtigen Einflussfaktoren a priori ausgeschlossen werden sollten. 5
3 Nelson definiert NIS mit dem folgenden Ausdruck: „[…] a set of institutions whose interactions determine the innovative performance […] of national firms.“ (Nelson, 1993, S. 4).
4 Lundvalls Definition von NIS kann mit dem folgenden Ausdruck beschrieben werden: „[…] a system of innovation is constituted by elements and relationships which interact in the production, diffusion and use of new, and economically useful, knowledge.“ (Lundvall, 1992, S. 2).
5 „If an SI [system of innovation] definition does not include all factors that influence innovation processes, one has to decide which potential factors should be
5
Abschließend ist anzumerken, dass der Ansatz „Nationales Innovationssystem“ kein konsistentes und geschlossenes Theoriegebilde darstellt, sondern vielmehr einen „multikausalen Erklärungsansatz, der seine Dynamik vor allem aus empirischen Befunden unterschiedlicher nationaler Entwicklungen und der damit zusammenhängenden Frage nach den Bestimmungsgründen von Innovationsfähigkeit bezieht“ (Giesecke, 2000, S. 135).
2.2 Kriterien für die Analyse der nationalen Innovationssysteme
Zur Analyse von Innovationssystemen sollte geklärt werden, was unter dem Begriff „System“ zu verstehen ist. Ein System besteht aus Komponenten und Beziehungen zwischen diesen Komponenten. Diese beiden Haupt-bestandteile formen ein kohärentes Ganzes, welches andere Eigenschaften aufweist als die Bestandteile selbst (vgl. Edquist/Chaminade, 2006, S. 111). Darüber hinaus besitzt jedes System eine bestimmte Funktion. Das Ziel (bzw. die Hauptfunktion) eines NIS ist die Unterstützung von Innovationsprozessen, genauer gesagt der Entwicklung und Verbreitung von Innovationen (vgl. Edquist, 2005, S. 190).
Die wesentlichen Komponenten eines NIS sind Organisationen und Institutionen (vgl. Edquist, 2005, S. 188). Die in dieser Arbeit verwendete Definition dieser beiden Begriffe stützt sich auf die Arbeiten von Edquist und Johnson (1997). Organisationen sind demnach formale Strukturen, die einem expliziten Zweck dienen und bewusst geschaffen wurden (vgl. Edquist/Johnson, 1997, S. 47). Beispiele für wichtige Organisationen in NIS sind Unternehmen, Universitäten oder auch staatliche Einrichtungen und Agenturen. Institutionen werden entgegen dem gewöhnlichen Verständnis als verbreitete Gewohnheiten, Regeln, Routinen, etablierte Methoden, Normen oder Gesetze, welche die Beziehungen und Interaktionen zwi-
excluded- and why. This is quite difficult since, at the present state of the art, we do not know the determinants of innovation processes systematically and in detail.“ (Edquist/Hommen, 2008, S. 6)
6
schen Individuen und Gruppen regulieren, verstanden (vgl. Edquist/Johnson, 1997, S. 46). Als Schlüsselinstitutionen für ein NIS können demnach bspw. Steuerregelungen sowie Normen und Gesetze, welche die Beziehung zwischen Universitäten und Unternehmen beeinflussen und regeln, verstanden werden.
Wie bereits erwähnt, sind aber nicht nur die Komponenten eines Systems relevant, sondern ebenso die Beziehungen und Aktivitäten zwischen den teilnehmenden Akteuren. Erst die Aktivitäten der Komponenten innerhalb eines NIS beeinflussen den Innovationsprozess entscheidend und tragen zur Entwicklung und Nutzung von Innovationen bei (vgl. Edquist/Hommen, 2008, S. 7). Aus dieser Annahme heraus und basierend auf der zugrunde gelegten Definition von NIS formulierte Edquist ein aktivitätsbasiertes Rahmenkonzept zur Analyse von Innovationssystemen und identifiziert dabei Schlüsselaktivitäten in NIS (vgl. Edquist, 2005, S. 190 f.). Diese Aktivitäten, welche auch als Determinanten des nationalen Innovationsprozesses betrachtet werden können, bilden die Grundlage für die Kriterien zur Analyse von NIS (vgl. Edquist/Hommen, 2008, S. 7).
In Anlehnung an die von Edquist und Chaminade identifizierten Determinanten eines NIS, werden für die Analyse in Kapitel 3 sieben Untersuchungskriterien (siehe Abbildung 1 folgende Seite) festgelegt und im Folgenden erläutert. 6
6 In der ursprünglichen Darstellung von Schlüsselaktivitäten in NIS identifizierte Edquist zehn Determinanten (vgl. Edquist, 2005, S. 190f.). Später wurden die ursprünglichen Aktivitäten drei und vier zusammengefasst und somit die Anzahl der 'key activities' auf neun revidiert (vgl. Edquist/ Hommen, 2006, S. 18). Zusätzlich wurden in der vorliegenden Arbeit die ursprünglichen Aktivitäten acht, neun und zehn zusammengefasst und bilden gemeinsam das Untersuchungskriterium sieben (siehe Abbildung 1 folgende Seite).
7
Abbildung 1: Untersuchungskriterien zur Analyse von NIS in Anleh-
Forschungund Entwicklung
Aktivitäten im Bereich von Forschung und Entwicklung (F&E) sind von großer Bedeutung für NIS, da sie die Grundlage für eine Vielzahl von Innovationen bilden; vornehmlich im Ingenieurswesen, in der Medizin und den Naturwissenschaften. Traditionell werden in den meisten Ländern der Welt die Bemühungen und Ausgaben für F&E primär von Universitäten und öffentlichen Einrichtungen oder Instituten unternommen. In einigen, vorrangig wohlhabenden, Ländern (bspw. Japan, Schweden oder die USA) unternehmen jedoch mehr und mehr private Organisationen Aktivitäten im F&E-Bereich (vgl. Edquist/Chaminade, 2006, S. 119). Bei diesem Untersuchungskriterium werden alle wesentlichen Aspekte beleuchtet, welche mit den länderspezifischen Aktivitäten im Bereich F&E in Verbindung stehen.
7 Die Reihenfolge der benannten Untersuchungskriterien stellt keine Prioritätsabstufung dar.
8
Mögliche Untersuchungsaspekte:
F&E-Ausgaben
F&E-Institute
F&E-Kooperationen
Anzahl von Patentanmeldungen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen
Kompetenzaufbau bei Arbeitskräften
Das Aneignen, Schaffen und Nutzen von Wissen ist ein wesentlicher Aspekt des Kompetenzaufbaus von Personen und Organisationen. Der in diesem Untersuchungskriterium betrachtete Kompetenzaufbau bezieht sich sowohl auf die aktuellen als auch auf die zukünftigen Arbeitskräfte in Organisationen, da diese eine wichtige Basis für den Innovationsprozess darstellen (vgl. Edquist/Chaminade, 2006, S. 120). Gegenstand der Betrachtungen sind die Aus- und Weiterbildung durch das nationale Bildungswesen (insbesondere Hochschulwesen) sowie relevante Entwicklungen in der Bildungspolitik und auf dem Arbeitsmarkt.
Mögliche Untersuchungsaspekte:
Ausgaben für das Bildungswesen
Entwicklungen im tertiären Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt 8
Nationale oder regionale Bildungspolitik
Beteiligung an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen
8 Der Tertiärbereich bzw. der höhere Bildungsbereich eines nationalen Bildungswesens umfasst die Aktivitäten und Abschlüsse des gesamten Hochschulwesens.
9
Schaffung von Nachfrage
Ein weiteres wesentliches Element zur Innovationsförderung ist das so genannte „Public Procurement“. Mit Hilfe öffentlicher Auftragsvergabe durch den Staat können neue Märkte für neue Produkte geschaffen und somit Innovationsprozesse unterstützt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Festlegung und Etablierung von Qualitätsstandards für die Entwicklung neuer Produkte durch eine nationale Regierung, zum Beispiel in Bereichen wie dem Gesundheits-, Sicherheits- oder Umweltwesen. Denn zunehmende (Qualitäts-)Anforderungen fördern die kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung von Produkten und unterstützen damit den Innovationsprozess in den betreffenden Sektoren (vgl. Edquist/Chaminade, 2006, S. 121f.). Inwieweit diese Maßnahmen in den jeweiligen Nationen genutzt bzw. eingesetzt werden, soll unter diesem Kriterium geprüft werden.
Mögliche Untersuchungsaspekte:
Staatliche Nachfrage von innovativen Produkten und Dienstleistungen
Festlegung von Qualitätsstandards
Neugründung/Weiterentwicklung von Unternehmen
Auch die Unterstützung von privaten Organisationen, welche als Schlüsselkomponenten eines NIS angesehen werden, ist wichtig für die Innovationsfähigkeit eines Landes. Besonders im Blickpunkt stehen dabei die Förderung und Unterstützung des Unternehmertums. Die Gründung und der anschließende Fortbestand von neuen Firmen sind von großer Bedeutung, denn gerade neue Unternehmen werden als „sozioökonomische Innovationsträger“ angesehen und zeichnen sich durch neuartige Ideen, Produkte und Prozesse aus (vgl. Edquist/Chaminade, 2006, S. 122).
10
Mögliche Untersuchungsaspekte:
Anzahl von Firmenneugründungen und deren Fortbestand
Ausgründungen aus bestehenden Organisationen
Institutionelle Bedingungen
Neben den bereits thematisierten Organisationen sind die Institutionen die zweite Schlüsselkomponente eines NIS. 9 Sie können innovativen Firmen als Anreiz dienen, sich aber auch hinderlich auf den Innovationsprozess auswirken. Die Dynamik eines Innovationssystems wird demnach entscheidend durch Ab- bzw. Neuschaffung oder Veränderung von Institutionen beeinflusst. Gegenstand dieses Untersuchungskriteriums sind folglich relevante institutionelle Bedingungen bzw. Veränderungen mit Bezug auf die nationalen Innovationsprozesse (vgl. Edquist/Chaminade, 2006, S. 123f.). Darunter sind bspw. Urheberrechte, innovationsfördernde Steuergesetze oder auch historisch geprägte Normen und Routinen zu verstehen.
Mögliche Untersuchungsaspekte:
Förderung von Innovationen durch die Gesetzgebung (bspw. Steuererleichterungen oder Förderung des Wettbewerbs)
Rechte und Auflagen für Universitäten (bspw. Kooperationsabkommen oder Erfolgsbeteiligungen)
Kooperationen und Kollaborationen
In Innovationsprozessen spielen auch die Beziehungen und Aktivitäten zwischen den teilnehmenden Akteuren eine große Rolle. 10 Von Interesse
9 Das Verständnis von „Institutionen” in diesem Kriterium folgt der auf Seite
6f. beschriebenen Definition.
10 „This is based on the understanding that firms normally do not innovate in isolation, but interact with other organisations through complex relations […].“ (Edquist/Chaminade, 2006, S. 123)
11
für dieses Untersuchungskriterium sind daher die relevanten Beziehungen, Netzwerke und Kooperationen, welche zwischen einzelnen Firmen und/oder anderen Organisationen bestehen und infolge eines interaktiven Lernprozesses und Wissensaustauschs Auswirkungen auf Innovationsprozesse haben (vgl. Edquist/ Chaminade, 2006, S. 123).
Mögliche Untersuchungsaspekte:
Nationale oder internationale Kooperationen und Kollaborationen zwischen Organisationen
Programme und Regelungen zur Förderung von Kooperationen
Unterstützung innovativer Unternehmen
Inhalt dieses Untersuchungskriteriums sind Dienstleistungen und Hilfestellungen für innovative Organisationen. Dabei kann es sich um fachliche, administrative oder finanzielle Unterstützung handeln (vgl. Edquist/ Chaminade, 2006, S. 124f.). Eine große Rolle dabei können bspw. so genannte „Science Parks“ und „Competence Centres“ spielen, für welche in der vorliegenden Arbeit der Oberbegriff „Wissenszentren“ verwendet wird. Die zentrale Idee der Wissenszentren ist die Verlinkung zwischen wirtschaftlicher Unternehmerschaft und der akademischen Forschung, um auf diese Weise den Austausch von Wissen oder Technologien zu stimulieren (vgl. Löfsten/Lindelöf, 2002, S. 862). Sie fungieren oft als so genannte Inkubatoren: „The incubator is an organisation - private or public - which provides resources that enhance the founding of new small businesses, and are assumed […] to support corporate spin-offs, such as new technologybased firms” (Löfsten/Lin-delöf, 2002, S. 862).
12
Mögliche Untersuchungsaspekte: Bereitstellung von Risikokapital Bereitstellung von Beratungsdienstleistungen Bereitstellung/Einrichtung von Wissenszentren (z.B. Science-Parks, Competence Centres etc.)
13
3 Analyse und Vergleich von nationalen Innovationssystemen Skandinaviens
Gegenstand dieses Kapitels ist es, die NIS der ausgewählten skandinavischen Nationen Schweden, Norwegen und Island anhand der beschriebenen Untersuchungskriterien zu analysieren. 11 Diese Analyse soll eine möglichst aktuelle Beschreibung der genannten Determinanten von nationalen Innovationssystemen liefern. Aufgrund der unterschiedlichen Verfügbarkeit und Aktualität von Literaturquellen und zur Gewährleistung eines möglichst validen Vergleichs der Nationen konzentriert sich die Analyse hauptsächlich auf den Zeitraum bis Ende des Jahres 2007. Im Anschluss an die Analyse der Kriterien soll eine kurze Zusammenfassung und unter Bezugnahme auf die nationalen Innovationsleistungen eine Bewertung des jeweiligen NIS vorgenommen werden. Im Schlussteil dieses Kapitels (Abschnitt 3.4) werden die NIS der benannten Länder anhand der untersuchten Kriterien miteinander verglichen.
3.1 Das nationale Innovationssystem Schwedens
Das Königreich Schweden ist eine parlamentarisch-demokratische Monarchie und mit circa 9,1 Millionen (Mio.) Bürgern die bevölkerungsreichste Nation Skandinaviens (vgl. OECD, 2008a, S. 7). Schweden ist Mitglied vieler international bedeutender Staatenvereinigungen, u.a. der Europäischen Union (EU) und OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development).
Aus historischer Sichtweise wurde die Entwicklung des NIS Schwedens wesentlich durch das Vorkommen natürlicher Ressourcen geprägt. Sie bil-
11Aufgrund der Verzahnung der beschriebenen Determinanten kann es bei der Analyse zu thematischen Überschneidungen kommen bzw. werden bestimmte Inhalte teilweise anderen Untersuchungskriterien zugeordnet als zuvor erwähnt.
14
Quote paper:
Christoph Korzenek, 2009, Analyse und Vergleich von nationalen Innovationssystemen Skandinaviens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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