INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. KENNZEICHEN DES BILDUNGSSYSTEMS DES 19. JAHRHUNDERTS 3
3. NIETZSCHES BILDUNGSKRITIK 5
3.1 DER „GENIUS“ 5
3.2 DIE KRITIK DER GESELLSCHAFTLICHEN - POLITISCHEN DIMENSION DES BILDUNGSWESENS 6
3.3 DIE KRITIK DER PÄDAGOGISCHEN DIMENSION 7
3.4 DIE KRITIK DES INSTITUTIONALISIERTEN BILDUNGSWESENS 8
3.4.1 Das Gymnasium 8
3.4.2 Die Universität 10
3.5 DIE KRITIK AM PHILOLOGEN 11
4. SCHLUSSBEMERKUNG 11
5. LITERATURVERZEICHNIS 13
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1. Einleitung
Im Frühjahr des Jahres 1872 hielt Friedrich Nietzsche vor der Akademischen Gesellschaft in Basel eine Vortragsreihe mit dem Namen „Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“. In diesen sehr „wagnerisch“ geprägten Vorträgen kritisiert Nietzsche die Bildungsanstalten auf mehreren Ebenen, wobei er hierbei die deutsche Volksschule, die deutsche Realschule, das deutsche Gymnasium und die deutsche Universität im Terminus „Bildungsanstalt“ subsumiert. 1 Die bis heute zu den weniger erschlossenen Werken zählende Vortragsreihe gewinnt in der Zeit des Bologna Prozesses, des Abiturs nach 12 Jahren und der Frage nach der Zukunft unserer Bildung wieder an Bedeutung. Doch wo setzt Nietzsche seine Kritik an und was beinhaltet sie?
Es steht außer Frage, dass das Bildungssystem des 19. Jahrhunderts nicht mit dem unseren verglichen werden kann, sondern lediglich Ähnlichkeiten aufgezeigt werden können, welche von der Kritik Nietzsches einbezogen werden. So müssen zunächst einmal über die damaligen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten Merkmale des Bildungssystems des 19. Jahrhunderts beschrieben werden. Anschließend wird der Bildungsbegriff Nietzsches genauer eingegrenzt, indem Nietzsches „Genius“ beschrieben wird.
Nun kann die eigentliche Kritik Nietzsches anhand zweier Dimensionen entwickelt werden, worauf hin dann konkret das Gymnasium, die Universität und die Lehrerausbildung aus Sicht Nietzsches unter die Lupe genommen wird. Die Ähnlichkeiten zu unserem Bildungssystem werden dann in der abschließenden Schlussbemerkung noch einmal ihre Aufmerksamkeit finden.
2. Kennzeichen des Bildungssystems des 19. Jahrhunderts
Das Deutschland des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die Industrialisierung und der damit einhergehenden Ablösung der feudalen, ständisch gegliederten Gesellschaftsstruktur hin zu einer industriekapitalistischen Klassen - und Staatsbürgergesellschaft. Von der sich durchsetzenden kapitalistischen Wirtschaft, deren Basis die industrielle Produktion ist, wird auch das Bildungswesen ergriffen, wodurch die Vernetzung von Schule und Wirtschaftssystem voranschreitet. Dabei zeigt sich eine Anpassung des Bildungssystems an die Bedingungen der industriellen Revolution, woraus folgt, dass die Bildung zunehmend als kommerzieller Faktor eingestuft wird. 2
1 Nietzsche, F., Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten, KSA 1, S.644.
2 Hoyer, F., Nietzsche und die Pädagogik: Werk, Biografie und Rezeption, S. 305.
3
Zudem wurden die sozialen Strukturen und die Lebensbedingungen der Menschen im 19. Jahrhundert nachhaltig von dem damaligen Populationswachstum beeinflusst, welches eine Erhöhung der Bevölkerungsdichte besonders in den urbanen Gebieten zur Folge hatte. Aufgrund von steigenden Schülerzahlen mussten sich auch die Bildungspolitik und die Unterrichtsverwaltung neuen Herauforderungen stellen, was dazu führte, dass verschiedenste Schultypen, Institutionen des tertiären Bereichs und Fachhochschulen neu gegründet wurden. Vergleicht man Nietzsches Bildungskritik mit dem realgeschichtlichen Hintergrund, so lässt sich vermuten, dass sich der Ursprung von Nietzsches Kritik in der damaligen Bildungsexpansion wieder finden lässt. 3
In der Gesellschaft wurden allerdings nicht nur die Überfüllung der Universitäten und das Überangebot an akademisch gebildeten jungen Männern diskutiert, sondern auch die Grundsatzdebatte nach der Verstaatlichung des Schulsystems fand ihren Anklang beim Volk. Im preußischen „Allgemeinen Landrecht “ von 1794 heißt es: „Schulen seien Veranstaltungen des Staates“. 4 So kann das darauf folgende 19. Jahrhundert als der Versuch beschrieben werden, diese Bestimmung in die Realität umzusetzen. Differenziert man jedoch in dem niederen und höheren Schulwesen, so können Anfang des Jahrhunderts jedoch Unterschiede ausgemacht werden. Da bis zum Ende des Kaiserreichs Konfessionsschulen in Preußen dominierten, gab es eine Grenze für das staatliche Handeln im Volksschulbereich. Dazu aber machte sich der staatliche Apparat auf dem Sektor der gehobenen Bildungseinrichtungen vielmehr bemerkbar, was bemerkenswert ist, da Nietzsche in den Baseler Vorträgen besonders das Gymnasium und die Universität aufgreift. Ein Blick auf die Curricula der damaligen Gymnasien zeigt, wie sehr sich die Gedanken des Staates im Bildungswesen niederschlugen. Somit war die Bildung immer auch ein politisch relevanter Faktor, welcher eine sozial-politische Schlüsselfunktion einnahm. 5
Die hier angerissenen Aspekte über die Veränderung der sozial - und bildungspolitischen Landschaft ergeben den geschichtlichen Hintergrund, indem Nietzsches Bildungstheorie ihren Ort fand. Zudem entwickelte sich aufgrund dessen in Deutschland eine neue Bildungsidee, welche aus der neuen Literatur geboren wurde. „Gebildet kann sich nur der nennen, der die großen Werke der Literatur als Ausdruck der Erfahrungsgeschichte der Menschheit kennt, denn Literatur bietet den besten Zugang zum Verständnis der eigenen Kultur“. 6 Doch was versteht Nietzsche unter dem Begriff Bildung?
3 Schmidt - Millard, T., Die Aporie der Bildungstheorie des „Genius“ und ihre Überwindung in den „Unzeitgemäßen Betrachtungen“, S. 41.
4 Hoyer, F., Nietzsche und die Pädagogik: Werk, Biografie und Rezeption, S. 306.
5 Hoyer, F., Nietzsche und die Pädagogik: Werk, Biografie und Rezeption, S. 307
6 Schwanitz, D., Bildung, S.273.
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Arbeit zitieren:
Christian Arenz, 2009, Über die Zukunft unserer Bildung, München, GRIN Verlag GmbH
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