Universität Bielefeld Fakultät für Pädagogik
Veranstaltung: Didaktik des Anfangsunterrichts: Erstleseunterricht Semester: Sommersemester 2002
Probleme im Schriftspracherwerb:
Wie gehen Jürgen Reichen und Norbert Som-
mer-Stumpenhorst in ihren Lehrgängen vor?
Name: Tanja Knüppel
I
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung Seite 1
2. Zusammenfassung beider Konzepte Seite 2
2.1. Zusammenfassung des Konzepts „Lesen durch Schreiben“
von Jürgen Reichen Seite 2
2.2. Zusammenfassung des Konzepts „Richtig schreiben lernen
von Anfang an“ von Norbert Sommer-Stumpenhorst. Seite 3
3. Definition: Probleme im Schriftspracherwerb Seite 6
4. Probleme im Schriftspracherwerb (Schwerpunkt:
Lautierungsprobleme) Seite 7
4.1. Jürgen Reichen Seite 7
4.1.1. Vorgesehene Lautierungsübungen Seite 7
4.1.2. Vorschläge bei Lautierungsproblemen Seite 7
4.2. Norbert Sommer-Stumpenhorst Seite 9
4.2.1. Vorgesehene Lautierungsübungen Seite 9
4.2.2. Vorschläge bei Lautierungsproblemen Seite 10
5. Vergleich beider Konzepte Seite 14
6. Schlussbetrachtung Seite 16
7. Literatur Seite 19
II
1. Einleitung:
Durch die Pisastudie ist auch der Anfangsunterricht im Fach Sprache in die Diskussion geraten, da er scheinbar qualitativ nicht hochwertig genug ist. Ein Großteil der Lehrer 1 verwendet im Erstleseunterricht eine Fibel, was offensichtlich häufig aus verschiedenen Gründen nicht zum erwünschten Erfolg führt. Immer mehr Kinder haben scheinbar Probleme im Schriftspracherwerb, bei immer weniger Kindern verläuft das Lesen- und Schreibenlernen reibungslos.
Es gibt nun einige Konzepte, die ohne Fibel arbeiten. Zwei davon, vielleicht die momentan populärsten, möchte ich hervorgreifen: „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen und das Konzept „Richtig lesen und schreiben lernen von Anfang an“ von Norbert Sommer-Stumpenhorst.
Beide Ansätze sind nicht unumstritten. Besonders Eltern sind skeptisch, ob ihre Kinder mit diesen Konzepten wirklich das Lesen und Schreiben lernen, da sie methodisch stark vom traditionellen Fibelunterricht abweichen, der den Eltern bekannt ist. Andererseits sehen Anhänger der Lehrgänge diese oft als „Wundermittel“, mit dem jedes Kind Lesen und Schreiben lernt, es sei nur eine Frage der Zeit.
In dieser Arbeit möchte ich darstellen, wie Jürgen Reichen bzw. Norbert Sommer-Stumpenhorst vorgehen, wenn sie bei einem Kind Probleme im Schriftspracherwerb feststellen. Dabei werde ich mich speziell auf das „Lautieren“ konzentrieren. Ebenso werde ich versuchen die Frage zu beantworten, wo bei den jeweiligen Konzepten (im Hinblick auf diese Probleme) die Vor- und Nachteile liegen.
Ich werde zunächst den Kern der beiden Konzepte kurz darstellen. Dann werde ich definieren, was ich unter „Problemen im Schriftspracherwerb“ verstehe, bevor ich auf die dort vorgeschlagenen Hilfen bei Problemen im Schriftspracherwerb eingehe. Zum Ende der Arbeit vergleiche ich beide Konzepte miteinander und bewerte sie im Schlussteil.
1 Immer, wenn ich in meiner Arbeit von Lehrern spreche, sind selbstverständlich ebenso Lehrerinnen gemeint. Der Übersichtlichkeit halber werde ich jedoch nur von Lehrern sprechen. Gleiches gilt für Schüler und Schülerinnen.
1
2.: Zusammenfassung beider Konzepte:
Ich werde im Folgenden die Grundzüge des Konzepts „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen und des Konzepts „Richtig lesen und schreiben lernen von Anfang an“ von Norbert Sommer-Stumpenhorst vorstellen.
2. 1. :Zusammenfassung des Konzepts „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen 2
Wie der Name schon sagt, lernt der Schüler bei Jürgen Reichen das Schreiben durch das Lesen. Das Lesen ergibt sich sozusagen als Begleitprodukt des Schreibens. Vorraussetzung ist, dass der Schüler nie zum Lesen gezwungen wird, besonders nicht zum lauten Vorlesen. Es handelt sich also um einen Leselehrgang. Dabei ist Lesen nicht als das Aneinanderreihen von Lauten zu verstehen, sondern als sinnentnehmendes Lesen. Der Lehrer soll Leseanreize für die Schüler setzen, sich aber nicht auf das Lesenlernen beschränken, sondern zum Beispiel auch Schreibanlässe bieten. 3 Um diese Schreibanlässe so früh wie möglich bewältigen zu können, erhält jeder Schüler eine eigene Anlauttabelle, mit der er lernt, selbständig zu schreiben. Das Schreiben steht im Mittelpunkt des Leselehrgangs und daher sollte der Schüler möglichst früh einfache Sätze schreiben können.
Wichtig ist, dass der Schüler aus eigener Motivation heraus lernt, denn je selbständiger er lernt, so Reichen, desto erfolgreicher lernt er. Ferner ist selbstständiges Lernen sogleich auch soziales Lernen.
Der Lehrer erhält also eine neue Rolle, nämlich die des Beraters. Für ihn gelten das Prinzip der didaktischen Zurückhaltung und das der minimalen Hilfe. Er darf keinerlei Leistungsdruck auf die Schüler ausüben, sollte sich mit Korrekturen zurückhalten und viel loben, denn Erfolge und Misserfolge beeinflussen (besonders in den ersten Schuljahren) die Einstellung der Kinder zur Schule enorm. 4 Er muss versuchen, unter allen Umständen die Motivation der Schüler und deren Freude am Lernen aufrechtzuerhalten, denn Reichen geht davon aus, dass am Schulanfang jedes Kind lernwillig ist. Von daher sollte der Lehrer zum Beispiel die Schrift des Schülers nicht beanstan- 2 Wennnicht anders angegeben: Vgl. Reichen: Lesen durch Schreiben Heft 2, S.57 - 64.
3 Vgl. Reichen: Lesen durch Schreiben, Heft 1, S. 26.
4 Vgl. Reichen: Lesen durch Schreiben Heft 1, S. 5.
2
den, solange diese lesbar ist. Eine formschöne Handschrift ist, so Reichen, erst beim Schreibschriftlehrgang wichtig.
Das Konzept „Lesen durch Schreiben“ kann der Lehrer umsetzen, indem er zum Beispiel Werkstattunterricht anbietet. 5
Um die Vorraussetzungen zum Lesen und Schreiben zu schaffen sollten Konzentrationsübungen, Wahrnehmungsübungen, Lautierungsübungen usw. durchgeführt werden.
Vorteile des Konzepts: 6
Der Hauptvorteil des Leselehrgangs „Lesen durch Schreiben“ liegt darin, so Reichen selbst, dass der Schüler den Eindruck hat, dass er sich das Lesen selbst beigebracht hat, denn er lernt aktiv. Ferner lernt er individuell aber gleichzeitig sozialorientiert.
• Er kann alle Buchstaben von Anfang an mit Hilfe der Anlauttabelle benutzen.
• Durch das selbstgesteuerte Lernen, wird einer legasthenischen Fehlentwicklung vorgebeugt, denn jedes Kind lernt in seinem Tempo. So werden Erfolge ermöglicht. Das Kind lernt durch Einsicht, so dass der Lernertrag langfristig ist.
2.2.: Zusammenfassung des Konzepts „Richtig Schreiben lernen von Anfang an“ von Norbert Sommer-Stumpenhorst:
Norbert Sommer-Stumpenhorst geht es um eine Technikvermittlung zum eigenen Erlernen der Buchstaben. Dazu bekommen der Schüler einen „Hör- Seh- und Schreibpass“ (HSSP), damit er selbst und der Lehrer einen Überblick haben, was er schon kann und was er noch lernen muss. 7
An einigen Buchstaben (zum Beispiel L; E, O und A) zeigt der Lehrer, wie ein Schüler sich einen neuen Buchstaben aneignet. Grundlage dazu ist das Hören, das Sehen und das Schreiben des Buchstaben. Dazu werden verschiedene Übungen gemacht, auf die ich unten näher eingehen möchte. Gearbeitet wird mit einer Anlauttabelle. Wenn die Kinder sich die Buchstaben selbst erarbeiten, ist ihnen die ganze Schrift
5 Aus Platzgründen kann ich leider nicht näher auf den Werkstattunterricht eingehen, ich verweise aber auf das von Jürgen Reichen verfasste Buch „Sachunterricht und Sachbegegnung“ (erschienen im Sabe Verlag Zürich), in dem ausführlich Hinweise zum Werkstattunterricht gegeben werden.
6 Vgl. Jürgen Reichen: Lesen durch Schreiben, Heft 1, S. 10.
7 Vgl. Norbert Sommer-Stumpenhorst: Richtig Schreiben lernen von Anfang an. S. 31.
3
Arbeit zitieren:
Tanja Knüppel, 2002, Probleme im Schriftspracherwerb, München, GRIN Verlag GmbH
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