Vorwort
Es soll darauf hingewiesen werden, dass zum Thema Twitter kaum wissen- schaftliche Literatur existiert. Daher wurden zur Erstellung der vorliegenden Ar- beit hauptsächlich Internetquellen genutzt. Bei der Auswahl der Quellen wurde darauf wert gelegt, vorrangig renommierte und unabhängige Websites zu zitie- ren. Aufgrund der Aktualität des Themas können genannte Daten, Zahlen und Fakten bereits bei Veröffentlichung der Arbeit ihre Gültigkeit verloren haben.
Danksagung
Ich danke Herrn Prof. Horst Müller für die Betreuung der Arbeit und die stets kri- tischen Durchsichten des Manuskripts.
Besonderen Dank richte ich an Tino Kreßner, der mit ungeheurer Geduld diese Arbeit begleitete. Durch seine Betreuung, sein Feedback, seine Motivation er- fuhr ich eine hilfreiche Unterstützung.
Ich danke den interviewten Personen, die durch ihre Antworten einen wertvollen Teil zu dieser Arbeit beigetragen haben.
Meinen Freunden Annekathrin Lang und Christian Sommerschuh danke ich für die Geduld, das wachsende Interesse am Thema und die zahlreichen Diskussi- onen während der Entstehungsphase.
Ich danke meinen Eltern für ihr Vertrauen in mein Können und die stetige Un- terstützung während meines Studiums.
2
Inhalt
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 6
Abkürzungsverzeichnis 8
bibliografische Beschreibung und Referat 10
1. Einleitung
1.1. Problemstellung 12
1.2. Vorgehensweise 13
2. Mikro-Blogging
2.1. Definition 14
2.2. Abgrenzung zu Weblogs 17
2.3. Auswirkungen auf die Kommunikation 19
3. Twitter
3.1. Einführung in die Twittersphäre 22
3.2. Gründung von Twitter 24
3.3. Die Grundidee 27
3.4. Anwendungsbereiche 29
3.5. Nutzeranalyse Deutschland 32
3.5.1. Demografische Angaben 35
3.5.2. Twitternutzung 36
3
3.6. Vorteile 37
3.7. Nachteile 39
3.8. Monetarisierung von Twitter 41
4. Anwendung von Twitter in der politischen Kommunikation
4.1. Barack Obama als Vorreiter 43
4.2. Twitternde Politiker im Ausland 48
4.3. Bisherige Twitter-Aktivitäten deutscher Politiker 52
4 4 Personalisierung und Emotionalisierung in der politischen
Kommunikation 57
4.5. Bedeutung des Internet bei Wahlentscheidungen 2009 60
5. Analyse von Twitter-Aktivitäten an ausgewählten Beispielen
5.1. Auswahl der Politiker 63
5.2. Zeitraum der Untersuchung 66
5.3. Vorstellen der beobachteten Politiker 67
5.4. Kategorisierung der Nachrichten 68
5.5. Ergebnisse 71
6. Erkenntnisse aus Interviews mit beobachteten Twitterern
6.1. Interview-Fragebogen 79
6.2. Ziele des Twitter-Einsatzes 80
6.3. Gewonnene Erfahrungen und Einschätzungen der Twitterer 81
4
7. Expertenmeinungen zum Umgang mit Twitter
7.1. Interview-Fragebogen 83
7.2. Erkenntnisse aus den Interviews 85
8. Schlussbetrachtung
88
9. Literaturverzeichnis
9.1. Fachbücher 89
9.2. Hochschulschriften 89
9.3. Zeitschriften 89
9.4. Internetquellen 90
Anhang (inkl. Anlagenverzeichnis) 97
Erklärung zur selbstständigen Anfertigung 122
5
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Statusfenster bei Facebook 15
Abbildung 2: chronologisch aufgelistete Statusmeldungen
bei Facebook und StudiVZ 15
Abbildung 3: Chat zwischen Ashton Kutcher (aplusk) und einem Fan 19
Abbildung 4: Erklärung von Begriffen anhand eines Accounts 23
Abbildung 5: Failwhale bei Überlastung auf www twitter com 25
Abbildung 6: Statusfenster auf twitter com 27
Abbildung 7: Sascha Lobo twittert von der next09 28
Abbildung 8: Herkunft der Twitter-Nutzer Auflistung von Ländern 32
Abbildung 9: wöchentliche Neuregistrierungen auf Twitter im
deutschsprachigen Raum 33
Abbildung 10: von Jugendlichen häufig genutzte Communitys 35
Abbildung 11: Twitter-Profil von Barack Obama 43
Abbildung 12: Website my barackobama com Aufruf an Wähler zur
aktiven Unterstützung 45
Abbildung 13: Webaktivitäten der Parteien
Entwicklungen im Mai Juni 2009 50
Abbildung 14: Ergebnisse aus der Studie von Fleishman-Hillard zur
Online-Nutzung von Europa-Abgeordneten 51
Abbildung 15: Entwicklung der Aktivität auf Twitter nach Parteien 53
Abbildung 16: Von Online-Nutzern bevorzugte Quellen für
politische Informationen 60
Abbildung 17: Woher Interessierte politische Informationen
im Netz beziehen 62
Abbildung 18: Tweet von Ulrich Commerçon Kategorie 1 69
6
Abbildung 19: Tweet von Vincent Müller Kategorie 2 69
Abbildung 20: Dialog zwischen Ulrich Commerçon und
ApfelMuse auf Twitter Kategorie 5 70
Abbildung 21: Die Top-fünf-Kandidaten bezüglich Anzahl der
geposteten Tweets 73
Abbildung 22: Die Top-fünf-Kandidaten bezüglich Zuwachs
an neuen Followern 75
Abbildung 23: Ulrich Commerçon twittert über seine aktuellen Termine 77
7
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Twitternutzung deutscher Parteien abgeleitet aus Abb 13 52
Tabelle 2: Anzahl Bewerber und Twitterer bei den diesjährigen
Landtagswahlen 64
Tabelle 3: Übersicht twitternder Politiker in der Beobachtung 67
Tabelle 4: Anzahl der geposteten Tweets im Beobachtungszeitraum 72
Tabelle 5: Zuwachs an neuen Followern 74
Tabelle 6: Favorisierte Kategorien 76
8
Abkürzungsverzeichnis
API = Application Programming Interface
ARD = Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland
BBC = British Broadcasting Corporation
Blog = Weblog, Digitales Journal/Tagebuch
CNN = Cable News Network
MdL = Mitglied des Landtags
MEP = Member of the European Parliament,
Mitglied des Europäischen Parlaments
RSS = Really Simple Syndication
SMS = Short Message Service
USA = United States of America
9
Bibliografische Beschreibung
Rittig, Julia:
„Twitter in der politischen Kommunikation – Analyse von Twitteraktivitäten ausgewählter Politiker während des Landtagswahlkampfes 2009“ - 2009 122 S. Mittweida, Hochschule Mittweida, Fachbereich Medien, Bachelorarbeit
Referat
Mikro-Blogging Dienste wie Twitter werden in Deutschland zunehmend belieb- ter. Nach Schätzungen vom April 2009 twittern bereits über 62.000 Autoren auf deutsch. In den Twitter-Nachrichten (auch Tweets genannt) werden vorrangig Informationen über das Weltgeschehen, Persönliches und Web-Links ausge- tauscht. Twitter ist dabei nicht nur für Privatpersonen ansprechend. Immer häu- figer wird der Dienst von Unternehmen und Nachrichtenagenturen eingesetzt. Auch Politiker entdecken Twitter als eine Möglichkeit, direkt mit den Abonnenten ihrer Twitter-Nachrichten zu kommunizieren. Barack Obama nutzte Twitter in seinem Präsidentschaftswahlkampf 2008. Im Wahlmonat November erreichte er über seinen Account mehr als eine Million Abonnenten. Für Obama und sein Team war Twitter somit ein wichtiger Kommunikationskanal während des Wahl- kampfes.
In dieser Arbeit wird anhand ausgewählter Twitter-Accounts deutscher Politiker beobachtet, wie viele Follower sie erreichen und ob Twitter auch in der politi- schen Kommunikation in Deutschland ein wichtiges Werkzeug darstellen kann. Dazu werden diese Accounts über den Zeitraum vom 15. Juni bis 15. Juli 2009 und somit vor den Landtagswahlen in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Saarland beobachtet. Die Beobachtung bezieht sich neben der Anzahl der Follower auch auf die Inhalte der Tweets, die kategorisiert werden. In den Er-
10
gebnissen wird sich zeigen, wie sinnvoll der Einsatz von Twitter im deutschen Wahlkampf sein kann.
Die folgende Arbeit stellt Anwendungsgebiete des Mikro-Blogging-Dienstes Twitter vor, nennt Vor- und Nachteile und zeigt, wie Twitter in der politischen Kommunikation bisher eingesetzt wurde. In einer Beobachtung wird untersucht, wie deutsche Politiker im aktuellen Wahlkampf diesen Dienst zur Kommunikati- on nutzen und wie Experten diese Aktivitäten einschätzen.
11
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
„Yes, we can“. Der Wahlkampfslogan von Barack Obama versprüht Optimismus und begeistert Millionen Menschen. Mit einem bemerkenswerten Engagement im Bereich der Onlinemedien setzte sein Wahlkampfteam den Präsident- schaftskandidaten in Szene. Ob Fans bei Facebook und MySpace, Follower bei Twitter oder Abonnenten bei youtube: Obama schuf sich online eine Gefolg- schaft aus potentiellen Wählern. Seine Anhänger sammelten Spendengelder, organisierten Wahlkampfveranstaltungen und konnten mit ihrem Kandidaten kommunizieren.
Nach dem Vorbild Obama agieren auch zunehmend deutsche Politiker in sozia- len Netzwerken. Die vorliegende Arbeit beleuchtet die aktuellen Entwicklungen in der politischen Kommunikation. Im diesjährigen Wahlkampf besteht erstmals die Chance, Twitter und Co. gezielt einzusetzen. Vor vier Jahren existierte Twit- ter noch nicht, Facebook wurde nur von amerikanischen College-Studenten ge- nutzt. Das Superwahljahr 2009 zeigt bereits jetzt, dass politische Akteure ihre Online-Aktivitäten verstärken. Twitter spielt dabei eine zunehmend wichtige Rol- le. Anhand einer Analyse von Twitter-Aktivitäten ausgewählter Politiker soll in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, wie viele neue Abonnenten sie gewin- nen können und wie sie Twitter nutzen. Dieser Dienst ist dafür prädistiniert, per- sönlich, direkt und authentisch mit seiner Gefolgschaft zu kommunizieren. Die Auswertung sämtlicher Tweets der beobachteten Kandidaten wird zeigen, ob sie eben diese Effekte wirklich nutzen und somit die Chancen dieser Kommuni- kationsart verstehen.
In Interviews mit den twitternden Politikern wird nach Erwartungen und Zielen des Einsatzes von Mikro-Blogging, sowie nach den daraus gewonnenen Erfah- rungen gefragt. Abschließend zeigen Meinungen von Experten auf, wie Twitter in der politischen Kommunikation funktionieren und in der Zukunft eingesetzt werden kann.
12
1.2. Vorgehensweise
Kapitel 2: Zunächst wird der Begriff Mikro-Blogging definiert. Es wird eine Ab- grenzung zu Weblogs vorgenommen und die Auswirkungen des Mikro-Blogging auf die Kommunikation erörtert.
Kapitel 3: Seit der Gründung von Twitter 2006 steigt die Nutzerzahl für diesen Mikro-Blogging Dienst rasant an. Längst wird Twitter nicht nur im privaten Be- reich genutzt. In diesem Kapitel werden Anwendungsbereiche, aber auch Vor- und Nachteile aufgezeigt. Eine Nutzeranalyse gibt einen Überblick über die deutsche Twittergemeinde.
Kapitel 4: Im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008 spielten Social Networks erstmals eine besondere Rolle. Auch europäische Politiker be- gannen, nach diesem Vorbild, ihre Online-Aktivitäten zu verstärken. Kapitel 5: Twitter wird auch unter deutschen Politikern zu einem Wahlkampf- tool. Es werden Twitter-Aktivitäten von ausgewählten Accounts beobachtet und analysiert.
Kapitel 6: In Interviews mit den Politikern wird herausgefunden, welche Ziele sie mit ihren Twitter-Aktivitäten verfolgen und welche Erfahrungen sie bisher machten.
Kapitel 7: Abschließend zeigen Meinungen von Experten, wie sie die Bedeu- tung von Twitter in der politischen Kommunikation einschätzen und welche Rat- schläge sie an twitternde Politiker geben würden.
Anhang: In den Anlagen befinden sich die ungekürzten Interviewantworten der Politiker sowie der Experten.
13
2. Mikro-Blogging
2.1. Definition
Mikro-Blogging ist eine Form des Bloggens – ein „verkleinerter“ Blog 1 . Hierbei schreiben die Benutzer kurze SMS-ähnliche Textnachrichten, die meist auf 140 bis 200 Zeichen begrenzt sind und die von Abonnenten gelesen werden kön- nen. Der Reiz des Mikro-Bloggens liegt in der Transparenz und Unmittelbarkeit, denn die Nachrichten sind sofort für andere Benutzer zugänglich. Cem Basman, Veranstalter der Micro Blogging Conference 2 , fasst es folgendermaßen zusam- men: „Es geht um das Posten von öffentlichen Nachrichten in Echtzeit.“ 3 Ob- wohl die meisten Posts, wie gesendete Nachrichten beim Mikro-Blogging hei- ßen, nur Textnachrichten enthalten, ist es bei einigen Mikro-Blogging-Diensten auch möglich, Videos oder Audio-Dateien einzufügen.
Erstmals trat das Mikro-Blogging in Form von Statusmeldungen im weltweit größten sozialen Netzwerk Facebook 4 auf. Seit 1. März 2006 erscheint auf der Facebook-Seite die Frage „What´s on your mind?“ 5 . Sie fordert den Benutzer auf, seinen derzeitigen Gemütszustand preiszugeben und seinen Freunden mitzuteilen.
1 Ein Blog oder auch Weblog, ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich ein-
sehbares Tagebuch. Häufig ist ein Blog eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von
periodischen Einträgen.
2 Die Micro Blogging Conference fand erstmals vom 23.01. bis 24.01.2009 in Hamburg statt.
Organisator war Cem Basman. Etwa 200 Experten nahmen an der Konferenz teil. 3 Mikroblogging ist in Wahrheit Micromessaging, http://sprechblase.wordpress.com/2008/09/12/
microblogging-ist-in-wahrheit-micromessaging/, 28.05.2009 4 im Internet unter http://www.facebook.com
5 Vgl. Naone 2008a, 26-28
14
Abbildung 1: Statusfenster bei Facebook
Mittlerweile bieten auch andere soziale Plattformen wie StudiVZ 6 und Wer- kennt-wen 7 solche Statusnachrichten an. Jedem Benutzer werden nur die Mel- dungen seiner eigenen Kontakte chronologisch aufgelistet und er erhält eine individuelle Übersicht. In sozialen Netzwerken stellt Mikro-Blogging dennoch nur eine Zusatzfunktion dar, wobei die Statusnachrichten meist einzig auf der jeweiligen Website gelesen werden können.
Abbildung 2: chronologisch aufgelistete Statusmeldungen bei Facebook (links) und StudiVZ (rechts)
6 im Internet unter http://www.studivz.net
7 im Internet unter http://www.wer-kennt-wen.de
15
Daneben entwickelten sich eigenständige Mikro-Blogging Dienste, von denen Twitter 8 die meisten Nutzer hat 9 . Oftmals wird Twitter synonym mit Mikro-Blog- ging verwendet 10 , obwohl es eine Reihe anderer Dienste gibt. Mikro-Blogging Dienste wie Twitter sind nicht an ein Web-Frontend 11 gebunden. Sie sind dank offener Schnittstellen (Application Programming Interface, kurz API) für mobile Geräte prädestiniert und können über verschiedene Programme, Geräte und Plattformen angesteuert werden.
8 im Internet unter http://www.twitter.com
9 Vgl. Simon 2008, 14
10 Siehe (Averesch 2009), (Naone 2008b), (Java, Finin, Song, & Tseng 2007) 11 Mit Web-Frontend wird der Teil einer Internet-Anwendung bezeichnet, der für den Benutzer
über seinen Internet-Browser sichtbar ist.
16
2.2. Abgrenzung zu Weblogs
Im Gegensatz zu Blogs versteht sich Mikro-Blogging als wesentlich schnellere und kürzere Art der Kommunikation. Die Nachrichten sind auf wenige Zeichen reduziert und dadurch prägnanter. Ausgehend von der Kürze der Posts ergibt sich auch ein geringerer Zeitaufwand beim Mikro-Blogging. Das trifft zum einen auf den Verfasser zu, der sich auf die Länge einer SMS begrenzen muss. Zum anderen benötigt der Leser der Posts deutlich weniger Zeit zum Aufnehmen der Informationen.
Mikro-Blogging Dienste funktionieren wie ein Abonnement. Ein Nutzer muss zustimmen, die Nachrichten eines anderen empfangen zu wollen, ihm „folgen“ zu wollen. Mit der Zeit entsteht ein Netzwerk, in dem auch die Nutzer unterei- nander verschiedene Beziehungen aufbauen. Aus dem sozialen Gefüge des Folgens und Gefolgtwerdens ergibt sich beim Mikro-Blogging ein erhöhter Netzwerk-Effekt.
17
Im Grunde handelt es sich beim Mikro-Blogging um effiziente Kurznachrichten an ein soziales Umfeld. Der Verfasser der Nachrichten hat die Möglichkeit, ein sofortiges Feedback zu erhalten. So entsteht beim Mikro-Blogging ein Mix aus Blog und Chat mit Livestream-Charakter. Die entscheidenden Unterschiede zwischen Blogging und Mikro-Blogging liegen in der Frequenz der Nachrichten und der Mobilität. Bloggt ein durchschnittlicher Blogger ein bis dreimal wöchent- lich, so werden über Mikro-Blogging-Dienste mehrere Posts pro Tag abgege- ben 12 . Die Nachrichten sind nicht nur auf den Websites und Desktop-Applikatio- nen lesbar, sondern auch über das Mobiltelefon zu empfangen.
Vgl. Java, Finin, Song & Tseng 2007, 57
2.3. Auswirkungen auf die Kommunikation
Social Media Tools wie Twitter haben die Kommunikation ebenso revolutioniert wie es einst die Erfindung von Buchdruck, Telefonen, Fotografie und Film sowie Rundfunk taten. 13 Zu dieser Ansicht kommt Clay Shirky, US-amerikanischer Redner, Autor, Dozent und Berater zum Thema Internet, wenn er über die Be- deutung des Internets und Social Media spricht. Die Hemmschwelle beim Publi- zieren ist beim Mikro-Blogging deutlich geringer als bei anderen Kommunika- tionsmöglichkeiten. 14 Es ist einfacher geworden, Dialoge zu führen, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen. Wichtig dabei ist, dass die Kommunika- tion, anders als bei sozialen Netzwerken wie StudiVZ oder Facebook, keine doppelseitigen Verknüpfungen benötigt. 15 Das heißt, wenn Twitterer A Twitterer
B folgt und seine Posts abonniert, muss B nicht automatisch auch A folgen. So
entstehen einseitige Verbindungen unter den Mikro-Bloggern. Der Mikro-Blog- ger bewegt sich in „vernetzten Kommunikationsarenen“, so Thomas Pleil 16 . Auf- fällig dabei ist, dass die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet und Hierar- chie-Ebenen an Bedeutung verlieren. Jeder Mikro-Blogger ist gleichwertig, egal ob Vorstandsvorsitzender einer internationalen AG oder Student.
Abbildung 3: Chat zwischen US-Schauspieler Ashton Kutcher (aplusk) und einem Fan
13 Vgl. youtube.com Präsentation von Clay Shirky: How cellphones, Twitter, Facebook can make
history 14 Vgl. Slideshare.net (Thomas Pleil) 2008, Präsentation „Vernetzte Kommunikation“ 15 Vgl. wiwo.de (Matthias Hohensee, Sebastian Matthes) 2009, Vom Wahn im Web zum Wirt-
schaftsfaktor 16 Vgl. ebenda
19
Menschen besitzen von Natur aus ein soziales Umfeld. Sie wollen kommunizie- ren, sozial agieren und untereinander verbunden sein. Dazu gehört auch, dass sie Informationen austauschen und mitteilen, wie es ihnen geht. Bisher gab es dafür neben dem persönlichen Gespräch Briefe, Telefone, E-Mails oder Blogs. Aber gerade kleine Alltagsgeschichten wie „Ich trinke gerade einen leckeren Kaffee“ oder „Gleich muss ich zum Zahnarzt“ werden nicht über diese Wege kommuniziert. Solche Nachrichten erscheinen zu unwesentlich, als dass sie in einem Blog publiziert oder per Mail an Freunde geschickt werden. Die ursprüng- liche Idee von Mikro-Blogging setzt genau dort an. Beinahe banale Informatio- nen über alltägliche Kleinigkeiten können nun an das gesamte soziale Umfeld gesendet werden. Dadurch entsteht ein engerer Kontakt untereinander. Der Mikro-Blogger erhält einen kleinen Einblick dessen, was gerade real auf der Welt passiert. 17 Die publizierten Posts vermitteln dem Leserkreis Nähe, es entsteht ein Gefühl des Dabeiseins und Dazugehörens. Der Leser erfährt weiterhin das Gefühl der Exklusivität. Schließlich sind viele der geposteten Informationen sehr privat. Dabei ist es gleichgültig, ob der Autor ein Popstar oder ein enger Freund ist. Mit nur einem Post kann der Mikro-Blogger seinen gesamten Freundes- und Be- kanntenkreis informieren. Daraus ergibt sich neben der Zeit- auch eine enorme Kostenersparnis gegenüber dem Kommunikationsmedium SMS.
Mikro-Blogging wird aus verschiedenen Motivationen heraus betrieben. Autor und Leser tauschen Wissen und Neuigkeiten aus, bauen Vertrauen auf oder geben interessante Links weiter. Dies zeigt die erste deutsche Twitter-Umfrage, durchgeführt von Thomas Pfeiffer. 18 Mikro-Blogging kann durch persönliche Einschätzung eine Orientierungshilfe im Informationsdschungel geben. Viele Autoren fragen nach Konsumtipps und vertrauen auf die Einschätzung der an- deren. Prof. Dr. Thomas Pleil vom Institut für Kommunikation und Medien der Hochschule Darmstadt spricht in diesem Zusammenhang von einer „Meinungs- bildung ohne Medienberichterstattung“. 19 Nicht nur Privatpersonen kommuni-
17 Vgl. commoncraft.com (Lee le Fever) 2008, Video „Twitter in Plain English“
18 Vgl. webevangelisten.de (Thomas Pfeiffer) 2009, Twitterumfrage
19 Vgl. Slideshare.net (Thomas Pleil) 2008, Präsentation „Vernetzte Kommunikation“
20
zieren via Twitter. Auch Unternehmen, Verbände, Organisationen und Parteien nutzen den Mikro-Blogging Dienst zu verschiedenen Zwecken. Vertrauensauf- bau, Dialog, Beschwerdemanagement und Projektmanagement sind mögliche Einsatzgebiete für eine Kommunikation über Twitter. 20
Vgl. conception-blog.com (Möller) 2009, Einsatzgebiete von Microblogging in Unternehmen
3. Twitter
3.1. Einführung in die Twittersphäre
Das englische Wort Twitter bedeutet zu deutsch Gezwitscher/ Geflüster und ist der Mikro-Blogging Dienst mit den meisten Nutzern. Registrierte Nutzer besit- zen einen persönlichen Account und werden Twitterer genannt. Sie schreiben und veröffentlichen kurze Nachrichten, auch Tweets, Updates oder Posts ge- nannt. Andere Nutzer können diese Posts abonnieren und werden dann zu Fol- lowern (englisch to follow = folgen). Followings bezeichnet die Accounts, denen man selbst folgt. Auf der persönlichen Startseite unter www.twitter.com werden die Tweets der Nutzer angezeigt, die man selbst abonniert hat. So entsteht eine individuelle, abwärts chronologische Timeline. Folgt man sich gegenseitig und entsteht dadurch eine doppelseitige Beziehung, so nennt man sich Friends. Ein Reply ist eine Möglichkeit, einen anderen Twitterer direkt anzusprechen. Mit der Kombination @Nutzername kann auf diesen Nutzer Bezug genommen werden. Sinnvoll ist diese Anwendung bei der Beantwortung von Fragen. Da die Anzahl der Zeichen auf 140 begrenzt, ist es notwendig, auch URLs abzukürzen. Diese verkürzten Links nennt man Tinyurls.
22
Abbildung 4: Erklärung von Begriffen anhand eines Accounts 21
Nielsen Media Research 2009, Wahlkampf 2009 auf Twitter
3.2. Gründung von Twitter
Mit der Gründung von Twitter verbinden Kenner der Szene die Namen Biz Sto- ne, Jack Dorsey und Evan Williams. Die drei US-Amerikaner waren bereits vor der Entwicklung dieses Mikro-Blogging Dienstes Entwickler und Webdesigner. In der Computer-Szene waren sie nicht unbekannt. Die eigentliche Idee zu Twit- ter stammt von Jack Dorsey, der einen einfachen Dienst entwickeln wollte, der es ermöglicht, über eine Art Statusfenster all seinen Freunden von seinem All- tag zu berichten. In der Firma, in der Dorsey damals arbeitete, Obvious, lernte er Biz Stone kennen. Ihm erzählte er von seiner Idee. Gemeinsam mit anderen Kollegen aus dem Hause Obvious begann im Jahr 2006 die Entwicklung eines Prototypen für Twitter. Als Tester dienten die Mitarbeiter von Obvious, die den Dienst ein Wochenende lang ausprobieren sollten. Sie waren von den neuen Möglichkeiten, die Twitter für die Kommunikation bietet, begeistert. Im Oktober 2006 wurde das Projekt Twitter offiziell gestartet. Die Idee überzeugt. Erste Nutzer außerhalb von Obvious meldeten sich bei Twitter an. Insgesamt blieb es jedoch ein kleiner Nutzerkreis. Es fehlte das öffentliche Interesse, ein Event, das Twitter populär macht. 22 Dieses Event kam mit der Verleihung des jährlich vergebenen South by Southwest Web-Awards im März 2007. Während des Awards nutzten die Anwe- senden Twitter, um sich gegenseitig zu verabreden oder ihren Bekannten von dem Ereignis zu berichten. Unter ihnen waren einflussreiche Blogger, so dass die Nachricht von dem neuen Mikro-Blogging Dienst Twitter schnell verbreitet wurde.
Twitter gewann in der Kategorie Blog den Web-Award. Dieser Augenblick wird im Nachhinein als die eigentliche Geburtsstunde von Twitter angesehen. Die Gründer bedankten sich twittergerecht: „We´d like to thank you in 140 charac- ters or less. And we just did!“ Mit dem Award gewann Twitter rasant an Popularität. Es erfolgte die Ausgliede- rung von Obvious, Twitter Inc. wurde noch im April 2007 gegründet.
22 Vgl. Simon / Bernhardt 2008, 39–44, alle hier genannten Fakten zur Gründung von Twitter
entstammen dem Buch „Twitter – mit 140 Zeichen zum Web 2.0“
24
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Julia Rittig, 2009, Twitter in der politischen Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft - Die Online-PR der...
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Diplomarbeit, 127 Seiten
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