4. Denkstrukturen: Identität und der Feind 27
4.1 Huntingtons Grundannahme 27
4.3 Zwischenresümee: Zur Bedeutung der geschilderten Ansätze für die huntingtonsche Theorie 36
5. Funktion und Wirkung des Huntington Paradigmas 37
5.1 Zur Funktion der Theorie Huntingtons hinsichtlich der außenpolitischen Interessen der USA 37
5.2 Hegemonieanspruch des “Post-cold-war-Paradigma” 38 5.3 Rezeption der huntingtonschen Theorie in der Öffentlichkeit 40
6. Zusammenfassung und kritische Schlußbetrachtung 41
7. Bibliographie 44 7.1 Bücher 44 7.2 Aufsätze 45 7.3 Artikel 46
8. Anhang
3
1. EINLEITUNG
1.1 Gegenstand und Struktur der Arbeit
Der Gegenstand dieser Arbeit ist das Konzept des “ Clash of Civilizations”, welches Samuel Huntington 1993 der Öffentlichkeit vorstellte und welches für lebhafte Diskussionen gesorgt hat, die nach wie vor anhalten. 1
Bei dem Titel der Arbeit “Die Rolle des Islam in Huntingtons Kampf der Kulturen” liegt die Betonung auf dem Wort “Rolle.” Dies liegt an der Grundthese dieser Arbeit, daß Huntington sich mit seiner Theorie vom kommenden Kampf der Kulturen an die Feindbildproduktion macht. Das Feindbild ist der Islam (unter partiellem Einschluß dessen, was Huntington den sinischen Kulturkreis nennt). Die Funktion des Feindbildes, ich werde dieses nachzuweisen versuchen, liegt in der Legitimation einer bestimmten Politik der USA, die sowohl den verbündeten Regierungen als auch den Wissenschaftlern und letztlich wohl auch den jeweiligen Bevölkerungen vermittelt werden muß.
Ich werde versuchen was man über den Islam, oder besser gesagt Huntingtons Wahrnehmung desselben, bei ihm lesen kann, nachzuzeichnen und zu prüfen. Zuvor werde ich einen groben Überblick über das Gesamtkonzept Huntingtons geben um es möglich zu machen, den Islam in diesem zu verorten. Da ich von der Feindbildproduktion ausgehe, werde ich im Anschluß an die Untersuchung der huntingtonschen Islamperzeption zu klären versuchen, wie und wozu das Feindbild konstruiert wird. Mir scheinen u.a. die Ausführungen Carl Schmitts dazu erhellend zu sein.
Außerdem werde ich versuchen, die Tradition der Denkstruktur Huntingtons am Beispiel Oswald Spenglers aufzuzeigen. Einerseits gibt es Bezüge zu dessen Kulturen-Modell, andererseits hat Spengler 1933 eine Argumentation geführt, die mir sehr große Parallelen zu der huntingtonschen zu haben scheint. Allerdings
1 Es gibt eine ganze Reihe von Reaktionen auf die Thesen Huntingtons. Die Foreign Affairs, in denen der Aufsatz im Sommer 1993 erschien, brachten bereits wenige Monate später ein Sonderheft heraus (The Clash of Civilizations? The Debate), in dem verschiedene Wissenschaftler sich mit dem Aufsatz auseinandersetzten. Es erschienen Aufsätze in den verschiedenen Fachzeitschriften (Orient 3/97, Blätter für deutsche und internationale Politik 3/94 und 2/97, etc.), das Thema wurde von wissenschaftlichen Arbeitsgruppen behandelt und dargestellt (Vgl. Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Friedens - und Konfliktforschung e.V., AFK ; Bd. 23) und schließlich in einer Reihe von Zeitungen und Zeitschriften beschrieben. (Vgl. hierzu Bibliographie)
4
sprachen sowohl Spengler als auch Schmitt die Konsequenzen ihres Denkens klar aus: Krieg. Die Frage war, wie ihn gewinnen. 2
Am Ende der Arbeit sollen Funktionen und Konsequenzen der Theorie, die Huntington selbst als Paradigma (im Sinne Kuhns) ansieht, im Zusammenhang mit der außenpolitischen Situation und Politik der USA nach dem Kalten Krieg dargestellt werden.
Aus dem zuvor Gesagten folgt, sofern es mir im Verlauf der Arbeit gelingt dieses zu belegen, daß die Gedanken Huntingtons weder neu noch besonders originell sind. Es scheint insofern berechtigt sich zu fragen, weshalb ich diese dann bearbeite.
Mein Interesse an der Theorie vom Kampf der Kulturen entspringt der Frage nach der zukünftigen weltpolitischen Entwicklung, mit der wir, wie immer sie sich darstellen wird, umzugehen haben werden. Da Huntington seit nahezu dreißig Jahren die amerikanische Außenpolitik als Berater der verschiedenen US-Regierungen mitdefiniert, 3 darf man hoffen, aus seinen Thesen etwas über die zukünftige US-Politik herauslesen zu können. Im Sinne einer selffulfilling prophecy behält Huntington vielleicht sogar recht, wenn er seine Theorie als den besten Kompaß für die Zukunft bezeichnet. 4
Nicht unbedingt weil sie die Gegenwart treffend analysiert oder weil sie eine große Prognosenkompetenz aufwirft, sondern einfach weil sein Buch möglicherweise anzeigt, quasi als übermäßig dimensioniertes Strategiepapier gelesen, woran sich die USA langfristig außenpolitisch orientieren.
1.2 Zum Begriff der Kultur und des Kulturkreises
Da der Begriff der Kulturkreise im Paradigmaentwurf Huntingtons eine zentrale Kategorie ist, die auf dem Kulturbegriff basiert, wird es notwendig, beide eingehender zu untersuchen. Die (Art der) Nutzung des Begriffes ist auch zentraler Kritikpunkt bei verschiedenen Kritiken an dem Konzept Huntingtons. 5
Der Begriff der Kultur entspringt dem lateinischen cultura (Pflege), zu colere (pflegen, bebauen), wo er ursprünglich im Zusammenhang
2 Vgl. hierzu Spengler: Jahre der Entscheidung, Einleitung und S. 165
3 Vgl. hierzu Munzinger-Archiv: Huntington, 20/97
4 Vgl. Spiegel-Interview: “Und dann die Atombombe”, Spiegel 48/ 96, S. 186
5 Vgl. hierzu “Cultural Explanations” In: “The Economist” v. 9.11.96, Ramonet, Ignacio: “Krieg der Zivilisationen?” In: “Le Monde Diplomatique”, Beilage der “Tageszeitung” v. 16.06.95, Caglar, Gazi: “Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen”, S. 27 und 117, etc.
5
mit der Bodenpflege (lat. agricultura) verwendet wurde. Der Begriff wurde aber schon von Cicero, der von der cultura animi (Geistes-Kultur) spricht, auf den menschlichen Bereich übertragen. 6
“Im umfassendsten Sinne ist Kultur die Gesamtheit der Lebensbekundungen, der Leistungen und Werke eines Volkes oder einer Gruppe von Völkern.” 7 Sie bezeichnet auch “die
Handlungsbereiche, in denen der Mensch auf Dauer angelegte und den kollektiven Sinnzusammenhang gestaltende Produkte, Produktionsformen, Lebensstile, Verhaltensweisen, und
Leitvorstellungen hervorzubringen vermag,...” 8
Außerdem wird sie mit dem Gemachten identifiziert, im Gegensatz zur Natur, die mit dem Nichtgemachten identifiziert wird. 9
Die nach der Encyclopaedia Britannica klassische Definition von Kultur stammt von dem Anthropologen Burnett Tylor aus dem Jahr 1871: “Culture ... is that complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society.” 10
Es gibt aber eine ganze Reihe verschiedener Definitionen von Kultur. So führten A.L. Kroeber und Clyde Kluckhohn, zwei amerikanische Anthropologen, in ihrem 1952 erschienen Buch Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions 164 Definitionen des Kultur-Begriffes an. 11 Dies liegt auch daran, daß sich verschiedene wissenschaftliche Disziplinen mit der Kultur beschäftigen und den Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen belegen. Dementsprechend ist der wissenschaftliche Kontext, in dem das Wort verwendet wird, für dessen richtiges Verstehen entscheidend, wie Leslie A. White festhält. 12
Der Begriff des Kulturkreises geht nach Caglar auf L. Frobenius zurück, der diesen kurz vor der letzten Jahrhundertwende eingeführt
6 Vgl. Schischkoff, Georgi (Hg.): Philosophisches Wörterbuch, S. 406, auch Brockhaus-Enzyklopädie, Bd. 12, S. 580, und Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, S. 492
7 Schischkoff, Georgi (Hg.): Philosophisches Wörterbuch, S. 406
8 Brockhaus-Enzyklopädie, Bd. 12, S. 580
9 Vgl. ebda.
10 Tylor, Burnett, zitiert nach Encyclopaedia Britannica, S. 874
11 Vgl. ebda.
12 Vgl. ebda.
6
haben soll. 13 Frobenius gilt, 14 neben Spengler, Toynbee, und anderen, als einer der Hauptvertreter der Kulturmorphologie. Bei dieser handelt es sich um die Wissenschaft von der Gestalt und dem Gestaltwandel der Kulturen, die als selbständige vom Menschen unabhängige Organismen mit gesetzmäßigem Entwicklungsablauf angesehen werden. Die Kulturmorphologie basiert auf der Annahme einer inneren Geschlossenheit und Selbständigkeit von Kulturen, die wie ihre Verwandlung auf einer in der Kultur selbst wirkenden Kraft beruhen. 15
Der Kulturkreis “umfaßt eine Mehrzahl von Kulturen und Gesellschaften, die hinsichtlich bedeutender soziokultureller Dimensionen und Elemente (z.B. Sprache, Religion,
Wirtschaftsweise, Sozialordnung) weitgehende Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Herausbildung von Kulturkreisen wird insbesondere durch Prozesse der Akkulturation und Diffusion bestimmt.” 16 Die Akkulturation bezeichnet die Übernahme von Elementen einer fremden Kultur durch Einzelpersonen, Gruppen, oder Schichten. In ihrem Verlauf, in dem es von einer Übernahme einzelner Werte, Ideen, Herrschaftsverhältnissen, etc. bis zur totalen Angleichung an einen anderen Kulturkreis kommen kann, 17 “wird die zuvor als selbstverständlich erlebte eigene Kultur relativiert und verunsichert. Der Akkulturation wirkt die Rückbesinnung auf die geschichtlichkulturelle Identität der eigenen Gesellschaft entgegen.” 18
2. DARSTELLUNG DER WESENTLICHEN ASPEKTE DER “KULTUR-KNALL-THEORIE” HUNTINGTONS
2.1 Kurzdarstellung der huntingtonschen Konzeption
Huntingtons Grundthese ist “... that the fundamental source of conflict in this new world will not be primarily ideological or primarily economic. The great divisions among humankind and the dominating source of conflict will be cultural. Nation states will remain the most powerful actors in world affairs, but the principal conflicts of global politics will occur between nations and groups of different civilizations. The clash of civilizations will dominate global
13 Vgl: Caglar: Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen, S. 59
14 Nach dem Dtv-Brockhaus soll er die Kulturmorphologie sogar begründet haben. Vgl. Dtv-Brockhaus, Bd. 10, S. 184
15 Vgl. Schischkoff (Hg.): Philosophisches Wörterbuch, S. 407
16 Hillmann: Wörterbuch der Soziologie, S. 462
17 Vgl. ebda., S. 13
18 Ebda.
7
politics. The fault lines between civilizations will be the battle lines of the future.” 19
Für Huntington stellt dies in mehrerlei Hinsicht einen Umbruch der politischen Weltlage dar. Zum einen sieht er eine Verschiebung von der bipolaren Welt des kalten Krieges zur multipolaren Welt der Kulturkreise. 20 Zum anderen bedeutet die Gegenwart das Ende der
Ideologie und die Renaissance der Religionen, oder wie Huntington es in einem Kapitel seines Buches nennt, die Rache Gottes. 21
Die Frage, auf wessen Seite man stehe, sei ersetzt worden durch die Frage, wer man sei. Huntington sieht eine globale Identitätskrise: “Fast überall, wohin man sieht, fragen die Menschen: ‚Wer sind wir?‘, ‚Wohin gehören wir?‘ und ‚Wer sind nicht `wir´?‘ Diese Fragen sind zentral nicht nur für Völker, die einen neuen Nationalstaat herbeizuzwingen suchen, wie im früheren Jugoslawien, sondern auch für viele andere.” 22
Es wird deutlich und im Folgenden noch zu behandeln sein, daß die Identitätsfrage eine zentrale Bedeutung für das Modell Huntingtons hat.
Huntington geht davon aus, daß wir in Zeiten rapiden gesellschaftlichen Wandels leben, in denen sich alte Identitäten auflösen und neue gefunden werden müssen. Dieses werde durch die Religion möglich, die dementsprechend überall 23 auf dem Vormarsch sei. 24
Die Besinnung auf die verschiedenen Religionen in nichtwestlichen Kulturkreisen sei aber nicht nur eine Reaktion auf soziale, wirtschaftliche und kulturelle Modernisierung, sondern auch eine offene Ablehnung des Westens samt seiner Werte. Sie sei die Erklärung der kulturellen Unabhängigkeit vom Westen, 25 welche
quasi der Spiegel der neuen globalen Machtverhältnisse ist.
Mit dem Ende des Kalten Krieges ende auch die westliche Phase der Weltpolitik. Die Geschichte der Konflikte der letzten 150 Jahre,
19 Huntington: Clash of Civilizations?, S.1
20 Vgl. Huntington: Kampf der Kulturen, S. 20 ff.
21 Vgl. ebda., S. 20 ff. und 143 ff.
22 Ebda., S. 194
23 Was Europa betrifft, sind Huntingtons Aussagen zum Wiederaufleben der Religion widersprüchlich. Einerseits spricht er von einer zweiten Christianisierung Europas, und einem Aufschwung im Engagement von Gläubigen (vgl. ebda., S. 144). An anderer Stelle spricht er von der Schwächung des Christentums in Europa (vgl. ebda., S. 501); immer weniger Europäer würden sich zu einer religiösen Überzeugung bekennen.
24 Vgl. ebda., S. 143-147
25 Vgl. ebda., S. 147-154
8
wie Huntington sie sieht, also von Konflikten unter Fürsten, zu Konflikten zwischen Nationalstaaten und schließlich Ideologien, sei letztlich eine Geschichte der Konflikte des westlichen Kulturkreises. 26
Nun aber, mit Beginn der multipolaren Welt der Kulturkreise würden aus nichtwestlichen Kulturkreisen, die bisher nur als Objekt des westlichen Kolonialismus in der Geschichte vertreten seien, Geschichtsmacher, die neben dem Westen die Welt formen würden. Denn die Welt würde nun auf Grundlage der Kulturkreise geordnet werden, wobei die Kernstaaten an die Stelle der Supermächte träten. 27 Diese Entwicklung führe zu einer relativen Abnahme
westlichen Einflusses. Allerdings werde der Westen bis auf weiteres der vorherrschende Kulturkreis sein. 28
2.2 Zum Wesen der Kulturkreise und der Funktion von Kernstaaten
Was macht nun für Huntington den Kulturkreis aus? Es sind vorallem “Blut, Sprache, Religion und Lebensweise”, wobei das wichtigste davon die Religion sei. 29 Kulturkreise seien in sich
geschlossen; ohne Bezug auf die Gesamtkultur könne keines der Bestandteile ganz verstanden werden. 30
Ein Kulturkreis sei die größte kulturelle Einheit 31 , und somit die allgemeinste Ebene kultureller Identität des Menschen: “Die Kultur, zu der er gehört, ist die allgemeinste Ebene der Identifikation, mit der er sich am nachdrücklichsten identifiziert. Kulturkreise sind das umfassendste `Wir´, in dem wir uns kulturell zuhause fühlen, gegenüber allen anderen `Sie´ da draußen.” 32
Dennoch haben Huntingtons Kulturkreise keine klar umrissenen Grenzen. Statt dessen wirken sie aufeinander ein und überlagern sich. 33 Sie sind dynamische Gebilde, “sie verschmelzen miteinander
und teilen sich; und wie jeder Kenner der Geschichte weiß, verschwinden sie auch, und der Sand der Zeiten begräbt sie.” 34
Huntington geht von der Existenz von sieben, bzw. acht Kulturkreisen aus, je nachdem ob man Afrika mitzählt oder nicht.
26 Vgl. Huntington: Clash of Civilizations? S. 1-2
27 Vgl. ebda., S. 247
28 Vgl. ebda., S. 28
29 Ebda., S. 52
30 Vgl. ebda., S. 53
31 Vg. ebda.
32 ebda., S. 54
33 Vgl. ebda.
34 Ebda., S. 55
9
Diese Kulturkreise sind: Der sinische, der japanische, der hinduistische, der islamische, der westliche, der orthodoxe, der lateinamerikanische und “der afrikanische, vielleicht.” 35
Beim afrikanischen Kontinent ist sich Huntington nicht sicher. Einerseits sähen die meisten Kulturtheoretiker diesen nicht als eigene Kultur, sondern den Norden als Teil des islamischen Kulturkreises, während der Süden durch den Kolonialismus von Elementen des europäischen Kulturkreises geprägt sei. Andererseits würden Afrikaner zunehmend eine eigene afrikanische Identität entwickeln. Es sei vorstellbar, daß das subsaharische Afrika zu einem eigenen Kulturkreis werde, eventuell mit Südafrika als dessen Kernstaat. 36
Die Einteilung der Kulturkreise, die Huntington vornimmt, wird von verschiedenen Autoren kritisiert, unabhängig davon, ob sie grundsätzlich an die Möglichkeit einer solchen Einteilung in Kulturkreise glauben. Kirkpatrick z.B. meint, daß sowohl der orthodoxe, als auch der lateinamerikanische Kulturkreis Teil des westlichen seien. 37
Den Kernstaaten kommt in Huntingtons Konzept ein besonderes Gewicht zu: Sie lösen die Supermächte des Kalten Krieges ab 38 und haben Ordnungsfunktion innerhalb ihres Kulturkreises. “Sie sind die Quelle der Ordnung innerhalb von Kulturkreisen und, durch Verhandlungen mit anderen Kernstaaten, zwischen den Kulturen.” 39
Huntington vergleicht einen Kulturkreis mit einer erweiterten Familie. In dieser sei der Kernstaat das ältere Familienmitglied, welches für die Unterstützung und Disziplin seines Verwandten sorge. 40 Die kulturelle Zugehörigkeit eines Kernstaats legitimiere dessen Führung vor den Mitgliedstaaten des Kulturkreises, als auch vor äußeren Mächten. 41
Ohne den Kernstaat innerhalb eines Kulturkreises sei es viel problematischer eine intrakulturelle Ordnung zu schaffen, bzw. eine interkulturelle Ordnung auszuhandeln. 42 Dies sei durch die Rolle der
USA im bosnisch-serbischen Konflikt deutlich geworden. So wären die USA durch das Fehlen eines islamischen Kernstaats “der eine
35 Ebda., S. 57-62. Genaugenommen ist sich Huntington bei der Zuordnung Südamerikas zu einem eigenen Kulturkreis auch nicht sicher, wie aus dem Spiegel-Interview (48/96) hervorgeht.
36 Vgl. ebda., S. 61
37 Vgl. Kirkpatrick: The Modernizing Imperative, S. 51. Auch Hippler: Anstatt einer notwendigen Satire. S. 170
38 Vgl. Huntington: Kampf der Kulturen, S. 246
39 Ebda., S. 247
40 vgl. ebda., S. 248, vgl. auch “Der Standard” (Wien), v. 6.12.96
41 Vgl. ebda., S. 248
42 Vgl. Huntington: Kampf der Kulturen, S. 248
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Hussein Tams, 1998, Die Rolle des Islam in Samuel Huntingtons Kampf der Kulturen, München, GRIN Verlag GmbH
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