Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Begrifflicher Zusammenhang. 4
3. Struktur und Organisation. 6
4. Siedlungstypen und Charakteristika. 8
4.1. Altersgeprägte Siedlungen 9
4.2. Gated Communities als Zweitwohnsitze 10
4.3. Abgegrenzte Familienkommunen 11
5. Erklärungsansätze. 12
6. Fazit Bewertung. 14
7. Quellenverzeichnis. 17
2
1. Einleitung
Besonders in den Vereinigten Staaten hat sich in den letzten Dekaden zunehmend der Massentrend entwickelt, dass viele Amerikaner „in einer bewachten Wohnanlage leben und sich vor der gefühlten Gefahr einer Gesellschaft schützen, die immer weiter auseinanderdriftet“ 1 . Die privaten, geschlossenen Wohnsiedlungen sind in den USA kein gänzlich neuartiges Phänomen, wenn man bedenkt, dass schon der Erfinder der elektrischen Glühlampe, Thomas Edison, vor mehr als 100 Jahren in einer Art Gated Community lebte 2 . Heutzutage zieht es jedoch nicht mehr nur die Oberschicht aus dem typischen Wohnumfeld heraus, sondern immer mehr Amerikaner träumen von so einem sicheren Wohnraum, in welchem sie sich geborgen fühlen und unter Gleichgesinnten leben. Es handelt sich hier um eine freiwillige Art von Segregation, welche den vorhandenen Lebensraum in sichere und scheinbar unsichere bzw. gefährliche Regionen unterteilt. Diese „Privatisierung des öffentlichen Lebensraumes“ 3 sowie die damit verbundene implizierte Ausgrenzung von bestimmten Bevölkerungsteilen führt im öffentlichen Diskurs häufig zu einer vehementen Kritik an solchen Gated Communities, da sie durch das isolierte Nebeneinanderleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Integration der Gesellschaft den Rücken kehrt. Das Leben hinter Mauern und Zäunen ist also in der Gesellschaft sehr umstritten, daher lohnt sich eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Thematik, um sowohl die theoretischen Aspekte des Siedlungstyps, als auch ihre Auswirkungen in der Gesellschaft kennen zu lernen.
1 Vgl. Dilling 2006 (http://www.sueddeutsche.de/immobilien/870/318743/text/)
2 Vgl. Frantz 2001, S.12
3 Begriff nach Lichtenberger 1999, S.29
2. Begrifflicher Zusammenhang
Die Suburbanisierung von Stadtgebieten gehört mit den daraus entstandenen Siedlungsformen und -mustern zu den elementarsten Kennzeichen der US-amerikanischen Stadtlandschaft. In den meisten amerikanischen Kernstädten hat sich besonders ab den 1940er Jahren ein sozialer Wandel vollzogen, indem viele wohlhabende Amerikaner aus den Zentren der Verdichtungsräume heraus in umliegende Suburbs siedelten. Vorwiegend Familien aus der Oberschicht strebten nach einem Haus in einer Vorstadt, da sie hier im Gegensatz zur Kernstadt ein viel ruhigeres und kinderfreundlicheres Wohnumfeld genießen konnten. Neben diesen persönlichen Wünschen sowie der allgemein stark anwachsenden Mobilität durch das Auto wurden die Suburbanisierungsprozesse aber auch durch „die staatliche Wohnungsbaupolitik, die Neubauten gegenüber der Erhaltung des Wohnbestandes Priorität einräumte, und durch die Steuerpolitik, die es ermöglichte, Hypothekenzinsen vom Einkommen abzusetzen“ 4 erleichtert und gefördert.
Nach und nach entstand in der amerikanischen Gesellschaft also ein „suburbaner Lebensstil“ 5 , der die Elemente des ländlichen Raumes mit den städtischen Eigenschaften und Funktionen verknüpfen sollte. Bereits in den frühen Anfängen der Suburbanisierung waren die Vororte schon von „rassisch-ethnischer Homogenität“ geprägt, da sich hauptsächlich die wohlhabende Schicht der weißen Amerikaner ein abgelegenes Eigenheim in einer Vorstadt leisten konnte. Mit der Zeit entwickelte sich der suburbane Raum jedoch immer weiträumiger und dichter, sodass die zunehmende ethnische und soziale Vielfalt auch zu einem entscheidenden Merkmal suburbaner Siedlungen wurde.
Im Laufe dieser Ausbildung wuchs jedoch der Anteil der großstädtischen Bevölkerung, die „mit dem Standard der öffentlichen Dienstleistungen und der von den Stadtverwaltungen bereitgestellten Infrastruktur unzufrieden“ 6 war, sodass die Siedlungsform der abgeschotteten Wohnsiedlung immer beliebter wurde. In dem Großteil der Bevölkerung ist das Wohnen in einer Gated Community mittlerweile sogar „zu einem erstrebenswerten Statussymbol und zur Verkörperung des US-amerikanischen Lebensstils geworden“ 7 . Hauptsächlich in den peripheren Regionen der Metropolitanräume der Ost- und Westküste sowie im Sunbelt (Südlicher Sonnengürtel) der USA entwickelten sich solche Gated Communities, deren „Zugang beschränkt und in denen der öffentliche Raum (Strassen, Grünflächen etc.)
4 Thieme, G. u Laux, H. 2005, S.40.
5 Thieme, G. u Laux, H. 2005, S.40.
6 Frantz, K. 2001, S.12.
7 Gmünder, Grillon, Bucher 2000, S.201.
privatisiert ist“ 8 . Die Idee dieser extremen Form von Segregation ist - wie schon in der Einleitung angedeutet - zwar keine neue, allerdings setzte diese Privatisierung des öffentlichen Raumes in seiner heutigen Form erst in den späten 1980er Jahren ein und wuchs bis heute lawinenartig weiter 9 . Bis zur Wende zum 21. Jahrhundert lag die Zahl der privat organisierten Siedlungen bereits über 225.000, wovon gut ein Zehntel als Gated Community bezeichnet werden konnte. Auch wenn es sowohl nationale als auch regionale Unterschiede unter den Gated Communities gibt, lassen sich einige Definitionskriterien formulieren, die einem besseren Verständnis entgegenkommen 10 :
Zugangsbeschränkung durch Mauern, Tore und Sicherheitspersonal (oft rund um die Uhr) Selbstverwaltung durch eine Hauseigentümervereinigung (HOA) Gemeinschaftseigentum (Grünanlagen, Sporteinrichtungen, Ver- und Entsorgung) Individuelles Eigentum (Nutzungsrecht einer Wohneinheit 11 ).
Die äußerliche Zugangsbeschränkung durch bewachte Toreinfahrten, Zäune, Mauern oder natürlichen Begrenzungen ist das zentrale Merkmal einer Gated Community. An ihnen wird auf Anhieb deutlich, dass sich das Leben der dort wohnenden Menschen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielt. Die Bewohner haben sich bewusst dazu entschlossen, in einer überaus homogenen Lebenswelt zu leben, die ähnliche Wohnvorstellungen, finanzielle Möglichkeiten, Interessen, Freizeitpräsenzen und Lebensstile haben. Außerdem gehören die meisten Menschen noch dem gleichen Lebensabschnitt an, wodurch die Idee der Segregation radikal umgesetzt wird.
Diese innere Homogenität entspricht aber auch der äußeren Einheitlichkeit, denn bei der Gestaltung der Wohnsiedlung ist häufig eine geringe Variation an verschiedenen Häusertypen auffällig, die maßgeblich aus einander ähnelnden Einfamilien- oder Reihenhäusern bestehen. In einer Gated Community stehen ausschließlich die Wohn- und Freizeitfunktionen in einem sicheren Umfeld im Mittelpunkt, nur in den wenigsten Ausnahmen werden teilweise auch andere Funktionen eingegliedert. Die freizeitorientierten Einrichtungen und Attraktionen wie z.B. Tennisplätze, Poolanlagen, Clubhäuser etc. gehören bei fast jeder Gated Community zur Normalausstattung und ihnen sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. In landschaftlichen Gunstlagen (wie bspw. an den Stränden nahe Florida) gelegen werden sie je nach Ausprägung durch viele weitere Annehmlichkeiten geschmückt, die großen Luxus ausdrücken.
8 Vgl. Blakely & Snyder 1997, S.2.
9 Vgl. Lichtenberger 1999, S.31.
10 Glasze 2007, S.884 f.
11 Rolfes & Uhlenwinkel 2008, S.45,
Arbeit zitieren:
Matthias Kaiser, 2009, Gated Communities in den USA, München, GRIN Verlag GmbH
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