

2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Einfluss der Thüringischen Geschichte auf die Ortsnamensgebung 5
2.1 Die Germanischen Stämme 6
2.2 Der Einfluss der Franken, Sachsen und Slawen in Thüringen 7
2.2.1 Explizite Nennungen der Besatzer in den Thüringer ON. 11
2.2.2 Implizite Hinweise auf die Besatzer in den Thüringer ON 13
2.2.3 Der slawische Einfluss auf die Thüringer ON 15
2.2.3.1 Die Slawische Ortsnamensbildung. 18
2.2.3.2 ON auf -wenden/ -winden und Windisch-/Wendisch- 19
3 Die Christianisierung Thüringens 20
3.1 Missionierung durch Kilian und Willibrord. 21
3.2 Missionierung durch Bonifatius 21
3.3 Der Einfluss der Christianisierung auf die Thüringer Ortsnamen. 23
3.4 Die Erschaffung von Thüringer Schreibzentren. 23
3.4.1 Die Fuldischen Cartulare. 24
3.4.2 Die Hersfeldischen Besitzstandsverzeichnisse. 25
3.4.3 Weitere Quellen. 25
4 Schlusswort 26
Anhang 28
Abbildungsnachweis 33
Literatur 35
1 Einleitung
Die Analyse der Ortsnamen ist ein weites Feld, auch wenn man ‚nur’ ein so kleines Territorium wie in dieser Arbeit Thüringen untersucht. Unmöglich ist eine Analyse von Ortsnamen, bleibt man nur im Bereich der Sprachwissenschaft. Man muss das Blickfeld erweitern und darf andere Wissenschaften wie Soziologie, Geographie, Geologie, Geschichte, Religion etc. nicht außen vor lassen. Ortsnamen können Huldigungen an Götter sein, die gute oder schlechte Beschaffenheit der lokalen Lage bezeichnen, die Hauptberufe einstiger Siedlungsgemeinschaften zum Ausdruck bringen. Letzteres ist meist verbunden mit der Umgebung des Ortes und den dort zu findenden Rohstoffen. Glashütten bedurften so viel Quarzsand und Holz in ihrer unmittelbaren Umgebung, um Pottasche und Holzkohle für das Schmelzen produzieren zu können, weswegen Hütten auf waldreichen Sandsteinvorkommen gegründet wurden. Neben den Hüttenbesitzern siedelten sich Köhler, Fuhrleute u. a. dort an. Die Hütte expandierte - eine Siedlung entstand. Nicht allzu selten wird dann im Ortsnamen eben gerade dieser glückliche Umstand gehuldigt, dass die Umgebung die Lebensweise und Arbeit der Bewohner unterstützt und fördert. Daher ist es nicht verwunderlich, heißt ein Ort Glashütte oder enthalten Ortsnamen Morpheme wie Sand oder Holz. Aber auch andere Geschichten können Ortsnamen erzählen. Die Produktion von Glas war vor einigen hundert Jahren relativ lukrativ, zumal Landwirtschaft in den dichtbewachsenen Wäldern der Thüringer Höhenlagen kaum möglich war. So wollte beispielsweise einst jemand eine Glashütte oberhalb von Stützerbach eröffnen. Es befanden sich jedoch schon zahlreiche Glashütten im Thüringer Wald und der Waldbestand ging in der Mitte des 19. Jahrhunderts stark zur Neige. Einerseits wegen des großen Pottaschebedarfs, andererseits wegen des
1 . Und so dachte man sich bezüglich des Holzbestandes, Holzbedarfs zur Eisenverschmelzung
dass noch eine Glashütte in dieser Gegend ‚all zu nah’ wäre. Seitdem heißt dieser Ort: Allzunah.
Des Weiteren spielen Ortsnamen auf den Reichtum oder die Zucht von Pflanzen oder Tieren
2 Auch beschrieb man einfach die Lage 3 , Beschaffenheit und Schönheit 4 des Ortes oder an.
1 Die Eisenverschmelzung war ebenfalls ein verbreitetes Handwerk in den Thüringer Wäldern. Davon zeugen
ebenfalls Ortsnamen, wie beispielsweise Schmiedefeld.
2 Vgl. Anhang, Abb. 1f.
Anmerkung: Die Abbildungen, auf die in der Einleitung verwiesen werden, sind ON-Karten, welche die
Verfasserin dieser Arbeit erstellte und die sich im Anhang der Arbeit befinden. Sie beziehen sich jeweils auf
bestimmte Morpheme. Sie sollen in der Einleitung nur zur Visualisierung für ihr Vorkommen und ihre
Verteilung in dem heutigen Thüringer Areal fungieren. Eine Analyse dieser entfällt des Umfangs der Arbeit
wegen hier. Die Herkunft, Bedeutung und Verwendung der Morpheme mitsamt ihrer jeweils typischen Spezifika
wird vom Leser vorausgesetzt.
3 Vgl. Anhang, Abb. 3f.
seiner Umgebung. Es finden sich zahlreiche Anspielungen auf ein Gewässer (wie
5 , eine Quelle 6 oder einen Wald oder/und dessen beispielsweise einen Fluss oder einen Bach)
7 in den ON wieder. Rodung
Jedoch sei an dieser Stelle gleich der Zeigefinger erhoben. Denn: so eklatant die Bedeutungen einiger ON auch teilweise erscheinen mögen, so sind sie es dennoch nicht immer. Es bedarf jeweils im Einzelnen eine individuelle Untersuchung. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Ortsname Langewiesen lässt vermuten, dass um diesen Ort lange Wiesen sind oder dort zumindest einmal waren (und schaut man sich die dortige Umgebung an, scheint diese Vermutung auch zu stimmen). Doch der Schein trügt. Dieser Namen ist nämlich slawischen Ursprungs. Es ist zurückzuführen auf Lenc-witz, eine Siedlung eines ähnlich heißenden
8 Dieses Beispiel zeigt, dass eine genaue Analyse der ON schwierig ist. sorbischen Häuptlings.
Viele Ortsnamen haben einen slawischen o. a. Ursprung. Der ursprüngliche Name wurde über die Jahrhunderte bis hin zur Unkenntlichkeit eingedeutscht oder zumindest verfremdet. Daraus folgt, dass es in dieser Arbeit nicht möglich ist, alles hundertprozentig richtig zu erfassen. Der Charakter dieser Arbeit wird daher eher deskriptiver Art sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der einstigen Besatzer des heutigen Thüringer Areals, wie die Franken, Sachsen, Slawen, hinsichtlich der Ortsnamen aufzuzeigen und zwar verbunden mit der These, dass es möglich ist, anhand der Ortsnamen-Bildungen die einstigen Besatzungszonen Thüringens zu rekonstruieren. Dies kann allerdings hier nur exemplarisch geschehen. Mittels Ortsnamen-Karten soll (wie bereits hier in den Fußnoten der Einleitung) besatzungstypische Morpheme visualisiert werden. Sie liefern beispielsweise eine Grundlage für einen Rückschluss auf die historischen Besetzungen des heutigen Thüringens. Am Ende der Arbeit wird auf einige Quellen eingegangen werden, die für eine vertiefende Beschäftigung mit Thüringer Ortsnamen zentral wären, die aber des Umfangs der Arbeit wegen hier leider nur angesprochen bleiben können.
4 Vgl. Anhang, Abb. 5.
5 Vgl. Anhang, Abb. 6f.
6 Vgl. Anhang, Abb. 8.
7 Vgl. Anhang, Abb. 9.
8 Vgl. Bleisch: Bilder aus Ilmenaus Vergangenheit, S. 10 in FN 2.
2 Einfluss der Thüringischen Geschichte auf die Ortsnamensgebung 9 Die folgende Grafik zeigt die Thüringischen Siedlungen, wie sie heute sind.
Abb. 1 Die heutige Verteilung von Siedlungen in Thüringen
Die bloße Lokalisierung dieser macht deutlich, wie wesentlich für eine Ansiedlung die geographisch-geologische und vegetative Beschaffenheit des Landes ist - selbst heutzutage. Man erkennt, dass der Rennsteig nur rar besiedelt ist; der Osten Thüringens, verglichen mit dem Westen, hingegen stark. Diese Feststellung erscheint zwar simpel, doch dieser Fakt ist
10 verstehen und rekonstruieren. wesentlich, will man die Entstehung der Ortsnamen
Das Thüringer Land war einst nahezu unbesiedelt. Eine Besiedlung von unbewohntem Land hatte immer eine Motivation. Diese wird oft im ON ausgedrückt. Auch wenn die Motivation nicht immer primär eine geographische, vegetative sein muss, so spielen diese Gegebenheiten mit hinein.
Im Weiteren werden die verschiedenen Besiedlungen des heutigen Thüringischen Areals besprochen. Es wird gezeigt, wie diese in den Ortsnamen zum Ausdruck kommen.
9 In dieser Arbeit wurde des Umfangs wegen auf die Miteinbeziehung von einstigen Siedlungen (wie
beispielsweise der Ort Leibnitz, der einer Talsperre weichen musste) verzichtet.
10 Im Folgenden: ON.
2.1 Die Germanischen Stämme
Die Thüringer gehörten, wie folgende Illustration verdeutlicht, zu keinem altgermanischen
11 ‚Urstamm’.
Abb. 2 Die Verteilung der germanischen Stämme zu Beginn der Zeitrechnung
Die Thüringer sind eher eine ‚Verschmelzung’ von verschiedenen Stämmen; entstanden zur Zeit der Völkerwanderungen bis ungefähr zum vierten Jahrhundert.
Nachdem die Goten im dritten Jahrhundert nach Holstein vordrangen, verdrängten sie dort die Sachsen, welche wiederum die Cherusker, Heruler u.a. zu den Hermunduren vordringen ließen. Letztere landeten im Gebiet des Thüringer Waldes. Wohl als Konsequenz der Bedrohungen durch andere Stämme kam es zu einem Verbund einiger Völker - nämlich zu den mächtigen Hermunduringern. Die heutige Bezeichnung Thüringer entwickelte sich
12 wahrscheinlich später aus diesen: Hermunduringer > Duringer > Düringer > Thüringer.
11 Henning: Kleine Geschichte Thüringens., S.11.
12 Vgl. u. a. Bleisch: Bilder aus Ilmenaus Vergangenheit. S. 3.
2.2 Der Einfluss der Franken, Sachsen und Slawen in Thüringen
In dem entstandenen Thüringer Reich kam es im sechsten Jahrhundert zu Schlachten und Einwanderungen.
In den Jahren 531 bis 534 wurde das Thüringer Reich durch die Franken erobert. Theuderich und Chlotar - Söhne des Frankenkönigs Chlodwig - griffen das Thüringer Reich an und schlugen es mit Hilfe der Sachsen im Jahre 531. Als es ihnen darauf im Jahre 534 gelang, den
13 Das Thüringerkönig Hermannfried zu töten, bedeutete dies das Ende des Thüringer Reiches. einstige Thüringer Areal wurde von den Franken besetzt, wobei die Sachsen für ihre Mithilfe
14 Die Thüringische Ethnie blieb nahezu nur im den Nordteil zugesprochen bekamen. Kernraum, der in das Frankenreich eingegliedert war.
13 Vgl. Henning: Kleine Geschichte Thüringens., S. 9f.
14 Vgl. Ebd., S. 17.
Arbeit zitieren:
Anne Skroblin, 2005, Der Einfluss der 'Besatzer' Thüringens auf die Thüringer Ortsnamen, München, GRIN Verlag GmbH
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