Symbolik des zerbrochenen Glases und des darin enthaltenen Weins beweisen lässt. Einerseits
auf die Großmutter bedeutet dies, dass aus der zerbrochenen Flasche der Lebenssaft austritt.
Andererseits steht hier symbolisch bei einem Abkommen vom rechten Weg Gefahr bzw. ein
schreckhaftes Erlebnis ins Haus.
Die zweite Handlungsphase stellt Rotkäppchens Weg durch den Wald, sowie ihr
Zusammentreffen mit dem Wolf, der sie vom rechten Weg abbringt dar.
Der tiefe Wald stellt hier einen Kontrast zum vergleichsweise geordneten Leben im Dorf dar,
daher lässt sich auch hier aufgrund der Tatsache, dass das Haus der Großmutter im Wald liegt
wiederum eine Verbindung zur Bedeutung Selbiger herstellen. Sie ist der Ursprung des Seins
der noch lebenden Mitglieder aus Rotkäppchens Familie, genau wie die Natur mit ihrer
Wildheit den Keim allen Lebens bildet.
Somit wird dem Leser eine weitere Bedeutung des Besuches bei der Großmutter deutlich,
nämlich der Teilhabe am dörflichen Leben, die ihr dieser ermöglicht.
Da das kleine Rotkäppchen mit dem Bösen noch nicht in Berührung gekommen war,
verspürte sie auch keinerlei Angst vor dem in Märchen für diese stehenden Wolf.
Auch wird hier ihre kindliche Naivität unterstrichen, da sie in diesem „Raubtier“ keinerlei
Bedrohung sieht und bereitwillig über ihre Ziele, die Großmutter zu besuchen plaudert.
(Z.27-33)
Dieses Verhalten lässt sich auf die Erziehung der Mutter, sowie der Großmutter zurück
führen, die Rotkäppchen verhätschelten und von allem Schlechten fern hielten. Dabei stellt
sich die Frage warum die Mutter nicht vor den Gefahren warnte, die hier vertreten durch den
Wolf, im Wald lauern?
Der Wolf steht im Märchen Rotkäppchen unschwer zu erkennen für das Böse. Jedoch nicht in
der simplen Form des Raubtiers, sondern vielmehr als Vertretung für die männliche Gier.
Ferner lässt sich auch somit die Kernaussage dieses Schreckmärchens hervor heben. Denn die
Person des Wolfes steht führ den Mann als Verführer im negativen Sinne. Er versucht das
arglose Rotkäppchen vom rechten Weg abzubringen indem er mit schönen Dingen lockt, in
diesem Falle Blumen.
Worauf Rotkäppchen, die sich durch ihre Naivität leicht beeinflussen lässt eingeht und somit
sehenden Auges auf die Katastrophe zusteuert. Man könnte sogar sagen, dass der listige Wolf
ihr durch seine Verführungskunst in gewisser Art die kindliche Unschuld nimmt.
Dieser Stelle lässt einen Querschnitt zur biblischen Geschichte „Die Vertreibung aus dem
Paradies“ zu, in der eine Schlange die Menschen verführte und ihnen somit auch die Unschuld
nahm. Indem sie also vom Weg abkam um Blumen zu pflücken, verschuf sie dem Wolf, also
dem Verführer die Möglichkeit die Großmutter zu verschlingen.
In der dritten Erzählphase wird beschrieben wie der Wolf sich zum Haus der Großmutter
macht, sich als Rotkäppchen ausgibt und die greise Frau schließlich verschlingt.
Das Verschlingen der Person am Stück bedeutet, dass eine Rettung im Bereich des Möglichen
liegt, anders als beim fressen, wie der Wolf es in Zeile (39-42) ankündigte. Somit ist dies ein
Hinweis auf den positiven Ausgang des Märchens.
So wechselt der Wolf je nach Situation seine Rolle und wiegt seine Opfer in Sicherheit hier
dadurch dargestellt, dass er sich als Rotkäppchen ausgibt, um dann in Welt seiner Opfer
hinein zu platzen, in diesem Fall in das Haus der Großmutter.
Um das Rotkäppchen also auch noch verspeisen zu können, kleidet sich der Wolf die
Großmutter, was bedeutet, dass er sich buchstäblich in das verwandelt, was das kleine
Mädchen am meisten liebt.
Die vierte Handlungsphase beinhaltet das Aufeinandertreffen des naiven Mädchens, dass sich
resultierend aus ihrem Abweichen vom rechten Weg mit den daraus entstandenen Folgen,
symbolisiert durch den Wolf, konfrontiert sieht. Und dies schließlich am eigenen Leib zu
spüren bekommt.
Wiederum spiegelt sich hier die Unerfahrenheit des Mädchens wieder, denn auch wenn sie
von einer gewissen Angst ergriffen scheint (Z.79-81), vermutet sie nicht Böses hinter der
bereits offen stehenden Tür des Hauses. Rotkäppchen scheint in ihrem Inneren noch in jenem
Paradies zu stecken, das der Wolf ihr abseits des Weges aufzeigte. Dies bietet somit die
Erklärung, warum sie die Verkleidung nicht sofort durchschaut.
Der folgende Dialog ist wie im Märchen üblich von Wiederholungen nach dem Schema,
„Großmutter warum hast du…und Großmutter warum hast du?“ geprägt. (Z.85-93)
Somit wird auch hier wiederum deutlich, dass Rotkäppchen ein zweites Mal das Opfer ihrer
eigenen Unerfahrenheit, die aus der fehlerhaften Erziehung resultiert, geworden ist.
Somit ist die Katastrophe nicht unbedingt ein unvorhersehbarer Schicksalsschlag, sondern viel
mehr die Konsequenz die menschliches Fehlverhalten nach sich zieht.
Allerdings wird auch Rotkäppchen „nur“ verschlungen und nicht gefressen, was ebenso wie
im Falle der Großmutter auf ein positives Ende hindeutet (Z.94-96).
Der fünfte und zugleich letzte Handlungsabschnitt beinhaltet die Befreiung der beiden Opfer,
durch den Jäger, sowie den finalen charakterlichen Entwicklungsschritt, in dem Rotkäppchen
das Geschehene reflektiert und daraus den Entschluss fasst „nie mehr vom rechten Weg
abzukommen“ (Z.125ff).
Der Jäger spielt in Rotkäppchen die klassische Rolle des Beschützers, der im letzten Moment
noch einmal alles zum Guten wendet. Dies begründet sich auf der jahrtausende langen
Tradition des Mannes als Jäger und Beschützer, insbesondere im Bezug auf Wölfe, was somit
eine engere Verbindung zum Märchen herstellt.
Die Handlung des Jägers, dem Wolf den Bauch mit einer Schere aufzuschneiden kommt dem
Kaiserschnitt bei der Geburt nahe. Dies bedeutet so gesehen die Wiedergeburt der
Verschlungenen. (Z.109ff.)
Nun wird auch die Bedeutung des Verschlingens klar, denn wären die beiden gefressen
worden, hätte keinerlei Möglichkeit mehr zu einem guten Ausgang der Geschichte bestanden.
Was dem Motiv eines solchen Schreckmärchens nicht gerecht geworden wäre, denn Ziel eines
solchen ist es die Gefahren die abseits des rechten Weges lauern einerseits aufzuzeigen, aber
andererseits auch darzustellen, dass es immer einen Ausweg gibt.
Aber auch die Steine, die in den Bauch des Wolfes gelegt werden beinhalten einen tieferen
Sinn, als nur den, dass sie den Grund für das zu Tode stürzen des Ungeheuers darstellen.
Steine sind das Symbol der Unfruchtbarkeit, was sich auch in der Phrase „Ein Herz aus Stein
haben“ niederschlägt. Somit wird der Wolf, also der männliche Verführer sinnbildlich
entmannt, um ihn somit für das Vorgefallene zu bestrafen.
Rotkäppchen geht charakterlich gefestigt aus der Geschichte hervor, da sie nun die guten und
bösen Seiten des Lebens erfahren hat.
Dies lässt sich auch daran fest machen, dass sie sich nun selbst schwört nie wieder den
rechten Weg zu verlassen (Z.125ff.)
Dies ist somit die Moral, sowie zugleich die Hauptaussagen des Märchens. „Komme nicht
vom rechten Weg ab“.
Was im Kontext bedeutet, dass sich Rotkäppchen nicht auf Fremde einlassen soll um sich
selbst zu schützen.
Schlussendlich liegt die ursprüngliche Aussageabsicht des Märchens darin vor Verführung
bzw. überspitzt formuliert vor Vergewaltigung, durch das triebgesteuerte Ungeheuer „Mann“
zu warnen. Weiterhin legt es dem Leser nahe, dass er soweit allerdings nicht kommen muss,
wenn man sich auf seinem Weg nicht beirren lässt.
Die Romantiker schätzen das Märchen aufgrund seiner bildhaften und indirekten Darstellung
der Tatsache, beispielsweise der Verkörperung des bösen Mannes durch den sprechenden
Wolf. Weiterhin unterstreicht das Motiv des Verschlingens sowie der daraus folgenden
Wiedergeburt und der damit verschwimmenden Grenzen der Realität den romantischen
Charakter des Märchens, denn die Realität steckt in den inneren Bildern des Romantikers.
Quellen:
Grimms Familien und Hausmärchen "Rotkäppchen"
Knaurs Lexikon der Symbole
Arbeit zitieren:
Kevin Wendling, 2009, Rotkäppchen - Analyse eines Schreckmärchens, München, GRIN Verlag GmbH
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