Julius-Maximilian-Universität Würzburg
Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik
Wintersemester 2002/03
Proseminar:
Einführung in die Theologie
„Der Mensch
und die Sünde“
Hausarbeit vorgelegt am 3. April 2003 von Siegmar Faust Magisterstudiengang Philosophie, NF Evangelische Theologie und Poli- tische Wissenschaft, 1. Semester
1
Inhaltsverzeichnis
Vorsätze 3
1. Der Mensch in der Schöpfung 3
2. Das etwas neuere Menschenbild 5
3. Der Sündenfall 7
4. Die Sünde 8
5. Aktuelle Überlegungen zu Sündenlehre in der neueren Theologie 8
6. Nachsätze 11
2
Vorsätze
"Mensch" und "Sünde" - beide Begriffe haben eine fundamentale Bedeutung sowohl in der Theologie als auch der Philosophie. In Immanuel Kants nach- gelassenem Handbuch der Logik wird die Frage "Was ist der Mensch?" als die Grundfrage der Philosophie bezeichnet. Aus diesem Blickwinkel dürfte jede Aussage dazu eine Aussage des Menschen über sich selber sein. Jede Philosophie ließe sich nach der Meinung des Philosophen Wilhelm Dilthey "in eine Anthropologie umschreiben". Aus theologischer Sicht kann auf kei- nem Fall der Mensch als "das Maß aller Dinge" gelten; er sollte stets in sei- ner Bezogenheit auf Gott betrachtet werden.
1. Der Mensch in der Schöpfung
Adam ist der ursprüngliche Gattungsname des Menschen oder der Mensch- heit. "Adamah" heißt auf Hebräisch: Erde, Ackerboden. In den biblischen Schöpfungsgeschichten lesen wir, dass Adam, der erste Mensch, als Eben- bild Gottes geschaffen wurde, und zwar am sechsten Tage mit allen die Erde bevölkernden Tieren. Über sie, auch über die "Fische des Meeres" und "Vö- gel des Himmels", dürfe er nicht nur herrschen, sondern sie sich sogar seinen Bedürfnissen unterwerfen. Diese Zentralstellung des Menschen soll nach Meinung von Kritikern der jüdisch-christlichen Tradition an der ökologi- schen Krise, in der wir uns heute befänden, Schuld sein. Doch Gott setzte
den Menschen in den Garten von Eden, „damit er ihn bebaue und hüte“. 1 Die Zerstörung der Umwelt muss daher dem sündigen Verhalten des Menschen zugerechnet werden.
Obwohl in den Berichten der Genesis keine rein geistigen Wesen, so ge- nannte Engel, ausdrücklich genannt werden, tauchen sie aber an vielen Stel- len des Alten wie des Neuen Testaments auf. Sie sollen und wollen als "Vermittler" zwischen Himmel und Erde oder gar zwischen Himmel und Hölle wirken, jedoch nicht nur im Auftrag Gottes, sondern manche auch als "gefallene Engel" im Auftrage des Teufels, der auffällig viele Namen be- sitzt: z. B. Beelzebub, Beliar, Dämonenfürst, Mephisto, Sammael, Satan oder Urian. Diese himmlische Heerschar beschäftigt nicht nur die Theolo- gen, sondern inspirierte besonders Künstler, Literaten und Kabarettisten.
Rochus Leonhardt unterschied in seinem Lehr- und Arbeitsbuch zur Einfüh- rung in die Dogmatik die "unsichtbare Schöpfung", also die Engel, von der
1 Gen 2,15
3
"sichtbaren Schöpfung" nach der in der Bibel festgelegten Hierarchie mit ih- rer dienenden Funktion gegenüber dem jeweils Höherentwickelten, angefan- gen beim Anorganischen über die Pflanzenwelt, die Tiere bis hin zum allen Kreaturen vorgeordneten Menschen; was jedoch Artgenossen dieser höchs- ten Gattung nicht daran hinderte, in verzweifelter Situation mit Gottfried Benn sarkastisch auszurufen: "Der Mensch, das Schwein, die Krone der Schöpfung!"
Aurelius Augustin (Augustinus), einer der wirkungsmächtigsten Theologie- Philosophen, interpretierte die Schöpfungsgeschichte auf folgende Weise, wo es heißt:
"’Da trennte Gott das Licht von der Finsternis’, (sehen) wir diese bei- den Engelscharen, die eine Gott genießend, die andere vor Arroganz strot-
zend." 2
"Der Mensch", so Leonhardt, "wird damit zum ‚Schlachtfeld’ im Kampf zwischen Gott und seinen Getreuen einerseits und den von Satan angeführ- ten bösen Engeln andererseits um die Herrschaft der Welt, ein Kampf, der
erst am jüngsten Tag endgültig entschieden sein wird." 3
Obwohl also schon vor Adam ein unsichtbares Wesen (Luzifer) Gott untreu wurde, ist jedoch nicht bekannt, ob deshalb unter der himmlischen Heer- schar Sippenhaft in Form der Erbsünde herrscht.
Die Einteilung der göttlichen Schöpfung in eine rein geistige und rein kör- perliche lässt den Menschen eine Stellung zwischen sichtbarer und unsicht- barer Schöpfung zukommen. Philosophisch entspricht das dem "animal rati- onale", also einem aus Leib und Seele zusammen gesetzten Wesen, was bei Platon dazu führte, den Körper als Gefängnis der Seele aufzufassen, die sich erst nach dem leiblichen Tod befreien könne. Im Neuen Testament hingegen wird der menschliche Leib mitunter als "Tempel des heiligen Geistes" ver-
ehrt. 4
Blaise Pascal, als Philosoph "eine Portalfigur am Eingang zur modernen
Welt" 5 , unterschied drei Zustände des Menschen, die durchaus der christli- chen Lehre entsprechen:
2 Augustinus: De civitale Dei XI 33, CChr SL 48, 352 f; Übersetzung: Rochus Leonhardt
3 Leonhardt, Rochus: Grundinformation Dogmatik. Ein Lehr- und Arbeitsbuch für das Studium der Theolo-
gie, Göttingen 2001, 173
4 1 Kor 6,19
5 Sloterdijk, Peter: Vorbemerkung zu: Pascal. Philosophie jetzt!, München 1997
4
Quote paper:
Siegmar Faust, 2003, Der Mensch und die Sünde, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Heutiges Sündenverständnis und neue Ansätze von Schuld in der Auseinan...
Theology - Systematic Theology
Termpaper, 15 Pages
Der Mensch als Gottes Ebenbild - Die Imago Dei bei Ebeling, Jüngel und...
Theology - Systematic Theology
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Europa zwischen Demokratie und Diktatur - Die politische Entwicklung...
History Europe - Other Countries - Newer History, European Unification
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Der Präfekt Pontius Pilatus und seine Rolle im Prozess gegen Jesus
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Hofmannswaldau, Christian Hofmann von - Die Welt
Presentation / Essay (Pre-University), 4 Pages
Die Erbsündenlehre: Grundlage und Entstehungsgeschichte
Theology - Systematic Theology
Scholary Paper (Seminar), 22 Pages
Psychische und physische Auswirkungen der Arbeitslosigkeit: Macht Arbe...
Termpaper, 34 Pages
Bestrafung von Sklaven in der Antike. Gab es eine Humanisierung in der...
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Seneca: "De Tranquillitate Animi" - Was ist das Problem des ...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
DER KALKULIERTE RUIN - Soziale und politische Hintergründe der deutsch...
History Europe - Germany - World War I, Weimar Republic
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 14 Pages
Einfluss von Jugendsekten auf Menschen im Jugendalter
Sociology - Children and Youth
Termpaper, 18 Pages
Siegmar Faust's text Der Mensch und die Sünde is now available as a printed book
Siegmar Faust has published the text Der Mensch und die Sünde
Siegmar Faust has uploaded a new text
O Mensch bewein dein Sünde groß · Aus Liebe will mein Heiland sterben ...
3 Klaviertranskriptionen von E...
Johann Sebastian Bach, Emile Naoumoff
0 comments