Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. V
Tabellenverzeichnis. VI
Abk ürzungsverzeichnis VII
1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit. 1
2 Das Verbundprojekt IT-FoodTrace 2
3 Formen der Befragung 4
3.1 Standardisierungsgrad. 4
3.1.1 Voll-standardisiert 4
3.1.2 Teil-standardisiert 5
3.1.3 Nicht-standardisiert 6
3.2 Kommunikationsform 6
3.2.1 Mündliche Befragung 6
3.2.2 Schriftliche Befragung. 9
3.2.3 Telefonische Befragung 10
3.2.4 Online-Befragung. 12
3.3 Delphi-Befragung als spezielle Form der Befragung 13
3.3.1 Anwendungszwecke und Einsatzgebiete. 13
3.3.2 Typen von Delphi-Befragungen 14
3.3.3 Das klassische Delphi-Design 17
4 Gütekriterien der Befragung 19
4.1 Objektivität 20
4.2 Reliabilität 21
4.3 Validität 22
5 Formale Kriterien zur Fragebogenmodellierung 25
5.1 Begriff und Zielsetzungen eines Fragebogens 25
5.2 Fragenformulierung 26
5.2.1 Fragenformen 28
5.2.1.1 Offene Fragen 29
5.2.1.2 Geschlossene Fragen 30
5.2.1.3 Halboffene Fragen (Hybridfragen) 32
5.2.1.4 Direkte Fragen/indirekte Fragen. 33
5.3 Antwortvorgaben und Skalen. 33
5.3.1 Skalenniveaus. 34
5.3.1.1 Nominalskalen. 34
II
5.3.1.2 Ordinalskalen 35
5.3.1.3 Intervallskalen 35
5.3.1.4 Ratioskalen 36
5.3.2 Skalierungen zur Einstellungsmessung 36
5.3.2.1 Rating-Skala. 37
5.3.2.2 Likert-Skala 39
5.3.3 Antworttendenzen 42
5.4 Aufbau des Fragebogens 43
5.4.1 Fragensukzession. 43
5.4.2 Funktionsfragen 43
5.4.2.1 Einleitungs-/Eisbrecherfragen 44
5.4.2.2 Übergangs-/Überleitungsfragen 44
5.4.2.3 Filter- und Trichterfragen. 44
5.4.2.4 Kontrollfragen 45
5.4.2.5 Schlussfragen 45
5.5 Layout 46
5.5.1 Einleitungstext. 47
5.5.2 Schlussformel 47
5.6 Pretest 47
5.6.1 Aufgaben. 48
5.6.2 Verfahren 49
5.6.2.1 Pretestverfahren im Feld 49
5.6.2.2 Kognitive Verfahren. 52
5.6.2.3 Andere Verfahren 54
5.7 Rücklauf. 55
6 Gestaltungsmöglichkeiten des Delphi-Fragebogens 56
6.1 Einsatz geschlossener Fragen 57
6.1.1 Fragetypen. 57
6.1.1.1 Kompetenzfrage bzw. Selbsteinschätzung der Experten. 57
6.1.1.2 Zeitintervalle/Zeitraum der Verwirklichung 59
6.1.1.3 Bewertung von Szenarien 60
6.1.1.4 Numerische Schätzfragen 62
6.1.1.5 Weitere mögliche Fragetypen 62
6.1.2 Bündelung von Fragetypen. 63
6.2 Einsatz offener Fragen 65
6.2.1 Offene Fragen in der quantitativen Befragungsrunde. 65
6.2.2 Offene Fragen in der qualitativen Befragungsrunde 66
III
6.3 Gestaltung des Feedbacks 67
6.3.1 Feedback bei Zeitpunkten bzw. -intervallen. 67
6.3.2 Feedback bei der Bewertung von Sachverhalten 70
6.4 Gestaltung des Layouts 71
7 Zusammenfassung und Fazit 72
Literaturverzeichnis V
Anhang XIII
Anhang A. XIII
Anhang B. XV
Anhang C. XVI
Anhang D. XVII
Anhang E. XVIII
Anhang F XIX
Anhang G XX
Anhang H. XXI
Anhang I XXII
Anhang J XXIII
Anhang K. XXIV
Anhang L XXV
Anhang M XXVI
Anhang N. XXVII
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ablaufschema Delphi-Befragung.
Abbildung 2: Überblick der gebräuchlichsten Skalierungsverfahren
Abbildung 3: Beispiel für eine Likert-Skala
Abbildung 4: Ausschnitt aus dem Fragebogen.
Abbildung 5: Auszug aus dem Delphi 98-Fragebogen
Abbildung 6: Graphische Darstellung des Feedbacks als „Dach“
Abbildung 7: Beispiel eines Boxplots
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Formen der Befragung 4
Tabelle 2: Delphi-Typen 17
Tabelle 3: Überblick verschiedener Pretestverfahren. 49
VI
Abkürzungsverzeichnis
Aufl. = Auflage
B2B = Business-to-Business Bsp. = Beispiel bspw. = beispielsweise bzw. = Beziehungsweise d.h. = das heisst etc. = et cetera Hrsg. = Herausgeber IKT = Informations- und Kommunikationstechnologie IT = Informationstechnik KMU = Kleine und mittlere Unternehmen min. = mindestens o.ä. = oder ähnliches o.S. = ohne Seitenangabe sog. = so genannte TK = Telekommunikation u.a. = unter anderem usw. = und so weiter vgl. = vergleich z.B. = zum Beispiel
ZUMA = Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen
VII
1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
Die vorliegende Diplomarbeit wurde im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Lehrstuhls für Umweltmanagement der Universität Hohenheim erstellt. Dieses For-schungsvorhaben ist ein Teilprojekt des Verbundprojekts IT-FoodTrace, das in Kapitel 2 näher vorgestellt wird.
Das Forschungsvorhaben beinhaltet dabei folgende Fragestellungen als Kernpunkte: 1 N Welche Effekte entstehen für die einzelnen Anspruchsgruppen entlang der Wertschöpfungskette?
N Wie können diese Effekte strukturiert bzw. kategorisiert werden? N Wie können die positiven Effekte weiter genutzt werden? N Wie können negative Effekte verhindert bzw. abgemildert werden? Aus diesen Fragestellungen ergibt sich als Ziel eine das IT-FoodTrace-Projekt begleitende Folgenabschätzung bezogen auf eine „nachhaltige Entwicklung“ der Wertschöpfungskette von Erzeugnissen tierischer Herkunft.
Diese Folgenabschätzung soll mit Hilfe einer Delphi-Befragung untersucht werden, indem Experten entlang der Wertschöpfungskette anhand eines Fragebogens bspw. die sich ergebenden, möglichen positiven als auch negativen Folgen der IT-FoodTrace-Technologie bewerten bzw. abschätzen sollen. Zur Durchführung der Delphi-Befragung soll dementsprechend ein Fragebogen modelliert werden, der dann den Experten vorgelegt wird. Zielsetzung dieser Diplomarbeit ist somit die Unterstützung bei der Fragebogenmodellierung im Teilprojekt. Es sollen in diesem Zusammenhang die theoretischen Grundlagen der Fragebogenmodellierung geschaffen werden, die als eine Art „Anleitung“ fungieren und bei der Modellierung des Delphi-Fragebogens helfen.
Dazu wurde folgende Vorgehensweise gewählt: Im ersten Schritt (Kapitel 3) werden zuerst verschiedene Formen der Befragung vorgestellt und die Delphi-Befragung als Spezialform der Befragung eingeordnet. Ferner werden Einsatzgebiete und Anwendungszwecke, Design und verschiedene Typen von Delphi-Befragungen beschrieben. Kapitel 4 bezieht sich auf Gütekriterien von Befragungen, die nötig sind um die Glaubwürdigkeit einer Befragung zu belegen. Den Hauptteil der Arbeit bilden Kapitel 5 und Kapitel 6. In Kapitel 5 werden allgemeingültige Kriterien zu Fragebogenmodellierung abgeleitet, die auch bei der Modellierung eines Delphi-Fragebogens herangezogen werden sollten. Es wird dort auf die Formulierung von Fragen und Antwortvorgaben eingegangen, auf den grundsätzlichen Aufbau eines Fragebogens und dessen Layout.
1 Vgl. hierzu und im Folgenden: Klotz (2008), o.S.
1
Weiterhin werden Pretest-Verfahren vorgestellt, die den Fragebogen auf seine Tauglichkeit überprüfen und Maßnahmen genannt die die Rücklaufquoten der Befragung erhöhen. Kapitel 5 ist somit das Kernstück dieser Arbeit, denn die dort hergeleiteten Kriterien können auch im Rahmen anderer Befragungen als Anleitung zur Fragebogenmodellierung herangezogen werden. Kapitel 6 setzt sich mit Gestaltungsmöglichkeiten des Delphi-Fragebogens auseinander und veranschaulicht diese anhand von Beispielen aus bereits durchgeführten Delphi-Befragungen. Das letzte Kapitel fasst dann die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und schließt mit einem Fazit ab.
2 Das Verbundprojekt IT-FoodTrace
Das IT-FoodTrace-Projekt 2 ist ein Verbundprojekt der Universität Hohenheim, der Ge-org-August Universität Göttingen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Technisch unterstützt wird es von IBM Deutschland GmbH und der Comundus GmbH. Die fachliche Unterstützung stammt vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft sowie von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das Gesamtprojekt wird gefördert aus den Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Das von dem Forschungsverbund IT-FoodTrace verfolgte Ziel ist die erstmalige Konzeption eines nachhaltigen, strukturbruch- und barrierefreien IT-Gesamtsystems. Den Hintergrund dieses Projekts bildet die IT-gestützte Dokumentation der Wertschöpfungskette (im Weiteren mit WSK bezeichnet) auf Grund der Lebensmittelrechtlichen Bestimmungen der EU. Dadurch soll eine Nachverfolgung der Primärproduktion bei den KMU und Kleinproduzenten als auch bei der Vermarktung von Landwirtschaftlichen Gütern durch Großkonzerne ermöglicht werden. Momentan bestehen noch Probleme bei der aktuellen Rückverfolgung, v.a. an den Schnittstellen der WSK, so z.B. zwischen Zulieferer und Landwirt oder aber zwischen dem Restaurantbetreiber und dem Konsumenten, da hier nicht alle Faktoren der WSK abgedeckt werden. Um dies jedoch sicherstellen zu können, wird an einer IT-gestützten Datenbank gearbeitet, welche eine redundanzfreie Dateneingabe, offene Standards und Schnittstellenlösungen ermöglicht, mit dessen Unterstützung eine Vereinheitlichung von Datenformaten, samt deren Schutz, gewährleistet wird. Ziel dieser Datenbank wird sein, alle Informationen der beteiligten Akteure innerhalb der WSK zu bündeln, sie zu analysieren und darin zu integrieren. So durch sollen gleichzeitig neue Qualitätsstandards festgelegt und beste-
2 Vgl.hierzu und im Folgendem: IT-FoodTrace (2008)
2
hende Abläufe optimiert und standardisiert werden. Letztendlich verbessert die Datenbank die Effizienz innerhalb der WSK und erbringt eine höhere Qualitätssicherheit. Von den Ergebnissen einer solchen Datenbank profitieren vorerst die an der Lieferkette beteiligten Parteien. Jedoch erhält man diese schneller, da transparente Systemstrukturen eingeführt wurden, welche auf Basis des Agro Technical Solution Modell (ATSM) basieren. Dieses ist innerhalb der Lieferkette in vielerlei Hinsicht anwendbar und hat sich bereits im Einsatz bewiesen. Es wird zusammen mit bereits bestehenden Systemen dazu führen, dass die Qualität und die Nutzung der Daten nachhaltig verbessert wird.
Die Resultate des gesamten Forschungsprojekts lassen sich auf der Grundlage der somit erarbeitenden Standards auf andere Lebensmittelketten ausweiten. Am meisten profitiert davon die Qualitätssicherung, welche durch die Generierung wissenschaftlicher Kennzahlen die Grundlage für einen allgemeingültigen Qualitätsstandard liefert. Außerdem kann der bürokratische Arbeitsaufwand durch das standardisierte Datenmanagement in den verschiedenen Prozessketten, über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus, minimiert werden.
Letztendlich liefert das IT-FoodTrace-Projekt eine lückelose Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette von Fleischwaren. Nichts desto trotz benötigt es eine Gesetzgebung, welche die Rahmenbedingungen festlegt und aufeinander abstimmt. Die Qualitätsverbesserung erfolgt hauptsächlich auf Grundlage des ATSM Models, welches alle an der Lieferkette beteiligten Parteien über eine offene Plattform integriert. Ziel dieser ist die Zusammenfassung aller Meldepflichtigen Daten, sodass die Auftraggeber einen genaueren Überblick über die notwendigen Rahmenbedingungen haben. Gleichzeitig wird es den Entscheidungsträgern ermöglicht auf Grund der Aktualität der Daten besser auf Eventualitäten einzugehen.
Insgesamt werden während des ganzen Projekts Messgrößen zur Qualitätsbewertung durch den Verbraucher mit einfließen. Diese subjektiven Daten stellen eine wichtige Größe für die gesamte Lieferkette dar, denn die lückenlose Rückverfolgbarkeit (über ATSM) ermöglicht dem Verbraucher sich jederzeit über den Produktionsprozess zu informieren. Dadurch gewinnt dieser den subjektiven Eindruck, dass er diesen kontrollieren und am Prozess der Qualitätssicherung aktiv teilnehmen kann. Wenn sich diese Rückverfolgbarkeit, ohne Medienbrüche, durchsetzt, wird es ermöglicht betriebsübergreifend eine Qualitätssicherung zu betreiben. Dadurch wird eine komplexe standardisierte Dateneingabe ermöglicht, welche eine kontinuierliche Weiterentwicklung gewährleisten kann.
Dieses Model kann dann dementsprechend auch auf andere Lebensmittel-Wertschöpfungsketten übertragen werden, da es offen ausgelegt ist.
3
3 Formen der Befragung
Die Befragung stellt die weitaus am häufigsten angewandte Methode sozialwissenschaftlicher Datenerhebung dar. 3 Bei der Ermittlung von Wissen, Fakten, Meinungen, Einstellungen und Bewertungen gilt die Befragung als das Standardinstrument empirischer Sozialforschung. 4 Neben dem Einsatz in der empirischen Sozialforschung ist die Befragung in der Betriebswirtschaft vor allem in der Marktforschung die am weitesten verbreitete und wichtigste Informationsgewinnungsmethode zur Analyse von bspw. Konsumentenpräferenzen. 5
Tabelle 1: Formen der Befragung
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kromrey, H. (2006), S. 388.
3.1 Standardisierungsgrad
Man unterscheidet Befragungen üblicherweise nach dem Grad ihrer Standardisierung in voll-standardisierte, teil-standardisierte und nicht-standardisierte Befragungen. 6
3.1.1 Voll-standardisiert
Der voll-standardisierten Befragung liegt ein strikt einzuhaltender Fragebogen vor. In diesem sind die Anzahl und Formulierung der Fragen, ihre Reihenfolge sowie die Ant-wortmöglichkeiten vollständig vorgegeben. Mit der Standardisierung wird das Ziel ver-
3 Vgl.Kromrey (2006), S. 358.
4 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 321.
5 Vgl. Meffert (2000), S. 155.
6 Vgl. Kromrey (2006), S. 389.
4
folgt, von allen befragten Personen, miteinander vergleichbare Antworten auf ein und dieselbe Frage zu erhalten. Die Antwortvorgaben dienen dazu den Sinn der Frage verständlicher zu machen und helfen dabei die Auswertung der Antworten schneller und vollständiger zu erfassen. 7 Ein Beispiel für eine solche Frage ist: „Wie viele Stunden am Tag nutzen sie das Internet?“
(Zutreffendes bitte ankreuzen) [ Eine Stunde am Tag [ Eine bis zwei Stunden [ Länger [ K ü r z e r
Ohne Antwortvorgaben, hätte man wahllose, miteinander nicht vergleichbare Antworten, wie „gar nicht“, „ich habe kein Internetzgang“, „kommt drauf an…“, usw. erhalten. Hier liegt der Vorteil standardisierter Befragungen; neben der Vollständigkeit und Vergleichbarkeit der Antworten, sind die Ergebnisse auch leichter zu quantifizieren. Da keine Fragen hinzugefügt werden können und die Formulierung der Fragen nicht verändert werden kann, weisen die standardisierten Befragungen eine hohe Zuverlässigkeit (Reliabilität, vgl. Kapitel 4.2) auf. Einschränkungen ergeben sich bei der Gültigkeit (Validität, vgl. Kapitel 4.3) der Fragestellung und der Antwortvorgaben, wenn diese nicht die wahre Situation der Befragten erfasst. Durch die Vorformulierung der Fragen und Antwortmöglichkeiten wird der Informationsgehalt beschnitten und es werden teilweise künstliche Antworten generiert. Standardisierte Befragungen eignen sich deswegen eher zur Erfassung bekannter Themengebiete. Durch klare Formulierung der Fragen und leicht unterscheidbarer Antwortmöglichkeiten können diese am einfachsten abgedeckt werden. 8
3.1.2 Teil-standardisiert
Teil-standardisierten Befragungen liegt kein strikt vorformulierter Fragebogen zugrunde, sondern ein grob strukturiertes Fragenschema. Es wird hauptsächlich mit offenen Fragen (vgl. Kapitel 5.2.1.1) gearbeitet. Dem Interviewer wird die Möglichkeit eingeräumt Befragungssituationen mitzustrukturieren. Zu vorgegebenen Stichworten oder Themen können die Befragten ohne Vorgabe von Antworten oder präzisen Einzelfragen Stellung nehmen. Diese Form der Befragung erlaubt somit, Sachverhalte intensiver zu erfassen, und zu bestimmten Themen genauer nachzufragen. Der Befragte ist in
7 Vgl. Böhler (2004), S. 86.
8 Vgl. Böhler,(2004), S. 86f.
5
seinen Antwortmöglichkeiten nicht beschränkt und kann so dazu beitragen verschiedenste Aspekte des Untersuchungsgegenstandes zu beleuchten. 9
3.1.3 Nicht-standardisiert
Nicht-standardisierten Befragungen liegt auch kein Fragebogen zugrunde sondern höchstens ein Stichwortkatalog. Die erhaltenen Aussagen der Befragung sind unterschiedlich und nicht untereinander vergleichbar. Nicht-standardisierte Befragungen werden in qualitativen Forschungsvorhaben mit relativ unbekanntem Untersuchungs-gegenstand eingesetzt. Mit dieser Form der Befragung erreicht man eine Stoffsammlung von Informationen und Meinungen zu einem bestimmten Themenbereich oder Forschungsziel, die den eigenen Kenntnisstand erweitern können. 10
3.2 Kommunikationsform
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Kommunikationsform. Hier wird zwischen mündlichen Befragungen, schriftlichen Befragungen, telefonischen Befragungen und internetgestützten Befragungen (Onlinebefragungen) differenziert. 11
3.2.1 Mündliche Befragung
Die wohl wichtigste mündliche Befragungsart stellt das Interview dar. 12 Dabei ist eine Unterscheidung in wenig bzw. nicht-standardisiertes, teil-standardisiertes und voll-standardisiertes Interview sinnvoll, denn jedes Gespräch stellt eine soziale Situation dar und ist in irgendeiner Weise strukturiert. 13
Die persönliche Befragung wird auch Face-to-Face-Interview genannt, in dem sich Interviewer und Befragter gegenüberstehen. Bei mehreren Anwesenden, Befragten spricht man von einem Gruppeninterview. Die Fragen werden vom Interviewer selber vorgetragen und er notiert die Antworten des Befragten. Dabei kommt die soziale Situation des Interviews am stärksten zu tragen 14 . Der Interviewer soll Thema und Befragten neutral gegenüber stehen, einen seriösen Eindruck vermitteln und angemessen gekleidet sein. 15
Zu den mündlichen Befragungsformen zählen weiterhin nach Kromrey: das Telefoninterview (siehe Kapitel 3.2.3), das Leitfadengespräch, das Intensivinterview, das Exper-
9 Vgl.Kromrey (2006), S. 389.
10 Vgl. Brosius/Koschel (2001), S. 128.
11 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 321.
12 Vgl. Stier (1999), S. 184.
13 Vgl. Atteslander (2003), S. 146.
14 Vgl. Möhring,/Schlütz (2003), S. 129.
15 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 324.
6
teninterview, die Gruppendiskussion und das Narrative Interview. 16 Diese sollen hier kurz vorgestellt werden.
Leitfadengespräche, auch als Leitfadeninterview/Tiefeninterview bezeichnet, haben zum Ziel genauere Informationen vom Befragten, mit besonderer Berücksichtigung seiner Perspektive, Sprache und Bedürfnisse, zu erlangen. Dabei liegt ein Augenmerk auf der Erweiterung des Antwortspielraums durch den Befragten und einer angemessenen Befragung, die auf die spezifischen Probleme und Bedürfnisse des Befragten eingeht. Durch das Vorliegen eines nur grob strukturierten Interviewleitfadens, kann der Interviewer stärker auf den Befragten eingehen. Dadurch erhöht sich der Spielraum des Interviewers, die Fragen zu formulieren, ihre Anordnung zu variieren und Nachfragen zu stellen. 17
Experteninterviews richten sich an Menschen die über den zugrunde liegenden For-schungsgegenstand besondere oder umfassende Erfahrungen und Kenntnisse besitzen. Da es im Vornhinein nicht feststellbar ist wer als Experte für das Untersuchungsziel gelten kann, sind in der Regel teil-strukturierte Befragungen die Voraussetzung zur Identifizierung von Experten. 18
Narrative Interviews wählen als Interviewtechnik die Erzählform zur Gewinnung von erfahrungsnahen, subjektiven Aussagen über biographische Abläufe und Ereignisse. Die Anwendungen können sich bspw. auf biographische Ereignisketten wie Ausbildungs- und Berufsverläufe oder besondere Ereignisse im Lebenslauf beziehen. Die Interviewervorgaben sind dabei noch weniger strukturiert als beispielsweise beim Leitfadeninterview. Es wird vom Interviewer nur einleitend eine Themenstellung vorgegeben und der Befragte wird in nichtdirektiver Weise zu Erzählung aufgefordert. 19 Das Narrative Interview lässt sich in drei Phasen gliedern: 1. Stimulierung durch den Interviewer zu einer Erzählung über einen bestimmten Gegenstand.
2. Die Erzählung des Befragten bildet die Hauptphase. Der Interviewer soll den Erzählfluss unterstützen und wenn möglich nicht fragend Eingreifen.
16 Vgl. Kromrey (2006), S. 388.
17 Vgl. Friedrichs (1990), S. 224.
18 Vgl. Atteslander (2003), S. 155.
19 Vgl. Diekmann (2007), S. 540f.
7
3. Erst in der Nachfragephase kann sich der Interviewer darum bemühen, noch offene Punkte zu klären, und eventuell zu weiteren Erzählsträngen animieren. 20
Gruppendiskussionen sind dadurch gekennzeichnet, dass eine vom Forscher zusammengestellte Gruppe von Personen gebeten wird über ein festgelegtes Thema zu diskutieren. Die Gruppe wird dabei von einem der Gruppe nicht angehörigen Diskussionsleiter betreut. Der Diskussionsleiter nimmt dabei nur Wortmeldungen entgegen und sollte sich eigener inhaltlicher Stellungnahmen enthalten. Die Diskussion sollte in der ersten Hälfte sehr locker gelenkt werden, denn hier bilden sich die Grundzüge der Gruppenmeinung. Der Diskussionsleiter kann auf Gegenargumente hinweisen, die Initiative bleibt zunächst der Gruppe überlassen. Es wird bei Gruppendiskussionen nicht nur die Verteilung der individuellen Meinungen untersucht, sondern auch die Effekte von Gruppenprozessen die auf die individuelle Meinungsbildung wirken. 21
Als wesentliche methodische Probleme der mündlichen Befragung werden von Schnell/Hill/Esser Antwortverzerrungen im Interview genannt. Zu ihnen werden u.a. gezählt:
N Eine explizite Verweigerung einer Antwort. N Abgabe einer „Weiss-nicht“-Antwort.
N Abgabe einer inhaltlichen Antwort, obwohl keine Meinung abgefragt worden ist. N Abgabe sozial erwünschter Antworten. N Reaktionen auf Merkmale des Interviewers. N Reaktionen auf formale Aspekte von Fragen. N Reaktionen auf die Abfolge von Fragen. N Reaktionen auf die Anwesenheit Dritter beim Interview. N Reaktionen auf den Auftraggeber der Studie. N Zustimmung zu Fragen unabhängig vom Inhalt der Fragen.
Die meisten der genannten Effekte lassen sich jeweils als Spezialfall der beiden wichtigsten Formen der Antwortverzerrung auffassen, der Zustimmungstendenz einerseits und der sozialen Erwünschtheit andererseits. 22 Zustimmungstendenz bezeichnet dabei die Zustimmung zu einer Frage ohne Bezug zum Inhalt der Frage, soziale Erwünschtheit äußert sich darin, dass z.B. Fragen zum Konsum von Suchtmitteln oder extremen politischen Ansichten unwahr beantwortet werden, weil der Befragte ein Bedürfnis nach
20 Vgl. Mayring (2002), S. 74f.
21 Vgl. Friedrichs (1990), S. 246ff.
22 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 353ff.
8
sozialer Anerkennung haben könnte bzw. seine wirkliche Meinung nicht darlegen möchte. 23
Zusammenfassend wurden von Möhring/Schlütz Vor- und Nachteile der persönlichen mündlichen Befragung zusammengestellt. Dabei zählen zu den Vorteilen: N Die Länge der Interviews kann variiert werden. N Es können offene und komplexe Fragen gestellt werden. N Fragen können visuell unterstützt werden. N Vergleichsweise geringe Verweigerungsraten. N Optimale Motivation durch den Interviewer. Als Nachteile der persönlichen mündlichen Befragung sehen sie: N Die hohen Kosten der Erhebung N Den hohen zeitlichen Aufwand.
N Geringe Kontrollmöglichkeiten, d.h. eine hohe Fälschungsanfälligkeit in Auswahlverfahren und der Führung des Interviews. N Eine eingeschränkte geografische Streuung.
N Starker Einfluss durch den Interviewer, bedingt durch seine Soziodemografie (Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Bildung) und sein Auftreten und Verhalten. 24
3.2.2 Schriftliche Befragung
Bei der schriftlichen Befragung wird dem Befragten ein Fragebogen vorgelegt, der von ihm selbständig ausgefüllt werden soll. Der fehlende Interviewer hat eine zweifache Wirkung auf die Befragung. Die Befragungssituation wird von ihm nicht beeinflusst jedoch kann der Interviewer andererseits den Befragten weder zur Mitarbeit beim Ausfüllen des Fragebogens motivieren, noch kann er durch Erläuterungen unklaren Sachverhalts helfen. 25
Die Fragebögen können bei der schriftlichen Befragung einerseits postalisch oder durch einen Boten zugestellt werden. Aufgabe des Befragten ist die Ausfüllung des Fragebogens und anschließende Rücksendung an die Forschungsgruppe bzw. das Institut. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, dass der Fragebogen durch den Interviewer persönlich überbracht wird. Der Interviewer erläutert den Zweck der Befragung und lässt den Fragebogen zum Ausfüllen beim Befragten. Später wird der Fragebogen vom Interviewer abgeholt, auf Vollständigkeit überprüft und eventuell ergänzt. Vorteil
23 Vgl. Stier (1999), S. 186.
24 Vgl. Möhring,/Schlütz (2003), S. 130ff.
25 Vgl. Friedrichs (1990), S. 236.
9
dieser Vorgehensweise gegenüber der reinen postalischen Befragung ist die im Allgemeinen geringere Ausfallquote. 26
Schriftliche Befragungen eignen sich besonders für die Befragung homogener Gruppen wie z.B. Schulkassen, Betriebsmitarbeiter, bestimmte Zielgruppen, Experten, etc. Die Befragung erfordert eine hohe Strukturiertheit bzw. Standardisierung der Befragungsinhalte, denn sie verzichtet auf steuerliche Eingriffe eines Interviewers. 27 Friedrichs nennt in diesem Zusammenhang folgende Vor- und Nachteile der schriftlichen Befragung: Zu den Vorteilen zählen:
N Die geringen Kosten, da kein Interviewer anwesend sein muss. N Den geringen Zeitaufwand.
N Die Möglichkeit auch weit geographisch verstreute Personen zu befragen. N Kein störender Interviewereinfluss auf die Befragungssituation. N Die Fragen können besser durchdacht werden, weil der fehlende Zeitdruck eine stärkere Konzentration auf das Thema der Befragung ermöglicht Als Nachteile werden von ihm genannt: N Niedrige Rücklaufquoten.
N Die Erhebungssituation kann nicht kontrolliert werden, z.B. kann nicht nachgeprüft werden wer den Fragebogen ausgefüllt hat.
N Die Ausfälle können nicht klassifiziert werden, z.B. Ausfälle aufgrund von Nicht-Zurücksendung oder Fehler bei der postalischen Zustellung. N Keine Erläuterung von Fragen durch den Interviewer. 28
3.2.3 Telefonische Befragung
Die Telefonbefragung wurde bis vor wenigen Jahren noch als schnelle, billige aber qualitativ minderwertige Befragungsmethode abgewertet. Diese Einstellung gegenüber den Telefonbefragungen hat sich inzwischen geändert. Die telefonische Befragung ist inzwischen bei der Markt- und Meinungsforschung die hauptsächliche Methode der Datenbeschaffung. 29 Diese Entwicklung liegt darin begründet, dass sich Erhebungen auf diesem Wege wesentlich schneller und günstiger durchführen lassen als mit einer mündlichen oder schriftlichen Befragung. Auch die hohe Telefondichte in den meisten Industrieländern und die in den letzen Jahren gesunkene Akzeptanz von Interview und
26 Vgl. Kromrey (2006), S. 389.
27 Vgl. Bortz,/Döring (2006), S. 252.
28 Vgl. Friedrichs (1990), S. 237.
29 Vgl. Diekman (2007), S. 502.
10
postalischen Befragungen tragen dazu bei. 30 Telefonumfragen sind dabei ein geeignetes Instrument zur schnellen Erhebung von Trends in der Bevölkerungsmeinung. 31 Interviewereffekte, wie das Erscheinungsbild und Auftreten, spielen im Gegensatz zur mündlichen Befragung keine Rolle, jedoch kann die Befragungssituation wie auch bei der schriftlichen Befragung nicht kontrolliert werden. 32 Die Verweigerungsrate der Befragung ist niedriger als bei persönlichen Interviews und falls der zu Befragende zum Zeitpunkt des Anrufs aus Zeitgründen kein Interview geben kann, lässt sich ohne Auf-wand ein neuer Termin vereinbaren. 33
Als nachteilig kann sich die Tatsache auswirken, dass die situativen Merkmale des Telefoninterviews, d.h. die Begleitumstände nicht kontrolliert werden können. Der Interviewer hat keinen Einfluss darauf, ob der Befragte völlig auf das Interview konzentriert ist, er während des Interviews alleine ist oder ob bspw. andere mithören und ihn beeinflussen. 34
Die Durchführung von Telefoninterviews wird heutzutage fast ausschließlich mit dem Computer-Assisted-Telephone-Interviewing bzw. (CATI)-System durchgeführt. Mit dieser Technik verringert sich der Erhebungs- und Auswertungsaufwand erheblich. Der Interviewer arbeitet bei diesem System interaktiv am Bildschirm. Ein Programm steuert im Idealfall die eigentliche Durchführung des Interviews und übernimmt alle Verwaltungsaufgaben. 35
Dabei werden von entsprechenden Geräten (Auto-Dialer) folgende Funktionen übernommen:
N Steuerung des gesamten Ablaufs des Interviews. N Anzeigen von Fehlern und sofortige Rückfragen. N Übernahme der kompletten Filterführung. N Ausweis von Zwischenergebnissen.
N Zufallsgesteuerte Rotation von Antwortvorgaben und Statements. N Auswahl der Telefonnummern, der Zielpersonen, der Ersatznummern bei Fehlversuchen usw.
N Unmittelbarer Transfer der Daten in die Auswertung.
30 Vgl. Stier (1999), S. 201.
31 Vgl. Brosius/Koschel/Haas (2008), S. 119.
32 Vgl. Mayer (2006), S. 100.
33 Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 239ff.
34 Vgl. Frey/Kunz/Lüschen (1990), S. 26ff.
35 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 376.
11
Der Interviewer wird im Vergleich zu mündlichen Befragungen erheblich entlastet. Durch die Einführung dieser Computerhilfen erhält der mittlerweile stark zunehmende Trend zur Telefonbefragung neue Impulse. 36
3.2.4 Online-Befragung
Online-Befragungen werden immer häufiger als Alternativform zu postalischen Befragungen eingesetzt. Mit der Online- Befragung will man gerade räumlich verstreute Personen erreichen. 37
Die Online-Befragungen werden vor allem außerhalb der universitären Forschung immer populärer. Die Online-Befragung wird grob in zwei Formen unterschieden, bei der sog. „E-Mail-Befragung“ wird der Fragebogen als E-Mail verschickt und wieder als E-Mail zurückgesendet, bei den sog. „Web-Survey“ ist der Fragebogen als Programm auf einem Server gespeichert und wird von dort aus ausgeführt. Der Befragte sieht dann den Fragebogen als ein Formular auf einer Webseite in seinem Browser. 38 Die Online-Befragung ist prinzipiell mit einer schriftlichen Befragung vergleichbar. Es ist bei der Online-Befragung zusätzlich möglich mit multimedialen Inhalten, wie z.B. Bildern, Tönen und audiovisuellem Material zu arbeiten, sofern es sich um einen Web-Survey handelt. 39
Zu den weiteren Vorteilen von Online-Befragungen zählt Diekman die Schnelligkeit der Durchführung und die zeitgleiche Speicherung der Daten, so dass Auswertungen schon nach kurzer Zeit möglich sind. Weiterhin sind die Kosten einer solchen Befragung recht niedrig, da hier auf den Druck und Versand von Fragebögen verzichtet werden kann. Auch die Filterführung bei inkonsistenten Antworten ist weitgehend vorprogrammiert und automatisiert. Die Vorprogrammierung erlaubt auch eine Modularisierung des Fragebogens in mehrere Formulare und Variation der Fragen, die dann bspw. bei experimentellen Studien eingesetzt werden kann. 40
Methodische Probleme sehen Schnell/Hill/Esser vor allem in der Stichprobenziehung, da es bisher keine vollständigen Verzeichnisse von Internet-Nutzern gibt ist die Repräsentativität nur schwer zu handhaben, und in der Kooperation der Befragten. 41
36 Vgl. Berekoven/Eckert/Ellenrieder (2006), S. 109f.
37 Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 260.
38 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 377ff.
39 Vgl. Brosius/Koschel/Haas (2008), S. 125.
40 Vgl. Diekman (2007), S. 522f.
41 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2005), S. 385f.
12
3.3 Delphi-Befragung als spezielle Form der Befragung
Delphi-Befragungen sind eine spezielle Form der schriftlichen Befragung, die das Ziel verfolgen, aus Einzelbeiträgen der beteiligten Personen, durch wiederholte hochstrukturierte Gruppenkommunikation, Lösungen für komplexe Probleme zu erarbeiten. 42 Kepper charakterisiert die Delphi-Methode als eine „Mischung aus anonymisierter Gruppenbefragung und standardisiertem Einzelinterview.“ 43 Als Prognoseinstrument wird die Delphi-Methode von Köhler gesehen: „Die Delphi-Methode ist ein Verfahren, um aus Expertenmeinungen Prognosen zu gewinnen und Konsens und Dissens zwischen den Expertenmeinungen deutlich zu machen.“ 44 Geschka bezeichnet die Delphi-Methode als ein „ausgeklügeltes Verfahren der schriftlichen Befragung über mehrere Runden bei untereinander anonymen Teilnehmern und einer Ergebnisrückkopplung nach jeder Runde“. 45
Eine Vielfalt anderer Definitionen der Delphi-Methode lässt sich bei Häder/Häder finden 46 . Sie formulieren aus den Übereinstimmungen der verschiedenen Definitionen eine Arbeitsdefinition, die die Delphi-Methode als „ein vergleichsweise stark strukturierten Gruppenkommunikationsprozess, in dessen Verlauf Sachverhalte, über die naturgemäß unsicheres und unvollständiges Wissen existiert, von Experten beurteilt werden.“ 47 Von diesem Kommunikationsprozess wird ein Ergebnis höherer Qualität erwartet als von der Summe der Einzelbeiträge der beteiligten Experten. 48
3.3.1 Anwendungszwecke und Einsatzgebiete
Die Delphi-Methode hilft, Meinungen und Wissen mehrerer Personen zu einer Fragestellung zu sammeln und zusammenzufassen. Die Befragten haben dabei die Möglichkeit sich zu Problemfeldern zu äußern, ohne in eine direkte Diskussion verstrickt zu werden oder sich rechtfertigen zu müssen. Dabei kann die Delphi-Methode verschiedene Zwecke verfolgen. Als Anwendungszwecke werden von Seeger die folgenden Punkte genannt:
N Die Delphi-Methode als direktes Kommunikationsmittel zwischen einem Personenkreis, unabhängig von Raum und Zeit.
42 Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 261.
43 Kepper (1994), S. 82.
44 Köhler (1992), S. 325.
45 Geschka (1978), S. 32.
46 Vgl. Häder/Häder (1994), S. 10f.
47 Häder,/Häder. (1995), S. 12.
48 Vgl. Häder/Häder (1994), S. 11.
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N Als Entscheidungsinstrument zur Vorbereitung, Beeinflussung und dem Treffen von Entscheidungen.
N Als Prognoseinstrument zur Vorausbestimmung des Eintretens von Ereignissen und Zuständen und deren Eintrittszeitpunkt.
N Als Problemlösungsinstrument zur Darstellung von Lösungsalternativen und Ableitung von Problemlösungen.
N Als Demokratisierungsinstrument mit der Absicht, Betroffene in den Prozess der aktiven Einflussnahme auf die Umwelt einzubeziehen. N Als Planungsinstrument in betrieblichen oder bürokratischen Zusammenhängen.
N Als Bewertungs- und Urteilsinstrument, das auf unterschiedlichste Objekte und Gegenstände angewendet werden kann. 49
Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten, in den Gebieten der Gesellschaft und des öffentlichen Lebens, der Delphi-Methode wurden von Häder/Häder anhand von Sichtung verschiedener Delphi-Studien untersucht. Sie identifizierten verschiedene Einsatzgebiete wie das Bildungswesen, betriebswirtschaftlichen Anwendungen, Tourismus, Politik und Gesundheitswesen. 50
Zusammenfassend stellten sie fest, dass es sich bei der Delphi-Methode um ein Instrument handelt, welches nicht auf einen bestimmten Anwendungsbereich beschränkt ist, jedoch bevorzugt dazu benutzt wird, Aussagen über Bereiche zu machen, die kostenintensive Investitionen erfordern (z.B. in der Telekommunikation) oder deren Erfolgskriterien schwer einzuschätzen sind (z.B. im Bildungswesen und im Umweltschutz). 51
3.3.2 Typen von Delphi-Befragungen
Im Verlauf der Entwicklung der Delphi-Methode wurden ihr viele Zielsetzungen zugeschrieben. 52 Verbunden mit diesen verschiedenen Zielsetzungen haben sich auch verschiedene Typen von Delphi herauskristallisiert. Die Delphi-Methode in verschiedene Typen einzuteilen haben mehrere Autoren versucht.
So unterscheidet Kensis nur zwei Arten von Delphi, das klassische Vorhersage-Delphi und das Strategie-Delphi mit weiteren zahlreichen Untervarianten, weshalb diese Variante besonders schwierig zu beschreiben ist. 53
49 Vgl. Seeger (1979), S. 22f.
50 Vgl. Häder/Häder (1998), S. 8f. und die dort genannten Delphi-Studien.
51 Vgl. Häder/Häder (1998), S. 9.
52 Vgl. Häder/Häder (1994), S. 11ff.
53 Vgl. Kensis (1995), o. S., zitiert nach Häder/Häder (1998), S. 9.
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Etwas weiter gehen Stauss/Zeigler und definieren ihrerseits drei Typen von Delphi-Befragungen:
1. Numerische Delphi, die der genauen Festlegung eines minimalen Rangs für die Schätzung bzw. Vorhersage eines Problems dienen.
2. Strategie Delphi, welches die Antworten auf gegenwärtige oder zukünftige soziale und politische Probleme sucht und
3. Historische Delphi, die für die Erklärung von vergangenen Entscheidungen genutzt werden. 54
Angelehnt an bestehende Typologisierungen wurden von Häder vier verschiedene Typen von Delphi-Befragungen herausgearbeitet und beschrieben: 55
Typ 1: Delphi-Befragungen zur Ideenaggregation
Das Ziel dieses Typs von Delphi-Befragung dient der Aggregation von Ideen um möglichst viele verschiedene Vorschläge zur Lösung eines Bestimmten Problems zu erarbeiten. Diese Befragung verzichtet auf die quantifizierenden Runden, wie sie im klassischen Delphi-Ansatz durchgeführt werden. Es findet eine ausschließlich qualitative Erhebung von Daten statt. Die so ermittelten Ergebnisse der qualitativen Einschätzungen werden den Experten auf geeignete Weise rückgemeldet und dann in einer erneuten, weitgehend unstrukturierten Fragestellung, qualitativ erhoben. Bei dieser Delphi-Befragung kommt es darauf an, möglichst viele verschiedene und unterschiedliche Problemlösungsvorschläge zu sammeln. Die zu befragenden Experten sollten, wie auch bei allen anderen Formen von Delphi-Ansätzen, über eine breite Expertise verfügen. Der Erfolg einer solchen Delphi-Befragung liegt daher in der Sammlung möglichst vieler unterschiedlicher Ideen, die zur Lösung des zugrunde liegenden Sachverhalts beitragen. Diese Form von qualitativer Delphi-Befragung kann im klassischen Ansatz den quantitativen Wellen vorgeschaltet werden um jene Sachverhalte zu identifizieren, über die im weiteren Verlauf der Delphi-Befragung ein quantifizierendes Urteil eingeholt werden soll.
Typ 2: Delphi-Befragungen für eine möglichst exakte Vorhersage eines unsicheren Sachverhalte bzw. für dessen genaue(re) Bestimmung
Die Zielsetzung bei diesem Typ der Delphi-Befragung besteht in der Klärung einer bestimmten, noch ungeklärten und diffusen Angelegenheit. Er entspricht dem klassischen Anliegen, welches zunächst von Delphi-Befragungen verfolgt wurde. In den Anfängen
54 Vgl. Strauss/Zeigler (1975), o. S., zitiert nach Häder./Häder (1998), S. 10
55 Vgl. hier und zum Folgendem: Häder (2002), S. 30ff.
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Arbeit zitieren:
Dipl. oec. Jaroslaw Rokicki, 2008, Modellierung eines Fragebogens im Rahmen einer Delphi-Studie im Verbundprojekt IT-FoodTrace, München, GRIN Verlag GmbH
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