1. Einleitung
Monotheismus bezeichnet den Glauben an einen einzigen Gott, wobei die Existenz anderer Götter bestritten wird. Judentum, Islam und Christentum werden als monotheistische Religionen angesehen. Die Anhänger des Islam, welche ihre Religion als die einzig monotheistische Religion ansehen, haben Schwierigkeiten mit dem trinitarischen Gottesbild des Christentums.
Wo jedoch liegen die Ursprünge des Glaubens an den Gott der Bibel? Wie entwickelte sich der JHWH-Kult zum Monotheismus?
Diese Frage zielt auf ein vieldiskutiertes Problem der alttestamentlichen Forschung, zu dem es derzeit keine endgültige Lösung gibt.
In der nachfolgenden Arbeit möchte ich die Entstehung und Entwicklung des Monotheismus in der Bibel anhand des Alten Testaments aufzeigen.
Ich beginne mit der Unterscheidung zwischen Monotheismus und Monolatrie. Anschließend werde ich den Unterschied der zwei Extrempositionen aufzeigen, die derzeit in Bezug auf die Entstehung des Monotheismus existieren. Danach möchte ich kurz auf den Gott der Väter und den Gott Israels, Jahweglaube und Familienreligion eingehen, da man anhand dieser Beispiele sehr gut die Entwicklung des JHWH-Glaubens hin zum Monotheismus aufzeigen kann. Zum Schluß betrachte ich noch die Situation zur Zeit Elias.
2. Die Entstehung und Entwicklung des Monotheismus
2.1. Monotheismus und Monolatrie
„Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (Dtn 5,6-7)
So wie in diesen bekannten Versen am Anfang des Dekalogs finden sich viele scheinbar eindeutig monotheistische Aussagen im Alten Testament. Bei näherer Betrachtung der Verse fällt allerdings auf, dass die Existenz anderer Götter nicht bestritten, sondern nur ihre Verehrung verboten wird.
Ähnliche Aussagen findet man auch in Psalm 136, wo es im zweiten Vers heißt: „Danket dem Gott aller Götter, denn seine Güte währet ewiglich.“ Sogar im Korintherbrief des Apostels Paulus (1 Kor 8,4-6) steht direkt nebeneinander, dass es nur den einen Gott gibt, es aber durchaus auch andere geben mag, welche der Verehrung aber nicht würdig sind. Wenn also
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nur ein Gott verehrt wird, die Existenz anderer Götter aber nicht ausgeschlossen wird, spricht man von Monolatrie.
Aufgrund der vielen Verse im Alten Testament, die bei genauerer Betrachtung nicht dem Monotheismus, sondern der Monolatrie zuzuordnen sind, spricht man von einer Entwicklung des Monotheismus im Alten Testament.
2.2. Exkludierender Monotheismus und inkludierende Monolatrie
Die Forschung, welche sich seit einigen Jahren mit der Entstehung des Monotheismus beschäftigt, vertritt zwei Extrempositionen in Bezug auf die Deutung von Fakten im Zusammenhang mit der Entstehung des Monotheismus - den exkludierenden Monotheismus und die inkludierende Monolatrie. Auf beide Positionen werde ich näher eingehen. Beim exkludierenden Monotheismus wird der Standpunkt vertreten, dass die JHWH-Verehrung in ihren Ursprüngen bereits monotheistisch veranlagt war. Allerdings war der Einfluss der polytheistischen Religionen von außerhalb so stark, dass man von einer Überfremdung sprechen kann. Im Alten Testament verschmelzen El und JHWH zu einem Gott, es finden Kämpfe gegen Baal und seine Göttinnen statt. Archäologische Funde aus Chirbet el-Qom und ´Adschrud 1 aus dem 8. Jh.v.Chr. belegen, dass es eine Göttin neben JHWH gab, die Aschera genannt wird. In Ugarit, einem nordkanaanäischen Stadtstaat, wo auch El wirkte, war Aschera ebenfalls der Name einer Göttin. In 2 Kön 23,4 steht sie als Partner zu Baal, während sie in 1 Kön 18,19 scheinbar allein kämpft. Allerdings ist in „epigraphischen Belegen […] aschera stets mit dem besitzanzeigenden Suffix („seine aschera“) versehen“ 2 , was deutlich machen könnte, dass es sich um einen Begriff und keine Person handelt. André Lemaire ist der Meinung, dass laut Dtn 16,21: „Du sollst dir keinen Holzpfahl als Ascherabild errichten bei dem Altar des HERRN, deines Gottes, den du dir machst.“, und einigen anderen Stellen belegt ist, dass es sich bei Aschera um einen heiligen Baum handelt. 3
Ob nun Göttin oder heiliger Baum, es entsteht der Eindruck, dass im vorexilischen Israel und Juda eine polytheistische Religion existierte. Allerdings gab es im 8. Jahrhundert politische und soziale Kämpfe. Meist gingen diese von, durch Propheten geführten, Oppositionsbewegungen aus, den so genannten „JHWH-allein“-Parteien. Im 7.Jahrhundert gab es unter König Josia eine Staats- und Kultreform (2 Kön 23,1-30), bei der unter anderem der Götzendienst verboten wurde.
1 Vgl. Lemaire, André: Die Entstehung des Monotheismus in vorexilischer Zeit, S. 37.
2 Ebd. S. 37.
3 Vgl. Lemaire, André: Die Entstehung des Monotheismus in vorexilischer Zeit, S. 37.
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Der Kampf gegen die frühisraelitische Religion, welche von einem Nebeneinander verschiedenster Götter und Göttinnen, inklusive JHWH bestimmt wurde, dauerte noch bis kurz vor dem Exil.
Vertreter der Position des exkludierenden Monotheismus sind zum Beispiel W. H. Schmidt 4 und G. von Rad 5 .
Werner H. Schmidt meint, dass die Jahweverehrung nach der Landnahme begann. Man kann sie also an das Sinaiereignis anschließen. Im Alten Testament kommen häufig die Worte „Ich bin Jahwe“ vor. Damals stellten sich die Götter immer so vor, damit der Angeredete wusste, wen er vor sich hatte. Diese Art der Vorstellung entstammt dem Polytheismus. 6 Vertreter der Position der inkludierenden Monolatrie sind der Meinung, dass ein buntes „Göttergemisch“ gleichrangiger Götter vorherrschte, welche gegenseitig toleriert und verehrt wurden. Die Götternamen sollen schon in vorexilischer Zeit überwiegend JHWH-haltig gewesen sein.
Allerdings kann man ugaritische Verhältnisse nicht ohne Weiteres übertragen, da Ugarit 500 km nördlich von Israel liegt. Untersuchungen der Verhältnisse der Nachbarvölker, wie zum Beispiel der Phönizier, Aramäer, Moabiter, Ammoniter und Edomiter, ergaben, dass dort ebenfalls eine Beschränkung auf wenige Gottheiten herrschte. Meist gab es einen sogenannten Hoch- oder Nationalgott und ein eher rudimentäres Pantheon, das heißt, es gab existente Götter, die aber neben dem Nationalgott ohne Wichtigkeit waren. 7 Aschera war als Göttin schon seit Jahrhunderten nicht mehr belegt, man schließt daher eine dominante Rolle ihrerseits in Israel aus. In Segensformeln ist sie nicht Göttin neben JHWH, sondern ein ihm zugeordnetes, Segen spendendes Kultobjekt. Im Laufe der Zeit eignete sich JHWH Eigenschaften und Symbole anderer Götter an, es entstand ein äußerer Synkretismus, eine Mischreligion. 8 JHWH wird in verschiedenen Gestalten und Titeln verehrt, wie zum Beispiel „Baal Berit“ (Ri 8,33), „El Eljon“ (Höchster Gott - Gen 14,18-22 ) und „Pahad“ (Schrecken Isaaks - Gen 31,42). Dies alles deutet auf Monolatrie hin. Inkludiert, weil eine Bei- und Unterordnung göttlicher Größen stattfindet, welche von der zeitgenössischen Religiösität übernommen wird.
4 Vgl. Schmidt, W. H.: Alttestamentlicher Glaube und seine Umwelt, S. 53.
5 Vgl. von Rad, G.: Theologie des Alten Testaments, S. 27f.
6 Vgl. Schmidt, W. H.: Alttestamentlicher Glaube und seine Umwelt, S. 53.
7 Vgl. Dietrich, Walter: Ein Gott allein?, S. 16.
8 Vgl. Weippert, Manfred: Jahwe und die anderen Götter, S. 24.
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Arbeit zitieren:
Susanne Werner, 2004, Die Entstehung und Entwicklung des Monotheismus in der Bibel, München, GRIN Verlag GmbH
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