Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
I. Die „alten“ Kriege 2
II. Die Theorie der „neuen Kriege“ 4
1. Staatsbildung und Staatszerfall 4
2. Akteure 6
3. Erscheinungsform des Krieges 7
4. Ökonomie des Krieges 9
5. Ergänzende Überlegungen 11
III. Politisch-ethische Herausforderungen 12
1. „Neue“ Interventionen 12
2. Das Dilemma der Intervention 13
IV. Schlussbemerkung 14
Literaturverzeichnis 15
Einleitung
Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes haben sich Kriege und bewaffnete Konflikte in ihrem Erscheinungsbild grundsätzlich gewandelt. Von dieser Annahme ausgehend entstand die Theorie der „neuen Kriege“, die seit Beginn dieses Jahrhunderts eine politikwissenschaftliche Debatte über das Wesen des Krieges ausgelöst hat. Der Terminus „neue Kriege“ geht auf die britische Politologin Mary Kaldor zurück, die sich im Jahre 1999 diesem Phänomen erstmals zuwendete und am Beispiel der Kriege im ehemaligen Jugoslawien eine Unterscheidung zwischen „alten“ und „neuen“ Kriegen beschrieb. Im deutschsprachigen Raum vertritt vor allem Herfried Münkler die Theorie der „neuen Kriege“, die er systematisch und theoretisch aufgearbeitet hat. Die Aussagekraft dieser Theorie ist allerdings umstritten und hat zu einer Kontroverse innerhalb der Kriegsforschung geführt.
An dieser Stelle wird die Konzeption der „neuen Kriege“ - in ihrer Abgrenzung zu den „alten“ Kriegen - anhand ihrer zentralen Aussagen dargestellt und analysiert. Nach einer Skizze der „alten“ Kriege im ersten Kapitel geht die Analyse dabei zunächst auf die These des Staatszerfalls ein, die den Kern der Theorie der „neuen Kriege“ bildet. Davon ausgehend werden zunächst die in den so genannten „neuen Kriegen“ auftretenden Akteure beschrieben und die Erscheinungsform des Krieges betrachtet. Von großer Bedeutung ist darüber hinaus die ökonomische Logik der „neuen Kriege“, die hier in einem eigenen Abschnitt behandelt wird.
Abschließend widmet sich die Analyse im dritten Teil den Folgen, die die „neuen Kriege“ für denjenigen Teil der Welt haben, der vordergründig derzeit nicht unmittelbar von Kriegen betroffen ist. Dabei wird eine politisch-ethische Perspektive eingenommen, die besonders die Problematik von Interventionen in Krisengebieten beleuchtet. Die Kritik, die an der Theorie der „neuen Kriege“ geäußert wurde, soll dabei an den jeweils betreffenden Stellen nicht unerwähnt bleiben und dazu beitragen, die Tragweite der hier betrachteten Konzeption abschließend zu bewerten.
I. Die „alten“ Kriege
Bevor eine Darstellung der „neuen Kriege“ - und damit verbunden eine Analyse der dahinter stehenden Konzeption - erfolgen kann, ist es zunächst notwendig, den Begriff des Krieges in seiner klassischen Prägung zu skizzieren. Im Vordergrund steht dabei die historisch enge Verbindung von Krieg und Staat, die erst das Wesen des Krieges begreiflich macht. Die Entstehung des modernen Staates ist nicht ohne Krieg denkbar, denn „als Machtstaat ist der moderne Staat seinem Ursprung nach Kriegsstaat“. 1 So stand nach gängigem Verständnis am Anfang dessen, was unter dem „modernen Staat“ verstanden wird, der Dreißigjährige Krieg in Europa, der die Unzulänglichkeiten bisheriger Herrschaftsformen in schrecklicher Weise offenbarte. „Eine Lösung der Probleme bot im Prinzip die Konzentration der Herrschaftsbefugnisse im modernen Staat.“ 2 Wichtigstes Kennzeichen des Staates wurde die Staatsgewalt, also - mit Max Weber - „das Monopol legitimen physischen Zwanges“ 3 , das dem Staat letztlich Souveränität verlieh.
Die Souveränität des Staates bedeutete auch seine legitime Alleinverfügung über das Militär, das sich in der Folge des Dreißigjährigen Krieges strukturell wandelte. Die Söldner, die noch das Kriegsgeschehen des 16. und 17. Jahrhunderts beherrscht hatten, wichen nach und nach dem Typus des professionalisierten Soldaten, der als Teil einer stehenden Armee im Dienste des Staates kämpfte. 4 Gepaart mit einer technischen und militärischen Entwicklung, die, in Gestalt langwierig ausgebildeter Infanterie und nicht mehr von jedem zu bedienender Artilleriegeschütze, eine immer stärkere Verteuerung des Militärs bewirkte, war schließlich „nur noch der Territorialstaat (…) in der Lage, für die dramatisch gestiegenen Kosten aufzukommen“. 5
Für die Erscheinungsform des Krieges bedeutete dies eine prinzipielle Disziplinierung und Regulierung des Kampfgeschehens und vor allem eine Verlagerung zwischenstaatlicher Probleme und Konflikte auf das Schlachtfeld. 6 Durch die Herausbildung von territorial klar abgegrenzten Staaten war zunächst eine Unterscheidung
1 Reinhard, Wolfgang: Geschichte des modernen Staates. Von den Anfängen bis zur Gegenwart,
München 2007, 11.
2 Benz, Arthur: Der moderne Staat. Grundlagen der politologischen Analyse, München 2 2008, 18.
3 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, besorgt von Johannes
Winckelmann, Tübingen 5 1972, 29.
4 Vgl. Herberg-Rothe, Andreas: Der Krieg. Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/New York 2003, 61ff.
5 Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 3 2007, 109.
6 Zu den folgenden modellhaften Ausführungen vgl. Münkler: Die neuen Kriege, 68ff.
zwischen „innen“ und „außen“ entstanden, die sich bald in getrennten Zuständigkeiten der Politik ausdrückte und deren Folge nicht zuletzt die Trennung von Militär und Polizei war. Daraus resultierte wiederum die Möglichkeit der klaren Trennung von Krieg und Frieden und die Vorstellung, es gebe zwischen diesen beiden kein Drittes. 7 Durch sein Gewaltmonopol war der Staat in der Lage, Freund und Feind klar zu bestimmen. Eine weitere Folge dieser Grenzziehungen war auch die zunehmende Verrechtlichung des Krieges, die sich später einmal in den Konventionen des Völkerrechts ausdrücken sollte. Als wichtigste Unterscheidung kann die zwischen Kombattanten und Nonkombattanten gelten, weiterhin auch die zwischen der legalen Anwendung von Gewalt in Form von Kriegshandlungen einerseits und Kriminalität und Kriegsverbrechen andererseits. Darüber hinaus bewirkte das staatliche Gewaltmonopol eine Abkoppelung der Gewalt vom Erwerbsleben, da der Soldat auch in Friedenszeiten in Lohn und Brot stand. Für seinen Sold sorgte das Steueraufkommen des Staates; das im Dreißigjährigen Krieg noch geltende Prinzip, der Krieg müsse sich selbst ernähren, verschwand. 8 Staat und Krieg gingen eine enge Verbindung ein, deren konkrete Ausprägung sich freilich in verschiedenen Epochen unterschiedlich darstellte, abhängig von der politischen Ordnung. Höhepunkte dieser Entwicklung waren die beiden Weltkriege, in denen die gesamte Wirtschaft im Falle der Mobilmachung auf den Krieg ausgerichtet wurde, Krieg und Staat geradezu verschmolzen. 9
Das Vorhandensein eines staatlichen Gewaltmonopols bestimmt daher seit langem die Sicht auf den Krieg. Nach den berühmten Worten Carl von Clausewitz‘, die das Nachdenken über den Krieg stark beeinflusst haben, ist Krieg ein „Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“. 10 Diese Formulierung impliziert ein bestimmtes Verständnis sowohl von „uns“, als auch von „dem Gegner“ und setzt das Vorhandensein eines klar erkennbaren „Willens“, also eines Staatsinteresses voraus. 11 Durch diese Vorüberlegungen wird bereits deutlich, dass dem Verhältnis zwischen Staat und Krieg bei der Analyse der „neuen Kriege“ eine Schlüsselrolle zukommen muss.
7 Vgl. etwa Grotius, Hugo: Vom Recht des Krieges und des Friedens, hrsg. von Walter Schätzel, Tübingen
1950, 47.
8 Vgl. Münkler: Die neuen Kriege, 80.
9 Vgl. Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung, Frankfurt
am Main 2007, 35.
10 Clausewitz, Carl von: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz, hrsg. von
Werner Hahlberg, Bonn 19 1991, 191f.
11 Vgl. Kaldor: Neue und alte Kriege, 36.
Arbeit zitieren:
Thomas Koch, 2009, Die Theorie der "neuen Kriege", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zu: Die neuen Kriege von Herfried Münkler, 2002
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Rezension / Literaturbericht, 11 Seiten
Die Beitragsfähigkeit der evolutionären Psychologie zur Erklärung von ...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit, 12 Seiten
Mediales Mitleid - Wie viel Mitleid verdienen Bilder?
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Eine Analyse aus den Perspekti...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
Operative Führung seit dem Ersten Weltkrieg
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Wissenschaftliche Studie, 60 Seiten
Parlamentarismus bei Max Weber und Carl Schmitt
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Wandel des Kriegsbildes im Angolakonflikt unter der besonderen Berücks...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit, 19 Seiten
Das Wesen der Fotografie - eine vergleichende Analyse der Essays von R...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Medienrecht - Die kommunikative Grundordnung
(Stand 2005)
Medien / Kommunikation - Sonstiges
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg
Lettow-Vorbeck und die Askari
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Wissenschaftlicher Aufsatz, 17 Seiten
Zur Theorie des sozialen Raumes nach Pierre Bourdieu
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 14 Seiten
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Hausarbeit, 16 Seiten
Die GASP im Wandel - Effizienz, Funktionalität und Aufgaben der gemein...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 22 Seiten
Thomas Koch's Text Die Theorie der "neuen Kriege" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Thomas Koch hat den Text Die Theorie der "neuen Kriege" veröffentlicht
Thomas Koch hat einen neuen Text hochgeladen
Exchange Traded Funds (ETFs) - Darstellung, Analyse und Bewertung eine...
Christoph Lamprecht
Analysen des transnationalen Terrorismus
Soziologische Perspektiven
Thomas Kron, Melanie Reddig
Neuer intuitiver Zugang zum strukturalistischen Theorienkonzept. Theor...
Neuer intuitiver Zugang zum st...
Springer
Die internationale Schweiz in der Zeit des Kalten Krieges/La Suisse in...
Sandra Bott, Sacha Zala, Janick M. Schaufelbuehl
Cours d'analyse de l'École Royale Polytechnique. I partie. Analyse alg...
Augustin-Louis Cauchy
0 Kommentare