INHALT
1. Einleitung 3
2. Die wissenschaftliche Beobachtung in der Sozialforschung 4
2.1 Quantitative Beobachtung 4
2.2 Qualitative Beobachtung 4
2.3 Verschiedene Formen der Beobachtung 5
3. Die qualitativ-teilnehmende Beobachtung 7
3.1 Begriffsklärung 7
3.2 Einsatzgebiete 8
3.3 Voraussetzungen qualitativ-teilnehmender Forschung 9
4. Forschungsablauf und Rolle des Beobachters 10
4.1 Forschungsablauf 10
4.1.1 Feldzugang 10
4.1.2 Rollendefinition Rollen wahr 10
4.1.3 Datenerhebung 11
4.1.4 Datenauswertung 11
4.1.5 Feldrückzug 11
4.2 Die Rolle des Beobachters 11
5. Probleme und Schwierigkeiten bei der teilnehmenden Beobachtung 12
6. Abschließende Bemerkung 14
2
1. Einleitung
In der empirischen Forschung spielt die Beobachtung eine wesentliche Rolle, da es sich im Prinzip bei sämtlichen empirischen Methoden um Beobachtungsverfahren handelt 1 . Bei einer Untersuchung im Rahmen der Sozialforschung geht es laut Diekmann im Wesentlichen um die direkte Beobachtung menschlicher Handlungen, sprachlicher Äußerungen und nonverbaler Reaktionen wie Mimik, Gestik und Körpersprache sowie anderer sozialer Merkmale, beispielsweise Kleidung, Wohnformen oder Alltagsgebräuche. Atteslander versteht unter Beobachtung im Sinne einer wissenschaftlichen Auslegung das systematische Erfassen, Festhalten und Deuten sinnlich wahrnehmbaren Verhaltens zum Zeitpunkt seines Geschehens. 2 Seipel und Rieker verweisen darauf, dass es sich bei diesem Verhalten nicht nur um optische Eindrücke handelt, sondern auch Gespräche, körperliche Wahrnehmungen und Gerüche gemeint sein können. Von der wissenschaftlichen ist die alltägliche Beobachtung abzugrenzen, die zumeist unreflektiert und routiniert erfolgt. Die wissenschaftliche Beobachtung dagegen verfolgt laut Atteslader das Ziel, die soziale Wirklichkeit vor dem Hintergrund einer leitenden Forschungsfrage und unter Anwendung systematischer Verfahrensweisen zu rekonstruieren und zu beschreiben. In der Regel geschieht dies in natürlichen Situationen, die nicht extra inszeniert werden und zu denen die beobachtende Person sich als Teil des sozialen Feldes Zutritt verschaffen muss. 3
Es muss jedoch auch vermerkt werden, dass die Verwendung von Beobachtungsverfahren in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Vergleich zur Befragung methodologisch und forschungspraktisch immer mehr an Bedeutung eingebüßt hat. 4
In dieser Arbeit werde ich mich vordergründig mit der qualitativen Methode der teilnehmenden Beobachtung befassen. Um einen Einstieg in die Thematik zu geben, wird in Kapitel 2 zunächst auf die Differenzierung von qualitativen und quantitativen Ansätzen eingegangen und im Anschluss daran sollen die wichtigsten Formen der Beobachtung kurz dargestellt werden. Das dritte und vierte Kapitel widmen sich dann ausschließlich der teilnehmenden Beobachtung, wobei zunächst Einsatzgebiete und Voraussetzungen qualitativ-teilnehmender Beobachtung behandelt und im Anschluss daran die einzelnen Phasen des Forschungsablaufs kurz skizziert werden. Nach ei-
1 Diekmann,S. 456
2 Atteslander, S. 73
3 Seipel/Rieker, S. 156
4 Atteslander, S. 76
3
nem Abschnitt, der sich etwas genauer mit der Rolle des Beobachters im sozialen Feld befasst möchte ich in Kapitel 5 noch einmal zusammenfassend einige Schwierigkeiten und Probleme erläutern, die sich im Verlauf eine qualitativ-teilnehmenden Beobachtungsstudie ergeben können.
2. Die wissenschaftliche Beobachtung in der Sozialforschung
Innerhalb der Beobachtungsverfahren muss zunächst zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen unterschieden werden. Auch wenn in der Praxis den quantitativen Ansätzen häufig der Vorzug gegeben wird, möchte ich mich in dieser Arbeit in erster Linie den qualitativen Methoden widmen. Zunächst jedoch soll eine kurze Begriffsdifferenzierung erfolgen, und im Anschluss daran möchte ich einige gängige Beobachtungspraktiken beider Ansätze vorstellen.
2.1 Quantitative Beobachtung
Beim quantitativen Ansatz wird soziale Realität als objektiv gegeben und mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden erfassbar angesehen. Laut Atteslander soll empirische Forschung theoriegeleitet Daten über die soziale Realität sammeln, wobei diese den Kriterien der Reliabilität, Validität, Repräsentativität sowie der intersubjektiven Überprüfbarkeit genügen sollen. 5 Vor allem dienen sie aber der Überprüfung der vorangestellten Forschungshypothese. Das Zugrundelegen einer Forschungshypothese ist eines der ausschlaggebendsten Unterscheidungskriterium zu den qualitativen Ansätzen. Die Methoden zur Durchführung quantitativer Beobachtungsstudien sind gekennzeichnet durch eine hohe Strukturiertheit sowie theoriegeleitete Wahrnehmung, Aufzeichnung und Auswertung.
Als Kritikpunkte der quantitativen Forschungsansätze erwähnt Atteslander den durch die Theorie stark begrenzten Erfahrungsbereich und die Tatsache, dass häufig die Beschäftigung mit der Methode den eigentlichen Forschungsgegenstand überlagert. Außerdem verweist er auf die Entstehung von Scheinobjektivitäten und Messartefakten, die durch zu viel Standardisierung und Quantifizierung hervorgerufen werden
2.2 Qualitative Beobachtung
Die qualitative Beobachtung verzichtet dagegen auf vorab konstruierte Schemata sowie standardisierte Verfahrensweisen und –regeln. Der Forscher nimmt stattdes-
5 Atteslander,S. 77
4
sen an der natürlichen Lebenswelt der zu untersuchenden Personen teil. Es wird angenommen, dass soziale Akteure sich nicht nach bestimmten Normen und Regeln verhalten, sondern soziale Wirklichkeit durch die Interpretation sozialer Situationen konstituiert wird. 6
Als gemeinsame Basis der unterschiedlichen qualitativen Ansätze führt Atteslander die folgenden sechs Forschungsprinzipien an: Offenheit, Prozesscharakter von Ge-genstand und Forschung, Reflexivität der Forschung, Explikation des Vorgehens, Kommunikation und Problemorientierung. Durch diese Kriterien wird eine flexible Forschung gewährleistet, die am Untersuchungsgegenstand orientiert ist, deren Ziel die Rekonstruktion von Konstitutionsprozessen sozialer Realität ist und in deren Verlauf erst Hypothesen generiert, modifiziert und schließlich verallgemeinert werden. Die Forschungsprozesse beruhen auf kommunikativen Vorgängen und die Formulierung der Forschungsfrage sowie die Auswahl des Forschungsfeldes entstehen aus vom Forscher wahrgenommenen gesellschaftlichen Problemen, auf welche die Ergebnisse der Forschung zurückwirken sollten. Alles in allem verfolgt die qualitative Forschung ein kritisches und praktisches Erkenntnisziel und kein rein theorieprüfendes wie es in quantitativen Studien meist der Fall ist.
2.3 Verschiedene Formen der Beobachtung
Sowohl Atteslander als auch Diekman haben eine Typisierung unterschiedlicher Beobachtungsarten vorgenommen, die im Folgenden kurz dargelegt werden soll. Attes-lander unterscheidet dabei die drei Hauptkriterien Strukturiertheit, Offenheit und Teilnahme 7 , nach deren Grad die Differenzierung vorgenommen werden kann; bei Diekmann kommen noch zwei Aspekte hinzu, nämlich, ob es sich um einen Feld- oder Laborversuch handelt und ob eine Fremd- oder Selbstbeobachtung 8 stattfindet.
Strukturiertheit
Einer strukturierten Beobachtung liegt ein vorab erstelltes Beobachtungsschema zugrunde, aus dem genau hervorgeht, was und wie zu beobachten ist. Zur Aufstellung eines solchen Schemas bedarf es einer konkreten Forschungshypothese und der Entwicklung von klar trennbaren Beobachtungska-tegorien. Die strukturierte Beobachtung zielt auf die Prüfung der Hypothese, wobei das Beobachtungsschema einen hohen Grad an Quantifizierbarkeit,
6 Atteslander, S. 78-79
7 Atteslander, S. 88 ff.
8 Diekmann, S: 469
5
Quote paper:
Svenja Schell, 2004, Beobachtungsverfahren in der empirischen Sozialforschung unter besonderer Berücksichtigung der qualitativ-teilnehmenden Beobachtung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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