Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung 4
2. Die Syntax des klassischen Latein Regeln und Ausnahmen 5
2.1 Das Grundprinzip der Flexion und seine Schwachstellen 5
2.2 Der Gebrauch von Präpositionen 6
2.3 Das Inventar der lateinischen Präpositionen 9
2.4 Auswertung vorklassischer und klassisch-lateinischer Texte 10
2.4.1 Vorgehen bei der Auswertung 10
2.4.2 Zur Textauswahl 12
2.4.3 Statistische Auswertung der Texte im Vergleich 13
2.4.4 Besondere Feststellungen zur Auswertung des Präpositionsgebrauchs 14
3. Die Entwicklung der lateinischen Syntax auf dem Weg zu den 15
modernen romanischen Sprachen 15
3.1 Entwicklungstendenzen im gesprochenen Latein und im Protoromanischen 15
3.2 Verdeutlichungsprozesse und Umstrukturierung des Systems 16
3.2.1 Abbau der Kasusflexion 16
3.2.2 Folge: Zunahme im Gebrauch von Präpositionen 16
3.2.3 Die vulgärlateinischen Präpositionen 17
3.3 Auswertung vulgär- und spätlateinischer Texte 18
3.3.1 Zur Textauswahl 18
3.3.2 Statische Auswertung hinsichtlich des Präpositionsgebrauchs 19
3.3.3 Einzelauswertung von den Freigelassenengesprächen in Petrons Satyricon 21
3.3.3.1 Allgemeine Erkenntnisse 21
3.3.3.2 Präposition in Verbindung mit einem falschen Kasus 21
3.3.3.3 Unübliche Verwendung von Präpositionen 22
3.3.4 Einzelauswertung des Reiseberichts der Nonne Egeria 23
3.3.4.1 Allgemeine Erkenntnisse 23
3.3.4.2 Präpositionen in Verbindung mit einem falschen Kasus 23
3.3.4.3 Präpositionen in Verbindung mit einem indeklinablen Eigennamen 25
3.3.4.4 Unübliche Verwendung von Präpositionen 26
3.3.4.5 Präpositionalkonstruktion als Kasusersatz 26
3.3.4.6 Präposition Präposition Adverb 27
2
3.3.5 Fazit 28
4. Die romanischen Präpositionen 29
4.1 Allgemeine Entwicklungen 29
4.2 Beispiel: Altfranzösisch 30
5. Kasusmarkierung im modernen Französisch 31
5.1 Allgemeine Tendenzen 31
5.2 Inventar der französischen Präpositionen 31
5.3 Auswertung französischer Texte 32
5.4 Gegenüberstellung lateinischer Kasus und französischer Präpositionalphrasen 33
6. Abschließende Bemerkungen 38
7. Anhang: Textauswertungen 39
7.1 Auswertung der lateinischen Texte 39
7.2 Auswertung der französischen Texte 41
8. Literaturverzeichnis 42
8.1 Fachliche Sekundärliteratur 42
8.2 Quellen für das Textkorpus 45
3
1. Hinführung
Obwohl die romanischen Sprachen alle aus dem Lateinischen hervorgegangen sind und daraus zahlreiche sprachliche Erscheinungen übernommen haben, weisen sie gegenüber der gemeinsamen Ursprungssprache einen deutlichen Unterschied in einem zentralen Teil der Syntax auf: Das lateinische Kasussystem baute sich im Laufe der Sprachentwicklung radikal ab und formte sich um in ein sprachliches System, in dem die Mehrzahl der syntaktischen Relationen durch Präpositionen markiert werden.
Die Menge dieser kleinen, für die Herstellung syntaktischer Zusammenhänge aber enorm wichtigen Wörter fand bereits würdiges Interesse in der Sprachwissenschaft. Besonders in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfuhr die Forschung um die französischen Präpositionen neuen Aufwind unter verschiedenen Aspekten. Zumeist handelt es sich in den einschlägigen Arbeiten jedoch um synchronische Betrachtungen. 1 Diachronische Untersuchungen liegen weiter zurück. 2 Wie und warum sich im Französischen und in den romanischen Sprachen überhaupt die Präpositionen in solchem Maß, wie Textuntersuchungen es beweisen, durchgesetzt haben, ist bisher nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Auch in den Monographien, die ausdrücklich den Übergang vom Lateinischen zum Romanischen oder auch konkret zum Französischen untersuchen, wird zwar stets auf den Verlust der lateinischen Kasus hingewiesen, aber die Frage, durch welche Mittel die im Lateinischen durch Kasusendungen ausgedrückten Satzfunktionen in den modernen romanischen Sprachen markiert werden, wurde noch nicht systematisch aufgearbeitet. 3 Die vorliegende Arbeit soll zumindest einen Schritt in diese Richtung machen. Nach einer knappen Darstellung der Problematiken bei der Markierung von Satzgliedern durch Kasusendungen im Lateinischen soll die Häufigkeit von Präpositionen, die bereits in den frühesten lateinischen Sprachstufung eine Alternative oder Ergänzung zum kasuellen System bildeten, in verschiedenen Epochen und Sprachstufen des Lateinischen untersucht werden. Ein starker Fokus wird dabei auf das Vulgärlateinische als Scharnierstelle zwischen klassischem Latein und romanischen Entwicklungen geworfen. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit wird die Situation im Altfranzösischen nur in knappen Grundzügen einbezogen. Den Abschluss bildet eine Betrachtung des Präpositionsgebrauchs im Neufranzösischen, und zwar in Original- wie Übersetzungstexten, wobei anschließend eine umfassende Gegenüberstellung
1
So etwa LANG, Jürgen: Die französischen Präpositionen. Funktion und Bedeutung, Heidelberg 1991, CER- VONI, Jean: Lapréposition. Etude sémantique et pragmatique, Paris 1991, CADIOT, Pierre: Les prépositions abstraites en français, Paris 1997, oder MELIS, Ludo: La préposition en français, Ophrys 2003. 2
Z.B. die Syntaxuntersuchung von SNEYDERS DE VOGEL, Kornelis: Syntaxe historique du français, La Haye 1919 oder diverse historische Grammatiken.
3 So etwa in ROHLFS, Gerhard: Vom Vulgärlatein zum Altfranzösischen, Tübingen 3 1968 und in MA-CHONIS, Peter A.: Histoire de la langue. Du latin à l’ancien français, London 1990.
4
der lateinischen Kasus in ihren verschiedenen Funktionen mit den entsprechenden durch eine Präposition markierten Ausdrucksmöglichkeiten des Französischen versucht wird.
1. Die Syntax des klassischen Latein – Regeln und Ausnahmen
1.1 Das Grundprinzip der Flexion und seine Schwachstellen Im Lateinischen ist das Prinzip der Flexion tief verankert 4 und tatsächlich lässt sich in dieser Sprache eine Vielzahl an synthetischen Wortformen im Nominal- und Verbalbereich feststel-
len, die ihr trotz der prinzipiellen Grundwortstellung SOV 5 eine große Stellungsfreiheit hinsichtlich der einzelnen Elemente im Satzsyntagma erlauben. Semantisch gleichbedeutend und wegen der Endungen eindeutig verständlich sind die beiden folgenden Propositionen (1) und (2):
(1) Publius filio parvo librum pulchrum dat.
(2) Librum pulchrum dat Publius filio parvo.
Die einzelnen Satzbausteine können sogar noch weiter verschoben und voneinander getrennt positioniert werden:
(3) Librum Publius pulchrum filio dat parvo.
Zugegebener Maßen weicht das Beispiel (3) von der usuelle Wortstellung, die das Lateinische präferiert, erheblich ab, zerstört aber nicht den Sinn der Proposition. Grund dafür sind die sowohl im Verbal- als auch im Nominalbereich vorhandenen Endungen, die eine genaue Kasusmarkierung am Wort erlauben. Unabhängig von der Position, die das Wort im Satz einnimmt, drückt die Endung an Publius aus, dass es sich hier um ein Subjekt handelt, und zeigt die Endung librum an, dass dieses Wort die Funktion eines Akkusativobjekts erfüllt. Das Adjektiv pulchrum identifiziert sich durch seine Kongruenz zu librum als Attribut zu selbigem. Etwas schwieriger verhält es sich mit der Kasuserkennung bei filio, da diese Wortform zwei Kasus, den Dativ und den Ablativ ausdrücken kann und der Leser oder Hörer aufgrund des Kontextes die Endung richtig interpretieren muss.
Gerade diese Mehrdeutigkeit einzelner Endungen – SERBAT (1994) spricht von „bi-“ und
„polyvalence de certaines désinences“ 6 – ist es, die das flektierende System schwächt, sowohl im Bereich der Substantive als auch im Bereich der Verben. 7 Ein besonders stichhaltiges Beispiel aus dem Nominalbereich bieten die Formen der u-Deklination, in der der Wortausgang - 4
Nicht umsonst überschreibt SERBAT (1994), S. 51 sein Kapitel zur Morphosyntax des lateinischen Nomens mit dem Untertitel „Le latin, langue flexionnelle“.
5
Vgl. dazu DEVINE (2006), S. 79ff.
6
SERBAT (1994), S. 54.
7
Beispielsweise fallen außer in der ersten Person des Singulars die Formen des Konjunktiv Perfekt mit denen des Futur II in allen Konjugationsklassen zusammen.
5
us sogar vier Funktionen einnehmen kann, die zumindest im Schriftbild, in den gesprochenen
Varietäten ab dem Spätlatein aber auch akustisch 8 nicht zu unterscheiden sind:
Insbesondere die Übereinstimmung der beiden hochfrequenten Kasus Nominativ und Akkusativ, die in vielen Sätzen in Kombination auftreten, dürfte Probleme im Verständnis bereitet haben. Man stelle sich nun einen prototypischen Aussagesatz mit Subjekt und Objekt vor, in dem sowohl die Subjekt- als auch die Objektstelle mit einem Substantiv der
u-Deklination
besetzt ist.
(4) Magistratus fructus vendunt.
(5) Magistratus senatus exercitus laudant.
(6) Equitatus peditatus sequuntur.
In Satz (4) ist klar, dass das Element magistratus aufgrund des Kontextes und der Belebtheitskriterien, die es erfüllt, Agens und Subjekt sein muss und fructus das von der Valenz des Verbs vendere geforderte Akkusativobjekt darstellt. Im Beispiel (5) wären grammatikalisch mehrere Deutungen des Satzinhalts denkbar, einfache Logik lässt jedoch darauf schließen, dass magis-tratus Nominativ Plural, senatus das zu magistratus gehörige Genitivobjekt und exercitus ein Akkusativ Plural ist. Der propositionale Sinn und die Kasusverhältnisse des Beispielsatzes (6) können nur aus einem größeren Kontext erschlossen werden. Selbstverständlich sind derartige Sätze konstruiert und ihr Vorkommen in authentischen Texten dürfte eher die Ausnahme sein. Dennoch sollen die Beispiele (4) bis (6) in überspitzter Weise die Ambiguität des lateinischen Kasussystems exemplarisch verdeutlichen.
1.2 Der Gebrauch von Präpositionen
Es ist offensichtlich nicht davon auszugehen, dass es in einem sehr frühen Stadium des Lateinischen nur reine Kasus und keine Präpositionen gegeben hat und diese sich erst im Laufe der Zeit aus Adverbien entwickelt haben, wie die ältere Forschung bisweilen zu beweisen ver-
sucht. 9 RENZI (1984) sieht im Lateinischen, welches zwei Strukturen der Funktionsmarkierung erlaubt, eine mit und eine ohne Präposition, einen Übergang vom System des Indoeuropäischen, das ohne Präpositionen funktionierte, zum Romanischen, in dem der Präpositions- 8 Endgültig nicht mehr zu unterscheiden sind die Formen seit dem Quantitätenkollaps.
9 So beschreiben es beispielsweise BOUET (1975), S. 91.
6
gebrauch stark zunahm. 10 Mit der Einräumung, dass Präpositionen im frühen Latein viel seltener zu finden seien, als später, 11 argumentiert PINKSTER (1988), dass es in allen Sprachen, auch in solchen, die ein äußerst ausgeprägtes Kasussystem haben, Präpositionen gebe, und schließt daraus, dass auch das Lateinische bereits in seinen Anfängen Präpositionen besaß, die zumindest eine Spezifikationsfunktion des schon vom Kasus ausgedrückten semantischen Werts einer Nominalphrase erfüllen konnten. 12 Bereits in frühen Stadien der lateinischen Sprache kommen also neben den bloßen Kasus auch Präpositionen als Funktionsmarker vor. TEKAVýIû (1972) stellt übersichtlich dar, dass die Markierung der Funktion eines Substantivs im Lateinischen auf drei Weisen vollzogen werden kann: durch die Kasusendung allein, durch eine Präposition, die einen bestimmten Kasus fordert, 13 also durch Präposition und Kasusendung, und schließlich allein durch eine Präposition. 14 Im zweiten Fall, in dem die Präposition den Kasus regiert, muss beachtet werden, dass zwar in vielen Fällen die Präposition den semantischen Wert des Kasus, vor dem sie steht, nur verstärkt, es aber bereits im klassischen Latein vorkommen kann, dass allein die Präposition über den semantischen Gehalt einer Phrase entscheidet. Beispielsweise fordern die Präpositionen intra und extra beide den Akkusativ nach sich, geben der Präpositionalphrase aber eine gerade entgegengesetzte Bedeutung:
(7) tum statuistis etiam intra muros Antoni scelus audaciam que uersari. (Cic. Phil. 3, 13) (8) magis ausi egredi extra muros ad Himeram amnem posuerunt castra. (Liv. 25, 40, 8) TEKAVýIû sieht in solchen Paaren, deren es mehrere gibt (z.B. auch cum / sine oder super / sub) die Keimzelle der romanischen Entwicklung zum verstärkten Präpositionsgebrauch begründet. 15 In einigen Fällen erlaubt das System der lateinischen Sprache eine Abwechslung zwischen der Verwendung eines bloßen und eines präponierten Kasus, wobei der semantische Wert einer solchen Präpositionalphrase gegenüber dem alleinstehenden Kasus sich oft dahingehend intensiviert, dass die Variante mit Präposition eine stärkere affektive und / oder stilistische
10 Vgl. RENZI (1984), S. 50.
11 Die Untersuchung dieses Themas wird dadurch erschwert, dass aus der Epoche des vorliterarischen Lateins keine schriftlichen Texte überlebt haben. Aus den in dieser Arbeit untersuchten Texten (vgl. Kap. 2.4.3, S. 13) lässt sich PINKSTERs These jedenfalls höchstens andeutungsweise bestätigen.
12 Vgl. PINKSTER (1988), S. 101f.
13 Siehe dazu Kap. 2.3, S. 9.
14 Vgl. TEKAVýIû (1972), S. 36. Der zuletzt genannte Fall tritt im klassischen Latein sehr selten und nur bei den wenigen indeklinablen Substantiven auf. Anzumerken bleibt, dass in solchen Fällen theoretisch ein beigestelltes Adjektivattribut Klarheit über den Kasus geben könnte. Davon abgesehen findet man in der klassischlateinischen Literatur kaum Beispiele für eine Verwendung beispielsweise von fas / nefas in Verbindung mit einer Präposition. Ein erster Beleg findet sich bei Arnobius dem Älteren, der im vierten nachchristlichen Jahr-hundert schrieb: et in nefas extraneum mea vita et innocentia producatur? (Arnob. nat. 7, 9). An diesem Beispiel ist einerseits die indirekte Kasusmarkierung des Wortes nefas durch extraneum zu erkennen, andererseits ist nefas ein Neutrum, bei dem ohnehin auch bei deklinablen Wörtern der Akkusativ dem Nominativ formal gleicht. 15 Vgl. TEKAVýIû (1972), S. 36f.
7
Wirkung erzeugt als die entsprechende bloße Kasusform. 16 Die folgenden Beispiele (9) bis (12) zeigen, wie ähnliche Wendungen sowohl mit als auch ohne Präposition verwendet werden:
(9) sed ut tum ad senem senex de senectute sic hoc libro ad amicum amicissimus scripsi
de amicitia. (Cic. Lael. 5) (10) Planco et Oppio scripsi equidem (Cic. Att. 16, 2, 5) (11) quem non ille summo cum studio salvom incolumem que servavit? (Cic. Verr. 2, 5,
153) (12) quem enim ex tantis inimicitiis receptum in gratiam summo studio defenderim, hunc afflictum violare non debeo. (Cic. Rab. Post. 19) Gleichzeitig muss man hier allerdings feststellen, dass TEKAVýIûs Aussage nicht bei allen seinen Beispielen einen eindeutigen Beweis liefert. So ist beispielsweise wie Recherchen lateinischer Texte ergeben, die Wendung scribere (aliquid) ad amicum (vgl. Bsp. 9) in klassischer Zeit wesentlich weiter verbreitet als ihr Äquivalent scribere (aliquid) amico (vgl. Bsp. 10). Es darf daher nicht davon ausgegangen werden, dass die Variante mit Präposition in allen Fällen semantisch markierter ist, als die ohne. Es handelt sich bei TEKAVýIûs Feststellung also um keine Regel, sicher aber um eine bemerkbare Tendenz, wie sie durch die Häufigkeit des Typs in Beispiel (11) gegenüber dem in Beispiel (12) verdeutlicht wird. Bisweilen ist diese scheinbare (stilistische) Freiheit im Umgang mit den Präpositionen ihrerseits wiederum bestimmten Regeln unterworfen, nämlich dort, wo Präpositionen kontextbedingt gesetzt werden müssen oder weggelassen werden dürfen. Beispiele hierfür lassen sich unter den Ausdrücken des Befreiens und Freiseins finden, 17 bei denen eine Verbindung mit a(b) als Alternative zum reinen Ablativus der Trennung zwar immer möglich (vgl. Beipiele 13 und 14), aber dann notwenig ist, wenn eine Person im Ablativ (Beispiel 15) steht: (13) hoc tempore magnis curis molestiis doloribus liberatus praestare debeo (Cic. Marc. 34) (14) sequentur auctoritatem consulis soluti a cupiditatibus, liberi a delictis (Cic. leg. agr.
1, 27) (15) ut plusculum sibi iuris populus adscisceret liberatus a regibus (Cic. rep. 2, 15)
Insgesamt sind also die Regeln des Präpositionsgebrauchs auch im klassischen Latein keineswegs einheitlich und erlauben dem Sprecher zumindest unter bestimmten Bedingungen Freiheiten, wodurch ein gewisser Raum für Abweichungen vom System eröffnet wird, der
16 Vgl. ebd., S. 38.
17 RHH, § 143, 1 b).
8
sich, wie unten zu zeigen sein wird, auf dem Weg in die romanischen Sprachen neue Regelhaftigkeiten annimmt.
1.3 Das Inventar der lateinischen Präpositionen
Die Vielzahl der Präpositionen, mit denen das Lateinische ausgestattet ist, verlangt nach einer systematischen Einteilung in verschiedene Kategorien, um das breite Inventar überschaubar zu machen. Hierfür existieren verschiedene Vorschläge: BOUET (1975) unterscheidet für das Lateinische zwischen sog. echten Präpositionen, d.h. solche, die auch als Verbpräfixe gebraucht werden können, und unechten, die eigentlich nur erstarrte Kasusformen sind und nicht als Verbpräfixe verwendet werden. 18 In anderen Darstellungen werden die Präpositionen allein nach dem Kasus, den sie nach sich ziehen – die lateinischen Präpositionen können neben Akkusativ und Ablativ auch den Genitiv regieren (werden dann allerdings eher als Postposition verwendet) – eingeteilt. 19 Zu unterscheiden ist bei den Präpositionen ferner immer auch in solche, die die Zeit, und in solche, die den Raum beschreiben, außerdem in die, die nach Verben der Bewegung und in die, die nach Verben der Ruhe stehen. Die verschiedenen Klassifikationen lassen alle die breite Vielfalt der lateinischen Präpositionen erkennen, die in sehr unterschiedlichen Kontexten und Verwendungsmöglichkeiten vorkommen können. Des Weiteren soll daran erinnert sein, dass es bereits im klassischen Latein bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich tatsächliche Präpositionen gibt, die entsprechend ihrer Bezeichnung vor dem Bezugswort stehen, und nur vereinzelt Postpositionen auftreten, die in der Literatur oft trotzdem als Präpositionen bezeichnet werden. 20 Dieser Bauplan wird in den romanischen Sprachen bis auf vereinzelte Ausnahmen (z.B. franz. trois jours durant) übernommen. Eine übersichtlich gestaltete Sammlung der lateinischen Präpositionen und ihrer Verwendungsmöglichkeiten findet sich bei MENGE (1993). 21 Auch TOGEBY (1969) beginnt seinen Aufsatz über die lateinischen und romanischen Präpositionen mit einer Zusammenfassung des lateinischen Präpositionalsystems. 22
18 Vgl. BOUET (1975), S. 91.
19 So in sämtlichen Grammatiken des Lateinischen, z.B. MENGE (1993), S. 252ff.
20 So z.B. BOUET (1975), S. 92. Gerade bezüglich dieser Postpositionen, die im Lateinischen mit dem Genitiv stehen, herrscht offensichtlich nach neuerer Erkenntnis Uneinigkeit bezüglich ihrer Einordnung. DEVINE (2006), S. 67 klassifiziert ein nachgestelltes causa bzw. gratia jedenfalls als Ablativ des Mittels (instrumental) und nicht als Prä- oder Postposition.
21 Vgl. MENGE (1993), §§ 201–203.
22 Vgl. TOGEBY (1969), S. 413.
9
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Stefanie Wind, 2009, Flexionsendungen vs. Präpositionen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Das Gedicht "A une passante' von Charles Baudelaire
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