Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................... II
1 Einleitung 3
1.1 Problemstellung 3
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung 4
2 Historische Entwicklung des schwedischen Bildungssystems 6
3 Das schwedische Bildungssystem heute 9
3.1 Grundlegende Werte. 9
3.2 Bildungsverwaltung. 10
3.3 Rechtliche Grundlagen 11
3.4 Struktur des Bildungssystems. 12
3.4.1 Elementarerziehung 12
3.4.1.1 Das familienpolitische Leitbild als Grundlage. 12
3.4.1.2 Betreuungsangebote: Kindertagesstätte und Familienpflege. 13
3.4.1.3 Vorschulische Aktivitäten 15
3.4.2 Das Freizeitheim 16
3.4.3 Die Vorschulklasse. 17
3.4.4 Die obligatorische Grundschule 18
3.4.4.1 Schulform und Stundenpläne 18
3.4.4.2 Unterrichtsorganisation und -methoden 22
3.4.4.3 Beurteilung und Notengebung 22
3.4.5 Das Gymnasium. 23
3.5 Finanzierung und Ausgaben für Bildung. 27
3.6 Personal im Bildungswesen. 28
3.6.1 Personal in der Kinderbetreuung 28
3.6.2 Grundschul- und Gymnasiallehrer 29
4 Schlussfolgerungen für Deutschland. 31
Literaturnachweis 33
II
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Die Ergebnisse der PISA-Studie sind ernüchternd: Sowohl hinsichtlich der Lesekompetenz als auch im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich liegen die Leistungen der deutschen Schüler deutlich unterhalb des OECD-Durchschnitts. Zwar gelang es Deutschland im PISA-Nationenranking von Platz 21 im Jahr 2000 über Platz 18 (2003) auf Rang 13 in der neusten Erhebung von 2006 aufzusteigen, 1 die Diskrepanz zwischen den oberen und unteren Kompetenzniveaus ist im internationalen Vergleich jedoch einmalig groß, und auch im Hinblick auf die sehr enge Verknüpfung zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg nimmt das deutsche Bildungssystem eine traurige Spitzenposition ein. 2
Besonders betroffen von den ungleichen Bildungschancen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund. 3 Sie sind an deutschen Haupt- und Förderschulen über-, an Gymnasien dagegen unterrepräsentiert, und selbst bei einer vergleichbaren sozialen Herkunft sowie einer übereinstimmenden Lesekompetenz sind die Chancen ihrer deutschen Mitschüler auf eine Empfehlung für das Gymnasium fast doppelt so hoch. Angesichts der demographischen Entwicklung kommt allerdings gerade der Förderung und Bildung junger Migranten - als Kinder der einzig wachsenden Bevölkerungsgruppe - eine große Bedeutung für künftige Produktivität und gesellschaftlichen Wohlstand zu. 4
Als derzeitiges Vorbild gelten vor allem die skandinavischen Staaten. „PISA - Wun-derland Schweden“ 5 hat bei vergangenen Schulleistungsvergleichen Spitzenplätze belegt und verfügt laut PISA sowohl über das demokratischste als auch über das integrativste Schulsystem in Europa. Keinem anderen Land gelingt es so gut, Kinder aus sozial schwachen Familien zu hohen Bildungsabschlüssen zu verhelfen.
1 vgl. Sittig, 2007, S. 1
2 vgl. Stompe, o. J., S 134 / Klemm, 2003, S. 50
3 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2007 b, S. 117
4 vgl. Britz, 2007a, S. 8 f.
5 Eibeck, Bernhard, 2002, S. 1
Wie erreichen die schwedischen Schüler aber diese Spitzenleistungen, obwohl bis zum Ende der gemeinsamen neunjährigen Grundschule keine Leistungsdifferenzierung vorgenommen wird und bis zur 8. Klasse nicht einmal Noten vergeben werden? Irritationen treten ebenso beim Oberstufenvergleich auf, in dem die schwedischen Schüler internationale Spitze sind, obgleich das Gymnasium von über 90 % eines Jahrgangs besucht wird und mehr als 70 % die Hochschulreife erwerben.
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung
Meine Hausarbeit „Das schwedische Bildungssystem - Ein Wegweiser für Deutsch-land?“ soll, ausgehend von der in Kapitel 2 erläuterten historischen Entwicklung, einen Einblick in die heutige Situation des öffentlichen Bildungssystems geben. Dabei gehe ich auf unterschiedliche Aspekte ein, wie grundlegende Werte, Bildungsverwaltung und rechtliche Grundlagen, Struktur, Finanzierung und Personal. Abschließend untersuche ich, ob uns das schwedische Bildungssystem als Vorbild dienen kann und inwieweit es gegebenenfalls möglich ist, es auf Deutschland zu übertragen.
Als mir die Lehrveranstaltung „Soziale Ungleichheit und Bildung“ die Defizite des deutschen Schulsystems verdeutlichte, stellte sich mir die Frage, wie der Bildungsbereich in anderen Ländern gestaltet ist, zumal die Ergebnisse der PISA-Studie zeigen, dass beispielsweise die Schwierigkeiten im Bereich der sozialen Ungleichheit keineswegs eine generelle Problematik der OECD-Staaten darstellen. Vor allem die skandinavischen Länder, aber auch Kanada und die Niederlande gelten diesbezüglich als sehr vorbildlich, und selbst innerhalb Deutschlands ist die Koppelung von Bildungserfolg und sozioökonomischer Herkunft etwas weniger ausgeprägt in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland oder Bremen, die eine entwickelte Gesamtschulstruktur vorweisen können. Weil ich selber ein Praktikum in einer integrierten Gesamtschule absolviert habe und dort sehr viele wertvolle, mir aus meiner eigenen Schulzeit unbekannte Erfahrungen gemacht habe, interessierte es mich sehr, inwiefern ein Bildungssystem mit Einheitsschule sozialer Ungleichheit entgegenwirken kann und ob die in Deutschland vielfach angeführte Kritik, dass es in Gesamtschulen zu einer Leistungsminderung guter Schüler komme, berechtigt ist.
Für die nähere Betrachtung des schwedischen Systems habe ich mich entschieden, weil auch Schweden ein Einwanderungsland ist, in dem knapp 1,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben. Dies entspricht fast 20 % der Gesamtbevölkerung und ist somit sogar doppelt so hoch wie der prozentuale Anteil der in Deutschland lebenden Migranten, so dass die Ausgangslage beider Staaten durchaus vergleichbar ist. 6
6 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2007 b, S. 107 ; Raststätter / Gehring, 2003, S. 1
2 Historische Entwicklung des schwedischen Bildungssys-
tems
Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1842 gliederte sich das schwedische Bildungssystem in Volksschule, Realschule und Gymnasium. Ein erster Schritt in Richtung des heutigen Schulsystems erfolgte, als 1927 im Zuge einer Reformierung des Bildungswesens aus der Volksschule die allgemeine Grundschule wurde, an die sich die Realschule und an diese wiederum das drei- oder vierjährige Gymnasium anschloss. Zugleich erfolgte an den Gymnasien die Einführung von Wahlpflichtfächern, welche nach individuellen Interessen und Stärken gewählt werden konnten. 7
1932 gelangte die sozialdemokratische Partei (SAP) unter der Führung von Per Albin Hansson an die Regierung und konnte sich, mit Ausnahme von kurzen Unterbrechungen in den Jahren 1976-82 und 1991-94 sowie im Jahr 2006, dort bis heute behaupten. 8 Weil auch innerhalb der Partei eine große Beständigkeit herrschte, gelang es den Sozialdemokraten, das selektive Schulsystem nachhaltig zu reformieren und das von der Ideologie eines Wohlfahrtsstaates geleitete Prinzip der Chancengleichheit auch im Bildungssektor besser umzusetzen. Eine Kommission aus Parlamentariern entwickelte 1946 ein Konzept für eine einheitliche neunjährige Grundschule mit einem daran anschließenden dreijährigen Gymnasium. In einer auf zehn Jahre angelegten Versuchsphase wurde dieser Entwurf am 26. Mai 1950 durch Beschluss der Regierung vorläufig umgesetzt und 1962 nach erfolgreichem Verlauf schließlich in das Schulgesetz aufgenommen. Die landesweite Umsetzung des neuen Modells, durch das sich die Schulpflicht von sieben auf neun Jahren verlängerte, erfolgte in den darauffolgenden zehn Jahren. 9
Als „rollende Reform“ 10 setzte sich der Prozess der Umstrukturierung Anfang der 70er Jahre, nachdem er an den Grundschulen abgeschlossen war, an den Gymnasien fort. Auch dort wollte die SAP dem Anspruch der Gleichbehandlung aller gerecht werden und eine erhöhte soziale Mobilität erreichen, indem sie Fach- und Be-
7 vgl.Möhler, 2008, S. 14
8 vgl. Gräßler / Holz, 1999, S. 2
9 vgl. Möhler, 2008, S. 14 f.
10 Institut für internationale Bildungspolitik und Pädagogik, 1990, S. 66
rufsschulen in das Gymnasium integrierte und für dieses einheitliche Richtlinien und Lehrpläne entwarf. 11
Geleitet von den Zielen der schwedischen Schulreform in den 1950er und 60er Jahren, Bildung zu demokratisieren und Chancengleichheit zu ermöglichen, wurden neben der Struktur des Schulwesens auch dessen Inhalte und Methoden geändert. In den Vordergrund rückten nun die politische und gesellschaftliche Bildung sowie die Vermittlung praktischer sozialer Erfahrungen, um die Selbstständigkeit, das Selbstvertrauen sowie die Kooperationsfähigkeit der Schüler zu fördern. 12 Bereits zu Beginn der 70er Jahre entstand allerdings hinsichtlich seiner zentralisierten Leitung erste Kritik an dem schwedischen Schulsystem. Obwohl nur durch die starke staatliche Lenkung der geradlinige Umbau zu einer einheitlichen Grundschule ermöglicht wurde, erwies es sich nun als unflexibel und wenig anpassungsfähig an örtliche Verhältnisse. Als ein erster Schritt in einer Reihe von Dezentralisierungsmaßnahmen änderte sich deswegen 1978 die Finanzierung der Schulen von einer zweckgebundenen Vergabe der Mittel hin zu einer schulbezogenen Pauschalfinanzierung. 13
Darauf folgend wurden 1980 die Lehrpläne revidiert, um sowohl den Schulen als auch den Lehrern eine größere Freiheit in der Unterrichtsgestaltung zu ermöglichen und insgesamt schülerorientierter arbeiten zu können. Es entstanden kleine separate Einheiten innerhalb der Schule, in denen die Lehrer in Teams zusammenarbeiten. Das Aufgabenfeld der Pädagogen beschränkt sich seitdem nicht mehr auf die reine Wissensvermittlung, sondern schließt ebenfalls begleitende und beratende Funktionen ein. Außerdem haben neue Unterrichtsmethoden, wie zum Beispiel Gruppenarbeit, an Bedeutung gewonnen und den bislang vorherrschenden Frontalunterricht in den Hintergrund gedrängt. Um sich der beruflichen und gesellschaftlichen Realität besser anzupassen, wurde darüber hinaus auch fächerübergreifender Unterricht eingeführt. 14
11 vgl. Möhler, 2008, S. 15 / Ekholm, 2003, S. 10
12 vgl. Ekholm, 2003, S. 2
13 vgl. Möhler, 2008, S. 16
14 vgl. Möhler, 2008, S. 16
Seit Anfang der 90er Jahre setzte sich der Prozess der Dezentralisierung weiter fort, indem zunächst die aus zwölf Provinzialschulämtern bestehende mittlere Verwaltungsebene komplett aufgelöst wurde und das nationale Zentralamt für Schulwesen zuerst verkleinert, 1991 dann aufgelöst und durch das neu gegründete, schlankere und mit deutlich weniger Befugnissen ausgestattete Zentralamt für Schule und Erwachsenenbildung (Skolverket) ersetzt wurde. Die nationale Ebene war fortan hauptsächlich für die Erarbeitung von landesweit einheitlichen Rahmenbedingungen zuständig, während viele andere Verantwortungsbereiche von den Kommunen und Einzelschulen übernommen wurden. 15
Mitte der neunziger Jahre wurde das Bildungssystem noch durch eine weitere freiwillige Schulform ergänzt, denn als im Juli 1996 die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung vom Gesundheits- und Sozialministerium zum Bildungs- und Forschungsministerium überging, führte dies zu einer stärkeren Zusammenführung von Schule und Vorschule. Die Elementarerziehung stellt seitdem die erste Stufe im Bildungssystem und somit im Prozess des lebenslangen Lernens dar. 16 Am 1. Januar 1998 wurde daraufhin ein Curriculum für die Vorschule eingeführt und in die Schulordnung aufgenommen, so dass alle drei nun bestehenden Curricula ineinander übergreifen und einen nahtlosen Übergang von einem Erziehungssystem in das nächste ermöglichen. 17
Zeitgleich wurde die Vorschulklasse gegründet und in das Bildungssystem integriert. Als eine separate Schulform wird sie von den Kindern ein Jahr vor Eintritt in die Grundschule besucht. 18
15 vgl. Möhler, 2008, S. 17
16 vgl. Veil, 2003, S. 15
17 vgl. Ministerium für Erziehung und Wissenschaft in Schweden, 1998, S. 1
18 vgl. Berger, 2004, S. 2
Arbeit zitieren:
Sabrina Heuer, 2008, Das schwedische Bildungssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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