CAU Kiel
Typusmodell Projektunterricht
von
Thomas Reith
1 Zentrale Begrifflichkeit 1
2 Historischer Ursprung 9
3 Begründung 12
4 Möglichkeiten und Grenzen 16
5 Literatur 18
1 Zentrale Begrifflichkeit
Der Begriff »Projekt« steht im Allgemeinen für die Planung und Durchführung eines Vorhabens und wird in diesem Sinne vor allem in der Industrie und in der Forschung verwendet. Auf den Bereich von Schule und Unterricht übertragen bedeutet er die Planung und Durchführung einer längeren Unterrichtseinheit.1
Nach JOHN DEWEY und WILLIAM HEARD KILPATRICK, die als die bedeutendsten Initiatoren des pädagogischen Pragmatismus angesehen werden, ist ein Projekt ,,ein planvolles Handeln, das von dem gesamten personalen Impetus getragen wird und in einer sozialen Umwelt abläuft"2.
HERBERT GUDJONS stellt in seinem Buch ,,Handlungsorientiert lehren und lernen" (4. Auflage 1994) eine ,,Systematik von Schritten und Merkmalen eines Projektes"3 vor:
[...]
Abb. in Downloadversion enthalten.
- Eigene Darstellung nach H. Gudjons (1994) -
Diese Systematik soll im folgenden näher erläutert werden. Demnach setzt sich ein Projekt aus vier Projektschritten zusammen, welche wiederum in einzelne Merkmale unterteilt werden können. Der erste Projektschritt (Eine für den Erwerb von Erfahrungen geeignete, problemhaltige Sachlage auswählen) bezieht sich auf die Auswahl einer geeigneten Sachlage bzw. Problemstellung.
Das erste Merkmal beschreibt eine Situation, oder auch Sachlage, als eine nicht auf einen bestimmten Fachaspekt verengte Aufgabe oder Problemstellung. ,,In einer »Sachlage« hängen die Dinge so zusammen, wie sie in der Wirklichkeit vorkommen (...)"4 Das bedeutet, dass sie sich nicht einer systematischen Einteilung in Schulfächer fügt, was bei Lehrkräften dazu führen kann, sich fachlich überfordert zu fühlen. Dies kann dagegen auch Ansatz sein, gemeinsam mit den Schülern an eine Sache heranzugehen. Auf jeden Fall bleibt der Situationsbezug jedoch darauf zu überprüfen, ob er für den Erwerb von Erfahrungen geeignet ist, also ob er von den bisherigen Schülererfahrungen nicht zu weit entfernt ist und ob er andererseits ,neu′ genug ist, um ein wirkliches ,Problem′ darzustellen. Situationsbezug bedeutet weiterhin, dass die Fragestellung des Projekts mit dem wirklichen Leben zu tun haben soll. ,,Es kommt im Projektunterricht darauf an, das Leben wieder am Leben zu lernen."5
Das zweite Merkmal beschreibt die Notwendigkeit der Orientierung an den Interessen der Beteiligten. Um zu erreichen, dass ein ‚echtes Problem’ aus der Sachlage erwächst, muss das Projektthema an den Interessen der Beteiligten ausgerichtet sein. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Interessen bei den Schülern nicht unbedingt als gegeben angenommen werden können. Es gehört für den Lehrer also auch dazu, Interessen zu wecken, sei es durch Handlungserfahrungen, Filme, Besichtigungen oder anderes. Auch darf nicht angenommen werden, die Projektvorschläge dürften nur von Schülerseite vorgebracht werden.
[...]
1 vergl. C. Wulf: Wörterbuch der Erziehung, 6. Auflage, München 1984, S. 470. (im folgenden zitiert als: C. Wulf: Wörterbuch der Erziehung.)
2 H. Röhrs: Projekt, Projektunterricht, in: Wörterbuch der Pädagogik, 3. Band, herausgegeben vom Willmann-Institut München - Wien (Leiter der Herausgabe: Prof. Dr. Heinrich Rombach), Freiburg 1977, S. 13. (im folgenden zitiert als: H. Röhrs: Projekt, Projektunterricht.)
3 H. Gudjons: Handlungsorientiert lehren und lernen. Schüleraktivierung - Selbständigkeit - Projektarbeit, 4. Auflage, Bad Heilbronn 1994, S. 67. (im folgenden zitiert als: H. Gudjons: Handlungsorientiert lehren und lernen.)
4 H. Gudjons: Handlungsorientiert lehren und lernen, a.a.O., S. 68.
5 H. Gudjons: Handlungsorientiert lehren und lernen, a.a.O., S. 68.
Arbeit zitieren:
Thomas Reith, 2000, Typusmodell Projektunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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