Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Bevölkerungsentwicklung in Gelsenkirchen. 4
3. Familienstrukturen in Gelsenkirchen 8
3.1 Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf. 10
4. Kommunale Familienpolitik: Wirksame Umsetzung politischer Ziele vor Ort zum
Schutz und Wohl der Familie. 12
4.1 Handlungsfelder Kommunaler Familienpolitik 13
4.2 Familie als wichtiger Motor kommunaler Entwicklung 15
5. Gelsenkirchen: Praktische Beispiele der Familienpolitik. 18
5.1 Konzept der Familienförderung / Familienbildung 19
5.1.1 Hausbesuche bei Erstgeborenen 19
5.1.2 Gelsenkirchener Elternschule. 20
5.1.3 Offene Eltern-Baby/Kind-Treffs. 21
5.1.4 Hilfe für Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf. 21
5.2. Das Gelsenkirchener Bündnis für Familie 23
5.3 Vereinbarkeit von Beruf und Familie 24
6. Fazit. 26
Literaturverzeichnis 29
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1. Einleitung
Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Bevölkerungsstruktur in Deutschland finden sich auch im Erscheinungsbild der Familie wieder. Neben dem Rückgang der Geburtenrate kommt es zur Erosion traditioneller Familienformen und so steigt die Anzahl unverheirateter Paare mit Kindern sowie der Anteil an Familien mit alleinerziehenden Müttern und Vätern.
Nach dem Grundgesetz sind Bund, Länder und Gemeinden dazu verpflichtet, Ehe und Familie unter besonderen Schutz zu stellen. Ferner sind Familien in ihren Funktionen für Kommunen auch bedeutende Leistungsträger. So erfüllen sie durch tägliche Konsumentscheidungen eine wichtige wirtschaftliche Funktion, tragen zum Erhalt des Humanvermögens bei, bieten eine unerlässliche Sozialisationsfunktion und vermitteln dadurch den kommenden Generationen die Fähigkeit eines solidarischen Lebens innerhalb der Gesellschaft. Die Familie ist demzufolge ein essenzieller Motor für die Kommune und benötigt gerade bei erodierenden Bevölkerungszahlen besondere Unterstützung. Anders als Bund und Länder erleben Kommunen Familien vor Ort und können dort gezielt auf Probleme reagieren.
Daher beschäftigt sich die vorliegende Forschungsarbeit mit der Frage, wie sich der Handlungsspielraum für eine Kommune auf familienpolitischer Ebene gestaltet. Welche Pflichten und Möglichkeiten hat sie, um gezielte Unterstützung für Familien zu leisten, und welche sind dabei besonders effektiv? Als Beispielkommune dient dafür die kreisfreie Stadt Gelsenkirchen, die im landesweiten Vergleich innerhalb Nordrhein-Westfalens besonders stark von den Auswirkungen des demographischen Wandels betroffen ist und in diesem Zusammenhang seit 2005 verschiedene familienfördernde Projekte und Maßnahmen begonnen hat.
Zu Beginn wird auf die Bevölkerungsentwicklung in Gelsenkirchen seit 1976 eingegangen. Mit den dabei verwendeten Daten des statistischen Informationssystems Nordrhein-Westfalens soll ein Überblick über die Veränderung der Bevölkerungsstruktur Gelsenkirchens in den letzten 30 Jahren geschaffen werden. Im Weiteren scheint es ebenso sinnvoll speziell auf die aktuellen Familienstrukturen in Gelsenkirchen hinzuweisen. Die in diesem Kapitel verwendeten Daten beziehen sich ausschließlich auf den Familienbericht Gelsenkirchen 2006, welcher im Rahmen eines Modellprojekts des Landes Nordrhein-Westfalen vom Zentrum für Interdisziplinäre
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Ruhrgebietsforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum erhoben wurde. Hierdurch soll ein Einblick über die aktuelle Entwicklung der Bevölkerungs- und Familienstruktur Gelsenkirchens geliefert werden. Danach wird der eigentlichen Frage nachgegangen, was kommunale Familienpolitik bedeutet, welche Notwendigkeit eine gezielte Familienpolitik darstellt und welchen politischen Spielraum Kommunen dabei besitzen. Abschließend folgt eine Betrachtung der Kommune Gelsenkirchen. Anhand von verschiedenen Beispielen soll verdeutlicht werden, welche familienfördernden Maßnahmen die Stadt umgesetzt hat, um gegen die Auswirkungen des demographischen Wandels vorzugehen.
2. Bevölkerungsentwicklung in Gelsenkirchen
Betroffen von der demographischen Entwicklung sind Gemeinden, Städte und Kreise in ganz Deutschland. Dies bedeutet zugleich eine gesellschaftliche wie auch wirtschaftliche Veränderung des Landes. „Die Pluralität von Lebensstilen, Individualisierungstendenzen, die wachsende Anzahl (junger und alter) Alleinlebender und die infolge von Arbeitslosigkeit zunehmende Armut führen zu einer Auflösung traditioneller Strukturen“ (Schmidt/Starmann Große 2006: 8). Die Auswirkungen gestalten sich hierbei jedoch höchst unterschiedlich, so sind manche Regionen stärker vom demographischen Wandel betroffen als andere. Vorreiter sind vor allem strukturschwache Regionen, zu denen auch das Ruhrgebiet zählt. Eine besondere Rolle spielt hier vor allem die kreisfreie Stadt Gelsenkirchen. In dem nun folgenden Überblick über die demographische Entwicklung der Stadt soll kurz auf die Veränderung der Bevölkerungsstruktur seit 1976 eingegangen werden. Damit soll deutlich gemacht werden, welchen Herausforderungen Kommunen vor allem auf familienpolitischer Ebene gegenüberstehen.
Wie in Abbildung 1 deutlich zu erkennen ist, leidet Gelsenkirchen in den letzten Jahren an einem hohen Bevölkerungsschwund. Zwar kam es zwischen 1987 und 1992 zu einem leichten Zuwachs, dennoch reduzierte sich die Zahl von 317980 Einwohnern im Jahr 1976 auf 266772 Einwohner 2006. Dies bedeutet für die Stadt einen Rückgang von 16,01 % in rund 30 Jahren.
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Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung Gelsenkirchens von 1976 bis 2006
Datenquelle: Landesdatenbank NRW
Vergleicht man diese Daten nun mit der Bevölkerungsentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen (Abb. 2), ist ein deutlicher Unterschied zu erkennen. Im Gegensatz dazu ist die Einwohnerzahl in Gelsenkirchen zwischen 1976 und 1986 kontinuierlich gesunken.
Abb. 2: Bevölkerungsentwicklung im Vergleich zu NRW von 1976 bis 2006
Index: 1976 = 100
Datenquelle: Landesdatenbank NRW
Zwar verringerte sich auch auf der Landesebene die Bevölkerungszahl bis 1986 geringfügig um 2,34 %, jedoch erreichte sie bereits 1989 wieder ihr ursprüngliches Niveau und stieg in den kommenden Jahren konstant an. Erst im Jahr 2006 sind die
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Zahlen auch auf Landesebene wieder leicht rückläufig. Insgesamt verbuchte das Land, und somit ganz im Gegensatz zu der kreisfreien Stadt Gelsenkirchen, innerhalb von 30 Jahren einen Bevölkerungszuwachs von 5,6 %. Der landesweite Vergleich zeigt deutlich, dass der demographische Wandel in Gelsenkirchen besonders stark zu spüren ist. Betroffen von der Entwicklung ist jedoch nicht nur die Bevölkerungsdichte einer Region. “So nimmt der Anteil der Älteren in den Kommunen zu, der Anteil der Kinder sinkt und zugleich wachsen viele Kinder in sozial schwierigen Verhältnissen auf“ (Meier/Esche 2006: 6). Betrachtet man die Daten aus Abbildung 3, ist eine weitere Veränderung in der Gesellschaftstruktur deutlich zu erkennen. Im Jahr 1976 lag die Quote der unter 18 Jährigen noch bei 23,15 %, bis 1992 schrumpfte der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung von Gelsenkirchen bereits auf 18 %.
Abb. 3: Bevölkerungsanteil in Gelsenkirchen nach Alter
Datenquelle: Landesdatenbank NRW
Angaben in %
Obwohl der Wert aus dem Jahr 1992 identisch ist mit dem von 2006, gab es einen deutlichen Wandel in den übrigen Altersgruppen. So zählten 2006 bereits über 21 % zu den über 65 Jährigen, dies bedeutet einen Zuwachs der genannten Altersgruppe von über 3,34 % gegenüber 1992 und 5,67 % im Vergleich zu 1976. Die mittlere Altersgruppe der 18 bis unter 65 hat sich in den letzten 30 Jahren wieder zu ihrer Ursprungsgroße zurück entwickelt, dafür ist der Anteil von älteren Menschen in Gelsenkirchen merklich gestiegen und der Anteil von Kindern und Jugendlichen deutlich gesunken. Somit ist die Bevölkerung von Gelsenkirchen im Schnitt nicht nur älter
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geworden, der niedrige Anteil an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren lässt auch darauf schließen, dass in den vergangenen 30 Jahren die Geburtenrate merklich zurück gegangen ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor, der zur Veränderung des Bevölkerungsbildes der Beispielkommune beiträgt und hier betrachtet werden soll, ist der Zuwachs an Personen mit Migrationshintergrund. Nicht im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit waren 1976 rund 7,49 % der Einwohner Gelsenkirchens (vgl. Abb. 4). Trotz eines leichten Rückgangs Mitte der 80er Jahre und zu Beginn der Jahrhundertwende stieg der Anteil dieser Personengruppe bis 2006 insgesamt auf 13,68 %. Allerdings sind die Zahlen seit den letzten 3 Jahren wieder leicht rückläufig und den bisher höchsten Wert, mit 14,78 %, verbuchte die Stadt bereits 1996.
Abb. 4: Zuwanderungsentwicklung Gelsenkirchens von 1976 bis 2006
Datenquelle: Landesdatenbank NRW
Angaben in %
Insgesamt stieg der Anteil der Einwohner ohne deutschen Pass an der Gesamtbevölkerung Gelsenkirchens seit 1976 bis zum Jahr 2006 um 6,19 %. Allerdings reichte auch die Zuwanderung von Personen mit Migrationshintergrund nicht aus, um den Bevölkerungsschwund der Stadt auszugleichen.
Bereits diese kurze Einsicht in die Bevölkerungsentwicklung von Gelsenkirchen zeigt deutlich, welchen Wandel die Stadt in den letzten 30 Jahren erlebt hat. Die Kommune steht dabei verschiedenen Herausforderungen gegenüber und muss auf die demographische Entwicklung gezielt reagieren. So verliert die Stadt durch den Bevölke-
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rungsrückgang nicht nur stetig an potentiellen Steuerzahlern, auch das Familienbild hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die Anzahl von Kindern und Jugendlichen verringert sich und lässt auf einen Rückgang der Geburtenrate schließen. Dazu treffen auf engstem Raum immer mehr Nationalitäten zusammen. Im Folgenden Kapitel soll daher speziell auf die Entwicklung des Familienbildes der Stadt Gelsenkirchen eingegangen werden.
3. Familienstrukturen in Gelsenkirchen
Die in diesem Kapitel verwendeten Daten beziehen sich ausschließlich auf den Familienbericht Gelsenkirchen 2006, welcher im Rahmen eines Modellprojekts des Landes Nordrhein-Westfalen vom Zentrum für Interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum erhoben wurde. Dabei soll lediglich ein Einblick in die aktuelle Familienstruktur von Gelsenkirchen geschaffen werden, auf eine detailierte Betrachtung der Daten wird aufgrund des Umfangs bewusst verzichtet. Wie bereits einleitend schon erwähnt, kommt es zu einer Erosion des traditionellen Familienbildes und nirgends in Deutschland ist es wie im Durchschnitt. Diese Aussage lässt sich auch auf kleinräumigere Bereiche übertragen und somit zeigt sich auch in den verschiedenen Stadteilen Gelsenkirchens ein differenziertes Bevölkerungs-und Familienbild (vgl. Zefir 2006: 45ff).
In den Stadtteilen Hassel und Neustadt liegt der Jugendquotient 1 mit 36 % in Gelsenkirchen am höchsten und jeder fünfte Bewohner hat das Lebensalter von 18 Jahren noch nicht erreicht. Den niedrigsten Jugendquotienten findet man dagegen in der Altstadt und in Resser Mark, wobei der zuletzt genannte Stadtteil mit 45,7 % einen besonders hohen Altenquotienten 2 und gleichzeitig mit 23,2 % den niedrigsten Anteil an Kindern und Jugendlichen zu verbuchen hat (vgl. Abb. 5). In Scholven, Bismarck und Hassel findet sich ungefähr in jedem vierten Haushalt mindestens ein Kind unter 18 Jahren. Gesamtbetrachtet handelt es sich dabei in 54 % aller Fälle um eine Ein-Kind-Familie, in 33 % der Familien leben zwei Kinder und in nur 13 % liegt die Zahl darüber (56).
1 Der Jugendquotient bezieht sich auf das Verhältnis von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zur Gruppe der Erwachsenen von 18 bis unter 65 Jahren (32).
2 Der Altenquotient bezieht sich auf das Verhältnis der über 65 Jährigen zur Gruppe der Erwachsenen von 18 bis 65 Jahren (ebd.).
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Arbeit zitieren:
Oliver Müller, 2008, Handlungsmöglichkeiten kommunaler Familienpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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