Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Geschichte des Telefons bis 1918 6
2.1 Streit um den Erfinder 6
2.2 Das Telefon in Deutschland zur Jahrhundertwende 7
2.3 Das Telefon in der Welt 10
2.4 Von der Jahrhundertwende zum Krieg 12
3. Das Telefon im Krieg 13
3.1 Der Erste Weltkrieg 13
3.2 Der Fernsprecher (k)ein Massenmedium 15
3.3 Das Telefon, ein effektives Kriegsinstrument? 16
4. Fazit 19
5. Quellenverzeichnis 22
1. Einleitung
„Eine der vielen Grundfragen, die hier nur exemplarisch dargestellt werden können, resultiert aus dem Verhältnis von allgemeiner Geschichte und Mediengeschichte, das nicht zuletzt durch die Entwicklung audiovisueller Medien in ein neues Stadium getreten ist. Ausgehend von der Frage nach dem Wandel der Medien in der Geschichte und dem Wandel der Geschichte durch die jeweiligen Medien kommt Harry Pross zum Ergebnis, dass Mediengeschichte eine Art Universalgeschichte sein müsste, wenn sie die konstituive Macht der Kommunikation für die Gesellschaft interpretieren wollte“ (Haas, Hannes 1992: S. 7).
Die Frage nach dem Wandel der Medien in der Geschichte und dem Wandel der Medien durch die Geschichte ist eine der Grundfragen der Medien- und Kommunikationsgeschichte. Hinter dieser Problemstellung verbirgt sich weit mehr als auf den ersten Blick sichtbar scheint, es ist auch die Frage nach Ursache und Wirkung oder im philosophischen Kontext gesehen, was denn zu erst da gewesen sei. Daher kann die Frage, ob ein bestimmtes Medium eine geschichtliche Epoche ermöglicht hat oder ob die Epoche selbst zur Entstehung des Mediums geführt hat, nur schwer in seiner ganzen Vielfalt erörtert werden. Allerdings kann diese Ursachenfrage als Leitfaden für eine Medienanalyse im geschichtlichen Kontext dienen. Die Annahme, dass es sich bei der Medien- und Kommunikationsgeschichte um eine Teildisziplin der Geschichte handelt, greift in vielen Kontexten sicherlich zu kurz und wird der Bedeutung der Disziplin nicht gerecht. „Kommunikationsgeschichte ist mithin nicht eine Teildisziplin [...], sondern die gesamtdisziplinäre Vergegenwärtigung der eigenen Historizität und derjenigen des Gegenstandes“ (Haas, Hannes 1992: S. 3). Es gibt keine Geschichte ohne Medien. Diese Aussage kann in doppelter Deutung interpretiert werden. Zum einen sind Medien (Bücher, Schriften, Tonträger usw.) die Informationsträger, die unsere eigene Geschichte fassbar und transparent machen. Zum anderen ist der Einfluss der Medien in der in vergangenen Zeiten eine fundamentale Variable, die in jeder wissenschaftlichen Betrachtung zur Geschichte berücksichtigt werden müsste. „Als Wissenschaft von der gesellschaftlichen Kommunikation wird überdies von ihr die Einlösung der Frage gefordert, welche spezifische Rolle ein bestimmtes Medium im Gesamtzusammenhang der Kommunikation seiner Zeit gespielt hat.“ (Haas, Hannes 1992: S. 3). Es besteht daher kaum ein Zweifel, dass die Begriffe Medien und Geschichte bei ihrer Zusammenführung zu einem neuen interdependenten Gesamtbegriff verschmelzen. Dieser enthält zwei sich gegenseitig bedingende Disziplinen die bei wissenschaftlicher Betrachtung nur schwer getrennt werden können. Das Gewicht, welches den Medien im geschichtlichen
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Zusammenhang zu gesprochen wird, verdeutlicht sich auch in Sülzers Hypothese, wonach zwischen der Struktur sowie der Entwicklung der Gesellschaft einerseits und der Struktur des Massenkommunikationssystems ein Zusammenhang besteht (vgl. Haas, Hannes 1992: S. 7). Auch an anderer Stelle zeigt sich der Einfluss der medialen Entwicklung auf die Geschichte und deren Schreibung. Harry Pross legt seiner epochalen Gliederung die Medientechnologie zu Grunde und erkennt an hand derer geschichtliche Phasen.
„Die Periodisierung folgt dabei der Medientechnologie. In meiner Berliner Vorlesung erwies sich für die europäische Mediengeschichte der Neuzeit der Ausgang Gutenberg als zu spät angesetzt. Es stellte sich heraus, dass die Erfindungen von Papier, Atlas, Perspektive, Kompass, weiter: die Kanzleisprachen und die Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten, kurz, „Veränderung des mittelalterlichen Weltbildes“ dieser Technologie vorangestellt werden müssen. Die erste Phase verläuft dann bis zu Erfindung der Lithographie 1797. Die zweite umfasst das 19. Jahrhundert bis zur Erfindung des Kinofilms. Dann wird mit der Elektrifizierung das Material so breit, dass die Anfänge des Fernsehens einen Abschluss bilden und eine vierte Periode nur die Jahre von den Fernsehanfängen bis zum Transistorradio umfassen kann. Die Elektronische Revolution ist noch nicht vergangen.“ (Pross, Harry 1992: S. 15)
Der Blick in die Vergangenheit zeigt einige mediale Neuerungen, die fundamentale Umbruchbewegungen im Laufe der Geschichte einleiteten. Die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts, durch Johannes Gutenberg, nährte nicht nur die Bildungsbewegung des Humanismus, sondern gilt auch als einer der Hauptkatalysatoren für die Reformation der Kirche. Die massenhafte Verbreitung von Schriften der Reformatoren, wäre ohne den Buchdruck mit beweglichen Lettern undenkbar gewesen. So wurden Ereignisse in der Geschichte immer auch von den medialen Möglichkeiten getragen und mitbestimmt. Gerade das 19. Jahrhundert stand im Zeichen der technischen Neuerungen und dem herausragenden wissenschaftlichen Fortschritt der Medientechnik.
„Das Prinzip des optischen Fernmeldesystems wird seit 1816 vom Prinzip des elektrischen Telegraphen konkurriert. Das 19. Jahrhundert ist durch eine Parallelentwicklung von optischer und elektrischer Telegraphie und von einer Koevolution der Telegraphie mit dem Post- und Briefwesen einerseits und den militärischen Erfordernissen andererseits bestimmt.“ (Schanze, Helmut 2002: S. 238)
Gerade die Fernübertragung von Information durch elektronische Impulse, die 1833 erstmals von C.F. Gauß und W.E. Weber vorgestellt wurde und als erster elektrischer Telegraph in die Geschichte einging, schaffte völlig neue Möglichkeiten im Bereich der Kommunikation (vgl. Schanze, Helmut 2002: S. 238). 1861 stellte der deutsche Physiker Philipp Reis vor dem „Physikalischen Verein“ in Frankfurt am Main, das erste Gerät vor, welches mit Hilfe von
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Elektrizität Sprache und andere komplexe Schallvorgänge übertragen sollte und übertrug (vgl. Bernzen, Rolf 1992: S. 7-8). Auch wenn in der Geschichtswissenschaft teilweise Uneinigkeit über den Erfinder des Telefons herrscht, da das Patent für den Fernsprecher 1876 von Alexander Graham Bell angemeldet wurde und nicht von Philipp Reis, so kann man doch behaupten, dass der deutsche Physiker als Urvater des Telefons gilt. „Fest steht ferner, dass alle Techniker und Forscher, die an den Entwicklungen des Telephons in dieser Zeit maßgeblich beteiligt sind, Philipp Reis, sein Telephon und seine Experimente kennen“ (Bernzen, Rolf 1992: S. 16). Heute ist das Telefon aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, ebenso wie die Möglichkeit des Buchdruckes schon seit vielen Generationen nicht mehr wegzudenken ist. Die Menschen des 21. Jahrhunderts werden also mit der Verfügbarkeit dieser Medien und deren Gebrauch schon sozialisiert und gestalten damit ihre gesellschaftlichen Interaktionsprozesse. Im geschichtlichen Kontext stellt sich nun die Frage, welche sozialen Auswirkungen die Einführung bestimmter medialer Kommunikationsmittel in der Zeit ihrer Erfindung hatten. Folgt man der Hypothese (vgl. S. 3), dass die Entwicklung des Massenkommunikationssystems eng mit der Entwicklung der Gesellschaft verbunden ist. Daraus ergibt sich die Forschungsfrage, welchen gesellschaftlichen Einfluss die Erfindung des Telefons hatte und welche Rolle das Telefon in großen gesellschaftlichen Umbruchsituationen hatte.
Sicher ist der Rahmen der vorliegenden Arbeit begrenzt und kann unmöglich die gesamte Entwicklung des Telefons mitsamt ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen nachzeichnen. Daher soll der Fokus auf die Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges begrenzt werden. Das Telefon im Kontext der Zeit zwischen 1914 und 1918 zu betrachten scheint bei genauerer Betrachtung äußerst sinnvoll, da es sich bei der Erfindung des Fernsprechers zweifellos um
eine neue medientechnische Errungenschaft handelte 1 , die in einem weltumspannenden Ereignis wie den Ersten Weltkrieg eine entsprechenden Einfluss gehabt haben könnte. Ob es zwischen Telefon und Erstem Weltkrieg eine ähnlich stringente Verbindung gibt, wie sie heute oftmals dem Buchdruck und der Reformation nachgesagt wird, gilt es zu erörtern. Danach soll in einem ersten Schritt die Geschichte des Telefons noch einmal dargestellt werden. In einem zweiten Schritt soll der Krieg kurz thematisiert werden und auf die Rolle
1 [...] Zwar sind die für eine Kommunikation zwischen räumlich getrennten Personen ungleich besseren Möglichkeiten rasch erkannt worden, und kaum eine Erfindung ist so schnell angewandt worden und hat eine scheinbar so unaufhaltsame Verbreitung gefunden wie das Telephon“ (vgl. Wessel, Horst A. 1995: S. 101-127). „Von maßgebendem Einfluss sowohl auf die Entwicklung der elektrischen Telegraphie- wie auch auf die des elektrischen Nachrichtenwesens insgesamt erwies sich die Einführung des Fernsprechers als selbstständiges Nachrichtenverkehrsmittel“ (vgl. Wessel, Horst A. 1983: S. 972).
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des Telefons als Medium eingegangen werden. In einem letzten Teilkomplex soll versucht werden, die Stellung des Fernsprechers im ersten Weltkrieg näher zu beleuchten.
2. Die Geschichte des Telefons bis 1918
2.1 Streit um den Erfinder
Da es sich im Folgenden um einen historischen Abriss handelt, soll die Geschichte des Telefons nicht bis in die Gegenwart nachvollzogen werden. Die Einschränkung auf den Bereich vor 1918 ist daher beabsichtigt und reicht für den vorliegenden Betrachtungshorizont vollkommen aus.
Wie im oberen Teil schon Erwähnung fand, präsentierte der deutsche Wissenschaftler Philipp Reis 1861 vor dem Physikalischen Verein in Frankfurt am Main seine erste Version des Fernsprechers (vgl. Bernzen, Rolf 1992: S. 8). Die kommerzielle Nutzung der Apparatur leitet Alexander Graham Bell mit seiner Patentanmeldung im Jahre 1876 ein. Der beantragte Schutzumfang dieses Patentes erscheint aus heutiger Sicht sehr umfassend, beinhaltete er doch jede Form der Übertragung von Sprache und Tönen auf elektrischem Wege und ließ folglich keinerlei Platz für Konkurrenzapparaturen, obwohl diese im durchaus vorhanden waren 2 .
„Bells Patentanmeldung erfolgt somit in einem ökonomisch bedeutsamen und von starken gesellschaftlichen Interessen geprägten Umfeld gleichartiger wissenschaftlichtechnischer Zielvorgaben und ähnlicher, in ihrem Entwicklungsstand vergleichbar bzw. sogar fortgeschrittenerer Forschungsarbeiten: Elisha Gray meldet bekanntlich sein Caveat am gleichen Tage an wie Bell und gibt darin (im Gegensatz zu Bell) eine ins einzelne gehende Beschreibung seines Telephones“ (Bernzen, Rolf 1992: S. 19).
Daher gehen noch heute die Meinung über den Erfinder bzw. Entwickler des Telefons weit auseinander. „Fast alle Arbeiten dieser Rezeptionsperiode (1876-1918) kreisen letztendlich um die Frage, wer mit Recht beanspruchen kann, als Erfinder des Telephons zu gelten“
2 Amos E. Dolbear veröffentlicht wenig später ein Buch, in dem er ein von ihm entwickeltes Telephon vorstellt, dessen technischer Entwicklungsstand weit über das hinausgeht, was Bell und Gray als Patent angemeldet haben. Horstmann vermerkt dazu: „Bei der durchdringenden Kenntnis der einschlägigen Fragen, die Dolbears Buch verrät, und bei der damaligen, der Form des Telephons von Bell überlegenen Form, kann man nicht zweifeln, dass Dolbear seine Erfindung unabhängig von Bell gemacht hat, und zwar zeigt sich bereits diejenige Konstruktion (Hufeisenmagnet und Eisenmembran), die sich schließlich durchgesetzt hat. Betrachtet man die im Jahre 1876 vorhandenen Ausführungsformen von Bell, Gray und Dolbear, so muss man zu dem Schluss kommen, dass die von Dolbear die ausgereifteste war“ (Horstmann 1952: S. 113. In: Bernzen, Rolf 1992: S. 19-20).
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Arbeit zitieren:
Felix Till, 2009, Die Geschichte des Telefons und der Einfluss im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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