Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 2
1. LANDGEWINNUNG IN DEN NIEDEREN LANDEN BIS ZUM ENDE DES 15.
JAHRHUNDERTS 3
2. DIE POLITISCHE ORGANISATION DER LANDGEWINNUNG 7
3. MECHANISCHE ENTWÄSSERUNG DURCH WINDMÜHLEN. 10
4. ENERGIEGEWINNUNG 14
FAZIT 16
LITERATURVERZEICHNIS 17
1
Einleitung
Fährt der aufmerksame Beobachter durch die heutigen Niederlande, fallen ihm mehrere Eigenheiten dieses Landes auf. Zum einen ist die Dominanz des Wassers allgegenwärtig. Dies gilt nicht nur für die Küstenregionen sondern auch für das Innere des Landes. Die Landschaft wird schier durchpflügt von kleineren und größeren Kanälen und Schleusen. Eine weitere Besonderheit der Niederlande ist die Tatsache, dass große Teile des Landes unterhalb oder nur wenige Meter oberhalb des Meeresspiegels liegen. Diese Landstriche werden durch ein komplexes System aus Deichen und Dämmen vor Überschwemmungen geschützt. Die Niederlande gehören zudem zu den am dichtesten besiedelten Regionen unserer Erde. Doch wie entstand jene Landschaft mit ihren Kanälen, Deichen, Dämmen und Windmühlen? Die Ursprünge dieses komplexen Systems liegen im Mittelalter. Vor dem 9. Jahrhundert waren weite Teile der heutigen Niederlande unbewohnbar. So weit das Auge sah, erstreckten sich schier endlose Weiten einer Moorlandschaft. Dennoch konnten die Menschen des Hoch- und Spätmittelalters diesem Gelände nutzbares Land abgewinnen. Mit diesem Prozess der Landgewinnung beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Im ersten Abschnitt soll darauf eingegangen werden, mit welchen Techniken die Menschen das Land in nutzbare Flächen verwandelten und welche tiefgreifenden Konsequenzen dies hatte. Da Wasser vor von Menschenhand gezogenen Grenzen keinen Halt macht und somit zur regionenübergreifender Zusammenarbeit zwingt, soll im anschließenden Abschnitt diskutiert werden, wie die Landgewinnung politisch und gesellschaftlich organisiert war. Ab einem bestimmten Punkt war die Entwässerung der Moore mit einfachen Techniken nicht mehr zu bewerkstelligen. Daher soll im dritten Abschnitt auf die mechanische Entwässerung durch Windmühlen eingegangen werden. Auch hinsichtlich der Energiegewinnung stellen die Niederlande aufgrund ihrer Topografie eine Besonderheit dar. Deshalb soll im letzten Abschnitt dieser Aspekt erörtert werden. Schriftliche Quellen sind besonders aus der Anfangszeit der Besiedlung der Moore rar, so dass viele Informationen aus archäologischen, geologischen und naturwissenschaftlichen Quellen stammen.
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1. Landgewinnung in den Niederen Landen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
Betrachtet man die Topografie der heutigen Niederlande, fallen einige Besonderheiten dieses Landstrichs auf. Etwa ein Viertel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel, weitere 40 Prozent kaum darüber. Ein komplexes System aus Deichen, Kanälen und Schleusen durchzieht das Land, führt überschüssiges Wasser ab und schützt es vor den Fluten des Meeres. 1
Die historische Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ging davon aus, dass die Niederen Lande des frühen Mittelalters eine ähnliche Topografie aufgewiesen hatten wie die heute sichtbare Landschaft. Man nahm an, das Land habe sich durch die Besiedlung kaum gewandelt. Die Folge dieser Vermutung war, dass man bereits für die frühe Besiedlung der Niederen Lande ein System aus Deichen als Schutz vor Überflutungen voraussetzte. In der Mitte des 20. Jahrhunderts konnte Hendrik van der Linden jedoch nachweisen, dass die ersten größeren Deichanlagen in den Niederen Landen erst um das Jahr 1200 errichtet worden waren. Van der Linden ging von der Annahme aus, das Gelände sei vor der im 9. Jahrhundert n. Chr. beginnenden Besiedlung des Inlandes um einige Meter höher gewesen als am Ende des Mittelalters, als bereits große Teile der Niederen Lande zu den am dichtesten bevölkerten Landstrichen Europas gehörten. Geologische und archäologische Untersuchungen konnten seitdem belegen, dass die Vermutung van der Lindens zutrifft. Die extrem flache Topografie der Niederen Lande hatte dazu geführt, dass die Fließgeschwindigkeit der Flüsse sich stark verlangsamte. Dünen an den Küsten hatten das Land zwar vor dem Meer geschützt, hatten jedoch auch den Abfluss des überschüssigen Wassers behindert. Der dadurch verursachte Wasserstau hatte den Grundwasserspiegel angehoben, in weiten Teilen des Inlandes entstanden ausgedehnte Torfmoore. Torf besteht aus abgestorbenen Pflanzenteilen, die aufgrund des hohen Grundwasserspiegels unter Sauerstoffabschluss stehen und somit nicht zersetzt werden können. Auf dem Torf gedeihen Torfmoose, die nach ihrem Absterben ebenfalls nicht zerfallen können und somit als Grundlage für ein Wachstum der Torfschichten dienen. In weiten Teilen der Niederen Lande bewirkte dieses Prinzip, dass die abgelagerten Schichten mit der Zeit immer mächtiger wurden, so dass das Gelände auf einige Me- 1 TeBrake2002, S. 475.
3
ter über den Meeresspiegel anstieg. Bis zum Frühmittelalter war in dem Gebiet zwischen den Sanddünen an der Küste und den höher gelegenen Regionen im Osten ein 30-80 km breiter Streifen des Torfmoors entstanden. 2
Bis zum 9. Jahrhundert waren große Teile des Tieflandes der Niederen Lande nicht besiedelt. Die Menschen lebten an den höher gelegenen Ufern der Flüsse und auf den Dünen entlang der Küsten. Da diese natürlichen Erhebungen in Teilen der Niederen Lande selten anzutreffen sind, begannen die Menschen künstliche Siedlungshügel zu schaffen, um Lebensraum zu gewinnen. Diese sogenannten terpen waren besonders in Friesland, im Norden der Niederen Lande, verbreitet. Sie sind bereits aus der Römerzeit überliefert. Auf dem höchsten Punkt dieser künstlichen Hügel errichtete man die Siedlung. Bei Hochwasser wurde das umgebende Land überflutet, die Spitze der terpen mit den Siedlungen ragten jedoch wie Inseln aus dem Wasser. 3 Archäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass im 9. Jahrhundert die Bewohner des Tieflandes der Niederen Lande begannen, auch die bisher unbewohnten Torfmoore zu besiedeln. Hierfür gab es zwei Gründe. Erstens boten die natürlichen Erhebungen keinen ausreichenden Raum mehr für eine ständig wachsende Bevölkerung. Zweitens begann man zu dieser Zeit die Landwirtschaft auf Getreideproduktion auszurichten und suchte nun geeignetes Ackerland. Die ausgedehnten Torfmoore waren äußerst fruchtbare Regionen, allerdings mussten sie vor einer landwirtschaftlichen Nutzung entwässert werden. Die ersten Siedlungen im Gebiet der Torfmoore entstanden in Nord-Holland, Friesland und Zeeland sowie entlang der Wasserläufe in Süd-Holland und um Utrecht. Von diesen Regionen breiteten sich die Siedlungen nach und nach über das gesamte Gebiet aus, das ehemals von den Torfmooren beherrscht worden war. 4
Wie bereits erwähnt, musste das Land, bevor es für die Landwirtschaft genutzt werden konnte, zunächst entwässert werden. Dies erreichte man, indem man in regelmäßigen Abständen Kanäle grub, die das Wasser sammelten und in natürliche Wasserläufe abführten. Dadurch sank der Grundwasserspiegel, das Land wurde nutzbar. Niedrige Dämme wurden zudem errichtet, um die bereits entwässerten Regionen vor eindringendem Wasser aus noch unerschlossenen Gebieten zu schützen. 5
2 TeBrake 2002, S. 477-480.
3 Savenije 1996/97, S. 15; TeBrake 2002, S. 480.
4 TeBrake 2002, S. 481f.
5 Ebd., S. 482f.
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Arbeit zitieren:
Gergely Kapolnasi, 2009, Besonderheiten der Siedlungsentwicklung: Land- und Energiegewinnung in den Niederen Landen im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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