Inhaltsverzeichnis
A EINLEITUNG 3
B HAUPTTEIL 4
1. Der Charakter der Vorträge 4
2. Die inhaltlichen Schwerpunkte 5
3. Der Grundgedanke der Vorträge 7
4. Die Herausforderungen der Politik 8
5. Die Herausforderungen der Wissenschaft 11
6. Die Abgrenzung von Politik und Wissenschaft. 13
C SCHLUSS 15
Literaturverzeichnis. 16
Quellentexte 16
Sekund ärliteratur. 16
Zeitungen 16
2
A EINLEITUNG
Der Vortrag „Wissenschaft als Beruf“ wurde am 7. November 1917, „Politik als Beruf“ am 28. Januar 1919 gehalten. Die Vorträge waren Teil einer Vortragsreihe, die der „Feistudentische Bund, Landesverband Bayern“ vermutlich seit dem Sommer 1917 plante und bei denen er dann auch als Veranstalter fungierte. Zwischen diesen beiden Daten liegen die endgültige militärische Niederlage des Deutschen Reichs und die Novemberrevolution. Dazwischen liegt auch die Fortführung von Webers Publizistik zu außen- und innenpolitischen, besonders verfassungspolitischen Fragen sowie seine Teilnahme am Wahlkampf für die Nationalversammlung, den er für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) führte. Weber hielt bereits während des Ersten Weltkriegs politische Reden, in denen er sich für einen Verständigungsfrieden einsetzte und mit der „Prestigepolitik“ 1 der Rechten abrechnete. Er nahm auch zur außen- und innenpolitischen Lage des Deutschen Reiches Stellung und trat für einen Verständigungsfrieden, für die Parlamentarisierung der Reichsverfassung und für die Demokratisierung des deutschen Staatslebens ein. „Wissenschaft als Beruf“ fiel in eine lebensgeschichtliche Phase, in der Weber versuchte, sich nicht mehr nur als Forscher, sondern auch als Politiker und als Lehrer zu bewähren. Während er „Politik als Beruf“ vortrug, waren die völlige Entmachtung Deutschlands und die Fremdherrschaft in greifbare Nähe gerückt; er sah für Deutschland zunächst eine „Polarnacht von eiserner Finsternis und Härte“ 2 voraus. Eine Vorahnung, die sich jedoch erst zwei Jahrzehnte später bewahrheiten sollte. So wurde „Politik als Beruf“ nach der Drucklegung zum politischen Traktat und zu einem „Dokument des Standes demokratischen Denkens in jenem kritischen Augenblick deutscher Geschichte“. 3
1 Schluchter, Unversöhnte Moderne, S. 17
2 Weber, Politik als Beruf, S. 82
3 König/Winckelmann (Hg.), Max Weber zum Gedächtnis, S. 21
3
B HAUPTTEIL
1. Der Charakter der Vorträge
Die Vorträge sind Schlüsseltexte für Max Webers Antworten auf zentrale Fragen der modernen Kultur, auf die geistige und politische Situation seiner Zeit und die damit verbundenen Sinnfragen. Dies gibt den beiden Vorträgen ihren inneren Zusammenhang. Der äußere Zusammenhang besteht darin, dass die Vorträge durch denselben Anlass und denselben Adressatenkreis motiviert waren. Sie unterscheiden sich sowohl von Webers wissenschaftlichen Abhandlungen oder akademischen Vorlesungen als auch von seinen politischen Artikeln oder Wahlreden. Sie verfolgen ein anderes Ziel, denn sie sind „philosophische“ Texte. Der Einzelne soll zu Tatsachenerkenntnis und Selbstbesinnung hingeführt werden und gleichzeitig für verantwortungsvolle Arbeit im Dienste einer überpersönlichen Sache gewonnen werden. 4 An der Bereitschaft zu solcher entsagungsvoller Arbeit in der Spannung von Hingabe und Distanz hing für Weber die Zukunft der deutschen Nation und der modernen Kultur, die beide für ihn aufeinander bezogen waren. Die Sorge um den Zustand der Nation verband sich bei ihm mit der Sorge um den Zustand der modernen Kultur. 5 Obwohl er national dachte, bekämpfte er diejenigen, die den „deutschen Geist“ dem aufklärerischen demokratischen Individualismus Westeuropas entgegensetzten. Max Weber dachte aber auch kosmopolitisch; und doch bekämpfte er jene gesinnungsethischen Pazifisten, die die Notwendigkeit eines deutschen nationalen Machtstaates und die damit einhergehende „Verantwortung vor der Geschichte“ 6 leugneten.
Die beiden Vorträge waren Reden an die deutsche akademische und demokratische Jugend, die Abschied nehmen sollte von folgenden Illusionen: einerseits von der Illusion, man könne die rationale, wissenschaftsbestimmte Erkenntnis durch das Erlebnis ersetzen, andererseits von der Illusion, eine Gesinnungspolitik, die nicht nur die Realitäten Deutschlands, sondern die des Lebens souverän missachtet, sei authentischer als eine rationale, machtbezogene Verantwortungspolitik. Sie waren und sind Reden über die individuelle und politische Selbstbestimmung unter den Bedingungen der modernen Kultur, die nicht allein eine praktische Absicht verfolgten, sondern die „Summe von Webers wichtigsten kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen und seinen wichtigsten Überzeugungen“ 7 waren.
4 Vgl. Schluchter, Unversöhnte Moderne, S. 9
5 Vgl. Jaspers, Max Weber, S. 81
6 Schluchter, Unversöhnte Moderne, S. 10
7 Ebd., S. 12
4
2. Die inhaltlichen Schwerpunkte
Der bereits erwähnten ‚Verantwortung vor der Geschichte’ kann nur gerecht werden, wer sein Handeln an letzten Werten verankert. „Jede Machtpolitik rein als solche ist letztlich zur Nichtigkeit verdammt. Denn sie bleibt innerlich haltlos.“ 8 Eine realistische Politik, für die Weber eintritt und die er in „Politik als Beruf“ als Verantwortungspolitik bezeichnet, darf nicht mit so genannter Realpolitik verwechselt werden. Im 2. Teil von „Politik als Beruf“ stellt er daher das immer problematische Verhältnis von Politik und Ethik in den Mittelpunkt, das auch unter demokratischen Verhältnissen nicht verschwindet. Webers politische Orientierung ist infolgedessen auch in einer Werttheorie gegründet und spielt in Anlage und Durchführung beider Vorträge hinein.
Die Menschen seien in aufeinander nicht reduzierbare, miteinander nicht harmonisierbare Wertbezüge hineingestellt und deshalb gezwungen, ihr eigenes Schicksal zu wählen. An diese „aller menschlichen Bequemlichkeit unwillkommene, aber unvermeidliche Erkenntnis“ 9 will Weber in beiden Vorträgen gerade die Jugend erinnern. Er wendet sich daher unter anderem gegen den wachsenden Irrationalismus und Erlebniskult deutscher Intellektueller. Vom akademischen Lehrer verlangt Weber, dass er zwei Probleme unterscheidet: die Objektivität logischer und empirischer Erkenntnis einerseits und die Subjektivität und Objektivierbarkeit praktischer Bewertungen andererseits. Nur wer sich über Heterogenität dieser Probleme im Klaren sei, werde seine Hörer nicht „zur Konfusion verschiedener Sphären miteinander“ verleiten, nur er entgehe der Gefahr, dass er die Feststellung von Tatsachen und die Stellungnahme zu den großen Problemen des Lebens „in die gleiche kühle Temperamentlosigkeit“ 10 taucht. Es ist die Aufgabe des akademischen Lehrers, Fragen der wissenschaftlichen Erkenntnis unbefangen, sachlich und nüchtern zu präsentieren. Für die Erfüllung dieser Aufgabe hat er sich qualifiziert. Ob er in seiner Eigenschaft als Lehrer auch die zweite Kategorie von Problemen behandeln solle, ist für Weber eine praktische Frage. Die Stellungnahme dazu entscheide deshalb darüber, welche Erziehungsaufgabe man der Universität noch zugestehe. Bejahe man auch diese zweite Aufgabe, so spreche man der Universität einen umfassenden Erziehungswert zu. Diese Position lasse sich ohne inneren Widerspruch so lange vertreten, wie man die Heterogenität von Erkenntnis- und Wertungssphäre anerkenne. Dann entscheide man sich dafür, dass der akademische Lehrer kraft seiner Qualifikation auch „heute noch die universelle Rolle: Menschen zu prägen,
8 Ebd., S. 19
9 Ebd., S. 20
10 Weber, Wertfreiheit, SW, S. 177
5
Arbeit zitieren:
M.A. Piotr Grochocki, 2003, "Politik als Beruf" und "Wissenschaft als Beruf": Zwei richtungsweisende Vorträge von Max Weber, München, GRIN Verlag GmbH
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