Gliederung
1. Einleitung. 3
2. Zum Verständnis des Kulturbegriffs in Hinblick auf
die Selbstreflexion. 5
3. Zielsetzung von interkultureller Erziehung
(Zehn Ziele interkultureller Erziehung und Bildung) 7
4. Stellenwert Interkulturellen Lernens
innerhalb der Allgemeinbildung 13
5. Interkulturelles Lernen als Aufgabe der
Allgemeinbildung. 14
6. Schlussfolgerung. 20
7. Literaturverzeichnis. 21
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Einleitung
Seit einiger Zeit beschäftigt sich die Andragogik mit der Bedeutung des Begriffs Interkulturelles Lernen, welches im Laufe der Zeit mehr und mehr eine zentrale und elementare Rolle in Bereichen wie Politik und Gesellschaft einnimmt. Hintergrund hierbei sind Arbeitsmigrationen, Flüchtlingsbewegung, die zu einer multikulturellen Gesellschaft führen. Infolgedessen öffnet sich hierbei ebenso ein breites Feld an Missverständnissen und Vieldeutigkeit. Im Bereich der Andragogik wird darauf abgezielt diese Problematiken zu eliminieren, zu vermeiden und eine reflektierte Rolle zu übernehmen. Im Seminar „Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung“ konnten wir uns mit verschieden Aspekten der Interkulturalität auseinander setzten, so wie beispielsweise Fremdheit und Diskriminierung, Integration und Integrationspädagogik, Kulturzentrismus und Kulturrelativismus, Kultur/ Multikultur/ Kulturdifferenzierung. Bei einer solchen Vielfalt von Inhalten stellt sich die Frage, ob Interkulturelles Lernen einen besonderen und eigenständigen Ansatz darstellt oder ob es nicht doch bereits in verschiedenen Wissenschaften und Disziplinen verankert ist? Wenn dem so sei, was würde diesen Bereich letztendlich auszeichnen oder ist es nicht vielmehr doch bereits ein elementarer Zweig der Allgemeinbildung?
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage, ob Interkulturelles Lernen als eigenständiger Fachbereich angesehen werden kann oder ob es nicht viel eher schon in anderen Fachbereichen integriert ist.
An diesem Punkt stößt man allerdings auf die Problematik, dass in Deutschland nicht konsequent zwischen Interkulturellem Lernen, Interkultureller Erziehung und Interkultureller Pädagogik differenziert wird.
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Es existiert keine einheitliche Abgrenzung der Begriffe, d.h. interkulturelle Erziehung, multikulturelle Erziehung oder
interkulturelles Lernen stehen nahezu auf einer Ebene. Im Gegensatz zu anderen Ländern in denen diese Termini konkret differenziert werden, werden im Falle von Deutschland oben genannte Termini beinahe als Synonyme verwendet. (Vgl. Wörterbuch der Erwachsenenbildung, S. 160-161) Auch wenn es feine Abstufungen gibt, soll im Folgenden Interkulturelles Lernen stellvertretend für alle drei Termini verwendet werden. Um sich dem Begriff des Interkulturellen Lernens zu nähern ist es notwendig Allgemeinbildung zu definieren. Hierbei stößt man auf die Problematik, dass Allgemeinbildung verschiedene Aspekte beinhaltet. Jeder Mensch hat eine subjektive Wahrnehmung und somit seine eigene Vorstellung von Allgemeinbildung. Während der Eine den Akzent eher auf Geschichte, Kunst und Mathematik legt, kann ein Anderer Psychologie, Musik und Philosophie als Kern erachten. Somit deutet also jeder Allgemeinbildung auf eine andere Art und Weise.
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2. Zum Verständnis des Kulturbegriffs in Hinblick auf
die Selbstreflexion
Zum Verständnis des Kulturbegriffs wird im folgenden Kapitel dieser näher erläutert, geklärt, in welchem Zusammenhang er mit Interkulturellem Lernen steht und welche Problematiken sich durch diese Verknüpfung ergeben. Denn Interkulturelles Lernen wäre ohne der Auseinandersetzung mit Kultur unmöglich. Kultur ist als „Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Errungenschaften einer Gesellschaft“ (Bertelsmann Wörterbuch der deutschen Sprache, 2004 S. 822) anzusehen. Das schließt unter anderem Sitten und Bräuche, Normen und Werte, Glaubensrichtungen, Kommunikation und Interaktion, Gesellschaftssysteme, lebendiges Wissen und Handeln mit ein. (Vgl. Nestvogel, 1988 S. 40) Es ist somit kein begrenzter Terminus sondern vielmehr als ein Art Prozess zu werten, der sich in einem stetigem Wandel befindet. Jeder Mensch wächst in seiner eigenen Kultur und Gesellschaft auf die keinesfalls ein geschlossenes System darstellt, sondern stets in Berührung mit anderen Kulturen kommt, sei es durch Essen, Arbeit, Urlaub o.ä. Die Erfahrungen, die man sammelt, führen meist unbewusst zu einer kulturellen Selbstanalyse. Genauer gesagt impliziert diese Reflexion das Bewusstmachen von eignen Gewohnheiten, Wertevorstellungen, Traditionen und ähnlichem. Auf diese Art und Weise ist es möglich Fremdes und Anderes aber gleichzeitig auch Gemeinsamkeiten zu erkennen. Dies besagt jedoch nicht, dass Selbstreflexion immer positive Auswirkungen haben muss. Ganz im Gegenteil kann Selbstreflexion der eigenen und Reflexion fremder Kulturen auch zu rassistischen und faschistischen Einstellungen führen, wie zum Beispiel durch Aussagen wie „Fremde
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Kulturen gibt es nicht, oder sie sind es nicht wert, als solche bezeichnet zu werden.“ (Nestvogel, 1988 S.43) Eine weitere Reaktion könnte darin bestehen, dass man fremde Völker als minderwertig ansieht, „Fremde Kulturen sind ein Entwicklungs-oder Integrationshindernis. Hierzu zählen
ethnozentrische Einstellung, die anderen Völkern eine kulturelle Minderwertigkeit bescheinigen, die sich aber durch die „Germanisierung“ aufheben lässt“. (Ebd. S.43) Oftmals werden fremde Kulturen zwar geduldet, jedoch nicht akzeptiert, was als oben genannter verdeckter Ethnozentrismus verstanden werden kann. Auch in unserem Seminar wurden uns Aspekte der negativen Selbstreflexion verdeutlicht, durch die Frage: „Was ist typisch deutsch?“ Die von den Studenten genannten Antworten waren fast durchgehend negativ. An diesem Beispiel lässt sich sehr gut erkennen, was eine positive Diskriminierung der eigenen Kultur bedeutet. Auch wenn es den Betroffenen zunächst nicht bewusst war, verleugneten sie die eigene Kultur und Gesellschaft und projizierten ihre eigenen Sehnsüchte in fremde und exotische Kulturen.
Selbstreflexion sollte eher daraufhin zielen, dass „fremde wie auch eigene Kulturphänomene zunächst aus ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext heraus zu verstehen und zu erklären“ sind. „Die dahinter liegende Einstellung lässt sich umreißen, als die Akzeptanz einer kulturellen Autonomie, einer Selbstbestimmung von Migranten und gleichzeitiger Integration in das Ganze, das von Multikulturalität gekennzeichnet ist.“ (Ebd. S.43) In diesem Abschnitt ließ sich abzeichnen, dass der Terminus Kultur in direkter Verbindung zum interkulturellen Lernen steht. Durch die oben beschriebene und damit verbundene Selbstreflexion wird automatisch ein Lernprozess gefördert - bewusst oder unbewusst, negativ oder positiv.
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Arbeit zitieren:
Liliana Merino Gurri, 2006, Interkulturelles Lernen als Aufgabe der Allgemeinbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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