Datum : 31.08.2009
Gliederung
Einleitung 3
1. Bedeutung der Fotographie für die
Geschichtswissenschaft und ihre historische
Einordnung und Verwendung 4
2. Analyse verschiedener Bildbände 6
3. Gattungen 7
3.1 Das Bild des Soldaten 7
3.2 Darstellungen des Krieges 9
3.3. Bilderwelt der dienenden Front 11
3.4 Auswirkungen des Krieges 12
4. Zusammenfassung 13
5. Quellen 15
2
Einleitung
Der Erste Weltkrieg stellt in vielerlei Hinsicht eine Zäsur dar; die Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts durchlebten einen technischen Fortschritt, der seinesgleichen sucht. Dass dem technischen Fortschritt auch ein moralischer folgte, war ein weitverbreiteter Irrglauben, der in den Grabenkämpfen bei Verdun offensichtlich wurde. In all seiner Grausamkeit zeigte sich, dass die technischen Errungenschaften, die das Leben vereinfachen sollten, auch ebendieses vernichten konnte. Erstmals wurden Flugzeuge, maschinelle Gewehre, motorisierte Fahrzeuge und Giftgas in unvorstellbaren Dimensionen eingesetzt. Aber auch der Alltag an der Front wich stark von den vorangegangenen Kriegserfahrungen ab. Die Weiterentwicklung der Fotografie ermöglichte die Aufnahme von Situationen, die man nach Hause schicken konnte. Neben Tagebüchern, Chroniken, Interviews, Briefen und der Feldpost ist es die Fotografie, die durch den 1. Weltkrieg als historische Quelle zum ersten Mal für die Geschichtswissenschaft zugänglich wird.
Ehemals waren nur Standfotos möglich, die eine lange Belichtungszeit benötigten - somit nur für Porträtfotografie geeignet. Der Einsatz der Fotografie war sicherlich auch schon vorher gängig; es gibt genügend Fotodokumente aus dem amerikanischen-mexikanischen Krieg (1846-48), dem Krimkrieg (1853-1856), dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) und den
Reichseinigungskriegen (1864/ 1866/ 1870/1871). Nur unterscheiden sich diese von denen des Ersten Weltkrieges unter mehreren Gesichtspunkten. Sich rasch ändernde Situationen, sowie Bewegungen, wie sie an der Front üblich waren, wären mit dieser Form der Fotografie unmöglich gewesen. Die neuen Maßstäbe waren verschieden in der Qualität der Fotos, der Handhabung der Kamera, der Bedienung, der Entwicklung der Bilder und den ökonomischen Bedingung derselben. Zu diesem Zeitpunkt waren Kameras für eine breite Masse preislich erschwinglich und das Entwickeln der geschossenen Fotos unterlag keinem großen Aufwand, der nur von einem kleinen Expertenkreis vorgenommen werden konnte. Jedoch waren die technischen Möglichkeiten auch noch im
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Ersten Weltkrieg begrenzt; das Abfeuern von Geschützen, ein Sturmangriff oder fahrende Vehikel entzogen sich dem Aufnahmerepertoire, ebenso wie schnelle Bewegungen jeglicher Art. Zudem war das Fotografieren im unmittelbaren Schlachtengeschehen - den Umständen geschuldet - schwer zu realisieren. Um solche Szenen dennoch festzuhalten, wurden sie zumeist nachgestellt. Eine andere Methode bestand in der posthumen Fotografie der zerstörten Objekte, wie durchgepflügte Landschaften (z.B. Granatkrater) oder zerbombte Gebäude, die den Angriffen zum Opfer fielen.
Klare, scharfe Fotos brauchte eine Szene, die still stand. Zumal man bedenken muss dass das Risiko unbewaffnet, mit einer Kamera ausgerüstet, stieg. Durch all diese beschriebenen Neuerungen liegen uns nun Dokumente vor, die uns eine weitere Perspektive auf den Krieg und seinen Alltag zeigen. Aus dem Gros der Fotos sollen in der vorliegenden Arbeit einige ausgewählte systematisch eingeordnet und analysiert werden.
1. Bedeutung der Fotographie für die Geschichtswissenschaft
und ihre historische Einordnung und Verwendung
Die Fotografie als das neue Medium am Ende des 19. / Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte eine Breitenwirkung, die auch den Krieg nicht aussparte. „Erst in den 1880er Jahren begann sich ein breites Publikum für die Fotografie
zu interessieren.“ 1 Schon der Krimkrieg setzte auf Fotografie und gilt somit als „erster Medienkrieg“ 2 Die präfotografischen Quellen waren zumeist schriftlicher Natur und somit stützte sich die Geschichtsschreibung auf
Korrespondenzschreiben, Zeitzeugenberichten und ähnlichen Dokumenten, die auf ihren Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen sind, da eine übertriebene Glorifizierung (z.B. Biograph von Alexander den Großen) ebenso wie eine starke Schmälerung von der subjektiv gefärbten Interpretation des Verfassers abhing. Der Fotografie als unkommentierte Abbildung der Geschehnisse kommt die Rolle als neutraler Beobachter zu, der man einen höheren Wahrheitsgehalt beimisst;
1 Holzer, Anton: Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie. Marburg 2003, S. 60.
2 Ebd. S. 9.
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zwar sind auch diese Dokumente in gewisser Weise Interpretationen eines handelnden Subjekts, doch die reine in Augenscheinnahme der abgebildeten Situationen und Objekten präsuppositioniert einen höheren Objektivitätsgrad. Man darf bei aller Neuerung an dieser Stelle auch nicht vergessen, dass Fotos auch zu Propagandazwecken absichtlich in Szene gesetzt wurden oder auch im Nachhinein gefälscht werden konnten.
Der Untertitel einer Fotografie ist ausschlaggebend für die Einordung derselben. Viele der uns heute vorliegenden Bildbände entstanden entweder unmittelbar nach dem Krieg oder in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und dienten in dieser Zeit schon der politischen
Instrumentalisierung durch das „konservativ- nationale Lager“ 3 . Aber auch die Linken bzw. Sozialdemokraten gebrauchten die Fotografien für ihre Zwecke. In diesem Kontext, wo Untertitel bewusst zur Lenkung der Meinung des Betrachters
gewählt wurden, nennt man „zweite Zensur“ 4 , weil bereits während des Krieges die Fotografien von staatlicher Seite (z.B. Pressefotografien) mit einer propagandistischen Intention inszeniert wurden.
Die überlieferten Fotografien stellen eine Art „Reisetagebuch“ der Regimenter dar, da sie den Frontverlauf, Truppenverschiebung und -stärke dokumentieren und somit den Historikern der Gegenwart helfen, den Kriegsverlauf zu rekonstruieren.
Die Glaubwürdigkeit der Fotografie als objektive Quelle schwand mit jedem weiteren Kriegsjahr, als sich die Deutsche Heeresführung durchgehend als Sieger gebärdete und die geschönten Darstellungen (wie bereits oben erwähnt) von den Berichten der Soldaten in den Briefen an die Heimat sowie den mündlichen Erzählungen auf Fronturlaub stark abwichen. Diese Diskrepanz von propagandistischer Darstellung mit heroischen Abbildungen, die den Krieg als durchgehenden Sieg von Schlachten illusionierte, und allgemeinen Kriegsalltag - derauch Niederlagen kannte - half später auch Dolchstoßlegenden zu nähren und die entstehende Weimarer Republik zu destabilisieren. Trotz des Glaubwürdigkeitsverlusts sollte man sich eine differenzierte Perspektive offenhalten und die Mannigfaltigkeit der Bilder und ihrer Entstehung
3 Holzer, Anton: Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie. Marburg 2003, S. 61.
4 Ebd. S. 61.
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Arbeit zitieren:
Christian Schewe, 2009, Fotos aus dem Ersten Weltkrieg - Analyse der Privatfotographien aus verschiedenen Regimentsbüchern, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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