Eines der bekanntesten Zitate von William Shakespeare aus seinem Theaterstück „As You Like It“ stellt den Menschen als einen Schauspieler und Regisseur seines eigenen Verhaltens im Alltag dar.
Es gibt noch mehr literarische Werke die diese Behauptung thematisieren, wie z.B. der Bestseller von John Fowles „The Magus“, um einen von denen zu nennen.
Erving Goffman behandelt dieses Thema aus soziologischer Sicht. In seinem Hauptwerk „Wir alle spielen Theater“ setzt er sich mit dem Selbstbild eines Individuums, das in sozialer Interaktion mit anderen Mitglieder der Gesellschaft steht, auseinander. Dabei vergleicht er die soziale Welt mit einem Theater, wie es Shakespeare auch getan hat. Er stellt nicht nur fest, dass der Mensch sich permanent inszeniert (vgl. Münch (2003): S.288), sondern „Er will [auch] wissen, wie die Menschen spielen und was sie spielen.“ (Abels (1998): S.161). Deswegen entwickelt er ein wissenschaftliches und systematisches Modell. In meinem Essay werde ich versuchen nach einer zusammengefaster Biografie Goffmans, dieses Modell darzustellen und anschließend relevante Fragen, die nach der Lektüre Goffmans auftauchen, zu beantworten.
Goffman war ein US-amerikanischer Soziologe mit jüdischen Wurzeln, geboren am 11. Juni 1922 in Manville (Provinz Alberta) in Kanada. Er begann ein Studium der Chemie an der Universität Manitoba in Winnipeg, wechselte aber zu Soziologie an der Universität Toronto und an der University of Chicago. Nach der Zeit in Kanada und USA ging er nach Großbritannien zum Department of Social Anthropology der Universität Edinburgh und führte währenddessen Feldforschungen auf den Shetland-Inseln. Zurück in Chicago schrieb Goffman seine Dissertation. Danach war er unteranderem in Bethesda, Maryland, Washington D.C. tätig. Später erhielt er eine ordentliche Professur in Berkeley zur University of California und anschließend nahm er eine Professur für Anthropologie und Soziologie an der University of Pennsylvania an. Ein Jahr vor seinem Tod wurde er zum Präsidenten
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der American Sociological Association gewählt, starb aber an Krebs vor seiner Antrittsvorlesung am 19. November 1982 in Philadelphia.
Die Resultate Verhaltensmuster, Interaktionsrituale, Selbstdarstellung im Alltag, werden in „Wir alle spielen Theater“ in vergleichender Form zum Theater präsentiert. Dementsprechend, um die soziologischen Phänomene zu beschreiben, verwendet er die im Theater benutzte Terminologie. Um die einzelnen Faktoren des Modells zu behandeln muss man eine Interaktion zwischen zwei Individuen voraussetzen, so wie im Theater Schauspieler und das Publikum anwesend sind. Erst dann kann man von einer Darstellung reden, die Goffman als „[…] das Gesamtverhalten, das jemand vor anderen zeigt und das dieses andere beeinflusst.“ (Abels (1998): S.162) versteht. Alles was im Alltag dargestellt wird, gehört zu unserer Realität. Anders als bei eine Vorführung, wo alles hauptsächlich Fiktion ist. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass es im täglichen Leben ständig einen Wechsel zwischen dem Darsteller und dem Publikum gibt. Ein Darsteller bedient sich in seiner Vorstellung einer Fassade, die Goffman als „[…] das standardisierte Ausdruckrepertoire, das das Individuum bewusst oder unbewusst verwendet.“ (Goffman (1991): S.23) bezeichnet. Es ist die für jeden Menschen charakteristische Erscheinung und seine Verhaltensweise gegenüber anderen Mitgliedern der Gesellschaft. Dazu gehören: ein Bühnenbild, eine persönliche Fassade und eine soziale Fassade. Das Bühnenbild ist „[…] der gestaltete Raum, in dem wir auftreten.“ (Abels (1998): S.163). Es sind Orte, in der sich der Darsteller während seiner Vorstellung befindet, z.B. Arbeitsplatz, Klassenzimmer, Einkaufszentrum usw. Ihre Gestaltung hat einen enormen Einfluss auf sein Verhalten, denn er ist von den Mitteln, die der Raum bietet, abhängig. Außerdem impliziert jedes Bühnenbild ein anderes Repertoire am Verhalten. Dabei muss man noch die Vorderbühne von der Hinterbühne unterscheiden. Die erste ist die offiziell bespielte, auf der der Darsteller weiß, dass er beobachtet wird, dementsprechend versucht er seine Rolle so gut wie möglich zu spielen. Die Hinterbühne ist dagegen die Zone, in der er sich normal verhalten kann, ohne Angst zu haben, dass er von jemanden observiert und bewertet wird. Weiter gibt es eine persönliche Fassade, also die Art und Weise wie sich der Darsteller präsentiert. Dazu zählen Faktoren, die er selbst meistens nicht beeinflussen kann, wie das 2
Geschlecht oder seine Physis und die, die er kontrollieren und verbessern kann z.B. Kleidung, Bewegung, Sprache. Der letzte Teil der Fassade ist die soziale Fassade „[…] worunter man die sozialen Erwartungsmuster versteht, die mit einer bestimmten Rolle verbunden sind.“ (ebd.: S.163). Mit jeder Rolle und in der Gesellschaft vertretener Funktion werden fest etablierte Erwartungen assoziiert, mit deren der Darsteller konfrontiert wird. Von der sozialen Fassade wird dementsprechend „[…] die Wahl und die Konstruktion der Fassaden […]“ (ebd.: S.164) abhängig.
Eine bestimmte Fassade ist ein Teil der dramatischen Gestaltung, die „[…] eine Methode, durch die eine Darstellung ‚sozialisiert‘, das heißt dem Verständnis und den Erwartungen der Gesellschaft vor der sie stattfindet, angepasst wird.“ (Goffman (1991): S.35) ist. Deswegen muss die Fassade mit der Rolle kohärent sein, damit es glaubwürdig rüberkommt. Dabei stellt Goffman fest, „[…] dass Darsteller die Tendenz haben, die Werte, die hinter ihrem Verhalten und den Erwartungen der Zuschauer stehen, dramatisch zu steigern.“ (Abels (1998): S.167). Alles was der Darsteller unangemessen findet wird von ihm verheimlicht. Dieses Phänomen nennt er Idealisierung. In diesem Fall ist es ein bewusster Vorgang, der dazu dienen soll das Ziel einfacher zu erreichen.
Das Ziel jedes Darstellers ist es einen authentischen Eindruck bei dem Publikum zu hinterlassen. Goffman nennt drei Fälle, in der das Misslingen kann: „Erstens, dem Darsteller passiert ein Missgeschick. […] Zweitens, der Darsteller engagiert sich zu wenig oder viel zu stark. […] Drittens, der Darsteller tritt im falschen Bühnenbild auf oder die Inszenierung klappt nicht.“ (ebd.: S.169). Demzufolge um es zu vermeiden, muss der Darsteller eine dramaturgische Sorgfalt, Loyalität und Disziplin besitzen. Bei der dramaturgischen Sorgfalt bezieht sich Goffman auf die vorbereitende Phase vor der eigentlichen Vorführung. Der Darsteller muss lernen alle denkbaren Vorfälle vorauszusehen, um möglichst auf alles gut vorbereitet zu sein. Ein guter Plan sollte die Sicherheit garantieren. Während der Vorstellung muss sich der Darsteller auf seine dramaturgische Loyalität und Disziplin verlassen. Er muss nach Goffman, erstens störende Eindrücke vermeiden und sich vor allem um die Authentizität seiner Vorstellung kümmern. Ein sicheres Auftreten ist ein richtiges Mittel zum Erfolg. Der Darsteller muss seinen Text und sich selbst beherrschen. Deswegen ist die Ausdruckskontrolle so wichtig. Zusammenfassend schreibt Abels: „Sie [die Zuschauer] beurteilen ein Verhalten dann als ehrlich, wenn es wie eine
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Arbeit zitieren:
Michał Krus, 2009, Goffmans Theater, München, GRIN Verlag GmbH
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