Marcus Tullius Cicero 1 setzt sich in seinem Werk „ DE RE PUBLICA“ neben verschiedenen Einzelverfassungen und anderen staatstheoretischen Problemen mit einem
Mischverfassungsmodell aus Aristokratie, Monarchie und Demokratie am Beispiel der römischen Mischverfassung, welche er als bestmögliche Verfassungsform ansieht, auseinander.
Diese Hausarbeit stellt die Geschichte der Mischverfassungstheorie in der Antike vor Marcus Tullius Cicero von den ersten Ansätzen eines Mischverfassungsgedanken bis hin zur Konzipierung eines ersten Modells dar.
Zu Beginn wird eine kurze Definition zu den jeweiligen verschiedenen Einzelverfassungen und der Mischverfassung gegeben. Nachdem mögliche Gründe für die Entstehung einer Mischverfassungstheorie aufgeführt werden, wird im Einzelnen genauer auf die Theorien der griechischen Schriftsteller und Philosophen Thukydides, Platon, Aristoteles und Polybios eingegangen, die sich auf verschiedene Weise mit dieser Thematik auseinandersetzten.
2. DIE VERFASSUNGSFORMEN DEMOKRATIE, OLIGARCHIE,
Im Jahre 470 v. Chr. wurde das Dreiverfassungsschema, welches die Verfassungen nach ihren Herrschaftssubjekten Tyrann, Adel und Volk gliedert, erstmalig von Pindaros 2 belegt. 3 Dieses Kapitel stellt die verschiedenen Verfassungsformen im Einzelnen vor und erklärt das Prinzip einer Mischverfassung.
2.1. Demokratie
Der Name „Demokratie“ stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich zusammen aus δη̃ μος (das Volk) und κρατέιν (herrschen). Erstmals wurde der Begriff geprägt von Herodot 4 , der die Demokratie als Herrschaft der untersten Volksschichten und somit als Klassenherrschaft betrachtet. 5
1 Cicero - römischer Philosoph, Staatstheoretiker und Schriftsteller (*106 † 43 v. Chr.)
2 Pindaros - griechischer Dichter (* 522 v. Chr. † 445 v. Chr.)
3 Vgl. Nippel, Wilfried: Mischverfassungstheorie und Verfassungsrealität in Antike und früher Neuzeit.
Geschichte und Gesellschaft Bd. 21, Stuttgart (1980) S. 34
4 Herodot - antiker griechischer Historiograph, Geograph und Völkerkundler (* 490; † um 425 v. Chr.)
5 Vgl. Nippel S. 36
1
Heute ist sie eine Herrschaftsform, bei der das Volk, die Gesamtheit aller Staatsbürger, höchster Gewaltträger ist und in der alle Staatsbürger vor Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtssprechung gleich sind. Die Grundelemente der Demokratie sind regelmäßige Wahlen, Gewaltenteilung und Garantie der Grundrechte.
Die Demokratie der Antike basiert auf der Staatstheorie des Aristoteles und entwickelte sich in den griechischen Handels- und Seestädten. Im Gegensatz zu den meisten Formen der modernen Demokratie gab es in der antiken Form keine parlamentarische Volksvertretung. 6
2.2. Oligarchie
Oligarchie (altgriechisch: οἱ ὀλίγοι - die Wenigen) - auch Oligokratie - die Herrschaft der Wenigen, geht begrifflich auf Aristoteles zurück. Er bezeichnete damit die Staatsform, bei der die Regierung von einer kleinen Gruppe der reichsten Bürger ausgeführt wird. Die begünstigte Entstehung von Oligarchien lag in der zum Herrschen notwendigen Sachkunde begründet, über welche nur wenige Bürger verfügten. 7
2.3. Monarchie
Der Begriff Monarchie kommt vom altgriechischen μοναρχία, was soviel wie Alleinherrschaft bedeutet. Wie der Name schon sagt, charakterisiert sich die Monarchie durch einen Herrscher, der die gesamte Staatsgewalt inne hat und meist durch Erbfolge bestimmt wird. Die Monarchie unterscheidet sich dadurch sehr stark von den beiden anderen Verfassungsformen. In ihren verschieden Formen (absolute Monarchie, konstitutionelle Monarchie, etc.) wird die Monarchie seit der Antike in vielen Staaten, teilweise noch heute, realisiert. 8
2.4. Mischverfassung
Von einer Mischverfassung spricht man bei einer Herrschaftsform, die sich aus den Elementen zweier oder mehrerer der Einzelverfassungsformen Monarchie, Aristokratie (Oligarchie) und Demokratie zusammensetzt und somit eine neue Form bildet. Besonders in der Antike wurde die Mischverfassung von vielen Staatstheoretikern und Philosophen als
6 Mergler, Christoph (2002) http://www.chr.mergler.bnv-bamberg.de/initiativkreis/demokratie.htm (Stand: 24.
02. 2009)
7 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (2008) http://lexikon.meyers.de/wissen/Oligarchie (Stand:
03.03. 2009)
8 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (2008) http://lexikon.meyers.de/wissen/Monarchie (Stand:
24.02.2009) 2
beste Herrschaftsform gepriesen. In ihr wurde eine Antwort auf viele politische Probleme, vor allem aber das der Instabilität und der möglichen Extremformen (Diktatur, Tyrannis, Ochlokratie etc.) der Einzelverfassungen, gesehen.
Die Entdeckung der drei verschiedenen Verfassungstypen stellte mehrere Verfassungen nebeneinander und ermöglichte somit die Frage nach der bestmöglichen Verfassung. Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. war die griechische Polis 9 durch eine starke politische Instabilität gekennzeichnet, die sich in Konflikten zwischen Volk und Adel äußerte, welche sich teilweise zu Bürgerkriegen steigerten. Man versuchte, in der Verfassungstheorie Lösungsansätze für dieses Problem zu finden. Es galt eine neue mittlere Herrschaftsform zu finden, die nicht so leicht in eine der Extremformen umschlagen konnte, denn „Das Einhalten einer richtigen Mitte galt als Kennzeichen des Hellenentums.“ 10 Gleichzeitig ist die Entstehung eines Mischverfassungsmodells mit der inneren Entwicklung Athens im späten 5. Jahrhundert verbunden. Dort kam es in den Jahren 411 und 404 v. Chr. zu Umwälzungen, die die kurzzeitige Etablierung von Ordnungen zur Folge hatten, welche als Mischformen aus Demokratie und Oligarchie zu betrachten sind.
Euripides 11 vertrat in einer seiner Schriften die Meinung, dass eine Gruppe mittelständischer Bürger imstande sein könnte, die zu großen Gegensätze zwischen den Armen und Reichen eines Staates zu neutralisieren. Er teilt dabei die Gesellschaft in drei Gruppen: die Reichen, die lediglich ihr eigenes Vermögen noch vermehren wollen, die Armen, die nach einer Umverteilung der Besitzverhältnisse zu ihrem Gunsten streben und die Mittleren, die als einzige uneigennützig das Wohl und die Ordnung des Staates wahren. Dabei handelt es sich natürlich um kein Mischverfassungsmodell, jedoch wird deutlich, dass bereits in dieser Zeit ein Ausgleich zwischen den verschieden Schichten der Bürgerschaft, als Problem der Verfassung aufgefasst wurde. Man war bereits zu der Erkenntnis gelangt, dass
9 Polis - antiker griechischer Stadtstaat
10 Backes, Uwe: Politische Extreme. Eine Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart,
Göttingen 2006 S. 27
11 Euripides - klassischer griechischer Dichter (* 480 v. Chr. † 406 v. Chr.)
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Arbeit zitieren:
2009, Die Mischverfassungstheorie in der Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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