Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Identitätsbegriff 4
2.1 Persönliche und soziale Identität 5
2.2 Politische und kulturelle Identität 5
3. Die Europäische Identität 6
3.1 Das Dokument über europäische Identität von 1973 6
3.2 Die sechs Säulen der Identitätspolitik in der EU 7
3.3 Ebenen europäischer Identität 8
4. Eurobarometer - Die Meinung der EU-Bürger 9
4.1 Die Existenz gemeinsamer europäischer Werte 10
4.2 Die von den Europäern geteilten Werte 12
4.3 Werte, die die Europäische Union am besten repräsentieren 14
4.4 Nationalstolz und der Stolz Europäer/in zu sein 16
4.5 Grad des Zugehörigkeitsgefühls 17
5. Zusammenfassung der Ergebnisse 19
6. Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Das Konzept einer europäischen Identität ist noch erstaunlich jung. Obwohl sich die Anfänge der Europäischen Union schon 1951, mit dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) abzeichneten, wurde der Begriff der europäischen Identität erst im Jahr 1973 offiziell in die politische Agenda der Europäischen Gemeinschaft aufgenommen. Mit dem Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 wurde offiziell die Europäische Union gegründet. Dieser Wirtschaftsgemeinschaft gehören seit 2007 insgesamt 27 Mitgliedsstaaten an. In den Mitgliedsstaaten werden im Juni 2009 zum siebten Mal die Wahlen zum europäischen Parlament durchgeführt.
Doch ist das Konzept von Europa so einheitlich, dass man auch von einer europäischen Identität sprechen kann? Gibt es überhaupt eine europäische Identität und wenn ja, wie setzt sich diese zusammen?
Nach einer einführenden Begriffsklärung von Identität soll auf die europäische Identität eingegangen werden. Danach wird versucht eine mögliche allgemeine europäische Identität im Kontext der Daten verschiedener EU-Barometer-Befragung auszumachen. Zum Schluss ist zu klären, ob sich die erhobenen Daten mit den theoretischen Konzepten decken, ob diese spezifisch europäisch sind und ob ein einheitliches Identitätsbild unter den EU-Bürgern und der EU-Politik existiert.
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2. Der Identitätsbegriff
Die Geschichte des Identitätsbegriffs lässt sich bis zur antiken Philosophie, in die Bereiche der Logik und der Philosophie zurückverfolgen und bedeutete dort Gleichheit, Artgleichheit oder wesensgleiche Übereinstimmung (vgl. Walkenhorst 1999:19). Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Begriff, beispielsweise von der Sozialpsychologie übernommen und abgewandelt. Es wurden viele grundlegende identitätstheoretische Konzepte, zum Beispiel von George Herbert Mead oder Jürgen Habermas entwickelt bis der Begriffswandel von Identität als Merkmal von Individualität hin zum Kennzeichen intakter Gesellschaften dazu führte, dass auch die Politikwissenschaft mit dem Identitätsbegriff konfrontiert wurde (vgl. ebd.). Der Identitätsbegriff könnte als eine Relation zwischen Dingen, Sachverhalten, Begriffen, Aussagen usw., die die Übereinstimmung in allen Merkmalen zum Inhalt haben (absolute Identität) gesehen werden, oder als die, die eine Übereinstimmung im Hinblick auf bestimmte Merkmale beinhaltet (relative Identität) (vgl. www.stangl.eu). Der Begriff der Identität ist nicht einheitlich festgelegt. Es wird auch bei dieser Definition deutlich, dass die Identität einer Person nicht ausschließlich von dieser selbst ausgeht, sondern sich vielmehr aus der Abgrenzung eines Individuums von seinem sozialen Umfeld ergibt. So heißt es auch bei Rosenbach, dass Identität eine Person als einmalig und unverwechselbar definiert und zwar in zweierlei Hinsicht: durch das Individuum und durch die soziale Umgebung (vgl. www.stangl.eu).
Die Europäische Identität ist weitaus vielschichtiger und fordert somit eine eingehendere Betrachtung, sowohl aus persönlich- sozialer, als auch aus politischkultureller Perspektive. Im Folgenden werden zur näheren Begriffsbestimmung verschiedene Identitätsthesen vorgestellt werden.
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2.1 Persönliche und soziale Identität
Nach Eriksons Definition setzt jede Identität im Individuellen an und betont zunächst die Konstanz der Außen- und Innenwirkung einer Person für sich selbst.
„Das bewusste Gefühl, eine persönliche Identität zu besitzen, beruht auf zwei
gleichzeitigen Beobachtungen der unmittelbaren Wahrnehmung der eigenen
Gleichheit und Kontinuität in der Zeit, und der damit verbundenen Wahrnehmung,
dass auch andere, diese Gleichheit und Kontinuität erkennen“ (Erikson 1973:18).
Meyer hingegen hebt eher die Offenheit in sich stetig wechselnden Zusammenhängen hervor. Im Kontakt zu sich ständig neu formierenden Gruppen, wie beispielsweise der Familie oder der Schulklasse entsteht eine ‚Patchwork-Identität‘, deren Brüche, Wandlungen und Wiedersprüche einer ständigen Veränderung unterliegen (vgl. Meyer 2004:22ff.). Nach Lepius formiert sich eine größere kollektive Identität „wenn eine Gruppe von Individuen sich mit den gleichen Objekten identifiziert und sie sich dieser Gemeinsamkeit außerdem bewusst ist“ (Lepius 1997:994). Demnach verlangt das Bewusstsein einer europäischen Identität nach einem hohen Grad empfundener Gemeinsamkeiten, was in Europa aufgrund von unklaren geographischen Grenzen, verschiedenen Sprachen, politischen Systemen, Religionen und Ethnien sehr schwer ist.
2.2 Politische und kulturelle Identität
Politische Identität ist, wie Furio Cerutti sagt: "das Ensemble von politischen Werten und Prinzipien, die wir (...) als Basis für unsere politische Gruppe anerkennen. (...) Dieser Akt der Anerkennung oder Identifikation macht uns erst zu einem Wir" (Cerutti 2003:1). Das könnte also bedeuten, dass Entscheidungen der EU von den Bürgern erst als sinnvoll erachtet werden, wenn sie sich mit anderen Betroffenen als eine Gruppe wahrnehmen. Das Gefühl einer Gruppe entsteht hier also durch einen Konsens von Prinzipien.
Jürgen Habermas verknüpft die politische Identität mit einer aktiven Auswirkung auf die demokratische Teilnahme und Inanspruchnahme von Kommunikationsrechten. Durch diese Verknüpfung wird für alle Mitglieder der entsprechenden politischen Gemeinschaft rechtliches und politisches Handeln verbindlich, wobei die Verantwortlichkeit und die persönliche Verantwortung dabei klar geregelt und
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akzeptiert sind. Die politische Identität wird erhalten durch die Bereitschaft einer Gruppe dazuzugehören und zu partizipieren. Durch diese Einheitlichkeit kann ein einheitlicher politischer Rahmen geschaffen werden (vgl. Winkler 2006:10). „Um diese Einschränkung der vielschichtigen nationalen in eine übergeordnete europäische Identität akzeptieren zu können, bedarf es entweder handfester wirtschaftlicher Vorteile, die eine wenigstens zeitweilige Einordnung ins System Europa bewirken, oder eines gemeinsamen kulturellen Identitätsgefühls“ (Winkler 2006:10). So sind zum einen die Akzeptanz der geschichtlich gewachsenen kulturellen Differenzen und zum anderen aber auch die Suche nach gemeinsamen europäischen Kultursträngen sehr wichtig zur Entstehung einer europäischen Identität.
3. Die Europäische Identität
Aus den, unter anderem in Kapitel 2 aufgezeigten Identitätsthesen, soll nun der Versuch angestellt werden, eine nähere Beschreibung mit den wichtigsten Merkmalen für den Begriff „europäische Identität“ aufzustellen. Dazu seien die wichtigsten Eigenschaften noch einmal erwähnt: kollektive Identitäten sind intern heterogen strukturiert und bedeuten gleichzeitig auch die Abgrenzung zu anderen Gruppen, der Intensitätsgrad des kollektiven Bewusstseins ist variabel und es besteht eine Differenzierbarkeit zwischen Außen- und Innenwahrnehmung, intakte und gestörte Kollektividentitäten können unterschieden werden und es gibt historisch gewachsene, traditionelle Gruppenidentitäten und künstlich hergestellte Identitäten (vgl. Walkenhorst 1999:48f.).
3.1 Das Dokument über europäische Identität von 1973
Im Dezember 1973 wurde das EG-Dokument “Die europäische Identität“ vom dänischen Außenminister, als Vorsitzenden der Europäischen Politischen Zusammenarbeit der Öffentlichkeit übergeben. Die neun Mitgliedsstaaten der Friedens-und Wirtschaftsgemeinschaft hatten dieses Dokument entworfen um ihre Beziehungen als Gruppe zu den übrigen Ländern der Welt sowie ihre Verantwortlichkeiten und ihren Platz in der Weltpolitik näher zu bestimmen. In dem Dokument heißt es:
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Arbeit zitieren:
Anne Nickel, 2009, Zur europäischen Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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