Gliederung der Hauptseminararbeit
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I. Einleitung 3
II. Situation vor der Unabhängigkeit Belgiens 4
III. Der Prozess des Nation-Building 5
1. Der Begriff des Nationalstaats 5
2. Der Weg zum belgischen Nationalstaat 6
VI. Die Entwicklung des belgischen Konflikts 9
1. Die Flämische Bewegung 12
2. Die Wallonische Bewegung 13
3. Die Sprachproblematik und Etablierung der Sprachgesetze 15
V. Der politische Konflikt 2007 16
VI. Fazit 19
Schriftenverzeichnis 22
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I. Einleitung
Seit der Staatsgründung 1830, stehen sich zwei völlig unterschiedliche Volksgemeinschaften gegenüber und wagten den Versuch eines gemeinsamen Einheitsstaates. Ein neuer Nationalstaat wurde erschaffen, um die Interessen anderer Staaten zu schützen, den Frieden in Europa zu sichern und das europäische Mächtegleichgewicht zu bewahren. Aufgrund der weltanschaulichen und sprachlichkulturellen Unterschiede wurde der Zusammenschluss zwischen den niederländischsprachigen Flamen und den französischsprachigen Wallonen als reines Kunstprodukt bezeichnet. Der Sprachenstreit in Belgien, wird gern als Anlass für sämtliche Auseinandersetzungen zwischen Flamen und Wallonen angesehen. Aber es ist meiner Ansicht nach ein Trugschluss, diesen Konflikt allein auf den Sprachkonflikt zurück zu führen. Mit dem Sprachenkonflikt ist der Kulturstreit untrennbar verbunden, da er Ursache und Wirkung zugleich ist. Als Folgeerscheinung der unterschiedlichen Kulturen bildeten sich differente Religionen und
Weltanschauungen aus. Ein wichtiger Faktor im flämisch-wallonischen Konflikt, stellte die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung in beiden Regionen da. Neben den Diskriminierungen der sprachlichen und kulturellen Identität der Flamen hatten die Diskrepanzen in der Wirtschaftspolitik entscheidenden Anteil am zustande kommen der Staatsreformen ab 1962. In folgendem Verlauf werde ich die historisch und ideologisch geprägten Unterschiede zwischen den flämischen und frankophonen Gruppierungen aufzeigen und die Ergebnisse der Sprachgesetze von 1962 näher erläutern. Die Sprachgesetze sollten den flämisch- wallonischen Konflikt eindämmen und helfen, dass sich die zerstrittenen Gebiete in Belgien gegenseitig respektieren. Doch können bloße Sprachgesetze alleinig nicht als ausreichend angesehen werden, um zwei völlig unterschiedliche Regionen zusammen zu führen. Wie groß die Abneigung zwischen den Regionen noch heute ist, wurde am 14.12.2006 deutlich, als der belgische Rundfunksender RTBF meldetet, dass Flandern angeblich einseitig seine Unabhängigkeit erklärt hätte und Zehntausende innerhalb von nur 30 Minuten auf den Straßen feierten, bis der Moderator die Zuschauer aufklärte, dass es nur um eine Fiktion handelt. Die Enttäuschung über diese Fiktion war gerade auf flämischer Seite deutlich höher als auf wallonischer Seite. Im Rahmen dieser Arbeit soll ersichtlich werden, dass der Prozess des „Nation-Building“ im 19. Jahrhundert sich daran orientieren sollte, eine ethnische Gemeinschaft mit kulturellen Verbindungen grundlegende Basis des Nationalstaats in Europa sein sollte. Die Differenzen
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zwischen den Regionen in Belgien sind so groß, dass auch Sprachgesetze keine gegenseitige Anerkennung in einem formell vereinten Nationalstaat realisieren können. Ist Belgien ein im 19. Jahrhundert künstlich erschaffener, aber kulturellsprachlich geteilter Nationalstaat?
II. Situation vor der Unabhängigkeit Belgiens
1477 übernahmen die Habsburger mit der Heirat Maximilians von Österreich und der Herzogin Maria von Burgund das Gebiet der 17 Provinzen, deren weitgehende Eigenständigkeit nun durch Fremdherrschaft ersetzt wurde. Dieses Gebiet der 17 Provinzen umfasste das gesamte Territorium der heutigen BeNeLux-Staaten sowie den Nordosten Frankreichs. Unter Philipp II., dem König von Spanien, wurden die 17 Provinzen von Madrid aus zentralistisch regiert. Insbesondere der im Norden und städtischen Westen der Niederlande stark vertretene Protestantismus wurde von Philipp II. mit harter Hand bekämpft. Dies führte dazu, dass 1581 die sieben nördlichen Provinzen in Utrecht ihre Unabhängigkeit von Spanien deklarierten. Im Jahre 1648 wurden die so entstandenen Niederlande im „Westfälischen Frieden“ von Münster erstmals international anerkannt. Während einer fast 150 Jahre währenden Periode zwischen 1648 und 1795 bildete sich in den südlichen Provinzen erstmals eine gemeinsame Identität heraus. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts fand der Terminus „Belgique“ für das Gebiet der südlichen Niederlande seine öffentliche Verbreitung. 1 Im November 1792 wurden die Österreichischen Niederlande und das Prinzbistum Lüttich von Frankreich besetzt, später am 01. Oktober 1795 endgültig annektiert und in das politische System Frankreichs implantiert. Französisch wurde als Einheitssprache in allen Provinzen eingeführt, Flämisch hingegen abgeschafft und in der Folgezeit selbst in Flandern nach und nach aus allen öffentlichen Lebensbereichen entfernt. Die französische Sprache wurde als ein Vehikel der Ideologie der Französischen Revolution angesehen. Den unteren Schichten blieb der damit verbundene soziale Aufstieg hingegen durch die auftretenden Sprachprobleme verwehrt. Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo (heutiges Belgien) 1815 vereinigte die internationale Diplomatie die nördlichen und südlichen Niederlande auf dem „Wiener Kongress“ 1814/1815 zu einem neuen Staat, dem Königreich der
1 Hecking, Claus, Seite 27. 4
Vereinten Niederlande. Dieses Königreich umfasste mit Ausnahme des Gebietes von Eupen-Malmedy das gesamte Gebiet der heutigen BeNeLux-Staaten. 2
III. Der Prozess des Nation-Building
1. Der Begriff des Nationalstaats
Die Vergleichende Nationalismus-Forschung hat dazu beigetragen, dass heute Prozesse der Nationalstaatsbildung in vergleichende Perspektive dargestellt und bewertet werden können. Während in Frankreich die Zugehörigkeit zur Nation als Ausdruck einer politischen Willensentscheidung galt, in Deutschland das Spannungsverhältnis zwischen Staats- und Kulturnation entscheidend blieb, macht sich heute eher eine funktionale Betrachtung breit, die Nationalismus mit allgemeiner Modernisierung von er Gesellschaft und politischen Systemen verbindet. Es gelang, dass die voluntaristische Dimension der Zugehörigkeit zu einer Nation als Ergebnis der Französischen Revolution zu erkennen ist, die als Ausgangspunkt des modernen Nationalismus gilt. 3 Ein Nationalstaat definiert sich grundlegend als souveräner Staat, in dem sich die Gesellschaft politisch organisiert, die sich als Nation begreift oder als eine solche angesehen wird. Er definiert sich weiter nach dem Prinzip der politischen Selbstbestimmung des Bürgertums im Staat und über den Staat. Diese neue - vom Staatsbürger getragene - Souveränität galt sowohl nach innen als auch für die Stellung des Nationalstaates nach außen anderen Staaten und herkömmlichen Bindungen gegenüber. 4 Seit der Französischen Revolution besteht eine idealistische Vorstellung einer weitgehenden Übereinstimmung einer ethnischen Gemeinschaft, wie z.B. der Nation oder dem Volk, und territorial-rechtlicher Herrschaft des Staates. Obwohl auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker beruhend, ist der Begriff Nationalstaat politisch-historisch oft durch Absolutheitsansprüche einer Nation gegenüber anderen Nationen und Intoleranz gegenüber Minderheiten stark belastet. 5 Eine gemeinschaftliche Sprache ist daher wichtig für die Bildung eines gefestigten Nationalstaats. Sie öffnet ein Feld für gesellschaftliche Kommunikation, bei der Infomationen und Kenntnisse weitergegeben werden können. Informationen, die man im Nationalstaat nicht versteht, haben auch keinerlei Sinn. 6 Ihre Rolle der Nationen
2 Hecking , Claus, Seite 28.
3 Holtmann, Seite 376.
4 Drechsler, Gesellschaft und Staat, Seite 564.
5 Schubert/Klein, Das Politiklexikon, 3. Auflage, Bonn 2003, Seite 34.
6 Club van Leuven, Seite 25.
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bildenden Kraft entfaltete die Sprache in Europa erst ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Dies war ein Resultat der Aufklärung und der langsam beginnenden Industrialisierung mit den Folgen wie Migration, Verstädterung, Anonymisierung und Verbreitung von Massenmedien. All diese Faktoren ermöglichen die Vermischung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und erfordern eine einheitliche Kommunikationsbasis. 7 Es ist also in Belgien nicht von einer Willensnation auszugehen, in der unterschiedliche Völker in einem Staat zusammenleben, wie dies z.B. in den USA der Fall wäre. Belgien ist ein klassisches Beispiel für einen Staat, der künstlich am Verhandlungstisch von Staatsmännern geschaffen worden ist, ohne ein einheitliches Nationalgefühl einer ethnischen Gemeinschaft. Es ist vielmehr von einem Verbund zweier unterschiedlicher Kulturen in einem Staat auszugehen, die sich gegenseitig provozieren und ihre Vormachtstellung im Staat nicht verlieren wollen, sodass sie in eine Minderheit verfallen. Diese Nation wird politisch noch von einem Monarchen zusammengehalten, der seine eigene Machtposition als Staatsoberhaupt einer Nation natürlich niemals freiwillig aufgeben wird.
2. Der Weg zum belgischen Nationalstaat
Als die Armeen der Alliierten sich im Winter 1813/14 den belgischen Grenzen näherten und die Niederlage Napoleons in Sicht rückte, gab Wien zu verstehen, dass es auf die Niederlande verzichte und stattdessen italienisches Territorium wünsche. Kaiser Franz und Fürst Metternich hatten keinerlei Drang, sich nach den Erfahrungen der Vergangenheit aufs Neue die alte Last aufzubürden. Die Niederlande selber hatten allerdings gehofft, dass die alte Zeit wiederkehren möge. Der Adel und der Klerus der Niederlande. Joseph II. war tot und seine Reformpläne schienen ein harmloses Kinderspiel gegen das, was sie seitdem erlebt hatten. Im großen Ganzen hatten sie das 18. Jahrhundert als eine ruhige, angenehme Epoche in Erinnerung. Die österreichische Herrschaft war katholisch und patriarchalisch geprägt und vor allen Dings mit ihrer Residenz in Wien weit entfernt gewesen. Die Unlust Österreichs hinsichtlich der Provinzen kam keiner gelegener als dem neugebackenem souveränen Fürsten, der soeben befreiten nördlichen Niederlande, Wilhelm I von Oranien-Nassau. Er galt als ehrgeizig und auf die Ausdehnung seiner Macht bedacht, weshalb er auch zum eigentlichen Antriebsmotor der nun folgenden langen und komplizierten Verhandlungen wurde. Am 26. Dezember 1813 erklärte er bereits, dass die gesamten
7 Dewachter, 1999, Seite 59. 6
Arbeit zitieren:
Ludwig Späte, 2009, Nation-Building am Beispiel von Belgien, München, GRIN Verlag GmbH
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