Universität Leipzig Institut für Romanistik/ Französistik Lehrstuhl für Landeskunde
Seminar: Frankreich – Deutschland - Europa
Der Vertrag von Versailles
Susanne Richter
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Versailler Vertrag 3
2.1 Die Pariser Friedenskonferenz 3
2.2 Übergabe der ausgearbeiteten Bedingungen 4
2.3 Ultimative Aufforderung Unterzeichnung und Inkrafttreten des Vertrages 5
3. Unterschiedliche Interessen der Alliierten 6
3.1 Frankreich 6
3.2 Großbritannien 6
3.3 USA 7
4. Einzelne Punkte des Versailler Vertrages 7
4.1 Territoriale Bestimmungen und damit verbundene Verluste 7
4.1.1 Gebietsabtretungen der Verbündeten des Deutschen Reiches 7
4.1.2 Gebietsabtretungen des Deutschen Reiches 8
4.2 Kriegsschuldartikel und Reparationsfrage 9
4.3 Regelung sonstiger Fragen 10
5. Allgemeine wirtschaftliche Folgen 11
5.1 Währungsverfall 11
5.2 Ruhrbesetzung 12
5.3 Stabilisierung der Währung und Senkung der Kriegsschulden 13
5.3.1 Der Dawes-Plan 14
6. Die Revisionspolitik der Weimarer Republik 15
6.1 Gustav Stresemann und seine politischen Ziele 15
6.1.1 Der Briand-Kellogg Pakt 17
6.2 Außenpolitische Stärke versus innenpolitische Schwäche 18
6.3 Das Ende des Reparationsproblems 18
7. Der Versailler Vertrag und der Nationalsozialismus 19
7.1 Hitlers Weg zur Macht 20
8. Schlussbemerkung 21
9. Karten: Mitteleuropa vor und nach dem Ersten Weltkrieg 23
10. Literatur- und Quellenverzeichnis 24
1. Einleitung
„Ein Volk von 70 Millionen leidet, aber es stirbt nicht.“ 1 Mit diesen Worten vollzog Matthias Erzberger, Führer der deutschen Delegation, die Kapitulation, die dem Ersten Weltkrieg ein Ende setzte. Während des vierjährigen Blutvergießens hatte er sich von einem Befürworter territorialer Annexionen zum Anwalt eines Verständigungsfriedens gewandelt. Im November 1918 2 unterzeichnete der deutsche Politiker in Compiègne das von General Ferdinand Foch, dem Oberkommandierenden der Alliierten und Führer der französischen Waffenstillstandsdelegation, ausgearbeitete Dokument. Danach mussten nicht nur die besetzten Gebiete einschließlich Elsaß-Lothringens sofort geräumt werden; in einer zweiten Phase mussten sich die deutschen Truppen auch aus dem linksrheinischen Gebiet, einer neutralen Zone und aus drei Brückenköpfen rechts des Rheins (um Mainz, Koblenz und Köln) zurückziehen. Außerdem musste die deutsche Hochseeflotte einschließlich aller U-Boote ausgeliefert werden, dazu tausende von Lokomotiven, Eisenbahnwaggons und Lastwagen sowie Kriegsmaterial aller Art. Die Friedensverträge, die das Deutsche Reich 3 zu seinen Gunsten im Osten abgeschlossen hatte, wurden für hinfällig erklärt, die alliierten Kriegsgefangenen entlassen, und die Geltung des Waffenstillstandes zeitlich befristet.
Das Kaiserreich war zusammengebrochen. „Zwei Millionen Menschen waren gefallen, das Volk war ratlos, die Feinde, die man 1914 besiegen zu können gehofft hatte, triumphierten ... Für die Deutschen war die Welt verändert. Kümmerlich ernährt und kümmerlich gekleidet gingen die deutschen Bürger durch die Straßen, [...], ihre Söhne waren gefallen oder in Gefangenschaft, und die, die heimgekehrt waren, waren grausam verändert.“ 4 Die Werte der Menschen waren erschüttert, ihr Selbstbewusstsein gefährdet. Aber nicht nur für die Deutschen war die Welt eine andere geworden - ganz Europa hatte stark gelitten. Nicht nur Städte und Dörfer waren zerstört worden, sondern auch nahezu zehn Millionen Menschenleben. Die am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten waren hoch
1 Vgl. Raff, Seite 281
2 Im gleichen Monat rief Philipp Scheidemann in Weimar die Republik aus.
3 Oder auch Weimarer Republik; Deutsches Reich war seit 1871 bis 1945 die amtliche Bezeichnung des
deutschen Staates.
1
verschuldet, die Währungen zerrüttet, der Welthandel funktionierte nicht mehr und Hunger und Elend hatten sich überall ausgebreitet.
In Frankreich wurde der Ausgang des Krieges dagegen überwiegend als französischer Sieg verstanden und gefeiert. Lange Zeit hatte die Bevölkerung auf einen Sieg gehofft, gleichzeitig aber eine Niederlage schon vor Augen gehabt. Deshalb war die Erleichterung über den Erfolg um so größer. Und nachdem man von allen Verbündeten am meisten unter diesem Krieg zu leiden gehabt hatte, war man der Meinung, auch den größten Anteil an diesem Sieg zu haben und man fühlte sich damit an führender Stelle mitverantwortlich für die Gestaltung der internationalen Ordnung auf dem europäischen Kontinent. Entsprechend groß waren die Erwartungen, die man in die Friedensverhandlungen setzte. Frankreich wollte in einem Friedensvertrag nicht nur die Garantie gegen einen erneuten deutschen Angriff verankert sehen, die Deutschen sollten des weiteren auch für alle erlittenen Verluste aufkommen. „Die Überzeugung, dass ‚Deutschland alles zahlen wird‘, tröstete über die Misere der Kriegserschöpfung hinweg und entschärfte zugleich die innergesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Ein antideutsch bestimmter Nationalismus wurde zum wichtigsten Integrationsmittel einer Gesellschaft, deren innere Friktionen durch die Kriegserfahrung eher verstärkt und vermehrt als eingeebnet worden waren.“ 5
Schon während des Krieges hatte sich Frankreich Gedanken um seine Zukunft gemacht. Die Vorstellungen zielten schwerpunktmäßig auf eine sicherheitspolitisch motivierte Expansion nach Osten. Als man dann jedoch begann, die Vorbereitungen für Friedensverhandlungen zu treffen, legte sich die Regierung Clémenceau 6 auf die Forderung nach Schaffung eines oder mehrerer Rheinstaaten und die Annexion der Saar fest. Darüber hinaus traf die Regierung Vorkehrungen, Frankreich zum wirtschaftlichen Zentrum des Kontinents werden zu lassen, und griff die Idee einer kollektiven Sicherheitsorganisation auf, mit der die Alliierten gemeinsam künftigen Expansionsplänen der Deutschen zuvorkommen sollten.
4 Vgl. Raff, Seite 282
5 Vgl. Loth, Seite 32
6 Der Französischer Politiker Georges Clémenceau (1841 - 1929), war gegen den Friedensvertrag mit
Deutschland.
2
2. Der Versailler Vertrag
Dieses Vertragswerk gilt als eines der wichtigsten der Pariser Vorortverträge 7 von 1919/1920 und auch als wichtiges Dokument hinsichtlich der deutschen Entwicklung. Die darin genannten Bedingungen waren hart und wichen weit ab von Wilsons 14 Punkten 8 , auf die die Deutschen gesetzt hatten, als sie die Waffen niederlegten. Wilsons Angebot galt, nachdem man es im Frühjahr 1918 ausgeschlagen hatte, mit dem Waffenstillstand vom Herbst 1918 nicht mehr. Um den Völkerbund durchzusetzen, musste der amerikanische Präsident gegenüber seinen europäischen Verbündeten auf fast alles verzichten, was seinen Idealen entsprach, und selbst der Völkerbund erfüllte nicht den Zweck, den Wilson ihm zugedacht hatte.
2.1 Die Pariser Friedenskonferenz
Am 18. Januar 1919 fanden sich in Versailles die Siegermächte 9 zu einer Friedenskonferenz zusammen. 32 Nationen waren durch Delegationen vertreten, die ehemaligen Mittelmächte 10 und Verlierer des Ersten Weltkrieges waren nicht zugelassen worden. Das bolschewistische Russland war wegen des Bürgerkrieges nicht vertreten. Die Furcht war zu groß, dass sich die Alliierten bei Direktverhandlungen spalten könnten. Den Vorsitz der Verhandlungen führte der französische Ministerpräsident George Clémenceau. Die Entscheidungen wurden im wesentlichen vom „Rat der Vier“ getroffen, dem außer Clémenceau der britische Premierminister David Lloyd George, der amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson und zeitweise auch der italienische Ministerpräsident Vittorio E. Orlando angehörten. In ihren Debatten ging es unter anderem um die Frage des Umgangs mit den Hauptgegnern Deutschland und Österreich-Ungarn und um die
7 Pariser Vorortverträge ist eine Sammelbezeichnung für die in einzelnen Pariser Vororten abgeschlossenen Friedensverträge zwischen der Entente und den Mittelmächten nach dem Ersten Weltkrieg.
8 Friedensprogramm des amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson (1865 - 1924), das als Grundlage für eine dauerhafte Friedensordnung dienen sollte. Die 14 Punkte enthielten allgemeine Grundsätze, die den zwischenstaatlichen Verkehr bestimmen sollten (keine Geheimdiplomatie, Freiheit der Schifffahrt und des Handels, umfassende Abrüstung und unparteiische Regelung der kolonialen Ansprüche). 9 Britisches Reich, Frankreich, Italien, Japan und die USA 10 Bezeichnung für die im Ersten Weltkrieg verbündeten Staaten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn (wegen ihrer Mittellage zwischen den Gegnern in West- und Osteuropa), später auch für ihre Bündnispartner Osmanisches Reich und Bulgarien.
3
Arbeit zitieren:
Susanne Richter, 2002, Der Vertrag von Versailles, München, GRIN Verlag GmbH
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