I. Sie sind eingeladen, in der Kreishandwerkerschaft Ihrer Stadt die Ressourcenvon jungen Menschen mit Migrationshintergrund darzustellen, die Handwerksbetriebe gewinnen sollen, diese Gruppe vermehrt zu berücksichtigen. 1. Welche Ressourcen können Sie nennen? 2. Wie begründen Sie allgemein? (wissenschaftlich) 3. Wie begründen Sie deren Nutzen im Rahmen von Ausbildung? Zu 1. Ressourcen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund a) Zwei- und Mehrsprachigkeit bzw. Bi- und Multilingualität b) Interkulturelle Kompetenz c) Familialismus d) Wertehaltungen Zu 2. Begründung o. g. Ressourcen a) Bilingualität
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sprechen zwei Sprachen. Diese Fähigkeit, sich in zwei Sprachen fließend mündlich oder schriftlich ausdrücken und verständigen zu können, wird als Bilingualität oder Zweisprachigkeit bezeichnet. In der Regel können sie diese simultan nutzen. Durch diese Ausnutzung des Sprachzentrums im Gehirn erleichtert der Erwerb zweier Sprachen das Erlernen von weiteren Fremdsprachen. Diese Fertigkeiten in verschiedenen Sprachen erweitern die Fertigkeiten der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Von vielen Wissenschaftlern wurde festgestellt, dass Kinder mit zweisprachiger Erziehung in der Grundschule auch nach der Grundschule allgemein besser abschneiden als Schüler, die monolingual erzogen worden sind.
Sie seien bessere Leser, weil sie sich beim Lesen und auch beim Schreiben mehr auf den Sinn und die Bedeutung als auf den Klang bzw. Betonung konzentrieren würden. Ihnen würde das Erlernen weiterer Fremdsprachen leichter fallen, da das Sprachzentrum durch die bilinguale Kompetenz besser ausgebildet ist. Sie seien kulturell interessierter und offener für Begegnungen und Interaktionen, was wiederum die Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund fördert und zu weiterem Wissenserwerb führt. Auch entwickeln sie früh die Fähigkeit zur Abstraktion, wenn sie begreifen, dass die Verbindung zwischen einem Wort (signifikant) und seinem Sinn (signifié)
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eine willkürliche ist und dass verschiedene Wörter den gleichen Sinn haben können (Vergleich aus dem Französischen mit dem Deutschen.) Sie sind intellektuell wendig und entwickeln viele verschiedene Lernstrategien. 1 b) Interkulturelle Kompetenz:
“Unter interkultureller Kompetenz wird ein Set von Fähigkeiten verstanden, die es einer Person ermöglichen, in einer kulturellen Überschneidungssituation unabhängig, kultursensibel und wirkungsvoll zu handeln.“ 2
Kinder und Jugendliche erwerben eine interkulturelle Kompetenz im Rahmen ihrer Erziehung und Sozialisation. Sie erwerben Wissen über ihre eigene und auch über andere Kulturen (v. a. die deutsche). Sie erwerben grundlegenden Eigenschaften im Umgang mit anderen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Durch Kenntnis der eigenen Fähigkeit zur bewussten Mitgestaltung einer Begegnung mit anderen entwickeln diese jungen Menschen Empathie und auch Ambiguitätstoleranz. Diese Mitgestaltung kann sich in der Kommunikation, Sprache, Teamarbeit, Konfliktfähigkeit u. a. zeigen. Kinder und Jugendliche mit interkultureller Kompetenz können sind im Umgang sicherer, toleranter. Sie erkennen die kulturellen Werte und Normen und auch Einstellungen der anderen. Sie haben Wissen darüber, dass diese die Selbst- aber auch Fremdwahrnehmung beeinflussen, daher erlaubt dieses Wissen ihnen einen Perspektivenwechsel, mit dessen Hilfe sie über das Selbst- und das Fremdbild reflektieren können. c) Familialismus
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind oft sehr stark an ihre Familie gebunden. Meistens verlassen sie das Elternhaus erst mit der Heirat. Die individuellen Wünsche folgen den Wünschen der Familie. Es wird darauf geachtet, dass die Kinder der Familientradition entsprechend erzogen werden und auch dementsprechend handeln. Der Status der Familie in der Umgebung und Gesellschaft, in der sie existiert, ist hier sehr wichtig. Werte und Normen werden den Kindern so beigebracht, wie sie in der Gesellschaft, in der sie leben, gelten. Die Familie ist zu achten und jedes Individuum der Familie ist vor schlechten Gegebenheiten zu schützen. So sind alle für alle verantwortlich. Ehrlichkeit, Respekt und
1 Vgl.: Woessner, P.: Bilingualität und Erziehung, Vortrag über Konzepte im Elsass (2005). In: http://lernen.bildung.hessen.de/bilingual/aktuelles/news/1136107749 (Zugriff: 23.08.07)
2 Grosch, Harald/Groß, Andreas/Leenen, Wolf Rainer: Methoden interkulturellen Lehrens und Lernens, Saarbrücken: ASKO Europa Stiftung, 2000, S. 8
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Achtung (usw.) den anderen Familienmitgliedern sind sehr wichtige Komponenten des Familialismus bei Familien mit Migrationshintergrund. d) Wertehaltungen
So wie die Familiengebundenheit ist auch eine starke Gebundenheit an Werte und Normen bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gegeben. Die Einhaltungen der geltenden Normen und Werte ist für das Ansehen der Familie sehr wichtig. Das Einhalten der geltenden Normen und Werte erleichtert den Kindern und Jugendlichen das Zurechtkommen in ihrer Umgebung. Gebunden an ihre Normen und Werte fangen Kinder an Gut und Böse zu trennen. Die ihnen bekannten Werte und Normen beinhalten vorgeschriebene Verhaltensweisen bezogen auf das Familienleben, auf das Schulleben, auf das Spielen mit anderen Kindern, auf das Verhalten auf der Straße und auf das Verhalten allgemein außerhalb ihres Lebensraumes. Zu 3. Nutzen im Rahmen von Ausbildung
Handwerksbetriebe haben großen Kundenkontakt und müssen daher auch viele Kundengespräche führen. Wenn man davon ausgeht, dass die Gesellschaft, in der wir leben, multiethnisch ist, bietet es sich an, Mitarbeiter zu haben, die mehr als nur eine Sprache sprechen, um betrieblich besonders viele Kunden anzusprechen. Auch können Mitarbeiter, die mehr als nur eine Sprache sprechen zwischen Kunden und Betrieb vermitteln, sobald die gesprochene einheimische, d. h. die deutsche Sprache nicht ausreicht. Interkulturelle Kompetenzen der Mitarbeiter sind ebenfalls wie die Zweisprachigkeit von besonders großer Bedeutung bei der Vermittlung zwischen Kunde und Betrieb. Diesen Mitarbeitern sind andere Kulturen bekannt. Sie können Empathie zeigen und reagieren in Problemsituationen mit Geduld und Toleranz. Ein temperamentvolles Auftreten empfinden dann z. B. nicht als Bedrohung oder Aggression, sondern als eine normale Äußerung bei einer kleinen Aufregung.
Die Familiengebundenheit der Mitarbeiter lässt sich im Betrieb ebenfalls wieder finden. Die an ihre Familien gebundenen Mitarbeiter sind auch an ihren Betrieb gebunden und fühlen sich diesem verpflichtet und verantwortlich. Diese Eigenschaften werden sich auch in der Arbeitsweise wieder finden. Der Betrieb wird als zweites zuhause angesehen, den man ordentlich zu behandeln hat.
Wertehaltungen und Normverpflichtungen bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund sind auch durch den Familialismus besonders ausgeprägt. Die zuhause geltenden Vorschriften
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Arbeit zitieren:
Lale Yücel, 2007, Kinder und Jugendliche in der Einwanderungsgesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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