Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Ehe
2.1. Laudines Motivation - Die Eheabsichten einer Königin 3
2.2. Iweins Motivation - Die Eheabsichten eines “Verliebten 5
2.3. Die Zusammenkunft und Befriedigung beider Ehekonzepte 7
3. Der Ring - Ein Symbol der Liebe oder der Macht? 8
4. Fazit 11
5. Quellennachweis 12
1. Einleitung
Was wäre die Literatur ohne die Liebe?
In den meisten Romanen der Literaturgeschichte spielt die Liebe in irgendeiner Art und Weise eine Rolle. Oftmals ist es eine entscheidende, handlungsinitiierende Rolle, manchmal aber auch nur ein banales Nebenthema. Trotzdem kann der Leser jedes Mal etwas mit dieser beschriebenen Liebe anfangen, ob er sie nun nachempfinden, verstehen oder kritisch hinterfragen kann. Die Darstellung der Liebe, ihre Erscheinungsformen und ihre Problematik waren auch schon in der Literatur 1 des 12. Und 13. Jahrhunderts ein beliebtes Thema , so auch im “Iwein” von Hartmann von Aue.
Doch das Besondere am Lesen mittelalterlicher Texte ist, dass man die Wörter und ihre Übersetzungen nicht immer eins zu eins in das Wortverständnis des 21. Jahrhunderts übertragen kann. Es geht sogar so weit, dass die Übertragung den eigentlichen Sinn des mittelalterlichen 2 Textes unter Umständen verfälscht . Ein eben solches Beispiel ist das Wort Liebe. Das mittelalterliche Wort “minne”, welches oftmals einfach nur mit dem Wort “Liebe” übersetzt wird, hatte im Mittelalter aber durchaus mehrere 3 Bedeutungen . Ähnlich ist es mit der Ehe. Während die westliche Welt heutzutage bei einer Ehe grundsätzlich von einer Liebesverbindung ausgeht, war das vor allem in den gehobeneren Kreisen des Mittelalters oftmals die Ausnahme. Eine politisch motivierte Ehe galt “vor dem Anspruch 4 des Eherechts (...) als völlig legitimiert” und war für das mittelalterliche Volk eine Selbstverständlichkeit.
3
Dinzelbacher, Peter: Sachwörterbuch der Mediävistik. Stuttgart, 1992, S. 535.
Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich auf die Problematik der unterschiedlichen Eheabsichten von Laudine und Iwein eingehen. Kann man hier überhaupt von Liebe, wie wir sie heute kennen, sprechen oder höchstens von affectio und dilectio, wie Georges Duby das Gefühl zwischen 5 Ehepartnern beschreibt . Im Zusammenhang damit, möchte ich das Missverständnis des Ringes erläutern, welches letztendlich zu Iweins Wahnsinn führt.
2.1. Laudines Motivation - Die Eheabsichten einer Königin
Um Laudines Motivation, eine Ehe mit Iwein einzugehen, zu verstehen, muss man beachten, dass sie keine gewöhnliche Frau (wîp), sondern Königin des Brunnenreiches ist.
Da ihr Ehemann Askalon von Iwein getötet wurde, ist sie nun verwitwet, was im Mittelalter nicht nur den Verlust des Ehegatten bedeutet, zu dem sie eine emotionale Beziehung hatte, sondern vor allem den Verlust von Macht: Laudine ist nicht lehensfähig, da sie als Frau keinen Waffendienst leisten 6 kann . Sie braucht folglich jemanden, der ihr Brunnenreich vor Feinden verteidigt. Doch Laudine denkt dabei zunächst nicht an einen Ehemann: “sît ich ân einen vrumen man
mîn lant nîht bevriden kan,
so gewinn ich erne einen,
und anders deheinen,
den ich sô vrumen erkande
daz er mînem lande
guoten vride bære
und doch mîn man nîht wære.” 7
Dass es nicht einfach sein wird, einen Mann zu finden, der das Risiko der Verteidigung der Quelle auf sich nimmt, ohne die schöne Königin heiraten zu wollen, wird ihr erst klar, als ihre Kammerjungfer Lunete sie darauf aufmerksam macht. Nach einem längeren Gespräch zwischen den beiden Frauen, kommt Laudine zu dem Entschluss, dass eine Heirat unvermeidlich ist und sie den Sieger des Kampfes, den Mörder ihres Gatten, heiraten sollte. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie allerdings noch nicht, dass es sich dabei um Iwein handelt und sie stellt eine Art Bedingung: “sô muoz er mich mit triuwen ergetzen mîner riuwen” (2069f)
Arbeit zitieren:
Nadine Schwarz, 2008, Hartmann von Aue: 'Iwein' - Die Spannung zwischen einer Zweckehe und einer Heirat aus Liebe, München, GRIN Verlag GmbH
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