- 1 - Dersächsische Lokomotivenkönig.
Zum 200. Geburtstag
des sächsischen Lokomotivenkönigs und Industriepioniers
Richard Hartmann
- 3 -
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Einleitung. 4
Zum 200. Geburtstag des sächsischen Lokomotivenkönigs und Industriepioniers
Richard Hartmann (8.11.1809-16.12.1878) 5
Literatur. 14
Anlagen
Anlage 1: Überblick zu Sachsen, Frankreich, der Welt sowie Richard 16
Hartmann - sein Leben.
Anlage 2: Zeichnung der ersten von Hartmann 1848 gefertigten 17
Lokomotive namens „Glück auf“
Anlage 3: Besetzung der Tätigkeitsbereiche in den Hartmannwerken im 18
Jahre 1862.
Anlage 4: Ausgewählte Patente, Verbesserungen und Neuerungen von 19
Richard Hartmann.
Anlage 5: Richard Hartmanns begutachtete Neuerungen aus den Jahren 20
1852 bis 1862.
Anlage 6: Richard Hartmanns testamentarischen Legate zur soziale Fürsorge 21
Vita des Autors. 22
Abstract 26
Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches steht der sächsische Lokomotivkönig Richard Hartmann, dessen 200. Geburtstag am 8. November 2009 begangen wird. Mit ihm wird der Industriepionier und Leuchtturm des Maschinenbaus wie auch der bedeutendste Chemnitzer Industrielle des 19. Jahrhunderts und der industriellen Revolution im Königreich Sachsen und Deutschland geehrt.
Über ihn, der vom einfachen Zeugschmied, welcher im Jahre 1832 nach zwanzig Monaten Gesellenwanderung aus Barr im Elsass kommend, im aufstrebenden Chemnitz Fuß fasste und folgend in nur wenigen Jahren zum größten Arbeitgeber dieser Stadt und zu dem mächtigsten Maschinenbaufabriken Sachsens emporstieg, wird vom Autor in einer gedrängten Zeitreise Auserwähltes aus seinem Leben wie auch vom Aufstieg zum Mythos Hartmann in Erinnerung gebracht.
Darin mit einbezogen sind, neben einem kurzen Blick auf seine Wanderschaftsstationen, die Lebensabschnitte: vom Facharbeiter zum Meister, seine ersten Partnerschaftsunternehmen (Hartmann & Illing; Götze und Hartmann), seine erste eigene Maschinenfabrik Hartmann in Chemnitz wie auch die von ihm 1870 firmierte Aktiengesellschaft Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz.
Besondere Erwähnung findet die Universalität von Richard Hartmann, die er in all seinen Anstalten und Unternehmen bewies, insbesondere bei der Reparatur und dem Bau von Baumwollspinnmaschinen, der Fertigung von Krempel und Strecken, dem Bau von Maschinen für die Tuchfabrikation, Streichgarnspinnerei und dem Dampfmaschinenbau, der Fertigung, der von ihm erfundenen Vorspinnkrempelmaschine für Streichgarn „Continue“, der Herstellung von Dampfkesseln, Dampfmaschinen, Lokomotiven, Werkzeugmaschinen, Transmissionen, Mühleneinrichtungen, Bergwerksmaschinen, Gießereierzeugnissen sowie auch kurzfristig von Gewehren.
Eingebunden dabei sind auch Hartmanns bedeutendsten Erfindungen und Neuerungen, sein Engagement für die Ablösung der Handarbeit durch die Maschinenfertigung, die Nutzung innovativer Antriebskräfte, nämlich, statt menschlicher bzw. tierischer Muskelkraft. Erfasst wurden bei diesem Exkurs auch Richard Hartmanns Ehrungen für seinen besonders ausgezeichneten Bau von Maschinen in vorzüglicher Konstruktion und gediegener Ausführung auf den nationalen und internationalen Ausstellungen im 19. Jahrhundert. Erwähnung finden des Weiteren seine intensiven Bemühungen nur mit bestens ausgebildeten bzw. qualifizierungswilligen Arbeitern und Angestellten die Hartmannwerke jederzeit mit dem aktuellen Stand der Technik von der Insel, vom Kontinent wie auch dem eigens geschaffenen Know-how zu entwickeln. Dabei werden auch die bedeutendsten Techniker, Erfinder, Wissenschaftler, die bei Hartmann gelernt und gearbeitet haben, ins Gespräch gebracht.
Komplettiert wird die Karrieredarstellung Richard Hartmanns mit den Hinweisen, daß er seine Mitarbeiter nicht nur ständig forderte, sondern sie auch stetig förderte und außerdem eine sehr sozial-fürsorgliche Ader besaß. Und mit einigen Anlagen wird der Aufstieg Richard Hartmanns zum Großunternehmer illustriert.
- 5 - Zum200. Geburtstag des sächsischen Lokomotivenkönigs und Industriepioniers Richard Hartmann (8.11.1809-16.12.1878).
Fällt der Name Richard Hartmann, führt dies nicht nur unter den Textil-, Werkzeug- und Dampfmaschinenbauern sowie den Dampflokomotiven-, Dampfkessel-, Dampfhämmer- und Dampfpumpenkennern in Sachsen zur Assoziation sächsischer Dampflokomotivenkönig, Industriepionier, Maschinenindustriebegründer, Universalist, sondern auch außerhalb des Freistaates ist dies der Fall. Nicht zuletzt über Deutschlands Grenzen hinaus gilt er sowohl in der Fachwelt von der Eisen- und Stahlverarbeitung wie auch unter den Laien als einer der bedeutendsten Träger der industriellen Revolution dieser Region. Sein unternehmerisches Wirken in Chemnitz führte auch mit zu der Bezeichnung "Sächsisches Manchester" für diese nach 1830 aufstrebende Stadt, und die 22 hohen Schornsteine auf dem Hartmannschen Firmengelände gaben mit den Ausschlag, daß diese Industriemetropole auch den Beinamen „Ruß-Chamtz“ bekam.
Hartmanns Lebensweg ist eine der einzigartigen Erfolgsgeschichten eines sächsischen Protagonisten des Maschinenbaus im 19. Jahrhundert (Anlage 1).
Das Licht der Welt erblickte der Franzose Richard Hartmann vor 200 Jahren am 8. November 1890 als Sohn des Weißgerbers und Schuhmachers Johannes Hartmann (1774-1853) und seiner Frau Maria Magdalene, geb. Schwartz (1783-1856), im elsässischen Barr bei Schlettstadt, verbrieft mit Nr. 137 im Geburtenbuch (1808-1812) dieses Ortes, welcher auch die Stadt seiner Kindheit und Jugend war.
Sein Geburtshaus befindet sich da in der Neuen Gasse, später Hartmanngasse (Rue Hartmann). Richard wuchs im Kreise seiner vier Geschwister Benedikt (1806-1848), Johannes (1808-1859), Caroline (1813-1838) und Magdaleine (1815-1901) in der südöstlich von Straßburg am Fuße der Vogesen gelegene Gemeinde auf. Hier ging er auch bis zum 14. Lebensjahr zur Schule. Anschließend besuchte er eine Internatsschule in Lunéville (1824-1826), wo er seine Bildung vervollständigte wie auch sein Französisch verbesserte. In seinen Geburtsort erlernte der jugendliche Hartmann von 1825-1829 das Handwerk eines Zeugschmiedes beim Barrer Meister Georg Friedrich Dietz; und wurde als Geselle Mitglied dieser Zunft. Eigentlich sollte ein siebenjähriger Militärdienst folgen, wozu er ausgelost worden war. Da es sich seine Eltern leisten konnten, einen Stellvertreter zu entsenden, konnte ihr Sohn Richard am 19. Juli 1830, zur Erweiterung seiner Kenntnisse und Fertigkeiten auf die damals traditionelle Wanderschaft gehen.
Seine Vaterstadt soll er mit den Worten verlassen haben „Ich komme zurück, wenn ich Pferd und Wagen habe.“ [3], was er später auch tat. Seine Gesellenwanderung währte bis März 1832. Sie umfasste rund 1021 Kilometer und führte ihn durch 31 Städte und Gemeinden. In diesen 20 Monaten arbeitete er fast 16 Monate, so beispielsweise zehn Wochen beim Zeugschmiedemeister Johannes Heintzler in Weißenburg a. d. Lauter, weiterhin conditionirte er neun Monate in der Zeugschmiedewerkstatt bei Jakob Recken in Neustadt a. d. Haard, zugleich arbeitete er während dieser Zeit für einen Mechanicus. Bei ihm wurde er bereits nach drei Monaten als Werkführer engagiert und hatte als solcher über elf Arbeiter die Aufsicht zu führen. Da fertigte er mit ihnen alle Werkzeugarten, z. B. Bohrmaschinen, Schraubstöcke,
- 6 -Drehstühle, des Weiteren beschäftigte sich der erst 21-jährige Hartmann auch schon mit dem Bau einer Schraubenschneidemaschine.
Nach einem Jahr, also nach dem 31. Juli 1831, stand er vier Wochen in Diensten bei Johann Schweitzer in Mannheim, er folgten dreizehn Wochen Anstellung bei einem ungenannten Meister in Bingen, datiert sind auch vier Wochen bei Caspar Pfelzer in Jena im Februar 1832. Hier begegnete ihm ein Landsmann aus Weissenburg, Georg Samuel Apffel (1802-1873), der Chemnitz sehr gut kannte. Möglicherweise trugen seine Schilderungen über diese Stadt dazu mit bei, daß sie für Hartmann zum auserwählten Ziel wurde. Er soll als einzige Barschaft den Erlös aus dem Verkauf seiner silbernen Uhr, zwei Taler, in der Tasche gehabt haben. In dieser ersten Fabrik- und zweiten Handelsstadt im Königreich Sachsen nimmt der junge Richard zuerst Einkehr im „Schwarzen Bären“ und fand seine erste Unterkunft in der Herberge für Zeugschmiede.
Der Zeugschmied Hartmann kam wie gerufen in diese am Fuße des Erzgebirges gelegene Stadt, deren industrieller Aufschwung gerade begonnen hatte. Ihre mittelalterlichen Stadtmauern waren um Chemnitz bereits abgerissen, die Textilfabriken wie auch der Textilmaschinenbau blühten auf. Deshalb strömten viele Arbeiter sowie Handwerker aus allen Himmelsrichtungen herbei. Kaufleute und unternehmungslustige Handwerker gründen Fabriken, zu denen sich Hartmann bald gesellte.
Zunächst verdiente Hartmann seinen Lebensunterhalt im damals größten Etablissement für Maschinenbau, der Fabrik von Carl Gottfried Haubold (1792-1862), der als Vater des sächsischen Maschinenbaus bekannt ist. Durch sein mitgebrachtes unschätzbares Startkapital, die reiche Erfahrung im Metallfach und Umgang mit Menschen, seine Strebsamkeit wie auch organisatorisches Geschick stieg er, der junge Schmiedegeselle, in dieser Unternehmung innerhalb kurzer Zeit unter Führung des Akkordmeister Heinrich Knieriem vom einfachen Fabrikarbeiter zu seinem Stellvertreter beziehungsweise zum anerkannten Meister auf. Aus diesem Maschinenbaubetrieb entstand 1836 die Sächsische Maschinenbau-Compagnie. Nach Friedrich Georg Wieck (1800-1860), einem technologischen Schriftsteller und Unternehmer, war sie eine Werkstatt, welche mit besonders guten Werkzeugen ausgerüstet war, die alle Sorten von Maschinen von den feinsten bis zu den schwersten, insbesondere Spinnmaschinen, liefert und gleichsam auch viel für die Fortbildung der Industrie in Sachsen getan hat, wovon auch Hartmann partizipierte.
Nach fünf Jahren da gut qualifiziert, vom Arbeiter zum Meister, zeigte sich für Richard Hartmann das Jahr 1837 als ein in dreifacher Hinsicht bedeutsames, nämlich, erstens, nachdem er sich, wie auch Haubold, von diesem Unternehmen getrennt hatte, folgte sein Schritt in die Selbständigkeit. Dafür kaufte er mit Franz Carl Illing, aus Pest in Ungarn gebürtig, am 13. März d. J. die Werkstatt des Maschinenschlossers Friedrich August Schubert, die sich im Hause des Webermeisters Ihle in der Annaberger Straße 539a, vor dem einstigen Chemnitzer Tor, befand. Für die Werkstätte zahlte Illing 2.125 und Hartmann 1.500 Taler. Beide gründeten in diesem Anwesen eine Werkstatt zur Reparatur und zum Bau von Baumwollspinnmaschinen. Dafür ergänzten sie die technische Basis ihrer Unternehmung mit einer von G. S. Apffel gebauten und einer von Hartmann gefertigten Bohrmaschine. Das zur Firmengründung erforderliche Bürgerrecht und die damit verbundene Geschäftsfähigkeit wurde Hartmann am 24. Juni 1837 erteilt. Dieser Tag gilt gleichzeitig als
Arbeit zitieren:
Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Ing., Dr.-Ing. Wolfgang Piersig, 2009, Der sächsische Lokomotivenkönig, München, GRIN Verlag GmbH
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