Ich möchte mich mit dem Atheismus bei Nietzsche beschäftigen, da ich seine Gedankengänge sehr spannend and seine Argumentation äußerst interessant finde. Vor allem aber mag ich, aus philologischer Sicht, seinen Schreibstil. Auch wenn ich persönlich nicht unbedingt Nietzsches Meinung teile zähle ich mich, aufgrund der von mir eben genannten Gründe, zu den
Ich werde in meiner Arbeit so vorgehen, dass ich zunächst einige Worte zur Person Nietzsches sagen möchte. Anschließend halte ich es für erforderlich, den begriff „Atheismus“ kurz genauer zu erklären. In einem 3. Kapitel möchte ich mich schließlich dem Atheismus bei Nietzsche widmen, wobei ich hier hauptsächlich die von ihm geprägte Parole „Deus est mortuus!“ zugrunde legen möchte. In einem anschließenden Kapitel werde ich dann auf die Vorläufer dieser Parole in der Antike und im Mittelalter eingehen und zum Schluss mein Fazit aus den Untersuchungen ziehen.
1. Zur Person Nietzsches
Friedrich Nietzsche wurde am 15.10.1844 in Röcken bei Lützen, als Sohn einer Pfarrerfamilie geboren. Bereits in seiner Kindheit beschäftigte er sich mit dem christlichen Glauben. Im Jahre 1850 zieht die Familie nach Naumburg um.
1864/65 beginnt Nietzsche ein Theologiestudium und ein Studium der klassischen Philologie in Bonn, wechselt aber nach nur einem Jahr nach Leipzig. Das Entstehen seiner Zweifel am Christentum wurde während seiner privaten Auseinandersetzung mit dessen Lehren und der Quellenkritik des Neuen Testaments noch gefördert.
Nietzsche erhält 1869, aufgrund seiner Veröffentlichungen, seinen Doktorgrad, ohne eine Prüfung abgelegt zu haben. Er wurde daraufhin als außenordentlicher Professor für griechische Sprache und Literatur an die Universität Basel berufen. In dieser Zeit entstand zwischen1869 und1871 seine philosophische Schrift „Die Geburt der Tragödie“, die 1872 veröffentlicht wurde.
Die vier "Unzeitgemäßen Betrachtungen" entstanden zwischen 1873 und 1876. Zu diesem Zeitpunkt litt Nietzsche bereits an einer schweren Erkrankung, die ihn 1879 schließlich dazu zwang, sein Lehramt an der Universität Basel aufzugeben.
Nach dem Tod seiner Mutter zieht Nietzsche im Jahre 1897 bereits geistig umnachtet , mit seiner Schwester nach Weimar in die Villa Silberblick, wo er am 25. August 1900 an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt. stirbt. 1
2. Zum Begriff des Atheismus
Der Begriff „Atheismus“ ist eine neulateinische Bildung aus dem 16. Jahrhundert und kommt eigentlich von dem griechischen atheos, was so viel wie „ohne Gott“, „Gott leugnend“ oder „ohne Gott handelnd“ bedeutet. Der Begriff „Atheismus“ ist über den französischen Begriff athéisme in die deutsche Sprache gekommen, und nahm dabei die Form Atheisterey an. Die Griechen und Römer verwendeten die Bezeichnung a-theos für diejenigen, die nicht an die vom Staat und Volk anerkannten Götter glaubten. Demnach fielen unter diesem Verständnis des Begriffs „Atheismus“ vorerst auch die Christen, bis das Christentum schließlich die vorherigen Götter ablöste und die neue Staatsreligion wurde.
Ganz allgemein bezeichnet der Begriff „Atheismus“ das Verleugnen der Existenz und des Wirkens eines Gottes oder mehrerer Götter. „Atheismus im christlich-kirchlichen Sinn bedeutet die Verleugnung des einen Gottes und seiner Lehre. Wenn man es streng betrachtet, würden nach dieser Definition auch Polytheismus und Pantheismus unter den Atheismus
Es ist zu unterscheiden zwischen dem naiven Atheismus, dem praktischen Atheismus und dem theoretischen, bzw. dem dogmatischen Atheismus.
Der naive Atheismus
Der naive Atheismus kommt selten und auch nur bei den wenigen Völkern vor, welche keinen Begriff des Göttlichen haben.
Der praktische Atheismus
Der praktische Atheismus bedeutet, dass man sich nicht um Gott, bzw. um das Göttliche, kümmert und auch seine angeblichen Forderungen an den Menschen außer Acht lässt. Dies schließt allerdings nicht unbedingt dessen Existenz aus.
1
Das Leben Friedrich Nietzsches, in: Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft. Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1956. S.327-332.
Der theoretische/dogmatische Atheismus
Der theoretische/dogmatische Atheismus ist die bewusste und durch Reflexion begründete Leugnung der Existenz Gottes und die mit ihm verbundenen Lehren seines Verhältnisses zu den Menschen und zur Welt.
2
Es kann also nicht gemeinhin von „dem Atheismus“ gesprochen werden, sondern es gilt zu unterscheiden, welches Denken bei dem betreffenden „Atheisten“ nun vorliegt.
3. Der Atheismus bei Nietzsche
Nietzsche erzählt in der fröhlichen Wissenschaft die Geschichte vom tollen Menschen, die ich an dieser Stelle kurz zitieren möchte.
„Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: ’Ich suche Gott! Ich suche Gott!’ – Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? Sagte der andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? – so schrien und lachten sie durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. ‚Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet - ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Totengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? – auch Götter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! [...] Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?’“ 3
2
Kirchner, Friedrich/Michaelis, Carl (Hrsg.): Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Felix Meiner Verlag 1998. S. 75.
3 Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, III, 125. Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1956.
Arbeit zitieren:
B.A. Janine Sarah Hammelmann, 2008, Deus est mortuus, München, GRIN Verlag GmbH
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