- bei ihren Aufschlägen die jeweils vorgegebenen regulativen „Handicaps“ (tischtennisspezifische Aufschlagregeln) korrekt umsetzen
- ihre Ballkontrolle verbessern, indem sie für ihre relativen Krafteinsätze sowie die Wahrnehmung des Balltreffpunktes sensibilisiert werden
Im kognitiven Bereich sollen die SuS
- durch den eigenständigen Auf- und Abbau der Tische praktische Erfahrungen im korrekten Umgang mit den neuen Spielplatten sammeln
- Kenntnisse über die aktuellen Aufschlagregeln erwerben, indem sie an jeder Station Teilaspekte bzw. offiziell gültige „Handicaps“ (z.B. Ballwurf mindestens 16 cm) kennenlernen und praktisch umsetzen
- diese Regeln in der Reflexionsphase benennen können
- induktiv die vier rückschlagspielspezifischen Erfolgsparameter Geschwindigkeit (Station 1), Präzision (Station 2), Flughöhe (Station 3) und Rotation (Station 4) kennenlernen und benennen, sowie den einzelnen Stationen zuordnen können
Im sozial-affektiven Bereich sollen die SuS
- in Paaren kooperieren und sich gegenseitig helfen, indem sie zu zweit selbsttätig jeweils eine Station aufbauen
- den Leistungsgedanken nicht über das Ideal der Fairness stellen, indem sie sich an die vorgegebenen „Handicaps“ halten sowie auf ihrem selbstständig auszufüllenden Ergebnisbogen nicht mogeln
Einbettung der Stunde in die Unterrichtsreihe:
1. UE: Analyse und Verbesserung des Vorhand- und Rückhand-Topspin anhand des Einsatzes von Schülerdemonstrationen und Partnerkorrekturen
2. UE: Wiederholung und Anwendung des Vorhand- und Rückhand-Konter unter besonderer Berücksichtigung eines selbstverantwortlichen Übungsbetriebes ohne Lehrkraft
3. UE: Erarbeitung invarianter Bewegungsmerkmale des Vorhand- und Rückhand-Block durch den Einsatz von Phasenbildern und einem Lehrvideo
4. UE: Erarbeitung und Anwendung des Vorhand- und Rückhand-Flip in der Grobform anhand von Lehrerdemonstrationen sowie individuellem Balleimertraining
5. UE: Wiederholung und Sicherung des Vorhand- und Rückhand-Schupf unter dem Aspekt der Genese möglichst langer Ballwechsel
Schuljahresabschlussdoppelturnier zur Förderung des sozialen Miteinanders
Didaktisch-methodischer Kommentar:
Diese Unterrichtsreihe wurde - entsprechend den bisherigen Erfahrungswerten für diese Angebotsform des außerunterrichtlichen Schulsports - für eine jahreszeitbedingte Teilnehmerzahl von lediglich 10 bis 12 SuS konzipiert und basiert explizit nicht auf dem schulinternen Curriculum für das Fach Sport, sondern dient gerade der Verbreiterung des inhaltlichen Angebots und damit der Befriedigung spezieller Schülerinteressen, die den Tischtennissport im regulären Sportunterricht am Gymnasium X. (bislang) vermissen. 3 Der Großteil dieser altersheterogenen Klientel (Jgst. 7-11) - dieser auf dem Prinzip der freiwilligen Teilnahme beruhenden Tischtennis-AG - ist daher sehr motiviert, zuverlässig und wissbegierig, aufgrund mangelnder praktischer Erfahrungen (im Schulsport) jedoch technisch bis auf einen Vereinsspieler zumeist noch auf fortgeschrittenem Anfängerniveau.
An einer Aufnahme der Sportart Tischtennis in das schulinterne Curriculum Sport wird nach der Anschaffung
3
drei neuer sowie zwei gebrauchter Platten derzeit in der Fachschaft kontrovers diskutiert.
Daher verzichtete ich bei der Planung dieser Stunde bewusst auf binnendifferenzierende Maßnahmen in Bezug auf unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, sondern wählte einen Aufbau, der konzeptionell so angelegt ist, dass alle Spieler unabhängig ihres technischen Fertigkeitsniveaus gefordert werden. Dabei scheint eine Übungsdauer von lediglich 2 bis 3 Minuten pro Station als sehr gering, dient jedoch dazu, dass alle SuS (möglichst) jede Station durchlaufen können. Zudem entscheidet letztlich nicht die Übungszeit über den Trainingseffekt, sondern die Anzahl an Wiederholungen. Dabei gehe ich von einer durchschnittlichen Versuchszahl pro Station von ca. 30 aus, sodass es ohne langweilig zu werden bei den SuS zu feststellbaren Trainingseffekten kommen sollte. Wichtig war mir dabei - im Hinblick auf die Vermittlung der komplexen tischtennisspezifischen Aufschlagregeln -niemanden koordinativ oder kognitiv zu überfordern. Daher bin ich entsprechend BREHMs Konzept zur Vermittlung offener Fertigkeiten (vgl. BREHM 2003, 60 f.) so vorgegangen, verschiedene Stationen zu konzipieren, an denen sukzessive relativ leichte Einfachanforderungen ohne Gegnerdruck und Ablenkung in Einzelarbeit erlernt und geübt werden, die parallel an zwei weiteren Stationen sowie im abschließenden freien Spiel ganzheitlich angewendet werden sollen. Die Schrittigkeit entspricht hierbei dem methodischen Grundsatz von Einfach-zu Mehrfachanforderungen. Diese
Vereinfachungsstrategie nach dem Prinzip der Verringerung der Programmbreite wurde im Hinblick auf den zweiten Aspekt des Stundenziels, der individuellen Verbesserung der PTRF-Effekte, ebenfalls angewendet. Dies ist methodisch sogar notwendig, da sich praktisch kein Ball bzw. Aufschlag spielen lässt, der alle gewünschten Eigenschaften (maximale Genauigkeit, maximale Geschwindigkeit, minimale Flughöhe sowie maximale Rotation) simultan in sich vereinigt.
Laut TT-WÖRTERBUCH sind dabei folgende Faktoren für den Ballflug verantwortlich: die Geschwindigkeitseigenschaften des Schlägers, die Richtung der Schlagbewegung in Bezug auf das räumliche Plazierungsziel, die Richtung der Schlagbewegung im Hinblick auf die gewünschte Schnittart und die Flughöhe sowie die Schlägerblattstellung (vgl. http://ttgneckarbischofsheim.de/index.php?
option=com_rd_glossary&task=showpart&part=B&Itemid=155 (2007)). Die Ausprägung von „Ballgefühl“ als Zusammenfassung bzw. Endzustand dieser komplexen Anforderungen macht bereits hier den hohen Stellenwert der Pädagogischen Perspektive A 4 im Tischtennis, insbesondere aber für diese Stunde deutlich. Dabei entwickelt sich die Wahrnehmungsfähigkeit an den Aufgaben, die den Sinnen gestellt werden (vgl. MSWWF 1999, XXXI). Diese Aufgaben beziehen sich hierbei auf die Koppelungsfähigkeit (simultane Wurf- und Schlagbewegung), die Anpassungsfähigkeit (unterschiedliche Aufgaben an den Stationen), die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit (Krafteinsätze, Schlägerhaltung) sowie die Koordinationsfähigkeit (Auge-Hand-Koordination). Daneben ist die Pädagogische Perspektive D 5 ebenfalls relevant. Für die leistungsorientierten Teilnehmer dieser Tischtennis-AG ist es dabei - insbesondere bei individuellem Übungsbetrieb - wichtig, ihre Leistungen mit denen anderer vergleichen zu können und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt zu verbessern. In Anbetracht dessen werden die individuellen absoluten Leistungen auf einem Ergebnisbogen dauerhaft und wiederverwendbar festgehalten und mittels eines Punktesystems vergleichbar und relativierbar gemacht. Dieses Vorgehen hat zudem den Vorteil, dass in der anschließenden Reflexionsphase gemeinsame Stärken und Schwächen bezüglich der PTRF-Effekte relativ objektiv herausgestellt werden können. Zudem bieten sich somit praktische Anhaltspunkte für die Konzeption des folgenden Aufschlag-Trainings im nächsten Schlagtechnik-Zyklus nach dem vom WTTB entwickelten Tischtennis-Methodik-Modell, welches tendenziell für einen ambitionierten und regelmäßigen Trainingsbetrieb konzipiert ist und sich aufgrund dessen sehr gut für eine Tischtennis-AG eignet (vgl. LSB NRW 2000, 35 ff.).
Pädagogische Perspektive A: „Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern“. 4
Pädagogische Perspektive D: „Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen“. 5
Quellenangaben:
BREHM, W.: Wie lehrt man offene Fertigkeiten? In: BIELEFELDER SPORTPÄDAGOGEN (Hrsg.): Methoden im Sportunterricht. Schorndorf 3003 4 , 47-63.
LANDESSPORTBUND NORDRHEIN-WESTFALEN E.V. (Hrsg.): Tischtennis. Wiebelsheim 2000.
MSWWF (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/ Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Sport. Frechen 1999.
TTG-Neckarbischofsheim Homepage, ONLINE im WWW unter URL: http://ttgneckarbischofsheim.de/index.php?
option=com_rd_glossary&task=showpart&part=B&Itemid=155 [Zugriff am 18. Mai 2007].
Arbeit zitieren:
Wolfgang Holste, 2007, Unterrichtsstunde: Erarbeitung und Anwendung tischtennisspezifischer Aufschlagregeln unter dem Aspekt des stationsbasierten Übens und Verbesserns der PTRF-Effekte, München, GRIN Verlag GmbH
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