Teillernziele:
TLZ 1: Die SuS sollen für das Problem der (Un-)Vereinbarkeit der Nachfrage- und Angebotstheorie sensibilisiert werden, indem sie eine Karikatur beschreiben und die verfremdeten Stilelemente interpretieren. (AFB I/II)
TLZ 2: Die SuS sollen einen Sachtext kriterienorientiert erschließen, indem sie je nach Neigung in Einzel- oder Partnerarbeit Auszüge der Regierungserklärung auf nachfrage- und angebotsorientierte Instrumente und Ziele hin analysieren. (AFB II) TLZ 3: Die SuS sollen erörtern, inwieweit ein „policy mix“ beider Konzeptionen bzw. ein extremes „Entweder/Oder“ als praktikabel erscheint, indem sie in einer Kugellager-Debatte begründet Stellung beziehen. (AFB III)
Einbettung der Stunde in die Unterrichtsreihe:
1. UE: Wie misst und vergleicht man Wirtschaftskraft?! - Eine „Fishbowl“ zur Sammlung und Bewertung von Indikatoren zur wohlfahrtsökonomischen Gesamtbilanzierung 2. UE: Das BIP - (K)ein gesamtgesellschaftlicher Wohlstandsindikator?! - Zum qualitativen und quantitativen Verhältnis von Berechnung, Verwendung und Verteilung des BIP`s 3. UE: Reales vs. nominales Bruttoinlandsprodukt - Welchen Einfluss hat die Preisentwicklung auf den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand? - Eine soziologische Betrachtung der Entwicklung der Realeinkommen in der BRD
4. UE: Der Konjunkturverlauf - Willkürliches Zick-Zack oder regelmäßiges Auf und Ab?! -Erarbeitung des Konjunkturzyklus anhand der prozentualen Entwicklung des BIP`s 5. UE: Die Entwicklung von Wachstum und Konjunktur - Welche Ursachen führen zu Konjunkturschwankungen?!
6. UE: Dynamik und Krise - Ein unüberwindbarer Gegensatz der Marktwirtschaft?! 7. UE: „Berechnen“ oder „prophezeien“ Ökonomen die wirtschaftliche Zukunft?! -Erarbeitung und Beurteilung von Frühindikatoren anhand eines Planspiels 8. UE: Welche Ziele soll sich die staatliche Wirtschaftspolitik setzen - und welche nicht?! -Eine Lernspirale zu wirtschaftspolitischen Aufgaben der Regierung 9. UE: Das Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft - Wie verpflichtend sind qualitative Zielformulierungen?!
10. UE: Stabilität und Wachstum oder Stabilität oder Wachstum? - (K)Ein „magisches Viereck“?! - Erarbeitung und Beurteilung von Zielkonkurrenzen sowie der derzeitigen (wirtschafts-)politischen Prioritätensetzung
11. UE: Vom magischen Viereck zum magischen Vieleck - Eine Pro-Contra-Debatte über den Sinn und Zweck der Aufnahme des Ziels einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen in das StWG
12. UE: Mit Ökonomie zur Ökologie?! - Zum Verhältnis von Wachstumspolitik und Umweltschutz
13. UE: Wo soll Wirtschaftspolitik (nicht) ansetzen?! - Ein Ökonomie-Entscheidungsspiel zu Leistungen und Fehlleistungen staatlicher Interventionen
14. UE: Adam Smith und der klassische Wirtschaftsliberalismus - Eine Befreiung (und für wen)?!
15. UE: John Maynard Keynes und die Nachfragetheorie - (K)Eine fiskalische Antwort auf (Welt-)Wirtschaftskrisen?!
16. UE: Milton Friedman und der angebotsorientierte Neo-Liberalismus - Ist die Geldmenge die zentrale Steuerungsvariable?!
Rollenspiel zwischen verschiedenen Parteien und Interessenverbänden 19. UE: Klausur
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Didaktisch-methodischer Kommentar:
Diese Unterrichtsreihe wurde entsprechend dem obligatorischen Fachinhalt des schulinternen Curriculums für das erste Quartal der Jahrgangsstufe 12 konzipiert, wobei im Leistungs- als auch im Grundkurs das Inhaltsfeld IV „Wirtschaftspolitik“ des Lehrplanes Sozialwissenschaften (vgl. MSWWF NRW 1999, 23) als übergeordnetes Unterrichtsthema vorgesehen ist. Der zweite Teil der Unterrichtsreihe konzentriert sich dabei bewusst auf die großen Linien der Theorieentwicklung der Wirtschaftswissenschaft und bindet sie jeweils in den historischen Entstehungszusammenhang ein. Der Begriff „Wirtschaftstheorien“ führt jedoch viele Menschen zu Assoziationen, die sie nicht zur Beschäftigung mit diesem Thema anregen. Doch hinter der etwas spröden Fassade des Begriffs stecken - mehr denn je -Modelle, die einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Welt genommen haben und nehmen und deren Anregungen unser alltägliches Leben daher in ungeahnter Weise beeinflussen.
Um den SuS die aktuelle praktische Relevanz dieser historisch-theoretischen Konzepte nahe zu bringen, bin ich so vorgegangen, die Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Merkel auf wesentliche Punkte zu kürzen, die von den SuS unter dem Aspekt der Nachfrage- oder Angebotsorientierung analysiert werden. Die aus dem Jahre 2005 stammende Mitschrift entspricht dabei in besonderer Weise dem Aktualitätsprinzip, da die darin skizzierten Maßnahmen zumeist noch in dieser Legislaturperiode in die Praxis umgesetzt werden und daher gerade die mittlerweile (bundestags-)wahlberechtigten sowie in naher Zukunft in die Arbeitswelt eintretenden SuS der Jahrgangsstufe 12 betreffen. Insofern gehe ich davon aus, dass sich dieser Bezug zur Lebenswelt der SuS nach dem didaktischen Prinzip der Kontextorientierung positiv auf die Motivation des ohnehin sehr lernwilligen und leistungsstarken Kurses auswirkt. Dazu dient ebenfalls der Impuls über eine Karikatur, deren didaktisches Potenzial aus den Anstößen resultiert, die notwendigerweise weitergedacht werden müssen, und so den problemorientierten Einstieg in die systematische Analyse eröffnen (vgl. KUHN 2004, 27).
Diese Analyse ermöglicht es nicht nur, den aktuellen Stellenwert beider Theorien in der bundesdeutschen (Regierungs-)Politik begründet einzuschätzen, sondern dient ebenfalls als Indikator, ob und inwieweit die SuS in der Lage sind, zwischen diesen beiden in den vorherigen Unterrichtseinheiten erarbeiteten Ansätzen zu differenzieren. Um diese für den weiteren Stundenverlauf unerlässliche Fähigkeit zu gewährleisten, können die SuS bei der Erarbeitung zum einen auf ihre Hausaufgabenergebnisse zurückgreifen und sich zum anderen bei inhaltlichen Unklarheiten mit ihren freiwilligen PartnerInnen verständigen. Bei der Zuordnung der einzelnen Ziele zu den beiden auch in der Wirtschaftspolitik kontrovers diskutierten Grundkonzeptionen - die sich daher für einen problemorientierten und diskursiven (Sozialwissenschafts-) Unterricht geradezu idealtypisch eignen - erwarte ich jedoch in Anbetracht des hohen Anspruchsniveaus, dass sich die SuS bei der Differenzierung der z.T. nicht trennscharfen Maßnahmen sehr schwer tun. Um diese antizipierten Unklarheiten angemessen zu klären, werden in der folgenden Sicherungsphase die Ergebnisse der SuS tabellarisch zugeordnet und erläutert. Dazu bietet es sich an, mittig eine dritte Spalte für diejenigen Ziele freizulassen, die sowohl der Angebots- als auch der Nachfrageseite zugeordnet werden können. Als Ergebnis sollte für die SuS ersichtlich sein, dass die Mehrzahl der Maßnahmen auf die Förderung der Angebotsseite abzielen, jedoch auch einige Instrumente auf eine Verbesserung der Kaufkraft der Arbeitnehmer. Für die übergeordnete Problemstellung bedeutet dies, dass beide Theorien in Folge ihrer unterschiedlichen Akzentsetzung im Wesen zwar unvereinbar sind, eine allzu einseitige Ausrichtung jedoch nicht zweckmäßig ist, da sich die Ursachenskala wirtschaftlicher Schwankungen nicht einseitig auf die Angebots- oder Nachfrageseite beschränken lässt, was letztlich den durch die SuS nachgewiesenen praktischen „policy mix“ erfordert. Dieser Zusammenhang dient dabei sowohl als kontroverser Aufhänger, als auch als inhaltliches Lernziel für die anschließende Vertiefung. Daneben kommt es mir in dieser Phase verstärkt darauf an, dass die SuS untereinander ins Gespräch finden und ohne große
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Lehrerlenkung zielgerichtet und kontrovers diskutieren sowie nach dem dritten Beutelsbacher Konsenssatz (vgl. MSWF NRW 2001, 26) entsprechend ihrer eigenen Interessenlage beurteilen. Zu diesem Zweck und in Anbetracht der geringen Kursgröße von nur 16 SuS eignet sich das Kugellager-Verfahren. Dabei haben insbesondere die in Unterrichtsgesprächen z.T. sehr stillen und zurückhaltenden Mädchen des Kurses die Möglichkeit, sich stärker in das Unterrichtsgeschehen einzubringen. Diese auf eine „diskursive und dialogische Verständigung“ (WEISSENO 2004, 51) ausgelegte Aktionsform fördert zudem die im Lehrplan formulierte Fähigkeit und Bereitschaft, sich selbstständig und kreativ, engagiert und konsequent mit unterschiedlichen Theorien und Erklärungsversuchen auseinander zu setzen (vgl. MSWWF NRW 1999, 8). Der Kugellager-Diskussion, bei der die SuS abwechselnd reden und zuhören, kommt daher die Funktion eines Ortes „gemeinsamen Problemlösens und diskursiver Verständigung“ (MASSING 2005, 502) zu, was letztlich ESCHENBURGs Zielvorstellung eines oberstufengemäßen Sozialwissenschaftsunterrichts entspricht, durch den die SuS „reflektierte Zuschauer“ werden sollen, die politische und ökonomische Vorgänge selbstständig untersuchen und beurteilen können (vgl. BREIT/ WEISSENO 2004, 53).
Quellenangaben:
BREIT, G./ WEISSENO, G: Planung des Politikunterrichts. Eine Einführung. Schwalbach 2004 2 . KUHN, H.-W.: Karikaturen. In: S. FRECH/ H.-W. KUHN/ P. MASSING (Hrsg.): Methodentraining für den Politikunterricht. Schwalbach 2004, 23-36.
MASSING, P.: In Gesprächen lernen: Gesprächsformen in der politischen Bildung. In: W. SANDER (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. Schwalbach 2005, 498-508. MSWF NRW (Hrsg.): Rahmenvorgabe Politische Bildung. Frechen 2001. MSWWF NRW (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/ Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen - Sozialwissenschaften. Frechen 1999. STÄDTISCHES GYMNASIUM Y. (Hrsg.): Schulcurriculum Sekundarstufe II -Sozialwissenschaften. WEISSENO, G.: Gespräche führen im Politikunterricht. In: S. FRECH/ H.-W. KUHN/ P. MASSING (Hrsg.): Methodentraining für den Politikunterricht. Schwalbach 2004, 49-67.
Anlagen:
- Karikatur
- Regierungserklärung „Lasst uns mehr Freiheit wagen“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 30. November 2005 (Auszüge)
Erklärung:
Ich versichere, dass ich die Unterrichtsplanung selbstständig verfasst, dass ich keine anderen Quellen und Hilfsmittel als die angegebenen benutzt und die Stellen der Unterrichtsplanung, die ich anderen Werken im Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen habe, in jedem Fall unter Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht habe.
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Arbeit zitieren:
Wolfgang Holste, 2007, Unterrichtsstunde: Keynes und Friedman – (K)Ein Widerspruch?!, München, GRIN Verlag GmbH
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