- anhand eines Lernarrangements situationsangemessen den Vorhand- und Rückhand-Flugball üben und die Bewegungsausführung über Partnerkorrekturen verbessern
Im kognitiven Bereich sollen die SuS
- durch das provozierte Vorrücken ins Halbfeld erkennen, dass es eine praktikable Möglichkeit ist, den darauffolgenden Ball direkt aus der Luft zu spielen, was den Einsatz einer ihnen bislang unbekannten neuen (Schlag-)Technik (Flugball) erfordert - die verschiedenen (Haupt-)Funktionsphasen des Flugballes unterscheiden und benennen können, indem sie die einzelnen Teile eines Phasenbildes ihrer zeitlichen Abfolge nach ordnen und erklären - Fehler im Bewegungsvollzug erkennen und benennen können
Im sozial-affektiven Bereich sollen die SuS
- in Paaren kooperieren und sich gegenseitig beobachten und gegebenenfalls korrigieren, indem sie entsprechend ihrem individuellen Leistungsvermögen zu zweit selbsttätig unterschiedlich anspruchsvolle Übungen auswählen und erproben - Bewegungskorrekturen ihrer MitschülerInnen annehmen können - Bewegungsfreude in spielnahen Situationen entwickeln und diese Übungen entsprechend ihren Interessen und Fähigkeiten variieren
Einbettung der Stunde in die Unterrichtsreihe:
1./2. Std.: Tennisball und Tennisschläger - Freund oder Feind?! Erarbeitung kleiner Übungs- und Spielformen zur Verbesserung der tennisspezifischen koordinations-und Wahrnehmungsfähigkeit unter dem Aspekt des Kooperativen Lernens in Kleingruppen
3./4. Std.: Nur richtiges Üben macht den Meister! Wiederholung elementarer Schlagtechniken für die Vor- und Rückhand unter dem Aspekt der kriteriengeleiteten Partnerbeobachtung (Schwerpunk Balltreffpunkt) sowie des Einsatzes akustischer Bewegungshilfen
Schlagtechniken unter dem Aspekt variierender Druckbedingungen sowie des Einsatzes von Videoanalysen zur Überprüfung der Selbstwahrnehmung 9./10. Std.: Gemeinsam kooperieren, gegeneinander spielen! Selbstständige Planung,
Didaktisch-methodischer Kommentar:
Der Inhaltsbereich „Spielen in und mit Regelstrukturen - Sportspiele“ ist von den SuS dieses Kurses in der Qualifikationsphase als profilbildendes Bewegungsfeld gewählt worden. Bereits zu Beginn der Jahrgangsstufe 12 wurde unter dem dazugehörigen Gegenstandsbereich der Partnerspiele nach dem Wunsch der SuS das Rückschlagspiel Tennis thematisiert. Diese Unterrichtsreihe mit dem Thema „Verbesserung der spielerisch-taktischen Handlungsfähigkeit im Tennis unter dem Aspekt der selbstständigen Erarbeitung und Anwendung taktisch angemessener Handlungsmuster im Einzel“ knüpft explizit an diese Vorerfahrungen und die bestehende Interessenlage der SuS an. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Mehrzahl der KursteilnehmerInnen in der Zwischenzeit keine tennisspezifischen Spielerfahrungen gesammelt haben. Bis auf zwei (ehemalige) Vereinsspielerinnen sowie einige talentierte
BallsportlerInnen befindet sich das Leistungsvermögen des Großteils dieses Kurses daher bereits wieder auf Anfängerniveau.
Im Hinblick auf die Konzeption dieser Reihe erschien es mir daher wichtig, zu Anfang die drei elementaren tennisspezifischen Grundschläge zu wiederholen, um einerseits das Gefühl für Ball und Schläger, sowie andererseits die Entwicklung von Spielfähigkeit neu zu fördern bzw. zu entwickeln. Der Flugball stellt neben dem Vorhand- und Rückhand-Schlag die dritte Grundschlagart dar, die zusammen eine elementare Grundeinheit in der Anfängerschulung darstellen (vgl. DEUTSCHER TENNIS BUND 1996, 46). Diese Schlagtechnik wurde jedoch noch nicht in dem vorherigen Unterrichtsvorhaben eingeführt, sodass das Stundenziel praktisch einem Neuerwerb eines motorischen Programmes entspricht (vgl. ROTH 2003, 29 f.), wobei durch die ungewohnte Position im Vorderfeld nach BREHM der Anforderderungskategorie der „situativen Neuigkeit“ entsprochen wird, die bei dem Vermittlungserfolg offener Fertigkeiten mitentscheidend ist (vgl. BREHM 2003, 50 f.). In der Phase der Adoleszenz herrschen dabei günstige Voraussetzungen für derartig anspruchsvolle koordinative Anforderungen und motorische Lernprozesse durch eine allgemeine Normalisierung der Körperproportionen (vgl. DEUTSCHER TENNIS BUND 1996, 23). Die Vermittlungsmethode entspricht dabei einer technikorientierten Konzeption nach der Ganzheitsmethode. Durch ein oberstufengemäßes, induktives Vorgehen werden zudem insbesondere soziale Lernziele wie Selbstständigkeit, Kreativität und Einsicht beim Neuerwerb einer Technik gefördert (vgl. ebd., 29). Zudem motiviert diese Art des problemorientierten Vorgehens die in der Jahrgangsstufe 13 oft „bewegungsmüden“ SuS zum Üben und zum selbstständigen Nachdenken. Lernvorgänge können und sollten in der Adoleszenz dabei auch auf gedanklicher Ebene unterstützt werden. Dazu dient insbesondere die Hinführung, in der die SuS verschiedene taktische Möglichkeiten gegenüberstellen und den Flugball in Verbindung mit dem Vorrücken zum Netz als eine praktikable Alternative benennen sollen.
Im Hinblick auf die sinnleitende Pädagogische Perspektive E, „Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen“ weisen die Richtlinien und Lehrpläne Sport für die Sek. II als ein wichtiges Lernziel aus, dass die SuS lernen sollen, das soziale Miteinander in den typischen Situationen des Sports zunehmend selbstständig und verantwortungsvoll zu regeln. Anlässe dafür bieten alle sportlichen Aufgaben, die durch gemeinsames Handeln zu lösen sind. Dieses betrifft insbesondere „die gegenseitige Beratung und Hilfe beim Lernen, Üben und Trainieren“ (RAHMENVORGABEN FÜR DEN SCHULSPORT 1999, XXXV). Insofern habe ich bei der Planung dieser Unterrichtseinheit Wert darauf gelegt, die (wenigen) erfahrenen SuS entsprechend ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen mit einzubeziehen. Dazu zählen u.a. Tätigkeiten als sichere Zuspieler, wie auch als „Hilfslehrer“ bei notwendigen Bewegungskorrekturen z.B. bei dem ersten Schlag aus dem Halbfeld in der Erkundungsphase. Diese ist bewusst zeitlich sehr eng begrenzt, da für die SuS bereits nach wenigen Wiederholungen klar sein dürfte, welche Handlungsalternativen ihnen nach einem provozierten bzw. erzwungenen Vorrücken ins Halbfeld offen stehen (1. Zurück zur Grundlinie; 2. Erwartungshaltung im Halbfeld einnehmen; 3. Vorrücken zum Netz, um den folgenden Ball direkt zu retournieren). Dabei gehe ich davon aus, dass alle drei Optionen von den SuS gewählt werden. Im Vordergrund steht hierbei die Schulung spezifischer Wahrnehmungs-, Handlungs- und Entscheidungsmuster einschließlich der hierzu erforderlichen technischen Fertigkeiten und taktischen Fähigkeiten. Gegenseitiges Verständigen und soziale Kompetenz werden auch dadurch gefördert, dass sich die Lerngruppe ihrer Leistungsvoraussetzungen und Bedürfnisse bewusst wird. Um dieses Verständnis zu fördern, war es mir wichtig, in der Übungsphase ein Lernarrangement zu konzipieren, in welchem es den SuS freigestellt ist, für welche Übungen sie sich entscheiden und wie sie diese entsprechend ihren Neigungen und Leistungsvoraussetzungen variieren. Zudem sollten durch diese freie Wahl des Schwierigkeitsgrades bei derart heterogenen technischen Fähigkeiten der Lerngruppe Unter- und Überforderungen weitestgehend ausgeschlossen werden können.
Arbeit zitieren:
Wolfgang Holste, 2007, Verbesserung der spielerisch-taktischen Handlungsfähigkeit im Tennis unter dem Aspekt der selbstständigen Erarbeitung und Anwendung taktisch angemessener Handlungsmuster im Einzel, München, GRIN Verlag GmbH
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