Der erste Teil der Betrachtungen zur Netzästhetik bezieht sich auf den Oberpunkt der Partizipation im Kontext der MM-Dramaturgie.
Es wird die Vernetzungsatmosphäre auf sozialer Ebene des Internets betrachtet. Laut Frau Heibach ist die Vernetzungsatmosphäre des Internets ein wesentlicher, ja konstitutiver Aspekt des Internets.
„Die Vernetzungssphäre ist diejenige, die als wirklich konstitutiv für das Internet zu betrachten ist[…]“ 1
Dieses Zitat unterstreicht die Einzigartigkeit des Internets in Bezug auf die Möglichkeiten der Partizipation, welche durch die Vernetzungsatmosphäre des Internets bereit gestellt wird. Frau Heibach führt als einfachste Form der Beteiligung im Internet die Einladungen zu Feedback und Diskussion an.
„Die einfachste Form, die Beteiligung herausfordert, sind die auf kaum einer künstlerischen Webseite fehlenden Einladungen zu Feedback und Diskussion.“ 2
Um diese einfache Form der Beteiligung zu erzeugen stehen diverse Möglichkeiten zur Verfügung.
Hier sind die sog. Gästebücher, Foren und Feedback-Formulare zu nennen. All diese genannten Möglichkeiten zeichnen sich durch ihre Einfachheit aus. Beinahe jede Website bietet eines dieser einfachen Instrumente zur Kommunikation und Beteiligung an. Im Folgenden werden Projekte im Internet in Anlehnung an Frau Heibachs Werk „Literatur im Internet: Theorie und Praxis einer kooperativen Ästhetik“ in vier Kategorien unterschieden.
1 Christiane Heibach - Literatur im Internet: Theorie und Praxis einer kooperativen Ästhetik - S. 301.
2 Christiane Heibach - Literatur im Internet: Theorie und Praxis einer kooperativen Ästhetik - S. 319.
Seite 3
Unterscheidung von Internetprojekten anhand ihrer Partizipationsmöglichkeiten nach Heibach 3 :
1. Kontrolliert-partizipative Projektnetze
2. Mitschreibeprojekte
3. Partizipative Kommunikationsumgebungen
4. Infrastruktur bildende Projekte
Bei dieser Einteilung ist der Grad der Partizipation von Punkt eins nach Punkt vier steigend. Das heißt, während der Grad der Beteiligung bei kontrolliert partizipativen Projektnetzen noch relativ gering ist , ist der hohe Grad der Partizipation für Infrastruktur bildende Projekte geradezu zwingend.
Die Gründe hierfür werden in den nachfolgenden Ausführungen noch deutlich. Die Einordnung der verschiedenen Projekte in diese Kategorien gestaltet sich von Fall zu Fall unterschiedlich schwierig. In machen Fällen sind die Übergänge fließend.
Betrachten wir nun die genannten Projekteinteilungen genauer.
Grundsätzlich werden „kontrolliert-partizipative Projektnetze“ von einer Person oder Gruppe zu einem Themenprojekt initiiert.
Kontrolliert deswegen, weil die Initiierende Person oder Gruppe eine administrative Rolle als Moderator oder als Redaktion einnimmt.
„Kontrolliert sind diese Projekte deswegen, weil die Initiatoren dabei die Position einer Redaktion einnehmen […]“ 4
3 Vgl. Christiane Heibach - Literatur im Internet: Theorie und Praxis einer kooperativen Ästhetik - S. 320ff.
4 Christiane Heibach - Literatur im Internet: Theorie und Praxis einer kooperativen Ästhetik - S. 320.
Seite 4
Die durch zahlreiche Autoren beigesteuerten Beiträge werden, dann in eine Netzstruktur überführt. Welche Beiträge in diese Netzstruktur aufgenommen werden wird jeweils von der Gruppe oder Person entschieden die das „Kontrolliert partizipative Projektnetz“ initiiert haben.
„Kontrolliert-partizipative Projektnetze sind Projekte, zu denen jeder Autor eigene Beiträge beisteuern kann. Diese Beiträge werden dann hierarchisch oder durch Netzstruktur miteinander verknüpft. Sie werden zum Teil des Projekts, können aber auch für sich alleine stehen.“ 5
Ein schon etwas älteres Beispiel für ein „Kontrolliert partizipatives Projektnetz“ ist die Erinnerungsuhr von Guido Grigants.
5 Vgl. Matthias Franz - Literatur im Internet: Literatur im Netz, Computerliteratur, Netzliteratur
Seite 5
Diese Erinnerungsuhr kann als kollektives Gedächtnis verstanden werden. Über einen festgelegten Zeitraum, unterschieden in sog. Phasen, können Internet-Benutzer ihre Erinnerungen an den Seitenbetreiber schicken. Wichtig ist, dass sich diese Erinnerung auf einen bestimmten Zeitpunkt bezieht. Im Laufe dieses Projekts werden dann zu verschiedenen Zeitpunkten der Vergangenheit des relevanten Zeitraums Erinnerungen gesammelt. Die verschiedenen Geschichten und Emotionen der Internet-Benutzer ergeben dann eine Art Chronik. Die Dramaturgie entsteht durch die vielen verschiedenen Sichtweisen der Mitschreiber.
Kontrolliert partizipativ insoweit, als das der Initiator der Erinnerungsuhr entscheidet welche Beiträge aufgenommen werden und welche nicht.
Weitere Formen partizipativer Projektnetze sind das „Generationenprojekt“ 6 und „Textropolis“ 7 .
Das Generationenprojekt funktioniert ähnlich wie die Erinnerungsuhr, nur werden hier die Erinnerungen einer Jahreszahl zugeordnet. Begonnen mit 1918 werden Erinnerungen der Nutzer bis zum Jahr 2000 gesammelt. Es kommt vor, dass in manchen Jahren viele Texte verfasst werden, für andere Jahre gar keine. Dieses Projekt ist mittlerweile zehn Jahre alt.
Textropolis versteht sich als literarische Landkarte. Internet-Benutzer können Texte zugehörig zu Orten einstellen. Der Besucher der Website kann sich dann die Texte nach Bundesländern und Orten geordnet ansehen. Auf diesem Weg entsteht eine literarische Landkarte Deutschlands.
6 http://www.generationenprojekt.de/
7 http://www.netz-kasten.de/textropolis/
Seite 6
Arbeit zitieren:
B.Eng. Jan Dittrich, 2008, Netzästhetik: Partizipation und Transmedialität im Kontext der Multimedialen Dramaturgie, München, GRIN Verlag GmbH
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