Inhaltsverzeichnis
1. Perspektiven der Erforschung des Dialogs zwischen Alt und Jung 3
1.1 “Communication predicament of aging Model (Ryan, Giles, Bartolucci, Henwood,
1986) 3
2. Alterzeichen in der Sprachproduktion und -Rezeption. 4
3. Wahrnehmungen älterer “echter Sprecher 5
4. Gedächtnis, Wortschatz und Sprache 5
5. Strategien sprachlicher Anpassung von Jung und Alt 6
5.1 Kommunikationsverhalten jüngerer Menschen im Dialog mit Älteren. 6
Sprachliche Anpassungen Jüngerer in experimentellen Studien. 6
Strategien der Anpassung jüngerer an ältere Gesprächspartner 8
5.2 Kommunikationsmuster und Strategien älterer Menschen 9
6. Kommunikationsmuster innerhalb von Institutionen 11
6.1 Determinanten institutioneller Sprech- und Kommunikationsmuster 12
7. Bewertung der Effekte des Kommunikationsverhaltens jüngerer Menschen
gegen über älteren 13
Literaturverzeichnis : 16
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1. Perspektiven der Erforschung des Dialogs zwischen Alt und Jung
Zum Thema “Der Dialog zwischen Jung und Alt” gibt es drei, einander ergänzende Forschungsrichtungen. Die Erste befasst sich mit der Frage, inwieweit sich ältere Menschen in Bezug auf Sprache, Sprechverhalten und nonverbale Kommunikation zu Jüngeren unterscheiden. Um das herauszufinden, werden Altersunterschiede in sprachlichen Aufgaben geprüft, auf Wort und Satzebene, aber auch längere Sprachäußerungen (z. B. Nacherzählungen). Aus dieser Perspektive sind Verständigungsprobleme zwischen jungen und alten Menschen die Folge von Defiziten älterer Menschen in Informationsverarbeitung; ältere Menschen verfügen hiernach über geringere kognitive Ressourcen für Aufnahme und Verarbeitung von Informationen.
Die zweite Forschungshypothese betont den Einfluss des negativen Altersstereotyps. Es wird untersucht welche stereotypen Annahmen bei jüngeren über ältere Menschen bestehen, und wie sie sich auf das Sprachverhalten auswirken. Dadurch konnten spezifische Sprechmuster im Umgang mit älteren Menschen identifiziert werden, auf die später noch eingegangen wird. Neue Forschungsarbeiten betonen, Kommunikation sei ein dynamisches Geschehen, bei dem sich beide Interaktionspartner wechselseitig beeinflussen. Sprachliche Äußerungen sind demnach bedingt durch Merkmale des Sprechers, des Gesprächspartners und der äußeren Situation. Dabei spielen situative Wahrnehmungen, ebenso wie stereotype Annahmen eine Rolle.
1.1 “Communication predicament of aging Model” (Ryan, Giles, Bartolucci, Henwood, 1986) Das “Communication predicament of aging Model” ist das Model eines „altersbezogenes Kommunikationsdilemmas.“ Es versucht abzubilden, wie das Altersstereotyp und misslungene kommunikative Anpassungsversuche Jüngerer einen “Teufelskreis” in Gang setzen, der den Dialog zwischen Jung und Alt nachhaltig beeinträchtigt. Die Basis hierfür ist die Kommunikations-Akkomodationstheorie (Giles & Coupland 1984, 1991) die besagt dass entweder Konvergenz - Angleichung der Sprache bei positiver Wertschätzung - oder Sprachdivergenz - gewünschte Distanzierung vom Gegenüber- in Gesprächssituationen eintritt.
Der Ausgangspunkt für den Teufelskreis der Kommunikation zwischen Jung und Alt ist die erste Begegnung bei der “Alterszeichen” von jüngeren wahrgenommen werden und die Zuordnung in die Kategorie “Alter Mensch” geschieht.
Dann werden stereotype Zuschreibung von Kommunikationsproblemen gemacht und es
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kommt zur Anpassung des Sprachverhaltens (Überanpassung) durch den jüngeren Gesprächspartner. Der jüngere Mensch kontrolliert den Gesprächsverlauf, wodurch der älteren Person wenig Raum zur Mitgestaltung der Interaktion bleibt. Es kommt zu einer negativen Beeinflussung des Selbstbildes des Älteren durch Kontrollverlust und der Empfindung von “Inkompetenz” oder “Hilfsbedürftigkeit”. Es folgt die Selbstdefinition als “Alt” und das Vertrauen in eigene Fähigkeiten geht verloren.
Der alte Mensch zieht sich aus sozialen Kontakten zurück, unabhängig davon ob es sich um Alte oder Junge Menschen handelt. Dadurch kann er seine kommunikativen Fähigkeiten weniger schulen und der physische und psychische Alterungsprozess wird beschleunigt, es kommt zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung, der Teufelskreis ist in Gange. An diesem Model wurde aber auch Kritik geübt, da es sehr pauschal von der grundsätzlich negativen Stereotypisierung älterer ausgeht, außerdem wurde die Studie vor allem mit Pflegepersonal durchgeführt und kann damit nicht eins zu eins auf die natürliche Umgebung übertragen werden.
Es gibt noch weitere Forschungsergebnisse von Margret Baltes und Hans - Werner Wahl, zum Prozess der “gelernten Abhängigkeit”, auf die hier aber aus Platzgründen nicht eingegangen werden kann.
2. Alterzeichen in der Sprachproduktion und -Rezeption 1. Alterszeichen im nonverbalen Verhalten
Der mimische Ausdruck älterer Menschen ist durch die Veränderung der Haut und der Muskulatur schwerer zu interpretieren. 2. Alterszeichen im paraverbalen Verhalten
Im Alter kommt es zu einer Veränderung der Stimme die Frauen weniger betrifft als Männer. Die Stimmhöhe nimmt bei Männern ab 65 Lj. zu, und der Bereich zwischen den höchsten und niedrigsten Tonsequenzen wird kleiner. Es kommt zu Frequenzschwankungen, geringerer Lautstärke (außer bei manchen Schwerhörigen), Verringerung der Sprechgeschwindigkeit, Zunahme von Pausen und Unterbrechungen im Wortfluss (kann durch langsameres Sprechen kompensiert werden), Wiederholung von Wörtern bzw. Satzteilen, dysrhythmische Sprechweise und weniger präzise Artikulation.
Die physiologischen und psychologischen Gründe dafür sind vielseitig und würden in ihrer vollen Ausführung diesen Rahmen sprengen, deshalb möchte ich nur einige nennen: Zu den körperlichen Veränderungen zählt die Veränderung der Kontrolle des Kehlkopfes und zum
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Beispiel eine verminderte Testosteronproduktion. Im psychischen Bereich ist eine Erhöhung von psychischer Anspannung und Ängstlichkeit zu erkennen. Man hat herausgefunden, dass ältere Frauen mit mehr Lebenszufriedenheit und sozialer Einbindung eine tiefere Stimme haben als Frauen mit geringer Zufriedenheit.
3. Wahrnehmungen älterer “echter” Sprecher
Weiterführend gibt es Untersuchungen dazu, welchen Einfluss das Alter eines Sprechers auf Wahrnehmung und Verarbeitung der von ihm übermittelten Informationen hat. Dazu sollten studentische Probanden sich Tonbänder mit Sprechern verschiedenen Alters anhören und bewerten. Ryan und Capadano (1978) fanden heraus: Ältere Sprecherinnen werden deutlich häufiger als zurückhaltend, unflexibel, passiv und unaufgeschlossen eingeschätzt als jüngere. Ältere Männer schätzten die Probanden häufig als weniger flexibel im Gegensatz zu jüngeren ein.
In einer weiteren Untersuchung (Giles et. al, 1992) hörten die Probanden Interviews in denen ältere und jüngere Personen zu einem Unfall befragt werden. Den Jüngeren schrieb man ein größeres Bewusstsein für den Schaden zu, während ältere als verwirrt, ungenau und weitschweifig charakterisiert wurden.
4. Gedächtnis, Wortschatz und Sprache
Viele Veränderungen die Zeichen für normalen altern sind, können keinesfalls pauschal als Hinweise für beeinträchtigte kommunikative Kompetenz interpretiert werden. Es konnte in Studien gefunden werden, dass alte und junge Menschen offenbar eine vergleichbare Organisation des “mentalen Lexikons” aufweisen (Gedächtnisbereich für Wortschatz) (Kemper, 1992; McKay & Abrams, 1996; Tun & Wingfield, 1997; Kemper & Kemtes, 1999). Manchmal erbrachten die älteren sogar bessere Leistungen bei Worterkennungsaufgaben als jüngere Probanden. Auch die Sprachrezeption ist nicht schlechter als bei jungen Menschen. Altersdifferenzen wurden besonders dann verzeichnet, wenn erhöhte Anforderungen in der Situation (Lärm, schnelle Sprechweise oder zu viele Infos auf einmal) auftraten. In diesen Situationen sind paraverbale Zeichen für alte Menschen besonders wichtig. Bei guter Betonung können sie sich mehr merken, als wenn die Betonung nicht zum Text passt (Kemper, 1992; McKay & Abrams, 1996).
Oft können ältere Menschen aus Betonung schon Sinn des Satzes schließen (besonders wichtig bei Schwerhörigkeit). Bei der Sprachproduktion haben sie häufiger Schwierigkeiten, bestimmte Wörter aus dem Gedächtnis abzurufen (kommt häufiger vor, dass ihnen ein Wort
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Arbeit zitieren:
Ingrid Haase, 2004, Kommunikation zwischen Jung und Alt, München, GRIN Verlag GmbH
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